{"id":11305,"date":"2019-09-03T08:03:21","date_gmt":"2019-09-03T07:03:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=11305"},"modified":"2022-01-25T08:37:00","modified_gmt":"2022-01-25T07:37:00","slug":"frt-2020-gms-fruehjahrstagung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/frt-2020-gms-fruehjahrstagung\/","title":{"rendered":"GMS Fr\u00fchjahrstagung 2020"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color: #800000;\">Tagungsleiter: Oberst Dieter Kl\u00e4y<\/span><\/h2>\r\n<p>Universit\u00e4t Z\u00fcrich,Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71, Raum KOH-B-10<\/p>\r\n<p><span style=\"color: #800000;\"><span style=\"color: #000000;\">Thema: <strong>Calling Jenatsch &#8211; <\/strong><strong>B\u00fcndner Wirren<\/strong><br \/>mit den<em> Referenten Dr. Andrea Kauer, <\/em>Direktorin R\u00e4tischisches Museum Chur<em>, Manuel Janosa<\/em>, Grabungstechniker und Projektleiter Auswertung Kathedrale Chur &amp; Jenatsch-Grab und <em>PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer<\/em>.<\/span><br \/><\/span><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/old-page\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/GMS-Tagung-Fr\u00fchjahr-2020.pdf\">Detailprogramm als PDF<\/a><\/p>\r\n<p><strong>Samstag, 22. Februar 2020<\/strong> um 0945 \u2013 1200 an der Universit\u00e4t Z\u00fcrich Zentrum, im Raum KOH-B-10, Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71.<\/p>\r\n<p>Der Tagungspreis von Fr. 40.00 ist an der Tageskasse zu entrichten.<\/p>\r\n<p>Zusammenfassung von Dieter Kl\u00e4y: &#8222;Auf den Spuren von J\u00fcrg Jenatsch&#8220;:<\/p>\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n<p><strong>Auf den Spuren von J\u00fcrg Jenatsch<\/strong><\/p>\r\n<p><em>Die GMS-Fr\u00fchjahrstagung \u00abCalling Jenatsch\u00bb \u2013J\u00f6rg Jenatsch im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg \u2013 drehte sich um die B\u00fcndner Wirren w\u00e4hrend des Dreissigj\u00e4hrigen Krieges. GMS-Reiseleiter Hans-Rudolf Fuhrer, die Leiterin des r\u00e4tischen Museums Andrea Kauer und der Bauforscher und Grabungstechniker Manuel Janosa vom arch\u00e4ologischen Dienst des Kantons Graub\u00fcnden befassten sich vor 120 lauschenden Zuh\u00f6rern mit einer umstrittenen Pers\u00f6nlichkeit. <\/em><\/p>\r\n<p>Im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg waren die B\u00fcndner, wie <em>Hans-Rudolf Fuhrer<\/em> in seinem einleitenden \u00dcberblick festhielt \u2013 nicht nur Zuschauer, wie der Rest der damaligen Eidgenossenschaft, sondern Teil wirrer Auseinandersetzungen. Europaweit standen sich zwei Koalitionen gegen\u00fcber: Frankreich-Venedig und Spanien-\u00d6sterreich. Graub\u00fcnden war wegen seiner strategischen Lage im geografischen Kreuzungspunkt der beiden Koalitionen und wegen seiner P\u00e4sse von besonderem Interesse. Komplizierte konfessionelle Verh\u00e4ltnisse waren Teil der Auseinandersetzungen. Die wahren Motive waren eher weltlicher und wirtschaftlicher Natur.<\/p>\r\n<p>Die B\u00fcndner Wirren lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen. Von 1603 bis 1623 wollten die B\u00fcndner die Veltlin-Achse in der Hand behalten, ihre Autonomie wahren und Handel betreiben. Das Herzogtum Mailand, das zu Spanien geh\u00f6rte, erhob vor allem wegen \u00d6sterreich ebenfalls einen Anspruch auf die Achse. Es war die Zeit des Kampfes der Reformierten, repr\u00e4sentiert durch die Familie von Salis und auch J\u00f6rg Jenatsch, gegen die Katholiken, repr\u00e4sentiert durch die Familie von Planta. Jenatsch trat am Strafgericht von Thusis als fanatischer Gegner der spanisch-katholischen Partei auf und war 1618 mitverantwortlich f\u00fcr den Justizmord an Nicol\u00f2 Rusca, Erzpriester von Sondrio. Der eigentliche Auftakt zu den B\u00fcndner Wirren war der Veltliner Mord vom 18. und 19. Juli 1620, als italienische S\u00f6ldner ins Veltlin eindrangen und die katholische einheimische F\u00fchrungsschicht f\u00fcr einen Aufstand gegen ihre mehrheitlich reformierten B\u00fcndner Landesherren gewannen. Rund 500 Protestanten wurden get\u00f6tet und Hunderte von Angeh\u00f6rigen der B\u00fcndner F\u00fchrungsschicht mussten das Gebiet verlassen. Jenatsch konnte entkommen. Die Ermordung Rudolf von Plantas am 25. Februar 1621 durch J\u00f6rg Jenatsch f\u00fchrte zu einer Intervention durch die \u00d6sterreich-Habsburger. In der Folge kam es 1622 zum Bauernaufstand im Pr\u00e4ttigau, wo die \u00d6sterreicher rausgeworfen wurden, was wiederum eine zweite habsburgische Intervention mit einer weiteren Rekatholisierungsphase nach sich zog.<\/p>\r\n<p>Die zweite Phase von 1623 bis 1639 war bestimmt durch die franz\u00f6sische Intervention. Kardinal Richelieu stellte ein Heer bereit, um die Reformierten zu unterst\u00fctzen. Die Befreiung erfolgte im Oktober 1624. Die Rekatholisierung wurde r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Wichtigste Phase war die Intervention Frankreich im Jahre 1635. Die f\u00fcr Graub\u00fcnden entscheidende von insgesamt f\u00fcnf Armeen war die Elsass-Armee des reformierten Herzogs von Rohan, Henri II, der im Auftrag Richelieus von Tirano aus erfolgreich einen Zweifrontenkrieg gegen Spanien und \u00d6sterreich f\u00fchrte. Am 5. Mai 1637 musste er das Land verlassen und starb am 13. April 1638. In der Bilanz konnte sich die Reformation in Graub\u00fcnden halten.<\/p>\r\n<p><strong>Vorbehalte gegen die Heroisierung<\/strong><\/p>\r\n<p>Die Direktorin des 1872 gegr\u00fcndeten r\u00e4tischen Museums, <em>Andrea Kauer<\/em>, kn\u00fcpfte in ihren Ausf\u00fchrungen zu J\u00f6rg Jenatsch an Conrad Ferdinand Meyer (1825 bis 1898) an. Meyer setzte sich in seinem 1876 erschienenen Roman intensiv mit Jenatsch auseinander und l\u00f6ste f\u00fcr diesen einen Begeisterungsschub aus. Als \u00abgesetzloser Kraftmensch\u00bb beschrieb ihn Meyer mit dem Willen, seine politischen Ziele zu erreichen. Nach Auffassung von Kauer ist die historische Bedeutung Jenatschs im Nachgang betrachtet viel kleiner als seine Bedeutung als literarische Figur. Jenatsch wurde 1596 geboren und verbrachte seine Kindheit in Silvaplana, wo sein Vater Pfarrer war. Auch f\u00fcr J\u00f6rg war eine kirchliche Karriere geplant. 1610 lernte er am Carolinum in Z\u00fcrich Mitsch\u00fcler der B\u00fcndner Oberschicht kennen. Nach Studien der Theologie 1616 und 1617 in Basel kehrte nach Graub\u00fcnden zur\u00fcck, wurde evangelischer Pfarrer in Scharans und heiratete die Tochter eines S\u00f6ldnerf\u00fchrers aus Davos. Damit begann sein sozialer Aufstieg. 1620 \u00fcbernahm er in Veltlin eine reformierte Kirchgemeinde, musste aber im Zuge der Veltliner Morde fliehen. Sp\u00e4ter mutierte er vom Geistlichen zum Soldunternehmer und warb im Auftrag Venedigs junge Leute f\u00fcr den Kriegsdienst an. 1635 war er an der R\u00fcckeroberung des Veltlins beteiligt und wurde in der Armee des Herzogs von Rohan Oberst. Aus opportunistischen Gr\u00fcnden konvertierte er 1635 zum Katholizismus und wandte sich 1637 gegen Henri II. Danach legte er sich immer st\u00e4rker mit den Vertretern der B\u00fcndner Oberschicht an. Immer mehr Weggef\u00e4hrten wandten sich von ihm ab. Am 24. Januar 1639 wurde er in Chur in der Wirtschaft zum \u00abstaubigen H\u00fcetli\u00bb w\u00e4hrend einer Fasnachtsfeier von einer verkleideten Person mit einer Axt erschlagen. Der M\u00f6rder wurde nie identifiziert und die Ermittlungen nach der T\u00e4terschaft wurden rasch eingestellt.<\/p>\r\n<p><strong>Leichnam und Originalportr\u00e4t gefunden<\/strong><\/p>\r\n<p><em>Manuel Janosa<\/em>, Bauforscher und Grabungsleiter beim arch\u00e4ologischen Dienst des Kantons Graub\u00fcnden, war von 2003 bis 2007 mit Grabungsarbeiten an der Kathedrale von Chur besch\u00e4ftigt, als er immer st\u00e4rker mit der Frage nach dem Grab Jenatschs konfrontiert wurde. Unter der Leitung des f\u00fchrenden Schweizer Anthropologen Erik Hug erfolgte bereits 1959 eine erste Exhumierung. Da Hug dar\u00fcber nie publizierte, fehlten Informationen zu den Ergebnissen. \u00a02009 stiess Janosa im Kloster Einsiedeln auf detaillierte Unterlagen \u00fcber die Exhumierung Jenatschs durch den 1991 verstorbenen Hug. Sie erwiesen sich als Volltreffer. Da viele Fragen unklar blieben, wurde Jenatsch vom 14. bis 16. M\u00e4rz 2012 ein zweites Mal exhumiert. Ein DNA-Abgleich mit Nachfahren, 1959 war ein solcher noch nicht m\u00f6glich, l\u00e4sst mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit den Schluss zu, dass es sich bei der exhumierten Person tats\u00e4chlich um J\u00f6rg Jenatsch handelte. Ein zweiter Erfolg war Janosa beschieden, als er im Palais Besenval auf der Schweizer Gesandtschaft in Paris auf das Originalgem\u00e4lde von Jenatsch stiess, das dieser anl\u00e4sslich seines 40. Geburtstags 1636 anfertigen liess.<\/p>\r\n<p>Mehr \u00fcber Jenatsch l\u00e4sst sich im r\u00e4tischen Museum in Chur in Erfahrung bringen: <a href=\"http:\/\/www.rm.gr.ch\">www.rm.gr.ch<\/a><\/p>\r\n<p><em>Dieter Kl\u00e4y<\/em><\/p>\r\n\r\n<div id=\"gtx-trans\" style=\"position: absolute; left: -8px; top: 273.719px;\">\r\n<div class=\"gtx-trans-icon\">\u00a0<\/div>\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagungsleiter: Oberst Dieter Kl\u00e4y Universit\u00e4t Z\u00fcrich,Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71, Raum KOH-B-10 Thema: Calling Jenatsch &#8211; B\u00fcndner Wirrenmit den Referenten Dr. Andrea Kauer, Direktorin R\u00e4tischisches Museum Chur, Manuel Janosa, Grabungstechniker und Projektleiter Auswertung Kathedrale Chur &amp; Jenatsch-Grab und PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer. Detailprogramm als PDF Samstag, 22. 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