{"id":1428,"date":"2011-07-02T12:49:27","date_gmt":"2011-07-02T10:49:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=1428"},"modified":"2022-01-25T09:57:18","modified_gmt":"2022-01-25T08:57:18","slug":"19-2012-schlusselraum-mitte-und-wasserschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/19-2012-schlusselraum-mitte-und-wasserschloss\/","title":{"rendered":"19-2012 Schl\u00fcsselraum Mitte und Wasserschloss"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rgeografie und ihr Einfluss auf Kriege und die Geschichte steht im Mittelpunkt dieser Exkursion unter der Leitung von Gerhard Wyss. Anhand des Wasserschlosses bei Windisch und der historischen Schlachten und modernen Dispositive wie der Limmatarmeestellung von 1939\/40 und &#8222;ZEUS&#8220; 1989\/91 kann die These belegt werden, dass wer den Raum zwischen Limmat, Aare und Napf\/Hauenstein, also das mittlere Mittelland, besass, auch die gesamte Schweiz dominieren konnte. Dies traf f\u00fcr die r\u00f6mische Schweiz, die habsburgische Schweiz, die Alte Eidgenossenschaft und den modernen Bundesstaat zu. Neben der Besichtigung des habsburgischen Hausklosters Muri AG, einer kulturellen Trouvaille, steht das letzte Grunddispositiv &#8222;ZEUS&#8220; von 1989\/91 mit Schwergewicht Raum FAK 2 im Mittelpunkt der Exkursion. Hier wurde der operative Zusammenhang Stufe Armee <span style=\"font-size: small;\">gewahrt<\/span>, und \u2013 &#8222;ZEUS&#8220; bildet am Ende einer jahrzehntelangen operativen Entwicklung H\u00f6hepunkt und Abschluss der Abwehrdoktrin gem\u00e4ss der Konzeption vom 6.6.66 und der Armee 61.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: ArialMT; font-size: xx-small;\"><span style=\"font-family: ArialMT; font-size: xx-small;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong><!--more-->Mittwoch<\/strong><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<div>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Start im Wasserschloss bei Turgi-Vogelsang am Zusammenfluss von Reuss und Limmat in die Aare. Bedeutung dieses hydrologischen und geografischen Zentrums der Schweiz. An der alten F\u00e4hrstelle von Stilli werden die entscheidende Voraussetzung von Genieaktionen auf die Kriege von 1712 und 1799 inklusive Geniewesen der Armee 61 beleuchtet. Im Raum der Linnerh\u00f6he nehmen wir einen Kaffee und einen Einblick in den Schl\u00fcsselraum Mitte von der Jurah\u00f6he nach S\u00fcden. Auf Schloss Habsburg wird die Bedeutung dieses Geschlechtes und sein Einfluss auf die Schweizer Geschichte sowie die Heraldik des Aargaus dargestellt. Mittagessen auf Schloss Habsburg. An den Br\u00fccken von Mellingen und Bremgarten wird der Stellenwert dieser \u00dcberg\u00e4nge und der Gemeinen Herrschaften Baden und Freiamt als Schl\u00fcsselr\u00e4ume f\u00fcr die Alte Eidgenossenschaft erl\u00e4utert. Anhand der Villmergerkriege von 1656 und 1712 wird auf dem Schlachtfeld die Bedeutung der Milit\u00e4rgeografie und der Wechsel der innereidgen\u00f6ssischen Hegemonie dargestellt. Weiterfahrt nach Muri AG mit \u00dcberblick FAK 2 im Dispo &#8222;ZEUS&#8220; von 1989\/91. Zimmerbezug. Abendessen in einem sch\u00f6nen Bergrestaurant in Kallern. \u00dcbernachtung in Baar<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<\/span><span style=\"font-size: small;\"><strong>Donnerstag<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Vortrag Milit\u00e4rgeografie der Schweiz und Bedeutung des Schl\u00fcsselraumes Mitte in der Schweizer Geschichte. Anschliessend Besichtigung des Klosters Muri mit F\u00fchrung. Verschiebung auf den Rooterberg mit Orientierung \u00fcber das Gefecht von Gisikon 1847 und Einblick in den Schl\u00fcsselraum Mitte Richtung Norden zum Jura. Mittagessen in Root. Verschiebung in den Raum Uitikon\/Urdorf\/Dietikon mit Darstellung des Limmat\u00fcberganges der Franzosen 1799 und der Bedeutung der Limmatstellung 1939\/40. Abschluss mit W\u00fcrdigung des Schl\u00fcsselraumes Mitte im Dispo &#8222;ZEUS&#8220; von 1989\/91 Stufe Armee und einem Ap\u00e9ro im Ortsmuseum von Dietikon. Anschliessend R\u00fcckfahrt nach Z\u00fcrich<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><strong>Reiseleitung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Gerhard Wyss, Oberst i Gst, Kirchdorf BE<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">\u00a0<strong>Hans Rudolf Herdener&#8217;s Reisebericht<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-size: x-small;\">( <a href=\"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/old-page\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Schl\u00fcsselraum-Mitte.pdf\">Schl\u00fcsselraum Mitte<\/a>\u00a0als PDF zum downloaden)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Mittelpunkt dieser von Oberst i Gst Gerhard Wyss souver\u00e4n gef\u00fchrten Exkursion standen die Milit\u00e4rgeografie und das Wasserschloss bei Windisch. Die historischen Schlachten und die Dispositive von 1939\/40 im Zweiten Weltkrieg und von \u00abZEUS\u00bb 1989\/91 im Kalten Krieg belegen die These, dass derjenige, der den Raum zwischen dem Wasserschloss, Hauenstein\/Napf und Luzern besitzt,auch das ganze Mittelland beherrscht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach dem Einstieg in das Thema auf Vierlinden am <i>B\u00f6zberg <\/i>begann die Reise mit dem Blick von der <i>Br\u00fccke Vogelsang <\/i>auf die Aare und die Einm\u00fcndungen von Reuss und Limmat. Auf einem Raum von etwas mehr als einem km\u00b2 entw\u00e4ssern diese drei Fl\u00fcsse das Gros des schweizerischen Staatsgebietes. Ihr Zusammenfluss bildet das hydrologische Zentrum unseres Landes. Die Distanz von hier bis zur Landesgrenze bei der Einm\u00fcndung der Aare in den Rhein betr\u00e4gt nur 12 km, eine sehr geringe operative Tiefe des Grenzraumes. Beim benachbarten Dorf <i>Stilli <\/i>befindet sich ein seit Jahrhunderten verwendeter Fluss\u00fcbergang \u00fcber die Aare. Er wurde 1269 erstmals erw\u00e4hnt und ist unter anderem 1712 (2. Villmergerkrieg) und 1799 (General Mass\u00e9na) f\u00fcr milit\u00e4rische \u00dcbersetzaktionen ben\u00fctzt worden. Nicht von ungef\u00e4hr ist das benachbarte Brugg seit l\u00e4ngerem das Zentrum der Schweizer Genietruppen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In einer kurzen Fahrt gelangten wir zum <i>Schloss Habsburg<\/i>, wo \u00fcber Bedeutung und Schicksal der Habsburger Dynastie orientiert wurde. Sie herrschte nach 1550 \u00fcber ein Weltreich, in dem &#8222;die Sonne nie unterging&#8220;, und die erst mit der Niederlage von 1918 im Ersten Weltkrieg von der weltpolitischen B\u00fchne abtrat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Zwei schmucke Aargauer St\u00e4dtchen wachen \u00fcber seit Jahrhunderten ben\u00fctzte Reuss\u00fcberg\u00e4nge. <i>Mellingen <\/i>wurde 1230 von den Grafen von Kyburg gegr\u00fcndet und mit einer Ringmauerbefestigt. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte nicht weniger als zw\u00f6lfmal von Truppen besetzt. Hier referierte Genie-Oberst J\u00fcrg Frick \u00fcber die Voraussetzungen f\u00fcr einen milit\u00e4rischen Fluss\u00fcbergang. Es sind dies gut fahrbare Zu- und Abfahrtswege, die Eignung der Ufer, die Str\u00f6mungsst\u00e4rke und die Beschaffenheit des Flussbodens. Alle diese Faktoren sind sowohl bei Mellingen als auch bei <i>Bremgarten <\/i>gegeben. Das \u00fcber der Reuss thronende St\u00e4dtchen entstand nach 1230 und erhielt kurz danach von Graf Rudolf IV. von Habsburg das Stadtrecht. Die historische Br\u00fccke wurde schon zur Zeit der Stadtgr\u00fcndung erstellt, 1953 abgebrochen und wiederum als gedeckte Br\u00fccke neu aufgebaut. Bis zum Bau der Autobahn A1 f\u00fchrte die Achse Z\u00fcrich\u2013Bern durch die Bremgartner Altstadt und \u00fcber diese Br\u00fccke.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Tag schloss an einem Waldrand nordwestlich von <i>Villmergen <\/i>mit der Schilderung der beiden Villmergerkriege (1656 und 1712). Kriegsparteien waren die wirtschaftlich starken reformierten St\u00e4dte Bern und Z\u00fcrich einerseits und die f\u00fcnf landwirtschaftlich ausgerichteten katholischen Orte Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern und Zug anderseits. Diese beiden Waffeng\u00e4nge fanden im katholischen Freiamt statt, ging es doch vor allem auch um den Besitz der Br\u00fccken von Mellingen und Bremgarten, welche die beiden reformierten St\u00e4dte miteinander verbanden. Wegen der undisziplinierten Kriegf\u00fchrung der Berner und der Abwesenheit der Z\u00fcrcher gewannen die F\u00fcnf Orte den ersten Krieg. Im nachfolgenden Dritten Landfrieden wurden die Gemeinen Herrschaften Baden und Freiamt den F\u00fcnf Orten zugesprochen und rekatholisiert. Im zweiten Feldzug in der Ebene zwischen Dottikon und Villmergen siegten dank der hervorragenden F\u00fchrung der Berner die beiden St\u00e4dte. Im Vierten Landfrieden fielen der n\u00f6rdliche Teil des Freiamtes sowie Baden mit seinem bedeutenden Limmat\u00fcbergang an die beiden St\u00e4dte zur\u00fcck, sie konnten aber ihre Religion behalten. Dieser wichtige religi\u00f6se Toleranzfrieden galt biszum Untergang der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der zweite Tag begann mit einem Referat \u00fcber die Bedeutung der Milit\u00e4rgeografie im Allgemeinen und der beiden schweizerischen Schl\u00fcsselr\u00e4ume im Besonderen. Die bestimmenden Faktoren eines Krieges sind Raum, Zeit und Mittel. Auf die Schweiz bezogen sind die beiden entscheidenden R\u00e4ume das Wasserschloss von Windisch f\u00fcr das Mittelland und der Gotthard f\u00fcr den Alpenraum. Wer diese besitzt, beherrscht praktisch das ganze Land. Von besonderem kulturellem Interesse war die Besichtigung des im Jahre 1027 gestifteten <i>Klosters Muri<\/i>. Unter der kundigen Leitung von Klosterf\u00fchrer Harry Ketterer bestaunten wir and\u00e4chtig das \u00fcberaus reich verzierte Kirchenschiff mit seinen Fresken, dem wundersch\u00f6nen Chorgest\u00fchl und den f\u00fcnf Orgeln. In der 1970 eingerichteten Familiengruft des Hauses Habsburg ruhen die Herzen des letzten Kaiserpaares Karl I. und seiner Gemahlin Zita. Das Kloster wurde 1841 vom Aargauer Grossen Rat aufgehoben, die M\u00f6nche dislozierten in das Konvent Gries bei Bozen und die Anlage beherbergt seither die Aargauische Pflegeanstalt und die Gemeindeverwaltung Muri.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach einer Verschiebung zur Kapelle Michaelskreuz auf dem <i>Rooterberg <\/i>und einer Orientierung \u00fcber das Gefecht von Gisikon im Sonderbundskrieg von 1847 folgten als letzte Stationen die Besichtigung des Gedenksteins f\u00fcr General Mass\u00e9nas Limmat\u00fcbergang von 1799 bei <i>Glanzenberg <\/i>(Dietikon) und der Besuch des Ortsmuseums von <i>Dietikon<\/i>. Hier wurden wir in das Dispositiv &#8222;ZEUS&#8220;, die damals hochgeheime Planung des Armee-Einsatzes im Kalten Krieg, eingeweiht. Das Schwergewicht unserer Kampff\u00fchrung h\u00e4tte einmal mehr im Schl\u00fcsselraum Wasserschloss gelegen. Einem Angriff der russischen oder wahrscheinlich eher der tschechischen Armee w\u00e4re das zwischen Bodensee und Linth\u2013Z\u00fcrichsee\u2013Limmat eingesetzte FAK 4 mit hinhaltendem Widerstand begegnet. Dann hatte das FAK 2 den Auftrag, den Raum zwischen Limmat und Emme bis zum Letzten zu halten. Hierzu setzte es die F Div 5 zwischen dem Limmat- und dem unteren Seetal und daran anschliessend die F Div 8 bis zur Emme ein. Im S\u00fcden dieser beiden Divisionen hielt sich die Mech Div 4 bereit, zugunsten der einen und\/oder anderen entscheidend einzugreifen. Jenseits der Emme stand das FAK 1, das prim\u00e4r den Nordwesten und den Westen abzusichern hatte und das sekund\u00e4r die Armeereserve bei einem Angriff aus dem Osten darstellte. Das Geb AK 3 hielt den Alpenraum.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gesamthaft bildete diese Exkursion ein abwechslungsreiches Hors d&#8217;oeuvre mit vielen Schn\u00e4ppchen. Vielleicht w\u00e4re auch eine Beschr\u00e4nkung auf einige wenige Schwerpunkte, insbesondere das Dispositiv &#8222;ZEUS&#8220;, denkbar gewesen. Dem Reiseleiter Oberst i Gst Wyss danken wir aber f\u00fcr zwei sehr interessante und abwechslungsreiche Tage, die allen Teilnehmern viel zu bieten vermochten.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Text: Dr. Hans R. Herdener (\u2020 20.12.2012)<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Milit\u00e4rgeografie und ihr Einfluss auf Kriege und die Geschichte steht im Mittelpunkt dieser Exkursion unter der Leitung von Gerhard Wyss. Anhand des Wasserschlosses bei Windisch und der historischen Schlachten und modernen Dispositive wie der Limmatarmeestellung von 1939\/40 und &#8222;ZEUS&#8220; 1989\/91 kann die These belegt werden, dass wer den Raum zwischen Limmat, Aare und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[272,49],"tags":[],"class_list":["post-1428","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2012","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1428"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1428\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}