{"id":10339,"date":"2018-02-28T22:47:13","date_gmt":"2018-02-28T22:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=10339"},"modified":"2018-02-28T22:47:13","modified_gmt":"2018-02-28T22:47:13","slug":"gms-herbsttagung-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-herbsttagung-2018\/","title":{"rendered":"GMS Herbsttagung 2018"},"content":{"rendered":"<p><!-- <meta name=\"NextGEN\" version=\"2.1.69\" \/> -->Thema: <b>100 Jahre Landesstreik<\/b><\/p>\n<p>Samstag, 03. November&nbsp;2018, 0945 &#8211; 1215, Universit\u00e4t Z\u00fcrich Zentrum, Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71, Raum KOL-F 101<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>100 Jahre Landesstreik<\/strong><\/p>\n<p>Am 12. November 1918 streikten \u00fcber 250&#8217;000 Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie stellten Forderungen, die heute l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich sind: die 48-Stunden-Woche, eine Altersversicherung und das Frauenstimmrecht. Ihnen gegen\u00fcber standen 95&#8217;000 Soldaten, die vom Bundesrat aufgeboten worden waren, um f\u00fcr Ruhe und Ordnung zu sorgen. Drei ausgewiesene Fachpersonen gingen im Rahmen der GMS-Herbsttagung den Hintergr\u00fcnden dieses Ereignisses nach. 120 Person nahmen am Symposium teil.<\/p>\n<p><strong>Verh\u00e4ltnism\u00e4ssigkeit des Armeeeinsatzes<\/strong><\/p>\n<p>Hans-Rudolf Fuhrer stellte einleitend fest, dass der Ordnungsdienst in den vergangenen 100 Jahren immer wieder zur Diskussion stand, zuletzt in den Milit\u00e4rgesetzrevisionen der vergangenen Jahre. In der 1918 geltenden Verfassung kam der Armee die Rolle der \u00abHandhabung von Ruhe und Ordnung im Innern\u00bb zu. Sie war das Gewaltmittel des Staates bei schwerwiegender Bedrohung. Bei der Beurteilung des Landesstreiks dreht sich deshalb vieles um die Frage der \u00abschwerwiegenden Bedrohung\u00bb. In Z\u00fcrich brach der Konflikt am 10. November 1918 aus. Der General forderte vom Bundesrat, \u201epr\u00e4ventiv zu handeln\u201c. Der Streik sollte nicht zugelassen werden. Zu gross war die Furcht vor einer Revolution. Auf Dr\u00e4ngen des Z\u00fcrcher Regierungsrates bewilligte der Bundesrat 8&#8217;000 Mann. Das gleiche galt f\u00fcr Bern. Am 10. November 1918 kam es zum Schusswechsel auf dem M\u00fcnsterhof. F\u00fcsilier Vogel wurde in den Bauch getroffen und starb an den Verletzungen. Der Schiessende konnte allerdings nie eruiert werden. Man fand lediglich heraus, dass es sich nicht um ein milit\u00e4risches Geschoss gehandelt hatte. Zweifellos war die soziale Misere gross und die Unzufriedenheit der Arbeiter nachvollziehbar. Hans-Rudolf Fuhrer zog den Schluss, dass die Armee ultima ratio eingesetzt wurde, aber weder von der Ausr\u00fcstung noch von der Ausbildung her daf\u00fcr geeignet war. Damals f\u00fcrchteten die Entscheidungstr\u00e4ger revolution\u00e4re Zust\u00e4nde.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgertum war nicht reformresistent<\/strong><\/p>\n<p>Roman Rossfeld, Historiker und Leiter des Nationalfondsprojektes zum Landesstreik, setzte in seinem Referat bei den \u00c4ngsten des B\u00fcrgertums an. Das B\u00fcrgertum hatte damals die soziale Misere durchaus bemerkt und sich Reformen nicht verweigert. Die Initiative f\u00fcr eine AHV kam von der FDP. Es ging aber auch um \u00c4ngste, um Machtverlust, den Erhalt des liberalen Wirtschaftssystems und die Folgen des Ersten Weltkrieges, die zu grosser Verunsicherung f\u00fchrten. Durch den Internationalismus der Sozialdemokratie sah das B\u00fcrgertum das Konzept von Nation und Vaterland gef\u00e4hrdet. Nach den Kantonen \u00e4nderte im Herbst 1918 auch auf Bundesebene das Nationalratswahlsystem vom Majorz zum Proporz. Vor allem die FDP sah ihren Besitzstand gef\u00e4hrdet. Im Oktober 1918 kam es in Z\u00fcrich auch noch zum Streik der Bankangestellten. Das B\u00fcrgertum reagierte mit einer Doppelstrategie auf diese Entwicklung: Reform und Repression. Bereits im Sommer 1919 wurde die 48-Stunden-Woche verabschiedet. Der Baselst\u00e4dter FDP-Nationalrat Christian Rothenberger lancierte die AHV-Initiative. In den Gesamterneuerungswahlen von 1919 versprach die FDP den Ausbau des Sozialstaates. Die Repressionsstrategie bestand in b\u00fcrgerlichen Gegendemonstrationen und in der Bildung von Stadt- und Gemeindewehren, die 1918\/1919 wie Pilze aus dem Boden schossen. Zudem kam es zur Gr\u00fcndung antikommunistischer Gruppierungen, weil man im Zeichen der internationalen Entwicklung auch einen Umsturz in der Schweiz f\u00fcrchtete.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcrgerwehren als Zeichen der Verunsicherung<\/strong><\/p>\n<p>Der Z\u00fcrcher Historiker und Leiter des Sozialarchivs, Christian Koller, beleuchtete die Rolle der B\u00fcrgerwehren, deren Wurzeln ins 19. Jahrhundert reichen. Bei ihrer Gr\u00fcndung spielten Turnvereine, aber auch der SAC eine wichtige Rolle. General Ulrich Wille war ihnen sehr kritisch eingestellt. Er sah sie eher im Rahmen von Gegendemonstrationen, nicht aber als bewaffnete Truppe, die die Armee konkurrenziert. Die Z\u00fcrcher Stadtwehr z\u00e4hlte 1919 ca. 10\u2018000 Mitglieder. Von der Wirtschaft wurden die B\u00fcrgerwehren als Versicherungspr\u00e4mie gepriesen. Als sich die Gefahr des Umsturzes verzogen hatte, verloren die B\u00fcrgerwehren rasch an Bedeutung. Schweizer B\u00fcrgerwehren waren damals kein Einzelfall. Sie entsprachen dem gesamteurop\u00e4ischen Muster und spielten vor allem in den Verliererstaaten (wie z.B. Deutschland) eine wichtige Rolle, w\u00e4hrend in den Siegerm\u00e4chten (Frankreich, Grossbritannien) und den neutralen Staaten keine nachhaltige Bedeutung erlangen mochten.<\/p>\n<p>Dieter Kl\u00e4y, Vorstand GMS, 3. November 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: 100 Jahre Landesstreik Samstag, 03. 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