Bild: Frack eines Soldaten eines Schweizerregiments in französischen Diensten, um 1770

05.1-2012 Murtenstellung 1940 – 1944

12.05.2012 - 12.05.2012

 

Jürg Keller, Verfasser der GMS Jahresschrift 2010 „Das 1. Armeekorps im Aktivdienst 1939-1945“ macht den Inhalt seiner Schrift zum Reisethema. Während eines Tages führt er Sie durch Kampfstellungen und Dispositive.

 

Nach dem Ende des Frankreichfeldzuges im Sommer 1940 verfolgte die Armeeführung im Norden und Westen unseres Landes einen Drei-Treffen-Entschluss: Grenzbrigaden – Vorgeschobene Stellung – Reduit. Die vorgeschobene Linie führte vom Zürichsee her durch den Jura an den Neuenburgersee und weiter ins Reduit. Die Murtenstellung bildete den nordwestlichen Angelpunkt dieser Stellung und hatte im Drei-Seen-Land den Juraraum mit dem Lauf der Saane operativ zu verbinden.

Nachdem ein Jahr später die vorgeschobene Stellung aufgegeben wurde, kam die Murtenstellung grossteils in den Verzögerungsraum zu liegen und damit zum Kommandobereich der Leichten Briagde 1.

Auch während der Zeit des Kalten Krieges verlor der Raum Murten nicht an Bedeutung. So wurde noch 1987 zum Besetzen der im Aktivdienst erstellten Anlagen eine Werk Kp aufgestellt.

Programm

08.45  Besammlung Bahnhof Neuchâtel

09.00  Zustieg der mit dem Privatwagen angereisten Teilnehmer beim Parkplatz des Restaurant Pont de Thielle (Seite Kanton Bern bei der Zihlbrücke)

Fahrt mit Bus nach Liebistorf FR. Einführung in einem Restaurant bei Kaffee/Gipfeli. Besichtigung der Sperrstellen Mühle Gurmels: Stützpunkt Biberenächer aus der Zeit der Grenzbesetzung 1914/18 integriert in Sperrstelle 1940/41. Besichtigung der Sperrstelle Löwenberg. Anlagen Aktivdienst 1939/45 erweitert mit ASU’s und Centurion Bunker

12.15  Mittagessen in Sugiez

Besichtigung Reduit du Vully aus der Zeit 1914/18. Fahrt entlang der Sperrstellen von Vallamand bis Champmartin. Besichtigung der Anlage Holenreben 1914/18 und Blick auf die Sperrstelle Gampelen 1940/44. Weiterfahrt entlang der Brückensicherung St. Johannsen

17.00  ca. Ankunft Bahnhof Neuchâtel CFF

Reiseleitung

Jürg Keller, Brigadier aD, Sugiez

 

Stefan Gubler’s Fotogallerie

 

 

Günther Reiss‘ Reisebericht

Murtenstellung 1940-1944

Eine interessierte Schar GMS-Mitglieder versammelte sich beim Bahnhof Neuenburg, wo der Car wartete, zur Fahrt nach Liebisdorf FR. Im dortigen Restaurant „Sternen“ erwarteten uns Kaffee und Gipfeli, dazu stellte uns Reiseleiter Brigadier aD Jürg Keller, zusätzlich zur instruktiven, reich bebilderten Dokumentation, mit einer Powerpoint- Präsentation das Murtenbiet vor: als einen operativen Raum mit zwei Sprachen, drei Seen, vier Kantonen und ca. 13 Sperrstellen mit über hundert Anlagen. Militärische Schlüsselräume sind durch die Topografie gegeben, wie dieser zwischen Jura und Saane gelegene, mit drei Seen, zwei Flüssen und verschiedenen Verkehrsachsen. Nach der Einführung in die militärische Geschichte dieses Raumes verschoben wir uns zu den Sperrstellen Mühle Gurmels, deren Panzergraben in der Mitte den Kehlgraben des Stützpunktes Biberenächer von 1914–18 einschliesst, jeweils rechts und links gesichert durch einen schweren Bunker mit Pak, MG und Beobachter, die wiederum durch einen flankierenden MG Bunker gesichert waren. Die Unentwegten nahmen den Marsch durch die ganze Stellung unter die Füsse.

Die nächste Etappe war die Besichtigung der Werke auf dem Löwenberg bei Murten, welchedie dortige Höckersperre deckten. Der grosse Bunker wird durch einen sechseckigen Lmg Bunker gedeckt, eine Spezialität der Murtenstellung. Entlang der Strasse wird die Stellung durch ein MG flankiert, das in die Scheune des ehemaligen Rougemont-Gutes eingebaut war. In den 90-er Jahren wurde die Sperre durch einen Centurion Bunker verstärkt, dessen Besichtigung auf reges Interesse stiess.

Als Nächstes entführte uns der Car nach Sugiez ins Hôtel de l’Ours, wo wir ein ausgezeichnetes Mittagessen in kameradschaftlicher Atmosphäre genossen. Anschliessend besichtigten wir den gut erhaltenen Kehlbereich des ehemaligen Reduits auf dem Mont Vully. Die Besichtigung der offenen Batterie Champ Ribaud aus dem Ersten Weltkrieg auf der gleichnamigen Krete war der nächste Programmpunkt.

Den Abschluss der Exkursion bildete die Fahrt entlang der Sperrstelle Gampelen, gefolgt vom Besuch von Teilen der neuen, starken Abwehrlinie zwischen Murten- und Neuenburgersee von Vallamand nach Cudrefin, westlich der Fortifikation Murten in einem zur Abwehr besser geeigneten, coupierten und von Wäldern durchzogenen Gelände.

Dem Reiseleiter Jürg Keller ist es einmal mehr gelungen, dank seiner intensiven Beschäftigung mit den historischen Ereignissen im Murtenbiet den Reiseteilnehmern ein umfassendes Bild davon zu vermitteln.

Text: Günther Reiss (Interlaken)