Bild: Waffenrock eines Oberleutnants der Kavallerie-Mitrailleure, 1915

GMS Frühjahrstagung 2017

25.02.2017

Thema: Von der Helvetik zur Mediation – das Schlüsseljahr 1802

Samstag, 25. Februar 2017, 0945 – 1200, Universität Zürich Zentrum, Hauptgebäude Rämistrasse 71, Raum KOH B-10

mit Referaten von PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer und Dr. Stüssi-Lauterburg

Der Aufstand weiter Teile der Bevölkerung im Herbst 1802 gegen die helvetische Obrigkeit, bekannt auch unter dem Begriff «Stecklikrieg», ist ein eher wenig beachtetes Thema der Schweizer Geschichte. Hans Rudolf Fuhrer beleuchtete die Ereignisse rund um die Beschiessung von Zürich und Jürg Stüssi Lauterburg widmete sich in seinem Referat dem Stoss der Föderalisten nach Bern und dem Sturz der helvetischen Regierung. Den Ausführungen der beiden Referenten folgten knapp 100 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Nach dem Abzug der Franzosen duldete die helvetische Zentralregierung keinen Widerstand. Allerdings hatte der helvetische Zentralstaat nur ca. 2000 bewaffnete Mann, wovon 500 unbrauchbar gewesen sein sollten, wie Hans Rudolf Fuhrer einschätzt. General Andermatt wurde ausgesandt, die Obwaldner ruhig zu stellen. Es kam am 13. August 1802 zur Auseinandersetzung am Renggpass bei Alpnach. Zwar war es ein kleines Gefecht, erhielt aber eine grosse Bedeutung, da es mit einem Sieg der aufständischen Ob- und Nidwaldner endete. General Andermatt musste Frieden schliessen und bekam von Bern den Befehl, nach Zürich zu marschieren, wo ihm die Stadtzürcher den Einlass verwehrten. Das führte am 10. September 1802 zur ersten Beschiessung Zürichs von der Enge aus. Grossen Schäden gab es nicht. Die Brände konnten rasch gelöscht werden. Ein terrestrischer Vorstoss von Wollishofen auf die Stadt scheiterte. Andermatt wechselte per Schiff die Seeseite und beschoss die Stadt vom Züriberg aus. Unterstützt wurde er von Bauern aus der Landschaft, die die Stadt plündern wollten. Nachdem der Erfolg ein zweites Mal ausgeblieben war, musste General Andermatt auf Geheiss der helvetischen Regierung einen Frieden aushandeln. Am 15. September 1802 zog er seine Truppen in Richtung Bern ab.

Den Kriegsverlauf zwischen den Föderalisten und der Helvetischen Republik in den Kantonen Aargau, Bern und Waadt zeichnete Jürg Stüssi-Lauterburg auf. Nach dem Frieden von Lunéville und Amiens ging es darum, dass die Schweiz ihre politische Ordnung selbst an die Hand nahm. Die helvetische Verfassung von 1802 wurde allerdings nur durch einen Trick angenommen. Die Nichtstimmenden wurden automatisch als Ja-Stimmen gezählt, weshalb die Verfassung angenommen worden ist. Tatsächlich hat sie aber eine Mehrheit an der Urne verworfen. Nach dem Abzug der französischen Truppen im Sommer 1802 brach der Aufstand im Aargau, in Bern und in der Zentralschweiz aus. Der Versuch der helvetischen Regierung, die Aufstände zu unterdrücken, führten im September 1802 auch im ganzen Mittelland zu Auseinandersetzungen. Die helvetische Regierung brach zusammen und zog nach Lausanne ab. Die helvetische Armee wurde vollständig geschlagen. Napoleon diktierte die Mediation. Bis 1813 wurde die Schweiz faktisch ein französischer Vasallenstaat.

Dieter Kläy, Vorstandsmitglied

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