{"id":1422,"date":"2011-07-02T12:49:26","date_gmt":"2011-07-02T10:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=1422"},"modified":"2022-01-25T09:57:39","modified_gmt":"2022-01-25T08:57:39","slug":"22-2012-festungen-von-folgaria-und-lavarone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/22-2012-festungen-von-folgaria-und-lavarone\/","title":{"rendered":"22-2012 Festungen von Folgaria und Lavarone"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gebiet von Folgaria und Lavarone stand im ersten Weltkrieg eine soeben fertig gestellte und damit modernst ausger\u00fcstete \u00f6sterreichische Festungslinie den nur geringf\u00fcgig \u00e4lteren italienischen Werken gegen\u00fcber.\u00a0Mit J\u00fcrg Schucan \u00a0besuchen Sie einige davon&#8230;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Donnerstag<\/strong><\/p>\n<p>06.50\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Treffpunkt Z\u00fcrich, HB<\/p>\n<p>Bahnreise von Z\u00fcrich HB \u00fcber Milano\/Verona nach Trento. Mittagessen fakultativ. Von dort Fahrt mit dem Bus \u00fcber den spektakul\u00e4ren Kaiserj\u00e4gerweg auf die Hochfl\u00e4chen. Besuch des Centro Documentazione Luserna, wo unter anderem auch ein Modell der Festung Lusern zu besichtigen ist. Begr\u00fcssung durch den Gemeindepr\u00e4sidenten auf Zimbrisch. Abendessen und \u00dcbernachtung<\/p>\n<p><strong>Freitag<\/strong><\/p>\n<p>Am zweiten Tag werden wir das freigelegte und teilweise wieder etwas hergestellte Werk Lusern mit seinen beiden Aussenwerken Viaz und Oberwiesen besichtigen. Mittagessen in einem gem\u00fctlichen Lokal in Lusern. Der Nachmittag ist f\u00fcr den Besuch des Werks Gschwent (Belvedere) reserviert, dem einzigen noch ganz erhaltenen \u00f6sterreichischen Werk, in dem sich auch ein gut dokumentiertes Museum befindet. Dann sehen wir uns die einzigartige optische Verbindungszentrale auf dem Monte Rust an und am Abend ist eine Diashow \u00fcber die Entstehungsgeschichte und die Bew\u00e4hrung der Werke mit historischen Fotos vorgesehen. Abendessen und \u00dcbernachtung<\/p>\n<p><strong>Samstag<\/strong><\/p>\n<p>Der dritte Tag gilt der Besichtigung von zwei Werken, die sich quasi im Duell gegen\u00fcberstanden: dem nie fertig gebauten italienischen Werk Campomolon mit seinem eigent\u00fcmlichen hufeisenf\u00f6rmigen Tunnel und dem gegen\u00fcberliegenden Werk Cherle. Mittagessen in der sch\u00f6n gelegenen Malga le Fratte. Am Nachmittag begehen wir die Kaisertreppe, fahren dann nach Rovereto und besichtigen dort das Museo della Guerra. Abendessen und \u00dcbernachtung in Rovereto<\/p>\n<p><strong>Sonntag<\/strong><\/p>\n<p>Am Morgen des vierten Tages bleibt gen\u00fcgend Zeit, um das modernste aber unvollendete Werk der \u00d6sterreicher, Valmorbia, zu besichtigen, das letztes Jahr mit einem Aufwand von EUR 890\u2018000.- begehbar gemacht wurde. Dieses Werk und seine Geschichte sind allein die Reise wert. Die R\u00fcckfahrt ist am fr\u00fchen Nachmittag ab Rovereto (\u00fcber Innsbruck) vorgesehen. Mittagessen unterwegs als Picknick<\/p>\n<p>21.20\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 ca. Ankunft in Z\u00fcrich HB<\/p>\n<p><strong>Ausr\u00fcstung<\/strong><\/p>\n<p>G\u00fcltiger Pass oder Identit\u00e4tskarte, gutes Schuhwerk, bequeme Reisekleidung, dem Wetter angepasst, Taschenlampe, Feldstecher. Karten 1:50\u2018000 Kompass Nr. 75 (Trento-Levico-Lavarone) und Nr. 101 (Rovereto-Monte Passubio)<\/p>\n<p><strong>Reiseleitung<\/strong><\/p>\n<p>J\u00fcrg Schucan, Dr., K\u00fcsnacht<\/p>\n<p><strong>Dr. Hans Jenny&#8217;s Reisebericht<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Attentat auf das \u00f6sterreichische Thronfolgerpaar in Sarajewo sah der \u00f6sterreichische Feldzugplan eine rasche durchschlagende Offensive gegen Serbien vor. Von den auf Serbien konzentrierten starken Kr\u00e4ften musste allerdings eine ganze Armee nach Galizien umdisponiert werden, an die russische Front also. Der Feldzug in den Karpaten erwies sich als eine Katastrophe, von der sich \u00d6sterreich nicht mehr erholen sollte. 1&#8217;268&#8217;696 \u00d6sterreicher waren bis Ende Dezember 1914 gefallen, verwundet oder in Gefangenschaft geraten. Am 26. April 1915 unterzeichneten die Vertreter des bislang neutralen Italien in London einen Vertrag, der im Falle eines Kriegseintrittes Italien sowohl Tirol bis zur Brennergrenze als auch Triest und das istrische K\u00fcstenland versprach. Mit dem Kriegseintritt Italiens an der Seite der Entente am 23. Mai 1915 flammte aber der Widerstandsgeist der bedrohten Tiroler, K\u00e4rntner und Slowenen heftig auf. Man verf\u00fcgte \u00fcber eine Anzahl Grenzbefestigungen, und der Grenzverlauf war f\u00fcr italienische Angriffsoperationen nicht g\u00fcnstig. Dies der historische Hintergrund unserer Reise.<\/p>\n<p>Nach Umsteigen in Mailand (der Cisalpino hatte Versp\u00e4tung) und in Verona, erreichte unsere Gruppe von 17 interessierten Teilnehmern bei strahlend sch\u00f6nem Wetter Trient. Von hier aus ging es mit zwei Kleinbussen \u00fcber den &#8211; ohne zu \u00fcbertreiben &#8211; spektakul\u00e4ren Kaiserj\u00e4gerweg nach Luserna, wo wir vom enorm aktiven Pr\u00e4sidenten des Centro Documentazione und langj\u00e4hrigen Gemeindepr\u00e4sidenten Sig. Luigi Nicolussi auf Kimbrisch begr\u00fcsst wurden. Kimbrisch ist eine Sprache, die nur noch von einigen Tausend Menschen in dieser Gegend, einer eigentlichen Sprachinsel, gesprochen, gepflegt und lebendig erhalten wird. Anschliessend besuchten wir das Dokumentationszentrum Lusern, das eine Sonderausstellung zu den K\u00e4mpfen in Galizien zeigte. Von der Gemeinde Lusern gegr\u00fcndet, hat das Centro zum Ziel, geschichtliche Ereignisse und die Geschichte der kimbrischen Sprachinsel und ihrer umliegenden Gebiete zu erforschen und bekannt zu machen. Anschliessend bezogen wir Unterkunft im gem\u00fctlichen Hotel-Restaurant Lusernarhof.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Tag stand im Zeichen der Werke Lusern und Gschwent. Unter den sieben \u00f6sterreichisch-ungarischen Werken der Hochebenen war das Werk Lusern mit seinen beiden Aussenwerken Viaz und Oberwiesen das wichtigste und am meisten umk\u00e4mpfte.<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichischen Werke wurden alle zwischen 1907 und 1912 gebaut und hatten durchaus offensiven Charakter. Ihre Aufgabe war, den geplanten Aufmarsch der nach Venetien stossenden Truppen zu decken. Dank ihrer Konstruktion waren die \u00f6sterreichischen Werke widerstandsf\u00e4higer als die italienischen, bei denen auf Eisentr\u00e4ger verzichtet und eine schlechtere Betonqualit\u00e4t gew\u00e4hlt wurde. So war eine Bombensicherheit gegen M\u00f6rsergeschosse vom Kaliber 24 cm, sp\u00e4ter sogar von 30,5 cm sichergestellt. Die italienischen Werke waren allerdings gegen\u00fcber den \u00f6sterreichischen h\u00f6her gelegen, ein Nachteil f\u00fcr die \u00d6sterreicher, der trotz noch so gut ausgew\u00e4hlter Standorte ihrer Werke nicht auszugleichen war. Der Bestand des Werkes Lusern umfasste 312 Mann als Garnison sowie 255 Mann als sogenannte Sicherheitsgarnison. Allerdings war die Besatzung des Forts zum Zeitpunkt der italienischen Kriegserkl\u00e4rung noch ohne jede Fronterfahrung. Vom 24. Mai 1915 bis zum 20. Mai 1916 wurde die Festung mit 200 Granaten zu 30,5 cm, 8\u2019100 von 28 cm und 16\u2019000 Granaten von 14,9 cm beschossen. 1916, als sich die Festung Lusern bereits in der &#8222;Etappe&#8220; infolge des \u00f6sterreichischen Vorstosses Richtung Asiago befand, errichtete die Garnison ein Denkmal zur Erinnerung an die gefallenen Kameraden. Diese Maioffensive von 1916 wurde sp\u00e4ter von den Italienern als Strafexpedition bezeichnet. Kurze Besuche des hart umk\u00e4mpften Infanteriest\u00fctzpunktes Basson, der neu aufgebauten Santa Zita-Kapelle und des Friedhofs Cost&#8216; Alta beendeten das Morgenprogramm.<\/p>\n<p>Der Nachmittag war dem Besuch des Werkes Gschwent (oder Belvedere) gewidmet, dem einzigen noch ganz erhaltenen \u00f6sterreichischen Werk. Es war als einziges den zerst\u00f6rerischen Stahlbeschaffungsmassnahmen des faschistischen Italien der Dreissiger Jahre entgangen.<\/p>\n<p>Ein sehenswertes Museum machte den Besuch besonders lohnenswert. Als Verbindungsmittel zwischen den verschiedenen Festungen diente prim\u00e4r das Telefon, sekund\u00e4r jedoch waren die Werke durch optische Signalstationen verbunden, vordergr\u00fcndig primitiv, aber durchaus brauchbar und n\u00fctzlich bei zerst\u00f6rten Telefonleitungen. Nach dem Besuch der optischen Zentrale auf dem Monte Rust kehrten wir nach Lusern zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der dritte Tag war den beiden sich gegen\u00fcber liegenden Werken Campomolon und Cherle (Sebastiano) gewidmet. W\u00e4hrend von Stellungen rund um das nie fertig gebaute italienische Werk Campomolon das Dorf Lusern sowie die Werke Cherle und Sommo unter Feuer genommen wurden, verschossen die Haubitzen des Werkes Sebastiano 21\u2019647 Granaten, nicht zuletzt zur Unterst\u00fctzung der Mai-Offensive. Nach einem gem\u00fctlichen Mittagessen in der Malga le Fratte bestiegen wir die &#8222;Kaisertreppe&#8220; (eigens f\u00fcr den Truppenbesuch von Kaiser Karl erstellt) und erfuhren mit einigem Schaudern die Erl\u00e4uterungen unseres Referenten Dr. Heinz H\u00fcrzeler zum damaligen Sanit\u00e4tsdienst. Nun blieb noch Zeit f\u00fcr die Verschiebung nach Rovereto und den Besuch des Museo della Guerra, das mit einer Sonderausstellung die K\u00e4mpfe um den Pasubio behandelte.<\/p>\n<p>Der letzte Tag f\u00fchrte uns zum modernsten, jedoch unvollendeten Werk der \u00d6sterreicher, Valmorbia oder Forte Pozzacchio. Mit einem Aufwand von einer knappen Million Euro wird es gegenw\u00e4rtig renoviert und begehbarer gemacht. Eindr\u00fccklich ist nicht nur das Werk selber, sondern auch seine ausserordentlich exponierte Lage am Rande einer tiefen Schlucht.<\/p>\n<p>Wir wurden empfangen vom Gemeindepr\u00e4sidenten der Comune di Trambileno, Sig. Renato Bisoffi, dem Pr\u00e4sidenten des Vereins ACR II Forte, Sig. Nino Delbianco, der uns die K\u00e4mpfe um das Werk, das zwei Mal den Besitzer wechselte, n\u00e4her brachte, dem zust\u00e4ndigen Architekten und der lokalen Feuerwehr, die uns mit ihren blitzblank geputzten Landrovern auf steiniger Strasse ins Werk fuhren. Nach der Besichtigung des Werkes Valmorbia wurden wir von der Comune di Trabileno zu einem gem\u00fctlichen Beisammensein mit den uns begleitenden Personen in einer lokalen Gastst\u00e4tte eingeladen, was den Besuch des letzten Werkes dieser Reise auf h\u00f6chst erfreuliche Weise abrundete.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne und abwechslungsreiche Heimreise \u00fcber den Brenner und Innsbruck erm\u00f6glichte es den Teilnehmern, nicht nur das Ungewohnte, Unbekannte des Gesehenen nochmals Revue passieren zu lassen, sondern auch dem kompetenten Reiseleiter und Reiseplaner, Dr. J\u00fcrg Schucan, herzlich f\u00fcr sein Engagement zu danken.<\/p>\n<p><em>Text: Dr. Hans Jenny (Z\u00fcrich)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Im Gebiet von Folgaria und Lavarone stand im ersten Weltkrieg eine soeben fertig gestellte und damit modernst ausger\u00fcstete \u00f6sterreichische Festungslinie den nur geringf\u00fcgig \u00e4lteren italienischen Werken gegen\u00fcber.\u00a0Mit J\u00fcrg Schucan \u00a0besuchen Sie einige davon&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[272,49],"tags":[],"class_list":["post-1422","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2012","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1422"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1422\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}