Bild: Frack von Dr. J. Kleinert, Arzt im Bataillon Ginsberg, 1847

GMS Frühjahrstagung 2016

27.02.2016

Thema: Umbruchsphasen der Schweizer Armee

Samstag, 27. Februar 2016, 0945 – 1300, Universität Zürich, Hauptgebäude Rämistrasse 71, Raum KOH-L-101

mit Referaten von Prof. Dr. Rudolf Jaun, PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer und Dr. Peter Braun

Die Schweizer Armee steht vor einem neuen Umbruch, nicht das erste Mal seit 1803. Rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten den Ausführungen der Militärhistoriker Rudolf Jaun, Hans Rudolf Fuhrer und Peter Braun anlässlich des Frühjahrssymposiums der Gesellschaft für militärhistorische Studienreisen GMS. 2016 stehen mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) entscheidende Veränderungen an. Die GMS nahm dies zum Anlass einen Blick auf die Armeereformen in der Vergangenheit und der Gegenwart zu werfen.

Notwendigkeit der WEA
Peter Braun zeichnete die Notwendigkeit der neusten Armeereform auf. Bestände, Finanzen und Bedrohungslage stecken den Rahmen der WEA ab. Zwar soll der Sollbestand von heute 200‘000 auf künftig100‘000 Mann reduziert werden, doch wird der Effektivbestand wesentlich höher als heute zu liegen kommen. „Damit ist das Argument der Kritiker, die WEA sei eine Halbierung der Armee, entkräftet. Mit der Reduktion der Truppenkörper kann ein Ausbluten der Armee verhindert werden“, so Braun. Trotz der Verkleinerung werden jährlich fünf Milliarden Franken notwendig sein, will man die in den kommenden Jahren notwendigen Neuinvestitionen vornehmen. Derzeit werden drei Milliarden für den Betrieb der Armee verwendet. In den Jahren steht die Ablösung wichtiger Systeme in der Artillerie, bei den Panzertruppen und der Infanterie oder die Beschaffung eines Kampfflugzeuges zur Debatte.

Die Umbruchsphasen seit 1804
Die Schweizer Armee verzeichnete einige Umbruchsphasen, wie Rudolf Jaun aufzeigte. „Umbrüche sind daran zu erkennen, wenn das Verhältnis von Mitteln, Zielen und Verfahren zur Diskussion steht“. Das war in verschiedenen Phasen 1804-1815, 1890-1907, 1945 – 1966 und 1989 – 200X der Fall. 1817 gab es erstmals eine eidgenössische Militäraufsichtsbehörde mit einem eidgenössischen Stab. Mit der Gründung der Zentralschulen in Thun wurden auch neue Grundlagen für die Ausbildung gelegt. Zum ersten Mal wurden systematische Überlegungen angestellt, wie die Armee eingesetzt werden könnte. Auslöser für die Umbrüche in den 60-er und 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts und nach dem Zweiten Weltkrieg waren Entwicklungen in der Militärtechnik. Nach dem Zweiten Weltkriege bahnte sich ein Richtungsstreit an, der in der Konzeption vom 6.6.66 endete. Diese hatte bis Mitte der neunziger Jahre Bestand. Der Pillenknick, die zunehmende Digitalisierung und Neuerungen in der Waffentechnologie sowie eine sinkende Akzeptanz der Armee in der Bevölkerung (Armeeabschaffungsinitiative) läuteten gemäss Jaun das Ende der Armee 61 ein. Auf die Armee 95 folgte 2004 die Armee XXI.

Wert der Mobilmachung
Hans Rudolf Fuhrer zeichnete die Vor- und Nachteile der Mobilisierung auf. „Die grosse Herausforderung ist die Frage, wann die Vorwarnzeit beginnt, wenn verbal gedroht wird, die internationalen Spannungen zunehmen oder der Gegner bereits angriffsbereit an der Grenze ist?“ Fuhrer kommt zum Schluss, dass in der Geschichte die Schweiz ihre Truppen nie rechtzeitig mobilisiert hatte. Man wollte keine falschen Signale aussenden.

Dieter Kläy, Vorstandsmitglied

 

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