{"id":12466,"date":"2011-02-11T20:30:39","date_gmt":"2011-02-11T19:30:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=606"},"modified":"2021-10-29T14:00:27","modified_gmt":"2021-10-29T12:00:27","slug":"ravenna","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/ravenna\/","title":{"rendered":"Ravenna"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Theodora I. mit ihrem Hofstaat; Mosaikbild aus San Vitale in Ravenna\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/d\/d9\/Theodora_mosaik_ravenna.jpg\" alt=\"Theodora I. mit ihrem Hofstaat; Mosaikbild aus San Vitale in Ravenna\" width=\"420\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Die Fr\u00fchgeschichte: Griechen, Kelten, R\u00f6mer. Der Dom von Modena als Leitbild padaner Romanik. Ravenna, Hochburg der Ostgoten und Byzantiner: Die Prachtbauten des Weltkulturerbes.<!--more--> Die Stadt im Fokus franz\u00f6sischer Italienpolitik: Die Schlacht von Ravenna von 1512 als Frankreichs \u201ePyrrhussieg\u201c. Garibaldi auf der Flucht vor den \u00d6sterreichern. Letzte Wirrnisse: Der Vormarsch der Alliierten nach dem Durchbruch bei Rimini 1945.<\/p>\n<h3>Dienstag<\/h3>\n<p>07.15 Abfahrt mit Bus ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai Fahrt \u00fcber Bellinzona und Mailand nach Modena. Mittagessen in der Altstadt, danach Besichtigung des Domes. Weiterfahrt, Info \u00fcber den Durchbruch der Alliierten bei Rimini 1945. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel NJ Jolly, Ravenna<\/p>\n<h3>Mittwoch<\/h3>\n<p>Tag in Ravenna: Besichtigung des ber\u00fchmten Mausoleums der Galla Placidia und der Basilika San Vitale. Nach dem Mittagessen Besuch des Grabmals Theoderichs und der venezianischen Festung Brancaleone. Abendessen in Ravenna. \u00dcbernachtung im Hotel NJ Jolly, Ravenna<\/p>\n<h3>Donnerstag<\/h3>\n<p>Busfahrt nach San Apollinare in Classe. Fahrt zur \u201eColonna dei Francesi\u201c. Erl\u00e4uterungen vor Ort zur Schlacht von Ravenna 1512. Nach dem Mittagessen Fahrt und Besichtigung des \u201eCapanno Garibaldi\u201c, der Zufluchtst\u00e4tte Garibaldis. Weiter nach Comacchio, dem Ort mit dem sch\u00f6nen Hafentor. Kaffeehalt fakultativ. Weiterfahrt in Richtung Po-Delta zur Abtei Pomposa. Abendessen fakultativ. \u00dcbernachtung im Hotel NJ Jolly, Ravenna<\/p>\n<h3>Freitag<\/h3>\n<p>Tag in Ravenna: Besuch der Baptisterien der Orthodoxen und der Arianer mit den pr\u00e4chtigen Mosaiken, des Domes und der Sarkophage sowie Dantes Grab. Mittagessen in der Stadt. Danach Besichtigung der Kirchen von San Francesco und San Apollinare Nuovo. Gemeinsames Abendessen. \u00dcbernachtung im Hotel NJ Jolly, Ravenna<\/p>\n<h3>Samstag<\/h3>\n<p>R\u00fcckfahrt mit Bus. Auf H\u00f6he Bologna Info \u00fcber den Durchbruch der Alliierten bei Bologna 1945. Mittagessen und Kaffeehalt unterwegs (fak). R\u00fcckfahrt nach Z\u00fcrich (18.30 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai)<\/p>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>Christoph Baumann, Dr. med et phil I, St\u00e4fa<\/p>\n<h3>Dr. Friedemann Pfenninger&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p><strong>Ravenna<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht ganz einfach, von einer Reise mit einem dermassen <i>weit gespannten Thema <\/i>\u2013 &#8222;Krieg und Frieden&#8220; k\u00f6nnte als Titel gew\u00e4hlt werden \u2013 zu berichten und das im vorgeschriebenen, engen Rahmen. Versuchen wir es so:<\/p>\n<p>Ein langer, gl\u00e4nzender Zug prachtvoll gekleideter Frauen in byzantinischer Tracht zieht dort oben vor\u00fcber. Jede Frau tr\u00e4gt einen Kranz in der Hand, die Krone bestandenen M\u00e4rtyrertums. Diese Krone wird nicht mit der nackten Hand gehalten, sondern durch ein Tuch hindurch. Ein Tuch? Nein, es ist der Schleier ihrer bewahrten, jungfr\u00e4ulichen Keuschheit, der vom Haupt herabfliesst. Als ich in die <i>Kirche San Apollinare Nuovo <\/i>eintrat, schien mir, dass diese gl\u00e4nzenden Damen nur stete Wiederholung einer Grundfigur seien, etwa so, wie die Reihe der M\u00e4nner ihnen gegen\u00fcber auf der anderen Seite des Schiffes. Nun aber entdecke ich mehr und mehr kleine Ver\u00e4nderungen. Im Gesicht etwa, in der ganzen Haltung. Die Kleider sind zwar gleich im Schnitt, doch das Muster des Stoffes \u00e4ndert sich von Frau zu Frau. Aus den feierlich uniform gekleideten Frauen werden pl\u00f6tzlich Personen. Die dar\u00fcber geschriebenen Namen verk\u00fcnden, welche <i>M\u00e4rtyrerin <\/i>es ist, die da in grausam kriegerischer Zeit ihr Leben als Opfer freudig hingegeben hat. Dort dr\u00fcben, unter dem skizzenhaften, doch ebenfalls gl\u00e4nzenden <i>Mosaikbild <\/i>des <i>Hafens <\/i>von <i>Ravenna <\/i>beantwortet der <i>Reiseleiter Dr. Christoph Baumann <\/i>mit Kompetenz und Geduld die an ihn gestellten Fragen oder freut sich \u00fcber neue Entdeckungen der Reiseteilnehmer. So bleibt immer noch Zeit, Neues am Zug der M\u00e4rtyrerinnen, den drei eilenden K\u00f6nigen in ihren bunten, eng anliegenden Kleidern oder an Maria mit dem Kind zu finden. Zum Gl\u00fcck fehlte es w\u00e4hrend der ganzen Reise nie an gen\u00fcgend eigener Zeit.<\/p>\n<p>Was haben wir doch nicht alles erlebt in diesen wenigen Tagen! Da ging es doch am Vortag um <i>Garibaldi<\/i>. Vor dem malerisch gelegenen &#8222;Capanno Garibaldi&#8220; h\u00f6rten wir von seinem <i>unsteten Leben<\/i>, von seinen immer wieder zum Scheitern verurteilten Z\u00fcgen und Bem\u00fchungen, besonders aber auch vom <i>Schicksal <\/i>seiner <i>Frau Anita Garibaldi<\/i>, die hochschwanger dahin und dorthin geschleppt wurde, ehe sie an ihren Leiden starb. Im kleinen Museum in der H\u00fctte sahen wir ihr Bild: eine junge zarte Frau. Die B\u00fcste an ihrem Sterbeort in Mandriole dagegen zeigt ein herbes, abgek\u00e4mpftes Gesicht. Die H\u00fctte selbst steht friedlich in einer ruhigen Landschaft. Der Blick gleitet unter alten B\u00e4umen \u00fcber eine weite Lagune hin. Dort steht ein weisser Reiher, auf der Wanderung hierher floh eine Eidechse \u00fcber den Weg. Eine Schlange glitt davon. In den Kan\u00e4len hingen die aufgespannten Fischernetze vor den H\u00fctten.<\/p>\n<p>Vor Garibaldi ging es um die <i>Schlacht von Ravenna 1512<\/i>, von der die &#8222;Colonna dei Francesi&#8220; das Denkmal ist. <i>Frankreich<\/i>, das seine <i>Hegemonie \u00fcber Norditalien <\/i>festigen wollte und auch gegen\u00fcber den p\u00e4pstlichen Truppen der heiligen Liga zuletzt siegreich blieb, musste sich dennoch bereits im Herbst wieder aus diesen Gebieten zur\u00fcckziehen. Die <i>Verluste <\/i>in dieser Schlacht waren <i>enorm<\/i>. Bei den Franzosen fiel mehr als die H\u00e4lfte \u2013 worunter der General Gaston de Foix \u2013, bei den p\u00e4pstlichen Truppen gegen drei Viertel. Die grossen Verluste sind wohl haupts\u00e4chlich der intensiven Verwendung von Artillerie zuzuschreiben. Man spricht vom <i>ersten Artillerieduell <\/i>und bekommt eine Vorahnung von Marignano.<\/p>\n<p>Wie gross war doch der Sprung vom ersten Erlebnis dieses dritten Tages in diese kriegerische, ja m\u00f6rderische Welt Garibaldis oder dieser Schlacht. Denn der erste Besuch an diesem Tag galt <i>San Apollinare in Classe <\/i>beim ehemaligen r\u00f6mischen Kriegshafen \u2013 der heutige Hafen liegt zehn Kilometer davon entfernt. Dort verweilten wir lange Zeit vor dem <i>pr\u00e4chtigen Auferstehungsbild <\/i>in der <i>Apsis<\/i>. Es ist nicht nur ein Bild, funkelnd und pr\u00e4chtig. Es ist Kosmos, geordnete Sch\u00f6nheit. Den Gl\u00e4ubigen jener Zeit im 6. Jahrhundert, die sich nach den Schwierigkeiten in ihrem t\u00e4glichen Leben \u2013 als Sklaven vielleicht \u2013 hierhin zur Andacht einfanden, war dieses Bild Bericht von einem Leben ohne Tr\u00e4nen. Diesem gingen sie entgegen, sofern sie das damalige Leben und Leiden im Dienste Christi bestanden hatten. Die Menschen jener Zeit werden das Bild auf andere Weise \u00abgelesen\u00bb haben als wir, aus einem <i>Empfinden <\/i>heraus, das uns heute <i>fremd <\/i>ist. Wir brauchten den Kopf und besonders die Anleitung des Reiseleiters, der mit ansteckender Begeisterung uns &#8222;aufgekl\u00e4rten&#8220; Menschen des 21. Jahrhunderts aufschl\u00fcsselte, was in diesem symmetrisch aufgebauten Bild alles berichtet wird. Von allem, was wir hier sahen, ist nichts ohne Bedeutung. Seien es nun die Schafe, welche aus zwei Stadttoren \u2013 einem zur Rechten und einem zur Linken, das heisst Bethlehem und Jerusalem \u2013 hervorkamen, sei es das Auferstehungskreuz im Sternenhimmel mit einem Medaillon Christi im Zentrum, seien es selbst die Palmen am Bildrand. Ja, diese Palmen! Ich nehme an, dass kaum einer von den meist sehr eiligen Besuchern auf sie aufmerksam wird. Doch uns, die wir uns gen\u00fcgend Zeit nahmen und dieses Bild zu lesen versuchten, wurden sie \u2013 wie alles \u2013 bedeutungsvoll. Da entdeckte jemand, dass jeder Baum elf Fr\u00fcchte trug, w\u00e4hrend die zw\u00f6lfte zu Boden gefallen war und keimte. Mit dem Feldstecher entdeckte ein anderer den d\u00fcnnen Bach am Fuss der Palme. Hinweis auf den ersten Psalm, der den Gott wohlgef\u00e4lligen Mann mit einem fruchtbaren Baum am Wasser vergleicht? Ob damals dieser Bezug selbstverst\u00e4ndlich war?<\/p>\n<p>So hell wie San Apollinare in Classe, wo wir das eben beschriebene Apsismosaik zu ergr\u00fcnden suchten, sind <i>nicht <\/i>alle Kirchen in Ravenna. Mehrere sind auch nicht gem\u00e4ss dem uns vertrauten <i>basilikalen Schema <\/i>aufgebaut, mit lang gezogenem Hauptschiff mit meist zwei niedrigeren Seitenschiffen, eine von der r\u00f6mischen Gesch\u00e4ftshalle = basilica \u00fcbernommene Form. <i>San Vitale <\/i>etwa, das wir an unserem ersten Tag in Ravenna besuchten, ist auf dem von Byzanz herkommenden <i>oktogonalen Grundriss <\/i>erstellt. Sie ist weit d\u00fcsterer im Inneren. In der Apsis sind Mosaike verschiedenen biblischen Inhaltes zu finden. Besonders bekannt sind jene, die Kaiser Justinian (527\u2013565) bzw. Kaiserin Theodora je samt Hofstaat darstellen.<\/p>\n<p>Ein absoluter H\u00f6hepunkt jedoch ist das sog. <i>Mausoleum der Galla Placidia<\/i>, \u00fcber einem lateinischen Kreuz erbaut. Das \u00e4lteste Mauerwerk, das uns in unver\u00e4ndertem Zustand erhalten geblieben ist. Fr\u00fcher war es <i>h\u00f6her<\/i>, doch ist es wie fast alle Bauten <i>in den Sumpfboden Ravennas eingesunken<\/i>. In der Krypta von San Francesco z.B. steht das Grundwasser hoch, Goldfische schwimmen darin. Der niedere Raum des Mausoleums ist sehr d\u00fcster, und es braucht einige Zeit, bis sich das Auge an diese D\u00fcsternis gew\u00f6hnt hat. Doch dann beginnen die Mosaike geheimnisvoll zu leuchten: Der fr\u00f6hliche <i>Laurentius <\/i>mit seinem Siegeskreuz neben dem Rost, auf dem er das Martyrium erlitten hat. Noch flackert ein heftiges Feuer darunter. Oder gegen\u00fcber der T\u00fcre: Der <i>gute Hirte<\/i>, eines der Schafe streichelnd. Wenn etwas <i>all diesen Mosaiken gemeinsam <\/i>ist, so ist es dies: Bei uns im Westen wird Christus meist leidend, als gequ\u00e4lter M\u00e4rtyrer dargestellt, hier in Ravenna <i>gem\u00e4ss byzantinischer Tradition als Sieger<\/i>. Der M\u00e4rtyrer hat seine Qual \u00fcberwunden. In der Kapelle des Erzbischofs sehen wir sogar Christus militans: in Uniform, das Siegeskreuz mit knospenden Armen und Stamm statt der Lanze. Nein, noch ein gemeinsames Merkmal: Die Bauten weisen keinerlei \u00e4usseren Schmuck auf. Kahle Backsteinmauern umschliessen die Pracht der Mosaike.<\/p>\n<p>So f\u00fchrte uns der Reiseleiter mit &#8222;feu sacr\u00e9&#8220; von Kostbarkeit zu Kostbarkeit, sei dies ein gl\u00e4nzendes Mosaik, sei es die zerfallende venezianische Festung in Ravenna. Zuletzt aber brachte er uns immer wieder in ein sorgsam ausgew\u00e4hltes Lokal, in dem stets ein vorz\u00fcgliches Essen auf uns wartete, das die Geselligkeit pflegen half.<\/p>\n<p><i>Text: Dr. Friedemann Pfenninger (Z\u00fcrich)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fr\u00fchgeschichte: Griechen, Kelten, R\u00f6mer. Der Dom von Modena als Leitbild padaner Romanik. Ravenna, Hochburg der Ostgoten und Byzantiner: Die Prachtbauten des Weltkulturerbes.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[273,49],"tags":[],"class_list":["post-12466","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2011","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12466\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}