Bild: Ausgangsuniform eines Adjutant-Unteroffiziers des Schweizer UN-Kontingents, 1995

GMS Frühjahrstagung 2011

26.02.2011

Herzog Albrecht II. Stich, 18. Jh.

Die Habsburger: Erzfeinde zu Recht?

Die Machtpolitik der Eidgenossen oder ihre Opferrolle im 14. Jahrhundert war Thema der gut besuchten GMS Frühjahrstagung. Bruno Meier, Autor des Buches „Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter“, charakterisierte das Verhältnis zwischen Habsburg-Österreich und den Eidgenossen im 14. Jahrhundert als eine Beziehung mit offenem Ausgang. Um 1300 gab es zwischen Habsburgern und Eidgenossen unterschiedliche Konfliktlinien. Es gab keine einheitliche Habsburgerdynastie, sondern eine Hauptlinie mit Rudolf von Habsburg und die Linie Habsburg-Laufenburg (Trennung ca. 1240), die untereinander Konflikte hatten. Nach dem Tod Leopold I 1326 versuchte sich Luzern unabhängiger zu machen. 1332 kam es zum Bündnis mit den Waldstätten. Neue Eliten mit wirtschaftlichen Interessen kamen in Luzern, Uri und in Obwalden an die Macht. Diese Eliten waren ohne Bezug zu Habsburg und wollten vor allem von den Beziehungen nach Norditalien profitieren. Doch diese neuen Eliten waren letztlich dafür verantwortlich, dass neue Konflikte wie z.B. der Sempacher Krieg 1386 ausbrachen. Nach der Schlacht bei Sempach konnten diese neuen Eliten in der Innerschweiz und vor allem in Luzern, später auch in Zürich und Bern ihre wirtschaftliche Macht konsolidieren. Der traditionelle Adelsteil und die Habsburgische Präsenz wurden stark erschüttert, die Herzöge waren wenig präsent und konnten sich nicht mehr durchsetzen. Die Eidgenossen und die Habsburger wurden zu Nachbarn.

Rolf Kamm, Verfasser des Buches „Glarus zwischen Habsburg und Zürich. Die Entstehung des Landes im Spätmittelalter“ verwies in seinen Ausführungen, dass sich durch die Schlacht von Näfels 1388 die Glarner nicht nur von den Habsburgern befreiten und Teil der Eidgenossenschaft wurden, sondern auch einen hohen Stellenwert erhielten. Vor 1390 waren es Eliten aus dem Glarner Unterland mit direkter Beziehung zu Habsburg und zum Kloster Säckingen, die den alten regionalen Adel beerbt hatten und primär im Handel auf der Achse Zürich-Weesen-Italien tätig waren. Nach 1380 rekrutierten sich die führenden Kreise eher aus dem Hinterland südlich von Schwanden. Sie waren stärker mit der Innerschweiz verbunden. Ihre Interessen lagen in den Alpweiden und im Export von Vieh, Schafen, etc. In erster Linie war dieser Elitenwechsel wirtschaftlich und kulturell bedingt. Sukzessive lösten sich die Glarner von den Habsburgern ab. 1415 wurde Glarus reichsfrei. Es folgte eine Annäherung an die Eidgenossenschaft, an Schwyz und an Zürich. Letztlich aber bewahrte Habsburg Glarus zwischen 1353 und 1415 vor dem eidgenössischen Zugriff.

 Zum „Poker“ des Zürcher Bürgermeisters Rudolf Brun mit der jungen Eidgenossenschaft und Habsburg-Österreich (1336 − 1360) referierte der ehemalige Stadtarchäologe und GMS Reiseleiter Jürg E. Schneider. Die Handwerkerorganisationen von Zürich sahen, dass sie in Konstanz, Basel und anderen Orten integriert waren und wollten auch in Zürich mitreden. Rudolf Brun hatte die Zeichen der Zeit, die auf Mitsprache und Wirtschaftspotenz standen, erkannt. Doch die Zürcher Nobilität wehrte sich gegen die aufstrebenden Handwerker. Als Brun 1332 in den Rat kam, war er noch in der Minderzahl. 1336 verjagte er die damals führenden Bilgeri nach Basel, Rapperswil und Strassburg. Brun wurde erster Bürgermeister der Stadt Zürich und baute seine Macht konsequent aus. 1337 bestätigte Ludwig der Bayer die Zunftverfassung. Die Verbannten, vor allem jene aus Rapperswil, rührten die Trommel gegen den missliebigen Brun. Im Herbst 1337 kam es zum Krieg Zürichs gegen Rapperswil. Erst im Herbst 1343 erfolgte die Aussöhnung. Brun baute seine Herrschaft weiter aus, kaufte 1345 die Kirche St. Peter und erhielt auch das Münzregal. Die frühen 40-er Jahre waren überschattet von Umweltkatastrophen. 1344 und 1345 ab es eine Dürre mit Hungersnöten. 1347 brach die Pest in Europa aus. Ca. 50 Mio. Leute starben europaweit. Auch Zürich wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Zeit für Habsburg war günstig zu intervenieren. Doch Rudolf Brun hatte Kenntnis erhalten. Es gelang ihm, das verhasste Geschlecht der Bilgeri vollkommen zu brechen. Die Zürcher zogen erneut nach Rapperswil, nahmen die Stadt ein und zerstörten die Burg. Dabei kam es zu Übergriffen auf habsburg-laufenburgische Besitztümer. Ein Friedensangebot Bruns an Habsburg-Laufenburg wurde abgelehnt. Brun sah sich in einer prekären Lage und suchte die Unterstützung der Waldstätte. Am 1. Mai 1351 schloss Zürich das ewige Bündnis mit den Eidgenossen, die die Zunftverfassung anerkannten. Nach 1355 kam es zu einer Normalisierung mit dem Haus Habsburg-Österreich. Brun starb am 17. September 1360.

Dieter Kläy, Winterthur

Buchempfehlungen:

Bruno Meier: Ein Königshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter. 244 S., ISBN 978-3-03919-069-0. hier+jetzt Verlag für Kultur und Geschichte GmbH, Baden.

Rolf Kamm. Glarus zwischen Habsburg und Zürich. Die Entstehung des Landes im Spätmittelalter. 288 S., ISBN 978-3.03919-150-5. hier+jetzt Verlag für Kultur und Geschichte GmbH, Baden.