Bild: Waffenrock eines Oberleutnants der Kavallerie-Mitrailleure, 1915

Fremdenlegion

26.04.2011 - 30.04.2011

Fremdenlegion

Neben Informationen zur Geschichte und Tradition der Fremdenlegion ergänzt durch die Teilnahme an den Feierlichkeiten von Camerone gibt diese Reise mit dem Besuch bei der französischen Luftwaffe (Base aérienne 125 in Istre), der französischen Marine (Base navale Toulon), sowie bei einer Rüstungsfirma (Eurocopter in Marignane), einen Einblick in die Konzepte der französischen Streitkräfte.

Dienstag

12.20 Besammlung Gare Genève-Cornavin beim Treffpunkt Ausgang Unterführung Ost. Abgabe Dokumente und
Fahrkarten. Zollabfertigung

12.41 Abfahrt TGV Genève – Marseille. Zwischenverpflegung (fak.) im TGV
16.17 Ankunft in Marseille Gare St. Charles Transfers zum Hotel. Abendessen und Übernachtung im Hotel
Mercure Euro-Centre, Marseille

Mittwoch

Fahrt zu Notre-Dame de la Garde: geographische und historische Orientierung. Besuch der Basilika (fak.). Rückfahrt über die Küste zum Vieux Port. Hafenrundfahrt. Mittagessen am Vieux Port. Am Nachmittag Fahrt nach Marignane. Besuch der Firma Eurocopter, Hersteller der Helikopter der Schweizer Armee. Rückfahrt nach Marseille. Abendessen und Übernachtung im Hotel Mercure Euro-Centre, Marseille

Donnerstag

Fahrt nach Istres zur Base aérienne 125. Einführung durch Kdt BA 125 in die Aufgaben der französischen Armée de l’air und der BA 125. Anschliessend Besuch der auf der BA 125 stationierten Einheiten (Jägerstaffel mit Mirage 2000 N Nukleardissuasion, Tankergeschwader, Helikopterstaffel, Air Terminal für Auslandeinsätze). Mittagessen im Mess. Am Nachmittag Fortsetzung des Besuches. Rückfahrt nach Marseille und festliches Abendessen im Cercle Mixte de Garnison im Fort St. Nicolas. Übernachtung im Hotel Mercure Euro-Centre, Marseille

Freitag

Fahrt nach Toulon. Besuch der Base navale. Einführung in die Aufgaben der Marine nationale, insbesondere der Force d’action navale und des groupe amphibie durch einen Offizier des Stabes der Force d’action navale. Anschliessend Besuch eines Schiffes. Mittagessen in der Base navale. Am Nachmittag Fahrt nach St. Maximin-la-Sainte-Baume. Besuch der Basilique und des Couvent Royal. Anschliessend Vorführung mit kleinem Konzert der einzigartigen historischen Orgel von 1773. Rückfahrt nach Aubagne. Abendessen und Übernachtung im Novotel La Valentine, Marseille Est.

Samstag

Fahrt zum Quartier Vienot (Kdo Fremdenlegion). Teilnahme auf Tribünenplätzen an der grossen Zeremonie à l’honneur de Camerone (Erinnerung an die Schlacht von Camerone in Mexiko vom 30. April 1863). Dauer: 4 Stunden! Anschliessend Rundgang auf dem Festgelände („Kermesse“), Besuch des Museums der Fremdenlegion und Mittagessen (fak.). Rückfahrt nach Marseille, Gare St. Charles

15.39 Abfahrt TGV Marseille – Genève
(Abendessen fakultativ)
20.25 Ankunft in Genève

Reiseleitung

Dominique Juilland, Div aD, Bolligen

Fotogallerie

 

Dr. Paul Werner Hubatka’s Reisebericht

Fremdenlegion

Die Reise hatte im Wesentlichen den Besuch der Rüstungsfirma Eurocopter in Marignane, der Base aérienne 125 in Istres, der Base navale in Toulon und die Teilnahme an den Feierlichkeiten von Camerone beim 1er Régiment étranger in Aubagne zum Inhalt.

Was hat mich, den Schreibenden, zur Teilnahme an dieser Reise bewogen? Ich wollte einen Einblick in eine seit über 150 Jahren bestehende, professionell geführte und teilweise berüchtigte Söldnertruppe bekommen. Dieser Wunsch ist nur teilweise erfüllt worden, weil wir effektiv lediglich die Sonntagsseite der Fremdenlegion zu sehen bekamen.

Die Fremdenlegion wurde durch einen Erlass von König Louis-Philippe I. aus dem Jahre 1831 ins Leben gerufen. Ursprünglich war sie für den Einsatz in den französischen Kolonien geschaffen worden. In Bezug auf den Einsatz gibt es heute keine Unterschiede mehr zwischen Fremdenlegion und dem übrigen französischen Heer. Nach französischem Recht dürfen alle diensttauglichen Männer (aber keine Frauen!) jeglicher Nationalität im Alter von 17 bis 40 Jahren für die Legion rekrutiert werden.

Was hat mir gefallen? GMS-Reisen sind traditionellerweise sorgfältig geplant und gut geführt. Das war auch bei dieser Reise unter der Reiseleitung von Dominique Juilland, Div a D, der Fall. Die Exkursion begann mit dem Besuch der Kirche Notre-Dame de la Garde hoch über Marseille und dem Vieux Port. Diese Kirche, der Sacré-Coeur in Paris sehr ähnlich, trägt auf ihrem Turm eine gewaltige Madonna, und in ihrem Innern befinden sich zahlreiche Votivtafeln, auf denen der Jungfrau zumeist für die Errettung aus Seenot gedankt wird. Frankreich war bis in die fünfziger und sechziger Jahre noch ein sehr katholisches Land. Der Besuch der Kirche war ein guter Beginn, weil man von ihrer Plattform aus ei-nen guten Blick auf die historische Hafenanlage mit dem Fort Saint-Jean am Nord- und dem Fort Saint-Nicolas am Südufer hat.

Am Nachmittag gab die Besichtigung der Firma Eurocopter einen Einblick in einen modernen Rüstungsbetrieb. Wir besichtigten zur Hauptsache die Endfertigung der Zivilversion der schweren Cougar-Helikopter, die bis zu ihrer Fertigstellung am gleichen Ort verbleiben, und die der leichteren EC-635, die alle drei Tage eine Montagestation weiter geschoben werden. Eurocopter ist eine hundertprozentige Tochterfirma der EADS und gehört zu den grossen Helikopterproduzenten der Welt. Sämtliche von der Schweizer Luftwaffe geflogenen Helikopter stammen von ihr oder ihren Vorgängerfirmen, nicht aber diejenigen der Rega, die zurzeit die italienische Konkurrenz bevorzugt. Eurocopter, sagte die Führerin, werde wegen Afghanistan im Moment mit Aufträgen überhäuft. Auf der Base aérienne 125 beeindruckten mich – neben der Weitläufigkeit der Anlage – die Mirages 2000 N, die mit Marschflugkörpern und unterstützt durch eine Tankerflotte Nuklearangriffe durchführen können. Vor allem fiel mir der nüchterne Umgang mit der möglichen zerstörerischen Gewalt auf. Weniger beeindruckend war die zum Schutz der Basis eingesetzte leichte Flab. Zur Zeit unserer Besichtigung landeten zwei Tankflugzeuge der US Air Force, die vermutlich am Libyen-Einsatz beteiligt waren. Auch die NASA war zur gleichen Zeit in Istres, weil die 5 km lange Piste ein Ausweichlandeplatz für das zu erwartende Space Shuttle ist.

Zu denken gegeben hat mir Capitaine Robert, die uns das Cockpit des Flugzeugs erklärte. Die zierliche Frau mit dem interessanten Gesicht ist Navigatorin in einer Mirage 2000 N, ist also fast täglich in der Luft, und es ist vermutlich die Navigatorin, die den Marschflugkörper mit seiner tödlichen Last abschiessen würde, welche vielleicht Tausende von Menschen in einem Sekundenbruchteil „verdampft“. Ich fand die junge Frau in ihrem Overall erotisch anziehend, und das hat mir – hoffentlich verständlicherweise – zu denken gegeben …

Die Base navale von Toulon ist der Ausgangspunkt für die Einsätze im Mittelmeer und im Pazifik und für die Einsätze der Trägergruppe. Da zur Zeit unseres Besuches ein grosser Teil der Überwasserschiffe vor Libyen im Einsatz war, gab es nur wenige Schiffe zu sehen, nämlich ein Kommando- und Projektionsschiff und eine modernere Fregatte. Spannend fand ich einen Vortrag über die Anstrengungen, die Piraterie am Horn von Afrika in den Griff zu bekommen, und den historischen Teil des Kriegshafens, wie er – auch mit Galeerensträflingen als billigen Arbeitskräften – seinerzeit von Colbert und Vauban ausgebaut worden war. Kompetent wurden wir durch das Marinemuseum geführt, doch „die dunklen Jahre“, in denen die republikfeindliche Marine nicht für die Befreiung Frankreichs kämpfte, sondern sich 1942 entschlusslos schliesslich selbst versenkte,wurden diskret übergangen.

Die Basilique Sainte-Marie-Madeleine in St. Maximin-la-Sainte-Baume hat eine verblüffende Geschichte: Maria Magdalena, die nach dem biblischen Bericht mit ihren langen Haaren Jesus liebevoll die Füsse getrocknet hat, soll in Saintes- Maries-de-la-Mer an Land gegangen sein, im Massif de la Sainte-Baume in einer Grotte gelebt und die Provence bekehrt haben. 1279, es ist die Zeit der Verfolgung der Waldenser, will man ihr Grab und das des heiligen Maximin gefunden haben. 1295 anerkannte Papst Bonifazius VIII. diese Reliquien. Charles d’Anjou, König von Sizilien und Graf der Provence, liess darauf eine Basilika, die nie ganz fertig wurde, und ein Kloster bauen, das der Orden der Inquisition, die Dominikaner, übernahm. Dargestellt sind heute noch Maria Magdalena als blasse Frau und Jesus als schmächtiges, geschlechtloses Wesen. Das Kloster wurde in den 1950er Jahren aufgegeben, ist heute ein Hotel mit Restaurant, und das ist doch irgendwie eine glückliche Wendung. An den Zeremonien zum Gedenken an die Schlacht von Camerone vom 30. April 1863 be-stach die Präzision des Ablaufs. Bei der Herberge von Camerone in Mexiko widersetzten sich 60 Legionäre unter dem Kommando von Capitaine Danjou einer mexikanischen Übermacht und kämpften bis zur letzten Patrone ohne sich zu ergeben. Mit der Erinnerungsfeier wird, unter anderem, der Geist der absoluten Auftragserfüllung bis zum Tode zelebriert. Da die Fremdenlegion meistens in asymmetrischen Kriegsformen eingesetzt wurde und wird, in denen die Kämpfe auf taktisch tiefer Stufe stattfinden, ist die Pflege dieses Ereignisses vermutlich zweckdienlich. Auffällig sind die Nähe zur katholischen Liturgie, auch die Holzhand des Capitaine Jean Danjou, die als Reliquie in einer Krypta aufbewahrt wird, die ausgeprägte Darstellung der Hierarchie und das feierliche Vortragen des Geschehens von Camerone.

In der GMS-Dokumentation zur Fremdenlegion bin ich schliesslich über folgenden Satz gestolpert: „Der Aufbau des französischen Kolonialreiches ging bekanntlich nicht ohne Widerstände vonstatten und hatte einen enormen Bedarf an militärischen Kräften zur Folge, einerseits um die rebellierende Urbevölkerung zu bekämpfen, andererseits um eroberte Gebiete zu befrieden, und schliesslich, um die vorgeschobenen Stützpunkte und Vorposten sowie die Verbindungsstrassen zu ihnen zu bauen.“ Was heisst „Urbevölkerung“, was heisst „befrieden“? Nur um die Schlussphase zu charakterisieren: Die so genannte Urbevölkerung waren die weitgehend rechtlos gewordenen algerischen Bauern und Arbeiter, und Befrieden bedeutete im letzten Versuch 1954 bis 1962, dass die Franzosen für jeden Soldaten, den sie verloren, rund hundert Menschen ermordeten. Naturgemäss war die Fremdenlegion an vorderster Front dabei.

Text: Dr. Paul Werner Hubatka (Willisau)