{"id":10826,"date":"2018-11-10T02:14:18","date_gmt":"2018-11-10T02:14:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=10826"},"modified":"2018-11-10T02:14:18","modified_gmt":"2018-11-10T02:14:18","slug":"gms-fruehjahrstagung-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-fruehjahrstagung-2019\/","title":{"rendered":"GMS Fr\u00fchjahrstagung 2019"},"content":{"rendered":"<p>Thema:&nbsp;<strong>1919: Der Tod des Doppeladlers &#8211;&nbsp;Das Ende der Habsburger Monarchie<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 23. Februar&nbsp;2019, 0945 &#8211; 1200, Universit\u00e4t Z\u00fcrich Zentrum, Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71, Raum KOH-B-10<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Referenten: Prof. Dr. Manfried Rauchensteiner, PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer.<\/p>\n<p><strong>Vom Kaiserreich zum Kr\u00fcppel<\/strong><\/p>\n<p>Erinnern wir uns an den Ersten Weltkrieg und die Vertr\u00e4ge von Versailles, sind unsere Augen in der Regel auf Deutschland und seine Reparationszahlungen gerichtet. Dass \u00d6sterreich am Ende des Ersten Weltkrieges auch eine dramatische Zeit durchlebte, wird vielfach vergessen. 130 Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer folgten den Ausf\u00fchrungen des Wiener Historikers Manfried Rauchensteiner und von Hans Rudolf Fuhrer.<\/p>\n<p>Nach dem Tod von Franz Joseph I. bestieg am 21. November 1916 Karl I. (1887 \u2013 1922) den Thron. Von Historikern wird er eher als Verlegenheitsl\u00f6sung beurteilt, wie Manfried Rauchensteiner in seinem Referat \u00abEin Kaiser zu viel\u00bb darlegte. Verkannt wird allerdings, dass er fr\u00fch Avancen f\u00fcr einen Frieden unternommen hat. Erst seit kurzem sind die Tageb\u00fccher seines Jugendfreunds Graf Tamas Erd\u00f6dy aufgetaucht, aus welchen hervorgeht, dass Karl I. bereits 1917 auf einen Frieden mit Frankreich hingearbeitet hat. Doch der deutsche Kaiser Wilhelm I. forderte ein alleiniges Bestimmungsrecht, was Karl I. dazu verdammte, den Krieg weiterzuf\u00fchren. Am 3. November 1918 kam es zum Waffenstillstand mit Italien. Die Verzichtserkl\u00e4rung Karls I. 8 Tage sp\u00e4ter, k\u00fcnftig an den politischen Vorg\u00e4ngen nicht mehr teilnehmen zu wollen, unterzeichnete er nur widerwillig. Auf Betreiben der Alliierten verliess er am 24. M\u00e4rz 1919 \u00d6sterreich in Richtung Schweiz.<\/p>\n<p>Die Nordslawen, die Ungarn und die S\u00fcdslawen verabschiedeten sich schrittweise von der Monarchie, die im Verlaufe des Jahres 1918 im Chaos versank. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutsch\u00f6sterreich ausgerufen. Der Zerfall \u00d6sterreich-Ungarns und das Diktat von Saint-Germain-en-Laye (Versailles) vom 10. September 1919 waren Ausgangspunkt f\u00fcr ein neues \u00d6sterreich. Der Sozialdemokrat Karl Renner (1870 \u2013 1950) wurde als Vertreter \u00d6sterreichs in Versailles zur Unterzeichnung des Vertrags eingeladen \u2013 Verhandlungen waren keine vorgesehen &#8211; konnte aber ein hartes Diktat, wie es Deutschland auferlegt wurde, abwenden. Zwei bolschewistische Umsturzversuche, einen davon durch den ungarischen Russlandheimkehrer B\u00e9la Kun (1886 \u2013 1938) unterst\u00fctzt, wurden abgewehrt. Was \u00fcbrig blieb, war aber ein schwacher Staat. Die ehemalige Habsburger Monarchie blieb bis 1938 \u2013 dem Anschluss an Deutschland &#8211; ein \u00abKr\u00fcppel\u00bb, wie es Rauchensteiner ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Vorarlberger suchen Anschluss an die Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>Die Trag\u00f6die um die Habsburger Monarchie hatte einen direkten Bezug zur Schweiz, wie Hans Rudolf Fuhrer ein seinem Referat beleuchtete. Nach dem Zusammenbruch \u00d6sterreich-Ungarns suchten die Vorarlberger den Anschluss an die Schweiz. Die Not der Bev\u00f6lkerung Ende 1918 und 1919 war gross. Es herrschte Chaos, Inflation, Kohlemangel, Brennholzknappheit, hohe Arbeitslosigkeit und Hungersnot. Wien bat den Schweizerischen Bundesrat um Hilfe, welcher trotz G\u00fcterknappheit in der Schweiz und anf\u00e4nglichem Verbot der Alliierten Tausende von Tonnen Nahrungsmittel nach \u00d6sterreich liefern liess. Otto Ender (1875 \u2013 1960) plante einen Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz. Die Vertreter der Wirtschaft und des Gewerbes suchten eher den Anschluss an Deutschland, da sie sich attraktivere Absatzm\u00e4rkte erhofften. Mit 80,75 % stimmten die Vorarlberger am 11. Mai 1919 f\u00fcr den Anschluss an die Schweiz. Bundesrat Calonder nahm die Avancen zuerst mit Zur\u00fcckhaltung, dann nach Vorliegen des Abstimmungsresultats positiv zur Kenntnis. Es ging letztlich nicht um einen Beitritt Vorarlbergs zur Schweiz, sondern um die Aufnahme von entsprechenden Verhandlungen. Ender, der der \u00f6sterreichischen Delegation in Saint-Germain-en-Laye (Versailles) angeh\u00f6rte, fand aber bei Karl Renner kein Geh\u00f6r. Bundesrat Calonder sprach sich im November 1919 zwar f\u00fcr einen Beitritt Vorarlbergs zur Schweiz aus. Das Projekt scheiterte dennoch. Mit dem Beitritt der Schweiz zum V\u00f6lkerbund in der Volksabstimmung vom 16. Mai 1920 widersprach ein solcher Beitrittsakt dem V\u00f6lkerbundvertrag.<\/p>\n<p>Dieter Kl\u00e4y, Vorstandsmitglied GMS<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema:&nbsp;1919: Der Tod des Doppeladlers &#8211;&nbsp;Das Ende der Habsburger Monarchie Samstag, 23. 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