Bild: Frack eines Soldaten des Walliser-Bataillons in französischen Diensten, um 1805

GMS Herbsttagung 2013

09.11.2013

Thema: 60 Jahre Schweizer Koreamission

Samstag, 09. November 2013, 0945 bis 1300 Uhr, Uni Zürich Zentrum KOH B-10

Referenten
– PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer
– Div Jean-Jacques Joss und Oberstlt Marc Ehrensperger
– Dr. oec. Clemens Sager

Das mit über 100 Personen gut besuchte Herbstsymposium 2013 war der Koreamission gewidmet. Seit 60 Jahren leisten Schweizer Dienst in der NNSC (Neutral Nations Supervisory Commission for the Armistice in Korea).

Am 7. Juli 1953 wurde das Eidgenössische Militärdepartement vom Bundesrat ermächtigt, bewaffneten Schweizer Armeeangehörigen für die damals beiden Kommissionen NNRC (Neutrale Heimschaffungskommission für Kriegsgefangene) und NNSC (Neutrale Überwachungskommission für den Waffenstillstand zwischen den beiden Korea) vorzubereiten. Das war auch die Geburtsstunde der militärischen Friedensförderung der Schweiz. GMS-Mitglied Clemens Sager berichtete über seine Erfahrungen in den Jahren 1955 und 1956. Divisionär Jean-Jacques Joss und Oberstleutnant Marc Ehrensperger beleuchteten die Koreamission aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen in jüngster Vergangenheit.

Das Waffenstillstandsabkommen wurde nicht von den Regierungen, sondern von den Generälen unterzeichnet. Aufgabe der stationierten Offiziere war es, in 5 in Nord- und 5 in Südkorea gelegenen Ports of Entry Bewegungen von Kriegsmaterial und militärischem Personal zu überwachen. Anhand persönlich gemachter Fotos und Filme gewährte Clemens Sager, 1955/56 als Leutnant in der Neutralen Überwachungskommission am 38. Breitengrad stationiert, einen spannenden Einblick in einen wichtigen Meilenstein des Kalten Krieges. Die Reise von der Schweiz nach Korea musste er damals in 8 Einzelflügen aus der Schweiz über Frankfurt am Main, Island, Neufundland, San Franzisco, Hawai, Tokio und Seoul bewältigen, was mehrere Tage in Anspruch nahm. Damals lautete der Auftrag „überwacht, beobachtet, inspiziert und untersucht die Bewegungen von Einheiten sowie Truppenverschiebungen, den Ersatz von Kampfflugzeugen, gepanzerten Fahrzeugen, Waffensysteme und Munition an den je 5 „Ports of Entry“ im Norden und im Süden. Daneben bestand die Tätigkeit der Schweizer Offiziere auch aus Kurierdiensten, im Austausch mit den anderen Delegationen und der lokalen Bevölkerung und anderen Tätigkeiten. Clemens Sager blieb später beruflich mit Südkorea verbunden und besuchte 2002 auch den Norden.

Dass auch 60 Jahre nach Abschluss des Waffenstillstandes ein Engagement der Schweiz am 38. Breitengrad Sinn macht, zeigten Divisionär Jean-Jacques Joss, Delegationsleiter von 2007 bis 2012, und Marc Ehrensperger, operation officer von 2010 bis 2011. In diese Zeit fiel die Erweiterung der Delegationsaufgaben. Neu kamen Tätigkeiten im Bereich der Information, der Aus- und Weiterbildung, Observation (Verifikation) und Untersuchungen (Investigation) dazu. Am Beispiel der Spezialuntersuchung «Austausch von Artilleriefeuer bei der Insel Yeonpyeong» erläuterte Marc Ehrensperger, wie wichtig die Rolle der Schweizer Delegation ist. Im Rahmen einer neutralen Untersuchung konnten Ursache und Entwicklung des gegenseitigen Artilleriebeschusses zwischen Nord- und Südkorea vom 23. November 2010 eruiert werden. Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass Nordkorea ein Artillerieübungsschiessen des Südens zum Anlass nahm, die südkoreanische Insel Yeonpyeong vorsätzlich zu beschiessen. Die Untersuchungsresultate wurden dem UN-Sicherheitsrat übermittelt.

Auch 60 Jahre nach dem Schluss des Waffenstillstandsabkommens bleibt offen, wie sich die geopolitische Lage auf der koreanischen Halbinsel entwickeln wird. Die Schweiz wird im Rahmen der NNSC nach wie vor eine wichtige Funktion zu erfüllen haben.

Dieter Kläy, GMS-Vorstand, Winterthur