Bild: Waffenrock eines Trainfouriers, eidg. Ordonnanz 1926

24-2012 Sonderbundskrieg

22.09.2012 - 22.09.2012

Bürgerkrieg, Religionskrieg oder Interessenskonflikt?

Hans Rudolf Fuhrer begleitet Sie während einem Tag in die Klosterkirche von Muri und zu historischen Standorten der Gefechte bei Geltwil und bei Gisikon/Meierskappel.

08.15  Abfahrt mit Bus ab Zürich, Carparkplatz Sihlquai

Kaffeehalt in Muri, Einführung in das Thema und Besuch der Klosterkirche. Anschliessend Fahrt nach Geltwil und Orientierung über das dortige Gefecht

12.30  Mittagessen in Gisikon

Weiterfahrt zu den Schauplätzen der Gefechte von Gisikon und Meierskappel sowie zum Übergang von Michaelskreuz. Danach Rückfahrt nach Zürich

18.30  ca. Ankunft in Zürich, Carparkplatz Sihlquai

 

Reiseleitung

Hans Rudolf Fuhrer, PD Dr., Meilen

S

PD Dr. Hans Rudolf Fuhrers 80. Reise als GMS-Reiseleiter

 

Margrith Lehner’s Reisebericht (als PDF downloaden: GMS 24 2012 Sonderbundskrieg)

Auf der Fahrt von Zürich nach Muri stimmte uns Reiseleiter PD Dr. Hansruedi Fuhrer in das Thema ein mit dem Bericht eines Soldaten über den Weg von Rehetobel nach Muri, zu Fuss, per Schiff und, damals eine Sensation, mit der Bahn von Zürich nach Baden. Nach dem Kaffee in Muri fasste er die Vorgeschichte des Krieges zusammen. Ab 1830 war es zur Polarisierung zwischen den liberalen, im Siebner Konkordat (ZH, BE, LU, SO, SG, AG, TG) und den konservativen, im Sarnerbund (UR, SZ, NW, NE, BS) zusammengeschlossenen Kantonen gekommen. Die in der 1831 angenommenen Verfassung enthaltene Zentralisierung lehnten die Konservativen, welche die Autonomie der Kantone beibehalten wollten, ab.

Als die Badener Artikel die Kontrolle des Staates über die Kirche forderten und 1841 Klöster aufgehoben wurden, kam es zur Konfessionalisierung. Freischarenzüge gegen Luzern, das unter Josef Leu von Ebersol konservativ geworden war, die Berufung von Jesuiten und die Ermordung von Leu radikalisierten den Konflikt. Die Konservativen bildeten den Sonderbund mit Kriegsrat und rüsteten auf, die Tagsatzung beschloss den Krieg.

General Henri Dufour, Oberkommandierender der Tagsatzungstruppen, war mit sieben Divisionen und alleiniger Befehlsgewalt im Vorteil gegenüber dem Kommandanten der Sonderbundstruppen, Ulrich von Salis, mit drei Divisionen und erschwerter Führung durch das Mitspracherecht des Kriegsrates. Österreich verweigerte die erbetene Hilfe aus Furcht vor Auseinandersetzungen mit Frankreich.

Dufour plante, mit einem ersten Sieg über das schwache Freiburg seine Soldaten zu motivieren, dann gegen Luzern, und, falls noch notwendig gegen das Wallis zu kämpfen. Grosse Übermacht in einzelnen Gefechten zur Vermeidung von Demütigung des Gegners und schonender Umgang mit Besiegten sollten gute Voraussetzungen für spätere Friedensverhandlungen schaffen.

In der Klosterkirche Muri genossen wir nach Schilderung der Geschichte und Beschreibung der Orgeln ein Konzert des Organisten Johannes Strobl mit der Toccata und Fuge in d-moll von Johann Sebastian Bach als Höhepunkt. In Geltwil folgte der erste Besuch der Kriegsschauplätze. Franz von Elgger, Generalstabschef der Sonderbundstruppen, war hier von Westen her auf dem Vormarsch nach Muri, wo ein gemeinsamer Angriff mit dem von Süden der Reuss entlang vorrückenden von Salis geplant war. Im dichten Nebel verliefen sich die Soldaten. Es verblieben von 6’000 Mann nur 1’000. Diese ergriffen nach plötzlichem Angriff von Aargauern die Flucht, während sich Elgger um seinen 14-jährigen verwundeten Sohn kümmerte. Da auch von Salis zum Rückzug gezwungen wurde, war der erste und einzige Angriff der Sonderbundstruppe schon im Vorfeld gescheitert.

Nach dem Mittagessen fuhren wir nach Honau, wo Hansruedi Fuhrer das für den Krieg entscheidende Gefecht von Gisikon vom 23. November 1847 erklärte. An unserem Standort lag vor uns die Reuss mit der Brücke von Gisikon, hinter uns der Rooterberg mit Michaelskreuz und das Gebiet von Zug, das am Vortag kapituliert hatte. Zu diesem Zeitpunkt war Freiburg besiegt, und waren 4 Divisionen gegen die Reuss marschiert, wobei die 4. unter Ziegler und die 5. unter Gmür das Schwergewicht bildeten. Am Morgen des 23. November erfolgte der Angriff der Division Ziegler. Eine Brigade rückte auf der linken Seite entlang der Reuss zum Frontalangriff auf Gisikon vor, die übrigen setzten auf der Pontonbrücke in Sins und einer zweiten, in der Nacht erstellten, auf das rechte Ufer über. Der Raum Honau wurde fast kampflos eingenommen. Die Geschützmannschaften zogen sich nach kurzem Duell nach Gisikon zurück, nur die Scharfschützen aus Ob- und Nidwalden auf der Höhe des Rooterberges gaben erst auf, als Ziegler mit seinem Tambour an der Spitze seiner Einheit gegen sie marschierte. Die 3 in Gisikon angreifenden Brigaden mussten wegen maximaler Schussweite von 1’000 m die Kanonen sehr nahe an der Brücke aufstellen. Vorerst konnten die Luzerner die Angreifer zurückdrängen. Mit persönlichem Einsatz von Egloff gelang es 5½ Batterien die vorrückenden Kompanien aufzuhalten. Nach zweistündiger Kanonade, bei der von Salis an der Schläfe getroffen wurde, mussten sich die Luzerner nach Ebikon zurückziehen. Zur einzigen Plünderung während dieses Krieges kam es durch die Truppen Zieglers, da die Küche in Sins zurück geblieben war.

Meierskappel, von den 2 Schwyzer Bataillonen Dober und Beeler verteidigt, wurde von Brigade 2 (Isler) und 3 (Ritter) angegriffen, beide aus der 5. Division von Gmür. Nach hartem Kampf gegen Dober gelang Ritter der Durchbruch im Engnis zwischen Rooterberg und Chilchberg und der Vormarsch nach Udligenswil. Mit dem Fall des Schlüsselgeländes von Gisikon und Meierskappel war der Weg nach Luzern frei.

Auf Michaelskreuz, das vom Luzerner Landsturm schon vor dem Angriff aufgegeben worden war, las uns der Reiseleiter den Tagesbefehl vom 23. November von Dufour vor. Dieser forderte Schonung der Besiegten, der Zivilbevölkerung und der Kirchen und verbot Plünderungen. Ziegler, Platzkommandant in Luzern, das von Regierung und Kriegsrat verlassen worden und mit den am 24. November einmarschierenden Truppen überfüllt war, gelang es, den Befehl Dufours durchzusetzen. Als Dank erhielt er den in Kappel gestohlenen Helm und das Schwert von Ulrich Zwingli.

Nach dem Fall von Luzern gaben die übrigen Kantone auf. Der Krieg hatte vierzehn Tage gedauert, 104 Tote und, da es kaum zum Nahkampf kam, „nur“ 309 Verletzte gefordert. Die Grossmächte drohten wiederholt mit Interventionen. Am 28. November unterbreiteten sie ein Vermittlungsangebot, das die Schweiz dankend ablehnte. Dank der klugen Führung Dufours kam 1848 die Bundesverfassung zustande.

Wir verabschiedeten uns vom Reiseleiter mit Dank für die wie immer erstklassige Führung.

Text: Margrit Lehner (Appenzell)