Bild: Uniformrock eines Luftschutzfeldweibels, um 1937

Die Deutsche Marine

19.09.2011 - 24.09.2011

U 34 in Fahrt

Geschichte und Gegenwart.

Montag

09.15 Abflug ab Zürich mit Lufthansa, Kurs LH 3143
10.35 Landung in Hamburg Busreise nach Kiel, Hotel Atlantic, anschliessend kurzer Imbiss. Nachmittags Fahrt mit einem Rundfahrtboot nach Möltenort, dort Besichtigung des Uboot Mahnmals. Weiterfahrt mit Bus nach Laboe, Besuch des deutschen Marine-Ehrenmals, des neuen Museums und des Uboots U 995. Abendessen im Restaurant Scheerhaus in Laboe. Rückfahrt mit Bus. Übernachtung im Hotel Atlantic, Kiel

Dienstag

Präsentation zur Deutschen Marine im Hotel, anschliessend Besuch der Howaldtswerke in Kiel (Briefing und Werftbesuch). Besuch des Marinestützpunktes Kiel, verbunden mit einem Schiffsbesuch des Minenjagdbootes M 1099 „Herten“. Abendessen und Übernachtung im Hotel Atlantic, Kiel

Mittwoch

Fahrt nach Glücksburg. Besuch des Flottenkommandos in Glücksburg und der Marineschule Mürwik. Mittagessen auf der Basis Glücksburg. Rückfahrt nach Kiel, unterwegs Kurzbesuch beim Nord-Ostsee Kanal in Rendsburg (Schwebefähre über den Nord-Ostsee Kanal). Abendessen fakultativ. Übernachtung im Hotel Atlantic, Kiel

Donnerstag

Fahrt nach Wilhelmshaven. Imbiss im City Hotel Valois, Wilhelmshaven. Anschliessend Besuch des Marinemuseums (inkl. Raketenzerstörer Mölders und U-Boot U 10). Hafenrundfahrt mit museumseigener Barkasse. Abendessen in der Offiziersmesse an Bord der Mölders. Rückfahrt zum Hotel. Übernachtung im City Hotel Valois, Wilhelmshaven

Freitag

Fahrt zum Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Besuch der Anlagen und der aktiven Fregatte F 208 „Niedersachsen“. Mittagessen auf dem Schiff. Kurzbesuch der Grossbaustelle des Containerhafens Wilhelmshaven. Rückfahrt ins Hotel. Abendessen und Übernachtung im City Hotel Valois, Wilhelmshaven

Samstag

Busfahrt nach Hamburg. Mittagessen im Hotel Restaurant Zum Zeppelin, Hamburg
14.45 Abflug ab Hamburg mit Swiss, Kurs LX 1075
16.15 Landung in Zürich

Reiseleitung

Jürg Kürsener, Oberst i Gst, Marinepublizist, Lohn- Ammannsegg

Fredy von Deschwanden’s Fotogalerie

 

Fredy von Deschwanden’s Reisebericht

Die Deutsche Marine

1. Tag, Zürich–Hamburg–Kiel

Nach einem angenehmen Flug sind wir in Hamburg gelandet. Der Bus brachte uns in einer guten Stunde nach Kiel, der Hauptstadt von Schleswig-Holstein, Marinestützpunkt und Fährhafen nach Skandinavien. Während der Fahrt begrüsste unser Reiseleiter Jürg Kürsener, Oberst i Gst, die 25 Teilnehmer offiziell und stimmte uns auf die kommenden Tage ein.

Im Vordergrund unserer Reise stand die Deutsche Marine heute, ihre Aufgaben und Einsätze. Ihre Entstehung, Gründung und Geschichte im Ersten und Zweiten Weltkrieg kamen auch nicht zu kurz. Es sei an dieser Stelle vorweggenommen, dass nur Dank der guten Beziehungen unseres Reiseleiters sonst verschlossene Türen für die GMS aufgegangen sind.

Nach Ankunft konnten wir unsere Zimmer im neuen Hotel „Atlantic“ beziehen. Mit einem Rundfahrtboot ging es am Nachmittag in die Kieler Förde nach Möltenort und Laboe, wo zwei Mahnmale an die Geschichte der Deutschen Marine erinnern.

U-Boot-Ehrenmal Möltenort: Von weitem ist der markante 15 m hohe Sandsteinpfeiler mit dem bronzenen Seeadler sichtbar. Wir wurden von Korvettenkapitän Heinz Thois (ehemals Kdt U-14 1985–89) empfangen. Er führte uns kompetent in die Geschichte und Bedeutung der Anlage ein, begleitet von den beiden ehemaligen U-Bootveteranen Hans Holst und Rudolf Stenzel aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Ehrenmal ist der Erinnerung an die auf See gebliebenen U-Bootfahrer aus den beiden Weltkriegen gewidmet. Auf 74 bronzenen Gedenktafeln, in aufsteigender Reihenfolge, sind U-Boot Nummer, Kommandant und Mannschaften angebracht. Aus beiden Weltkriegen sind hier über 35’000 Namen von gefallenen U-Bootfahrern aufgeführt.

Marine-Ehrenmal Laboe: Die Silhouette des 85 m über der Ostsee aufragenden Turms ist von weitem sichtbar. Auf der Aussichtsplattform hat man einen wunderbaren Rundblick über die Weite der Kieler Förde. Das Marine-Ehrenmal in Laboe ist als Gedenkstätte für die im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen Marinesoldaten errichtet worden. Später kam das Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Angehörigen der Kriegsmarine hinzu. Seit der Übernahme durch den Deutschen Marinebund erinnert das Ehrenmal auch an die auf den Meeren gebliebenen Seeleute aller Nationen. Vor der Backbordschraube des Schweren Kreuzers PRINZ EUGEN aus dem Zweiten Weltkrieg begrüsste uns Dr. Jann M. Witt und führte in seinem umfassenden Referat in die Geschichte dieses Ehrenmals.

In unmittelbarer Nähe zum Uferbereich ist das U-Boot U-995 ausgestellt. Das Boot gehört zur Klasse VII C. Von diesen Typen wurden von 1938–1943 insgesamt 1006 U-Boote in Dienst gestellt. Die Klasse VII C verfügte als Bewaffnung über 4 Bug- und 1 Heck-Torpedorohr ø 53,3 cm, an Bord waren 12 Torpedos oder bis zu 39 Minen. Später auch eine 3,7 cm Flak und zwei 2 cm Flakgeschütze. Das Boot hatte eine Besatzung von ca. 38 Mann, ab 1943 wegen zusätzlicher Flakbedienung bis zu 57 Mann. Bei Kriegsende fiel das U-Boot U-995 als Kriegsbeute an Grossbritannien, verblieb aber in seinem norwegischen Stützpunkt und wurde bei der „Operation Deadlight“ nicht vernichtet. Es wurde Norwegen als Kriegsbeute zugesprochen. 1965 wurde das UBoot zu einem symbolischen Preis von 1 deutschen Mark an Deutschland zurückgegeben.

2. Tag, Kiel, HDW, Marinestützpunkt

Nach dem Frühstück orientierte uns der Reiseleiter in einem ausführlichen Vortrag über die Geschichte der Deutschen Marine bis in die heutige Zeit. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Kaiserliche Marine aufgebaut. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfügte die Reichsmarine über eine beachtliche Flotte von ca. 200 Schiffen. In der Zwischenkriegszeit durfte Deutschland nach dem Versailler Vertrag nur über eine kleine Marine verfügen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verfügte die Wehrmacht über ca. 120 Schiffe, wovon die Hälfte U-Boote waren. Bis im März 1943 beherrschten die U-Boote den Nordatlantik. Nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 ging die Verantwortung für die Kriegsmarine an die Siegermächte über.

1955 trat die Bundesrepublik der NATO bei, in den kommenden Jahren begann der Aufbau der Deutschen Marine. Heute besteht diese aus zwei Einsatzflottillen mit ca. 20’000 Mann. Diese sind dem Flottenkommando in Glücksburg unterstellt. Flottille 1, Standort Kiel (Ostsee) mit fünf Geschwadern, und Flottille 2, Standort Wilhelmshaven (Nordsee) mit drei Geschwadern.

Nach diesem interessanten Abstecher in die Geschichte der Deutschen Marine ging es zu den Howaldtswerke-Deutsche Werft HDW in Kiel. Andreas Burmester, Vorsitzender der Geschäftführung, begrüsste uns persönlich. Anschliessend präsentierte Hans-Olaf Helmstaedt die Tätigkeiten von HDW. Die Werft ist Kompetenzzentrum für den Bau der modernsten nicht-nuklearen U-Booten der Welt und führend im Einsatz von serienreifen Brennstoffzellenantrieben. Diese UGMS- Boote können dank ihrem aussenluftunabhängigen Antrieb auf der Basis der Brennstoffzelle (AIP – Air Independent Propulsion) wochenlang unter Wasser bleiben. Anschliessend ging es auf einen ausgedehnten Werftrundgang. Zu sehen gab es verschiedene U-Boottypen im Neubau (so u. a. U-35 und U-36 für die Deutsche Marine, sowie ein U-Boot für die israelische Marine), in Revision oder bei Unterhaltsarbeiten.

Nach einem feinen Mittagessen im Hotel Maritim, das an der Kieler Bucht liegt, ging es zum Marinestützpunkt Kiel. Dessen Kommandant, Fregattenkapitän Hauke Lützen, empfing uns und gab uns einen Einblick in die Aufgaben des Stützpunktes der 1. Einsatzflottille. Kiel ist seit 1865 Marinestützpunkt, 1871 wurde es Reichskriegshafen. Der Marinehafen, welcher heute auch NATO-Hafen ist, wurde auf Initiative von Flottenadmiral Alfred von Tirpitz gebaut und nach ihm benannt. Im Hafen liegt auch das berühmte Segelschulschiff GORCH FOCK, gebaut 1958. Auf einer Barkasse der Marine begaben wir uns auf eine Hafenrundfahrt. Unser Ziel war das Minenjagdboot HERTEN, M 1099, das zum 3. Marinesuchgeschwader gehört. Die Besatzung besteht aus 37 Mann. Stationen unserer Besichtigung waren vor allem Minensuchgeräte, die Minenjagddrohne SEEFUCHS, Kommandobrücke und Einsatzzentrale. Der SEEFUCHS fährt automatisch oder gesteuert mit einem Joy-stick zur Mine und verfügt über ein Nahbereichssonar sowie eine eingebaute Videokamera, so lassen sich Objekte genau identifizieren und vernichten.

3. Tag, Kiel–Glücksburg–Mürwik–Kiel

Punkt 10 Uhr treffen wir im Flottenkommando der Deutschen Marine ein. Empfangen von Fregattenkapitän Frank Signus (ehemals Kdt des Zerstörers MÖLDERS) und Herr Melzer werden wir in die Führungszentrale, einen unterirdischen Bunker mit umfangreichen Übermittlungseinrichtungen, geführt. Einige Etagen tiefer betreten wir den Vorraum, getrennt durch eine Glaswand vom „Maritime Operation Center“. Von hier aus werden die See- und Seeluftstreitkräfte im weltweiten Einsatz kommandiert.

Marineschule Mürwik: Von 1907 bis 1910 entstand nach den Plänen des Marinebaurates Adelbert Kelm an der Kieler Förde eine grosszügig angelegte Ausbildungsstätte für den Offiziernachwuchs der Kaiserlichen Marine. Die Marineschule Mürwik, auch das „Rote Schloss am Meer“ genannt, blickt auf eine lange Tradition zurück. Das altehrwürdige Gebäude wurde zum 100-jährigen Schuljubiläum in langjähriger Renovationsarbeit restauriert. Hier erhalten die angehenden Marineoffiziere die allgemeine militärische Grundausbildung. Empfangen wurden wir vom Kommandeur der Marineschule Flottillenadmiral Thomas J. Ernst. Kapitänleutnant Helpcke führte uns zum hauseigenen Museum. Dieses beherbergt Relikte aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Trotz des regnerischen Wetters liessen wir uns eine Aussenbesichtigung dieser einmalig schönen Anlage nicht nehmen. Auf der Freitreppe der Marineschule wurde noch die offizielle Aufnahme unserer GMS-Gruppe auf den Chip gebannt. So dürfte sie in der Marineschule verewigt sein … Nach einem ereignisreichen Tag fuhren wir wieder Richtung Kiel. In Rendsburgbesuchten wir noch die Schwebefähre über den Nord-Ostsee Kanal.

4. Tag, Kiel–Wilhelmshaven

Heute heisst es Abschied nehmen von Kiel, wir verschieben uns nach Wilhelmshaven. Der Weg führt über Hamburg, da es nur dort möglich ist, die Elbe zu überqueren bzw. mit dem fast 3 km langen Elbtunnel zu unterqueren. So sind wir gegen Mittag in Wilhelmshaven eingetroffen, das am Jadebusen liegt, einer grossen Bucht an der Nordsee.

Deutsches Marinemuseum: Das Wetter ist uns heute besser gesinnt, bei leichter Bewölkung begeben wir uns nach dem Mittagessen zum Deutschen Marinemuseum. Konteradmiral Gottfried Hoch a. D. und Dr. Stephan Huck, Historiker und Leiter des Museums, empfangen uns. Das Deutsche Marinemuseum befindet sich in der früheren Scheibenhofwerkstatt, erbaut 1888, einem der ältesten noch erhaltenen Werkstattgebäude der früheren Kaiserlichen Werft. Das Museum zeigt die fast 160-jährige Geschichte der Deutschen Marine. Zu den Höhepunkten gehört ein Rundgang durch Deutschlands grösstes Museumskriegsschiff, den 2003 ausser Dienst gestellten Lenkwaffenzerstörer MÖLDERS. Eindrücklich ist auch das ausgestellte U-10. Zwischen 1967 und 2004 operierten diese U-Boote vor allem in der Nord- und Ostsee. An Bord der MÖLDERS wird uns anschliessend in der originalen Offiziersmesse ein feines Nachtessen serviert, was unseren Eindruck vom Leben an Bord eines Kriegsschiffs abrundet.

5. Tag, Wilhelmshaven

Heute Morgen, am letzten Tag unserer Reise, fahren wir zum Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven. Die Stadt wurde durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges zu 55% zerstört. Mit dem Aufbau der Bundeswehr 1955 wurden für die neue Bundesmarine geeignete Werkstätten und Anlagen erforderlich. So kam es am 1. Mai 1957 zur Neugründung des heutigen Marinearsenals. Wilhelmshaven ist der grösste und bedeutendste Marinestandort der Bundeswehr. Kapitän zur See Frank Vehoff, der Kommandant des Stützpunktes, empfängt uns am Heppenser Groden. Von hier aus wird die logistische Unterstützung der Flotte im Nordseebereich und auch bei Einsätzen in Übersee sichergestellt. Der Heppenser Groden ist der Heimathafen der Einsatzflottille 2, bestehend aus dem 2. und 4. Fregattengeschwader, dem Trossgeschwader und den dazugehörigen Stäben.

Im Anschluss konnten wir an Bord der Fregatte NIEDERSACHSEN gehen. Dort erhielten wir ein Briefing über das Schiff von Oberleutnant zur See Paulinias, bevor es zur Besichtigung ging. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Bekämpfung von UBooten. Dazu werden auch die beiden Bordhubschrauber SEA LYNX MK 88 verwendet. An Bord wurden wir in der Offiziersmesse vorzüglich und schnell verpflegt. Aus unerklärlichen Gründen ging der Verpflegungsbefehl für die GMS-Gruppe unter, der Grossteil der Mannschaft war bereits im Urlaub! Die ad hoc aufgebotene Küchenmannschaft hat diese Aufgabe von der Kombüse bis zum Service jedoch bestens gelöst!

Nach der Verabschiedung auf der NIEDERSACHSEN statten wir dem JadeWeserPort einen Kurzbesuch ab, dem grössten im Bau stehenden Containerhafen in Deutschland. Das ist für Wilhelmshaven und Norddeutschland ein Jahrhundertprojekt. Eine Teileröffnung ist für 2012 geplant. Den Abend liessen wir bei einem feinen Abschlussdinner ausklingen, mit einem grossen Dank an Jürg Kürsener für diese eindrückliche, interessante Reise, die uns «Landratten» einen umfassenden Einblick in die vielseitigen Aufgaben der Deutschen Marine vermittelt hat.

6. Tag, Wilhelmshaven–Hamburg–Zürich

Eine in jeder Beziehung gelungene GMS-Reise fand ihren Abschluss mit dem Mittagessen im Restaurant „Zum Zeppelin“ in Hamburg. Nach einem ruhigen Rückflug nach Zürich war die Zeit gekommen, sich zu verabschieden.

Text: Fredy von Deschwanden (Spreitenbach)