Bild: Wams eines Papstgardisten, zur Zeit des Pontifikats Pius X. (1903-1914)

10-2012 Flandern in Not

25.06.2012 - 30.06.2012

Belgien – einst europäisches Schlachtfeld – heute Hauptsitz von NATO und EU. Während sechs Reisetagen begleitet Sie David Accola vornehmlich
durch den flämischen Teil eines Landes, auf dessen Feldern sich über Jahrhunderte stets Heere bekriegten.

Montag – Brüssel / NATO Hauptquartier

Am Morgen Abflug ab Zürich mit einer Linienmaschine der Swiss nach Brüssel. Fahrt in die historische Altstadt. Mittagessen im Stadtzentrum. Besuch des politischen Hauptquartiers der NATO. Informationen durch Brigadier Heinz Huber, militärischer Vertreter der Schweiz bei der NATO. Transfer mit dem Car nach Waterloo, Abendessen und Übernachtung in Waterloo

Dienstag – Waterloo

Fahrt ins Stadtzentrum von Waterloo. Besuch des Museum im damaligen Hauptquartier des Duke of Wellington. Weiterfahrt zum historischen Schlachtfeld und Besuch verschiedener Sehenswürdigkeiten. Nach dem Mittagessen (fak.) geführte Fahrt über Verteidigungslinien – Ausgangsstellungen und Angriffsziele des weltweit wohl bekanntesten Schlachtfeldes des frühen 19. Jahrhunderts. Anschliessend Transfer nach Ypern. Besuch des Zapfenstreichs für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Abendessen und Übernachtung in Ypern

Mittwoch – Ijzerfront / Erste Schlacht von Ypern

Besuch der Ausstellung in den „Lakenhallen“. Fahrt nach Diksmuide an die Ijzerfront. Mittagessen und Besuch des Museums zur Geschichte der Flamen und der belgisch / deutschen Front 1914-1918.Orientierung über die Erste Schlacht von Ypern. Begehung des belgischen Stellungssystems beim „Dodengang“. Rückfahrt über den deutschen Soldatenfriedhof bei Langemark (Studentenfriedhof) nach Ypern. Abendessen (fak.) und Übernachtung in Ypern

Donnerstag – nördlicher und südlicher Ypernbogen

Geführte „Battlefield-Tour“ auf den Spuren der drei Schlachten von Ypern – mit Tynecot-Cemetery, Totenmühle, Paschandale, Hill 60, Bayernwald, Hellfirecross -, am Vormittag im nördlichen Ypernbogen mit dem ersten Gasangriff der Geschichte. Mittagessen in Zonnebeke, anschliessend Fortsetzung der Besichtigung im südlichen Bogen. Abendessen und Übernachtung in Ypern

Freitag – Dünkirchen / Atlantikwall

Fahrt nach Dünkirchen, Besuch des „Memorial of the battles of May-June 1940“ und der Ausstellung zur Schlacht um Dünkirchen bzw der Evakuierungsoperation „DYNAMO“. Weiterfahrt über Zuidcoote (Soldatenfriedhof 1914 und 1940) nach Brays Dunes Mittagessen. Besuch der königlichen Domaine Raversijde bei Ostende mit Anlagen der Küstenartillerie aus dem ersten und zweiten Weltkrieg (Atlantikwall). Fahrt nach Brügge. Gemeinsames Abendessen in der Stadt. Übernachtung in Brügge

Samstag – Brügge / Brüssel

Führung durch die mittelalterliche Altstadt von Brügge und Besuch des Grabmahls Karls des Kühnen in der Liebfrauenkirche. Mittagessen fakultativ. Fahrt nach Brüssel. Besuch des „Musée Royal de l’Armee e d’Histoire Militaire“, anschliessend Transfer zum Flughafen. Am Abend Rückflug mit einer Linienmaschine der Swiss nach Zürich

 

Reiseleitung

David Accola, Berufsoffizier, Eggiwil

Fotogalerie (Huber, Rissi, Rutschmann)

 

Rouven Huber’s Reisebericht (PDF: GMS 10 2012 Flandern in Not )

Flandern in Not: Der Titel versprach eine äusserst spannende und abwechslungsreiche Reise. So war Belgien einst europäisches Schlachtfeld, auf dessen Feldern sich über die Jahrhunderte hinweg stets unterschiedliche Heere bekämpften; heute befindet sich der Hauptsitz der NATO und der EU in diesem Land. Unser Reiseleiter David Accola verstand es einmal mehr, uns rechtzeitig mit einer sehr umfangreichen Dokumentation auf die bevorstehenden Tage in Flandern einzustimmen.

Montag – Brüssel / NATO Hauptquartier

Nach einem angenehm kurzen Flug mit der SWISS landete unsere Reisegruppe um 10.30 Uhr in Brüssel. Die belgische Hauptstadt begrüsste uns mit trübem Wetter, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat, waren wir doch alle voller Vorfreude auf die kommenden sechs Reisetage durch den flämischen Teil des Landes.

Die anschliessende Carfahrt ins Zentrum von Brüssel führte uns am eindrücklichen EU-Parlamentsgebäude vorbei, und wir konnten uns ein erstes Bild der hübschen Innenstadt machen, welche im Zentrum von flämischen Bürgerhäusern geprägt wird. Beim imposanten “Palais Royal” angekommen, machten wir uns zu Fuss auf den Weg Richtung einer der Hauptsehenswürdigkeiten, dem “Grand Place”, welcher seit 1988 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Mit seinem gotischen Ratshaus und seiner geschlossenen barocken Fassadenfront gilt er als einer der schönsten Plätze Europas. Der interessante Spaziergang durch die Altstadt machte uns hungrig, und so durften wir alsbald das “Le Falstaff”, eine schöne Brasserie im Jugendstil, betreten, wo man uns schon zum Mittagessen erwartete. Zur freudigen Überraschung der Reisegruppe gesellte sich bereits Brigadier Heinz Huber zu uns, der am Nachmittag unser Gastgeber im NATO-HQ war.

Nach einem typisch belgischen Mittagessen wurden wir zum politischen Hauptquartier der NATO chauffiert, wo man uns nach den obligatorischen Security Checks freundlich in Empfang nahm. Von Brigadier Heinz Huber, dem militärischen Vertreter der Schweiz bei der NATO, und seinem Stab erhielten wir wertvolle Informationen aus erster Hand zu den aktuellen Missionen und deren Schweizer Beteiligungen, wie z.B. der KFOR (Kosovo Force), welche mittlerweile noch rund 6’000 Soldaten aus fast 40 Nationen umfasst, davon ein Schweizer Kontingent (Swisscoy) von rund 235 freiwilligen Angehörigen der Armee. Ein aktueller Auftrag der Swisscoy besteht z.B. aus sogenannten “Liaison Monitoring Teams (LMT)”, die eine Art Frühwarnsystem für die KFOR mithilfe von Gesprächen mit der Bevölkerung und den lokalen Behörden sicherstellen. Fünf solcher LMTs à 8 Personen stehen seit dem 1.1.2012 unter einem Schweizer Kommando des “Joint Regional Detachement – Nord”.

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Am späteren Nachmittag wurden wir bei einem gemeinsamen Gruppenfoto mit Brigadier Heinz Huber ganz herzlich verabschiedet. Der exklusive Besuch bei der NATO bleibt uns noch lange in schöner Erinnerung und so konnten wir beim anschliessenden Transfer nach Waterloo viele spannende Fakten aus der Welt der NATO mit auf den Weg nehmen. Gegen Abend trafen wir in Waterloo im “Martin’s Grand Hotel”, einer 4-Sterne-Unterkunft in einer ehemaligen Zuckerfabrik (1836 erbaut) ein, wo wir beim gemeinsamen Abendessen im historischen Gemäuer den erlebten Tag noch einmal Revue passieren lassen konnten.

 

Dienstag – Waterloo

“Bonjour” und “goede morgen”, der Dienstag stand nun ganz im Zeichen der legendären Schlacht bei Waterloo von 1815, auch bekannt als Napoleons letzte Schlacht. Nach dem Frühstück führte uns David Accola mit einem Referat und einem kurzen Film ins Thema ein. Anschliessend fuhren wir ins Stadtzentrum von Waterloo, wo als erstes ein Besuch des Museums im damaligen Hauptquartier des Duke of Wellington auf dem Programm stand. Es zeigt anhand von Gravuren, Waffen, Dokumenten und erstklassigen Karten den politischen Kontext Europas vor und nach der Schlacht und den stundenweisen Ablauf der Gefechte. Auch blieb noch Zeit um die St. Joseph’s Church auf der gegenüberliegenden Strassenseite zu besichtigen, welche mehrere Gedenktafeln von gefallenen Offizieren der Schlacht enthält; einige sind den “Royal Scots Greys” gewidmet, einem schottischen Kavallerie-Regiment, welches sich in der Schlacht bei Waterloo auszeichnete.

Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein fuhren wir weiter zum historischen Schlachtfeld, wo uns als erstes der alles überragende 40m hohe Löwenhügel („Butte du Lion“) ins Auge stach. Dieser markiert die vermutliche Stelle, an welcher der Prinz von Oranien während der Schlacht am 18. Juni 1815 verwundet wurde. Die 226 Stufen hoch zur Aussichtsplattform wurden sogleich in Angriff genommen, in deren Mitte auf einem Sockel eine bronzene Löwenstatue steht. Der Legende nach soll sie aus den von den Franzosen auf dem Schlachtfeld zurückgelassenen Waffen gegossen worden sein. Von dort oben genossen wir einen grossartigen Weitblick über eines der am best erhaltenen Schlachtfelder Europas. Fast alle Gebäude sind, wenn auch teilweise in schlechtem Zustand, erhalten.

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Reiseleiter David Accola erläuterte den Schlachtablauf bei Waterloo 1815

 

Das Ausmass der Schlacht und eine Darstellung, wie furchtbar das Gemetzel gewesen sein muss, stellt eindrucksvoll das monumentale Panorama-Gemälde von 1912 im Rundbau am Fusse des Löwenhügels vor Augen, das wir nach der Mittagspause bestaunen konnten. Ergänzend zum Panorama konnten wir im Wachsmuseum Napoleon, Wellington und Blücher in voller Lebensgröße bewundern. Um die Grösse des Schlachtfelds zu verdeutlichen, unternahmen wir am Nachmittag eine geführte Battlefield-Tour mit lokalem Guide, der uns die wichtigsten Verteidigungslinien, Ausgangsstellungen und Angriffsziele, wie z.B. die Höfe Hougoumont, La Belle-Alliance und Papelotte, eindrücklich schilderte.Auch die Souvenirjäger unter uns kamen voll auf ihre Kosten, bot doch der Buchladen und Museums-Shop -zig Modelle, Bücher, Repliken und unzählige Bilder an.

 

Am späteren Nachmittag fand der längere Bus Transfer nach Ypern statt. Gegen Abend erreichten wir das moderne Hotel Ariane, in welchem wir für die nächsten drei Nächte logierten. Vor dem Abendessen stand noch ein weiterer Höhepunkt auf der Agenda: Wir nahmen an der sehr bewegenden “The Last Post”-Zeremonie beim Menenpoort (Gedenktor) teil, welches in Form eines Römischen Triumphbogens die Namen von 54’896 vermissten Soldaten trägt. Zu Ehren der Gefallen des Commonwealth im Ersten Weltkrieg wird seit nunmehr 70 Jahren täglich um 20 Uhr der Zapfenstreich geblasen.

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Nach der “Last Post”-Zeremonie am „Menin Gate“ in Ypern

 

Mittwoch – Yserfront / Erste Schlacht von Ypern

Der Morgen startete mit einem Referat unseres Reiseleiters zur ersten Flandernschlacht, auch Ypernschlacht genannt, welche vom 20.10. – 18.11.1914 zwischen deutschen und alliierten Truppen in Westflandern stattfand. Ziel der Deutschen war das Abschneiden der britischen Versorgungswege über den Kanal. Nach dem sogenannten „Wettlauf zum Meer“, bei dem sich beide Heere gegenseitig zu umschliessen versuchten war ein Stellungskrieg nicht mehr zu verhindern. Nach dieser Einführung kamen wir in den Genuss, das neu eröffnete und didaktisch ausgezeichnete Museum “In Flanders Field” zu besichtigen, welches sich in den wieder aufgebauten Tuchhallen (Lakenhalle) von Ypern befindet. Viele interaktive und multimediale Inszenierungen konfrontieren den Besucher mit Geschichten aus dem ein Jahrhundert zurückliegenden Krieg. Im Anschluss fuhren wir zum Mittagessen nach Diksmuide am Yserkanal. Als die deutsche Armee im Oktober 1914 Diksmuide erreichte, wurde die Region durch Öffnen der Schleusen geflutet, was zur Schlacht an der Yser führte. Nach dem Mittagessen besuchten wir das Museum zur Geschichte der Flamen und der belgisch-deutschen Front 1914-18. Das Museum ist im 84m hohen Yserturm untergebracht und dient gleichzeitig als Mahnmal für die gefallenen flämischen Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Danach fuhren wir zum “Dodengang (Totengraben)” und besichtigten ein Stellungssystem, in welchem belgische Soldaten gekämpft haben. Es ist gleichzeitig das letzte erhaltene Stück Schützengraben der belgischen Front des 1. Weltkrieges.

Die Rückfahrt nach Ypern führte uns zuerst nach Nieuwpoort mit Besichtigung des Reiterstandbilds von König Albert und Blick auf die Seeschleusen welche im Krieg ebenfalls geflutet wurden.

Dann führte unser Weg über zwei deutsche Soldatenfriedhöfe. Der erste bei Vladslo mit einem Selbstbildnis der bekannten deutschen Künstlerin Käthe Kollwitz. Ihr Kunstwerk „Trauerndes Elternpaar” erinnert an ihren gefallenen Sohn und entstand in den Jahren 1914 bis 1932. Um den zweiten Friedhof bei Langemark ist ein Mythos über den heldenhaften Opfergang junger Soldaten entstanden, der vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus hochstilisiert worden ist. Bei einem Gefecht am 10.11.1914 seien junge Freiwillige und Studenten mit dem Deutschlandlied auf den Lippen gegen den Feind angerannt.

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“Trauerndes Elternpaar” auf dem Soldatenfriedhof Vladslo

 

Donnerstag – nördlicher und südlicher Ypernbogen

Nach dem Morgenreferat übergab David Accola das Zepter einem lokalen Guide, André Schaubroeck, der uns auf die geführte “Battlefield-Tour” auf den Spuren der drei Schlachten von Ypern begleitete. Der Yperner Frontbogen – ein Halbkreis aufeinander folgender Verteidigungslinien zwischen Boezinge im Norden bis Ploegsteert im Süden, mit der historischen Stadt Ypern im Mittelpunkt – wurde während der letzten Monaten des Jahres 1914 gebildet. Das Vormittagsprogramm sah den Nordbogen vor, welches wir mit dem Besuch der Gedenkstätte von John McRae starteten, einem kanadischen Sanitätsoffizier, der durch das Kriegsgedicht “In Flanders Fields” Berühmtheit erlangt hatte. Weiter fuhren wir zum St. Julien Memorial (besser bekannt als Vancouver Corner) zu Ehren der Canadian First Division, die in der zweiten Ypernschlacht den ersten Gasangriff der Geschichte abgewehrt hatte. Vor dem Mittagessen in Zonnebeke besuchten wir das in einem schönen Park gelegene “Memorial Museum Passchendaele 1917”, das sich mit den Ereignissen zur dritten Flandernschlacht befasst. Höhepunkt des sehr interessanten Museums war der Abstieg in ein nachgebautes Stollensystem (dugout tunnel), das Einblick in das einfache Leben der Soldaten im Untergrund bietet. Nachmittags durfte als Pflichtbesuch der nahe gelegene “Tynecot Cemetery” nicht fehlen, eine der beeindruckendsten Gedenkstätten Belgiens, ist es doch der weltweit grösste Soldatenfriedhof des Commonwealth. Während der britischen Offensive fielen hier in 100 Tagen 10’000 Soldaten für einen Bodengewinn von knapp 8 km.

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Grabsteine der gefallenen Soldaten im “Tynecot Cemetery”

 

Für den weiteren Nachmittag war der Südbogen geplant. Unsere Fahrt führte über den “Hellfire Corner”, eine Strassenkreuzung, die unter ständigem Feuer der Deutschen lag und mit einem alten Demarkationsstein am Strassenrand gekennzeichnet ist, der den nahesten deutschen Vorstoss an Ypern markiert. Nicht weit entfernt davon ist der “Hill 62” mit dem “Sanctuary Wood Museum”, das weniger ein Museum, sondern eher ein Kuriositätenkabinett darstellt, “gefüllt” mit allerlei Gegenständen aus den umliegenden Schlachtfeldern wie Waffen, Munitionsresten, Bildern, Uniformen etc. Im Aussenbereich konnte man zudem originale Schützengräben der Briten bestaunen.

Am nächsten Hügel tobte der Minenkrieg. Der “Hill 60” war aufgrund seiner Lage und Höhe strategisch äusserst wichtig und wechselte mehrmals die Seiten. Hier waren u.a. auch australische Tunnel-Kompanien im Einsatz, an die ein Denkmal erinnert. Am 17.2-1915 detonierte hier die erste britische Tiefenmine und riss einen gewaltigen Krater in den Boden, der heute noch im Gelände eindrücklich sichtbar ist. Der Minen-Krieg dauerte bis Juni 1917 (dritte Ypernschlacht).

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Der Minen-Krater am Hill 60

 

Zum Abschluss des umfangreichen Tagesprogrammes fuhren wir zum “Bayernwald”, einem restaurierten deutschen Grabensystem mit fünf Bunkern und einem Minen-Schacht. Hier lagen sich 1915 ahnungslos für kurze Zeit Adolf Hitler, Meldegänger im 16. Bayerischen Infanterieregiment, und Major Winston Churchill, Bataillonskommandeur der Royal Scots Fusiliers, auf Schussweite gegenüber…

Abschliessend darf gesagt werden, dass nirgendwo anders der Krieg mit solcher Vernichtungskraft wie im Westen Flanderns tobte, wo für wenige Meter Landgewinn Tausende von Soldaten in den Tod geschickt wurden.

 

Freitag – Dünkirchen / Atlantikwall

Wir verliessen Ypern früh morgens und fuhren nordwärts an die Atlantikküste mit dem Ziel der französischen Hafenstadt Dünkirchen. Heute widmeten wir uns dem Zweiten Weltkrieg und als erstes stand der Besuch des “Memorial of the Battles of May-June 1940″ mit der Ausstellung zur Schlacht bzw. der Operation “DYNAMO” auf dem Programm. Hier ereignete sich die unglaubliche Geschichte der Schlacht um Dünkirchen zwischen der deutschen und der eingekesselten britischen Armee, mit der darauffolgenden Evakuierung von über 330’000 alliierten Soldaten. Das Museum befindet sich in einer Festung von 1874, die während der Operation und Schlacht auch als französisches und alliiertes HQ diente.

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Gruppenbild vor dem Memorial 1940 in Dünkirchen

 

Unsere Weiterfahrt führte über Zuidcoote zum gleichnamigen Soldatenfriedhof von 1914 und 1940 mit über 1000 französischen, 300 britischen und 170 deutschen Gräbern. Immer noch in Frankreich, legten wir unsere Mittagsrast unmittelbar am Meer in Brays Dunes ein, wo im Restaurant “Chez Antoine” das legendäre Presskopf-Menu serviert wurde.

 

Nachmittags war dann wieder Belgien an der Reihe, und wir statteten der königlichen “Domein Raversijde” bei Oostende einen Besuch ab, wo wir die bestens erhaltenen Anlagen der Küstenartillerie aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg (Atlantikwall) bestaunten. Die Anlage liegt in einem geschützten Dünengebiet verborgen. Man kann sich von aussen kaum vorstellen, dass hier ein solch ausgedehntes Netzwerk (2 km) an Tunneln und Bunkern liegt. Die Weitläufigkeit der Anlage ist wirklich beeindruckend, was dann beim einen oder anderen Besucher auch die Zeit vergessen liess …

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Atlantikwall Museum – Raversijde

Nach diesem eindrücklichen Freilichtmuseum machten wir uns auf den Weg Richtung Etappenziel Brügge, wo wir gegen Abend unser Hotel inmitten der wunderschönen Altstadt beziehen konnten. Der Abend wurde mit einem exquisiten und vorzüglichen Nachtessen gekrönt, welches wir im Restaurant “Pieter Pourbuis”, einem historischen Gebäude von 1561, einnahmen.

Samstag – Brügge / Brüssel

Zum Abschluss der Woche kamen alle Liebhaber mittelalterlicher Städte voll auf ihre Kosten und dies bei perfektem Postkartenwetter. An einer Führung durch die Altstadt von Brügge durften wir uns von ihren architektonischen und künstlerischen Schätzen überzeugen lassen. Da die Altstadt nie durch Kriege oder grossflächige Brände zerstört wurde, ist sie in einem bemerkenswerten Zustand. Als krönender Abschluss der Stadtführung darf sicherlich die Besichtigung der Liebfrauenkirche nicht fehlen, die mit der Brügger Madonna von Michelangelo und dem Grabmal Karls des Kühnen zwei kunsthistorische Höhepunkte beherbergt. Das anschliessende Mittagessen war fakultativ, und so blieb zur Abfahrt nach Brüssel noch Zeit, um das UNESCO-Weltkulturerbe nochmals auf eigene Faust zu entdecken und Geschenke für die Daheimgebliebenen zu besorgen.

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Eines der Symbole der Stadt Brügge ist der Schwan

Anschliessend fuhren wir mit dem Car nach Brüssel. Da unser Rückflug erst auf den Abend angesetzt war, blieb am Nachmittag noch Zeit, um dem “Musée Royal de l’Armée et d’Histoire Militaire” einen Besuch abzustatten. Das Armee-Museum, das anlässlich der Weltausstellung von 1910 eröffnet wurde, bietet einen fast unüberschaubaren Fundus an Waffen, Uniformen und militärischem Gerät aus allen Epochen. In einer riesigen Halle, die einem Hangar gleicht, befindet sich zudem eine beeindruckende Sammlung von Fluggeräten inklusive einer F-16 der belgischen Luftwaffe. Gegen Abend traten wir mit müden aber zufriedenen Gesichtern den Rückflug nach Zürich an. Die ganze Woche war perfekt geplant und wir konnten jeden Tag in vollen Zügen geniessen.

Belgien hat als Land viel durchgemacht und zählt auf seinen knapp 30’000 km² über 3’000 Schlachtfelder! Bei diesen Schlachten wurde die Bevölkerung regelmässig dezimiert und ganze Regionen wurden zerstört. Trotz der vielen Versuche, das Land zu trennen, hat sich Belgien immer wieder als Einheit behauptet. Das ehemalige Schlachtfeld Europas hält seine Vergangenheit in Ehren, und wir dürfen auf eine intensive und unvergessliche Woche in Flandern zurückblicken.

 

Text und Bilder:

Rouven Huber (Hägglingen)