{"id":1465,"date":"2011-05-18T13:19:11","date_gmt":"2011-05-18T11:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=1465"},"modified":"2022-01-25T10:00:31","modified_gmt":"2022-01-25T09:00:31","slug":"01-2012-kurdistan-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/01-2012-kurdistan-2\/","title":{"rendered":"01-2012 Kurdistan"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Nordirak haben die Kurden nach dem Golfkrieg 2003 eine Oase der Stabilit\u00e4t inmitten eines Ozeans der Instabilit\u00e4t und Gewalt geschaffen. Das ist umso bemerkenswerter, als kein anderes Land im Zeitraum von nur einem Menschenleben die zerst\u00f6rerische Wut so vieler und so unterschiedlicher Konflikte erfahren hat, wie der Nordirak. Kurdistan, eine neue Touristen-Destination also? <!--more-->Bald k\u00f6nnte es so weit sein. Sicher ist, dass es nur wenigen L\u00e4ndern gelungen ist, eine von Verrat, Krieg, Hunger und Gewalt gepr\u00e4gte Geschichte in so kurzer Zeit zu \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Die Kurdistan-Kenner Amalia und Werner van Gent haben exklusiv f\u00fcr die GMS eine einzigartige Reise durch das ehemals sprichw\u00f6rtlich wilde Kurdistan entworfen.<\/p>\n<p>In nur zehn Tagen erfahren die Teilnehmer\/Innen unsch\u00e4tzbare Informationen \u00fcber einen weitgehend unbekannten Abschnitt der j\u00fcngeren Geschichte des Nahen Ostens. Nebenbei werden auch die Kultur sowie der Genuss der einmalig sch\u00f6nen Natur Kurdistans nicht zu kurz kommen. Und: nirgends im Nahen Osten wird der Besucher aus dem Westen so offen und so gastfreundlich empfangen wie im Norden Iraks: die Kurden haben nicht vergessen, wer ihnen seit 1991 geholfen hat!<\/p>\n<p>Die w\u00e4hrend einer Erkundungsreise mit einer vierk\u00f6pfigen Delegation detailliert ausgearbeitete Reise findet in enger Absprache mit der Regierung der autonomen Region Kurdistan (KRG) statt. Die Kontakte von Amalia und Werner van Gent auf h\u00f6chster Ebene garantieren eine sichere Durchf\u00fchrung der Reise.<\/p>\n<p><strong>Samstag<\/strong><\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Morgen Abflug mit Austrian Airlines ab Z\u00fcrich via Wien nach Erbil, der Hauptstadt der autonomen Republik Kurdistan. Nach dem Check-In im Hotel trifft man sich am runden Tisch im Sitzungszimmer zu einer Einf\u00fchrung in die Reise. Abendessen in der Stadt. \u00dcbernachtung in Erbil<\/p>\n<p><strong>Sonntag<\/strong><\/p>\n<p>Fahrt von Erbil nach Ba\u2019adre. Besichtigung im Gel\u00e4nde mit Blick auf Gaugamila, eines der wichtigsten Schlachtfelder der Antike, wo Alexander der Grosse das gigantische Heer von Darius III schlug. Mittagessen unterwegs. Weiterfahrt nach Lalesh und Besuch der einsam gelegenen und weltweit einzigen Kultst\u00e4tte der Yeziden, einer der unbekanntesten und zugleich \u00e4ltesten Religionsgemeinschaften des Nahen Ostens. Weiterfahrt nach Dohuk und Check-in im Hotel. Abendessen in der Stadt, \u00dcbernachtung in Dohuk<\/p>\n<p><strong>Montag<\/strong><\/p>\n<p>Am Morgen Treffen mit einem lokalen Peshmergakommandanten. Begehungen im Gel\u00e4nde und Erl\u00e4uterungen zum Verlauf des kurdischen Aufstandes vom Fr\u00fchjahr 1991. Mittagessen in Dohuk. Nachmittags Fahrt in die n\u00f6rdlich von Dohuk gelegene Stadt Zakho. Ein Besuch in der Milit\u00e4rakademie der Peshmerga-Truppen zeigt, wie sich die ehemalige Guerillatruppe inzwischen zu einer modernen Armee entwickelt hat. R\u00fcckfahrt nach Dohuk. Abendessen und \u00dcbernachtung in Dohuk<\/p>\n<p><strong>Dienstag<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck Start zur relativ langen Fahrt durch das landschaftlich sehr reizvolle Barsani-Tal (Zagros-Berge) mit Tagesziel Rawanduz. Unterwegs Besichtigung des Barsani-Memorials und mit etwas Gl\u00fcck Zusammentreffen mit Sheikh Abdulla Barzani, dem Neffen des Kurdenf\u00fchrers Mostafa Barzani. Mittagessen in Form eines Picknicks bei den pr\u00e4historischen Shanidar-H\u00f6hlen. Zwei weitere Teepausen unterteilen die Fahrt in angenehme Teilst\u00fccke. Abendessen und \u00dcbernachtung in Rawanduz.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch<\/strong><\/p>\n<p>Morgens Zeit zur Erholung in der Bungalow-Anlage des Hotels. Gegen Mittag Fahrt auf der strategisch wichtigen Passstrasse des Haj Omran an die irakisch-iranische Grenze. Im nach wie vor stark verminten Gebiet sind Minenr\u00e4umungs-teams im Einsatz. Erl\u00e4uterungen entlang der ehemaligen Front des l\u00e4ngsten Krieges des 20.\u00a0Jahrhunderts, Teil I. R\u00fcckfahrt nach Rawanduz. Abendessen und \u00dcbernachtung<br \/>\nin Rawanduz.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag<\/strong><\/p>\n<p>Fahrt durch landschaftlich sehr reizvolle Streckenabschnitte von Rawanduz \u00fcber Shaqlawa und Dukan nach S\u00fcleymanie. Bei der ehemaligen Landepiste der Alliierten auf der H\u00f6he von Harir Orientierung \u00fcber die Operationen 1990\/91. Auf der Weiterfahrt \u00dcberquerung der ehemaligen Front zwischen den Talabani und Barsani-Kr\u00e4ften im innerkurdischen Konflikt der 90-er Jahre sowie \u00dcberquerung der Sprachgrenze zwischen dem Kurmanja und Sorani-Gebiet. Mittagessen in der N\u00e4he des heiss umk\u00e4mpften Dukan-Stausees. Abendessen und \u00dcbernachtung in S\u00fcleymanie.<\/p>\n<p><strong>Freitag<\/strong><\/p>\n<p>Am Morgen Fahrt ins St\u00e4dtchen Halabja. Besichtigung des Memorials zu den Al Anfall Operationen in Begleitung eines \u00dcberlebenden der Giftgas-Eins\u00e4tze Saddam Husseins gegen die kurdische Zivilbev\u00f6lkerung. Weiterfahrt in Begleitung von ehemaligen Peshmerga-K\u00e4mpfern nach Penschwin und Qswarta und Erl\u00e4uterungen entlang der ehemaligen Front im Iran-Irakkrieg, Teil II. Mittagessen unterwegs. Abendessen und \u00dcbernachtung in S\u00fcleymanie.<\/p>\n<p><strong>Samstag<\/strong><\/p>\n<p>Morgens Besuch des lokalen Museums im umgebauten, ehemaligen Zentrum des irakischen Sicherheitsdienstes.<br \/>\nEs ist viel Bild- und Kriegsmaterial vorhanden. Auch das ehemalige Gef\u00e4ngnis hat man erhalten. Anschliessend Besuch des Basars. Mittagessen in der Stadt. Gegen Abend Fahrt zum von einem Deutschen geleiteten Kurdischen Kulturzentrum. Ap\u00e9ro und ein einfaches Abendessen im Kulturzentrum. \u00dcbernachtung in S\u00fcleymanie.<\/p>\n<p><strong>Sonntag<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck R\u00fcckfahrt nach Erbil. Teepause in der Oase Hiran, Mittagessen in Erbil. Der Nachmittag dient als Zeitfenster f\u00fcr Treffen mit wichtigen Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Beziehungsnetz von Werner van Gent. Solche Gespr\u00e4che k\u00f6nnen in Kurdistan allerdings nur spontan organisiert werden. Farewell Dinner in einem ausgezeichneten Restaurant. \u00dcbernachtung in Erbil.<\/p>\n<p><strong>Montag<\/strong><\/p>\n<p>Der morgen dient noch einmal als Zeitfenster f\u00fcr interessante Gespr\u00e4che. Check-out im Hotel. Die Fahrt zum Flughafen unterbrechen wir f\u00fcr eine kleine Mittagsmahlzeit. Am sp\u00e4teren Nachmittag R\u00fcckflug mit Austrian Airlines ab Erbil via Wien nach Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><strong>Reiseleitung<\/strong><\/p>\n<p>Werner van Gent<\/p>\n<p><strong>Fotogalerie<\/strong><\/p>\n<p>[nggallery id=26]<\/p>\n<h3>Vreni Sp\u00f6rry&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p>Kurdistan<\/p>\n<p>Nicht wenige unserer Reisemitglieder, die im Bekanntenkreis von ihrer Absicht erz\u00e4hlten, <i>Kurdistan <\/i>zu bereisen, bekamen zur Antwort: &#8222;Du spinnst wohl!&#8220; Wenn man dann sagte, dass die Reise von der GMS organisiert und von Werner van Gent gef\u00fchrt werde, war die Reaktion: &#8222;Ja, dann\u2026&#8220;<\/p>\n<p><i>Unser Reiseleiter Werner van Gent <\/i>kennt Kurdistan, seine Geschichte und seine Bewohner wie kaum ein zweiter Europ\u00e4er. Er war immer wieder im Land, auch in den dunkelsten Kapiteln seiner j\u00fcngeren Geschichte. Als nach dem <i>Ersten Golfkrieg 1988 <\/i>die Infrastruktur weitgehend zerst\u00f6rt und die Menschen durch Giftgas get\u00f6tet wurden, als nichts mehr gut war in diesem wundersch\u00f6nen Gebiet im Norden Iraks, versprach Werner van Gent dort seinen Freunden: &#8222;Wenn dann einmal alles wieder gut ist, bringe ich euch Touristen.&#8220;<\/p>\n<p>Heute, ein knappes Vierteljahrhundert sp\u00e4ter, ist vieles wieder gut in Kurdistan, und Werner van Gent brachte mit uns eine der ersten, wenn auch nicht die erste westliche Touristengruppe ins Land. Wir wurden entsprechend herzlich willkommen geheissen und fanden \u00fcberall offene T\u00fcren. Unserer <i>Sicherheit <\/i>wurde <i>h\u00f6chste Aufmerksamkeit <\/i>geschenkt. Die Reise war von staatlichen Stellen koordiniert, und wir wurden sowohl von bewaffneten Milit\u00e4rpersonen wie auch von zivilen Beamten des kurdischen Sicherheitsdienstes auf Schritt und Tritt begleitet.<\/p>\n<p>Wir erlebten die <i>Menschen <\/i>in Kurdistan als <i>offen<\/i>, h\u00e4ufig <i>herzlich <\/i>und \u00fcberaus <i>gastfreundlich<\/i>. Auch wenn das Land \u00fcber weite Strecken sehr karg ist, macht es keinen \u00e4rmlichen Eindruck. Man sieht fast nur neue Autos, praktisch alle japanischer Herkunft, \u00fcberall wird gebaut. Die <i>Haupteinnahmequelle <\/i>ist das <i>\u00d6l<\/i>. Kurdistan bekommt von Irak bis zu 18 Prozent der <i>staatlichen Erd\u00f6leinnahmen<\/i>. Es scheint an seine Zukunft zu glauben, und man kann dem sympathischen Volk nur w\u00fcnschen, dass diese friedlicher wird als es seine Vergangenheit war.<\/p>\n<p><i>Zur Geschichte Kurdistans: <\/i>Es gibt heute rund 20 bis 25 Mio. Kurden. Sie sind im Wesentlichen verteilt \u00fcber die <i>T\u00fcrkei, Syrien<\/i>, den <i>Iran <\/i>und den <i>Irak<\/i>. Im Irak, also in dem von uns besuchten Kurdistan, leben etwa 4,6 Mio. Kurden. Innerhalb Kurdistans gibt es <i>zwei Bev\u00f6lkerungsgruppen <\/i>mit <i>zwei verschiedenen Sprachen<\/i>. <i>Arbil <\/i>ist als <i>regionale Hauptstadt <\/i>gemischtsprachig. Die beiden Sprachen Kurmansch im Norden und Sorani im S\u00fcd-Osten sind etwa so unterschiedlich wie Deutsch und Holl\u00e4ndisch, was zu Verst\u00e4ndigungsproblemen f\u00fchrt. Religi\u00f6s gibt es dagegen keine Unterschiede, die Kurden Iraks sind zu fast 100 Prozent <i>Sunniten<\/i>. Die St\u00e4mme im Norden wurden jahrzehntelang angef\u00fchrt durch den <i>Barzani-Clan<\/i>, die im S\u00fcden durch den <i>Talabani-Clan<\/i>, bei den ersten demokratischen Wahlen 1992 bekamen beide Parteien etwa denselben Stimmenanteil. Um einen B\u00fcrgerkrieg zu ver<span style=\"color: #000000;\">meiden, wurde eine h\u00e4lftige Verteilung der Parlamentssitze beschlossen. Mitte der neunziger Jahre kam es dann aber doch zu einem blutigen Bruderkrieg. In der Zwischenzeit haben sich die beiden St\u00e4mme jedoch arrangiert: Masud Barzani, Sohn von Mustafa Barzani, ist <i>Pr\u00e4sident von Kurdistan<\/i>, heute ein Bundesstaat von Irak; sein Neffe Necirvan Barzani ist dessen Ministerpr\u00e4sident. Dschalal Talabani ist Staatspr\u00e4sident des gesamten Irak.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Kurden sind keine Araber, es sind <i>Indogermanen<\/i>, und sie stehen damit den Persern bzw. Iranern n\u00e4her als den irakischen Arabern. 1961 und 1969 haben sie sich gegen die Zentralregierung in Bagdad unter Qasim aufgelehnt. Die Revolte unter Mustafa Barzani (1903-1979) war erfolgreich, und 1970 wurde zwischen <i>Saddam <\/i>und <i>Barzani <\/i>ein <i>Friedensvertrag <\/i>unterzeichnet, in dem die Zentralregierung bez\u00fcglich Sprache und eigene Schulen in Kurdistan Zugest\u00e4ndnisse machte. Doch die <i>Geschichte Kurdistans <\/i>ist eine <i>Geschichte <\/i>der <i>gebrochenen Versprechen<\/i>. Versprechen und Friedensvertr\u00e4ge mit dem Iran oder dem Irak, aber auch mit den Alliierten, wurden immer wieder nicht eingehalten, und die Hoffnung auf Autonomie wurde immer wieder zerst\u00f6rt. Die Aufst\u00e4nde mit den unterschiedlichsten Allianzen f\u00fchrten die <i>Peshmergas<\/i>. Sie sind jene, &#8222;die dem Tode ins Auge sehen&#8220;, &#8222;die den Tod nicht f\u00fcrchten.&#8220; Heute sind die Peshmergas in Regionalgarde umbenannt und umfassen ungef\u00e4hr 100\u2019000 Mann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In den Siebzigerjahren schlossen die Kurden mit dem <i>Iran <\/i>eine <i>Allianz<\/i>. Sie wurden vom Iran und von der UdSSR bewaffnet mit dem Ziel, das Regime Saddam zu zerschlagen. Erneut wird ihnen die Autonomie versprochen. Doch 1975 einigt sich der Iran mit dem Irak. In der Vereinbarung von Algier wird das Versprechen auf Autonomie an die Kurden erneut gebrochen. Seitens des Irak f\u00fchrt das zu gezielten und fortgesetzten Versuchen der <i>Arabisierung der kurdischen Gebiete<\/i>, die 1978 zu Deportationen und <i>Umsiedlungen <\/i>f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><i>Die drei Golfkriege: <\/i>Im <i>Ersten Golfkrieg 1980 bis 1988 <\/i>greift der <i>Irak <\/i>den <i>Iran <\/i>an. Die Kurden sind auf der Seite des Iran. Aus Sicht von Saddams Baath-Regime bilden sie im Norden Iraks unter der F\u00fchrung Dschalal Talabanis (geb. 1933) und Masud Barzanis (geb. 1946) die f\u00fcnfte Kolonne. Die Sympathie des Westens ist auf der Seite Iraks. Man hofft, mit diesem Krieg Khomeini entfernen zu k\u00f6nnen. Das Blatt wendet sich jedoch bald. Die Iraner unternehmen erfolgreiche Vorst\u00f6sse im Norden und S\u00fcden des Irak. Man bietet Khomeini einen Waffenstillstand an, doch dieser lehnt ab. Damit wird der Erste Golfkriegzum <i>l\u00e4ngsten konventionellen Krieg des letzten<\/i> <i>Jahrhunderts<\/i>, ohne dass eine der beiden Seiten beachtliche Gebietsgewinne verzeichnen konnte. Der Krieg hinterliess auf beiden Seiten insgesamt 1,2 Millionen Tote und ein Heer von Kriegsversehrten. Gegen Schluss des Krieges wollte Saddam die <i>Kurdenfrage <\/i>einer <i>Endl\u00f6sung <\/i>zuf\u00fchren. Mehr als 4000 D\u00f6rfer wurden zerst\u00f6rt, 2000 davon dem Erdboden gleich gemacht. In Anlehnung an die 8. Sure des Korans &#8222;Al Anfal&#8220; (&#8222;Die Kriegsbeute&#8220;) startet Saddam die Al Anfal-Operation, das heisst die <i>Giftgasangriffe<\/i>, die unvorstellbares Leid \u00fcber die Zivilbev\u00f6lkerung bringen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im <i>Zweiten Golfkrieg <\/i>im Jahre 1991 greift der <i>Irak Kuweit <\/i>an. Die Alliierten stellen sich auf die Seite Kuweits. US-Pr\u00e4sident George Bush senior f\u00fchrt jedoch die Zerschlagung von Saddams Truppen nicht zu Ende, weil er die Destabilisierung des Iraks bef\u00fcrchtet. Ende Februar bis April 1991 erheben sich die Kurden Iraks gegen dieDivisionen Saddams. Es kommt zu einer Massenflucht von \u00fcber einer Million Kurden nach der T\u00fcrkei und in den Iran. Es sind die <i>Peshmergas <\/i>unter der F\u00fchrung von Barzani, welche den Kurden eine einigermassen <i>geordnete Flucht <\/i>sicherstellen. Die Peschmergas sind in der Schlacht am Koreh-Pass erfolgreich gegen die Panzer von Saddam, was als Sieg Kurdistans \u00fcber die irakische Invasion betrachtet wird. Um das Leid der kurdischen Fl\u00fcchtlinge zu mildern, verh\u00e4ngen die Alliierten im Norden Iraks eine &#8222;No Fly Zone&#8220; und etablieren anschliessend eine <i>Schutzzone <\/i>f\u00fcr die kurdische Bev\u00f6lkerung. Dieses <i>Protektorat <\/i>ist der <i>Grundstein <\/i>f\u00fcr die <i>Autonome Region des Irakischen Kurdistan, die ARIK<\/i>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Im Jahr <i>2003 <\/i>beginnt mit der <i>Invasion des Iraks <\/i>durch Truppen aus den USA und <i>Grossbritannien <\/i>der <i>Dritte Golfkrieg<\/i>. Die Kurden vergessen die Hilfe nicht, welche sie von den USA im Zweiten Golfkrieg erhalten haben, und unterst\u00fctzenbedingungslos die Vereinigten Staaten. Als das t\u00fcrkische Parlament wider Erwarten beschliesst, sein Territorium den USA <i>nicht <\/i>als Basis f\u00fcr Angriffe gegen den Irak zur Verf\u00fcgung zu stellen, erlauben die Kurden den USA spontan den Bau von zwei Milit\u00e4rflugpl\u00e4tzen in ihrem Gebiet. Diese <i>Loyalit\u00e4t <\/i>f\u00f6rdert die <i>Autonome Region des Irakischen Kurdistan ARIK <\/i>und f\u00fchrt zur heutigen de facto Autonomie. Die ARIK hat in Arbil ein eigenes Parlament und einen eigenen Pr\u00e4sidenten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><i>Zu unserer Reise: <\/i>Unser Flug \u00fcber Wien nach <i>Arbil <\/i>mit der Air Austria verl\u00e4uft problemlos. In Arbil, einer modernen Millionenstadt, allerdings ohne jeglichen \u00f6ffentlichen Verkehr, werden wir in ein F\u00fcnfsternhotel einquartiert, das mit unserem Standard fast Schritt halten kann. Auf der Reise durchs Land sind die Unterk\u00fcnfte allerdings bescheidener und weniger sauber, worauf wir jedoch geistig vorbereitet waren. Die Verpflegung war \u00fcberaus reichlich, wenn auch nicht besonders reichhaltig. Gegrilltes Huhn, Lammfleisch, Reis und Fladenbrot wurden t\u00e4glich serviert, dazu meistens auch Salat. Zum Trinken gab es kaum Alkohol, daf\u00fcr abgepacktes Wasser und sehr s\u00fcssen Tee.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>ersten Abend <\/i>in Arbil f\u00fchrte uns Werner van Gent in die Geschichte Kurdistans ein. Im Verlaufe der Reise folgten weitere Referate, so \u00fcber den Unterschied zwischen Sunniten und Schiiten, \u00fcber des Reiseleiters pers\u00f6nliche Erlebnisse im Kriegsgebiet, aber auch \u00fcber die Lage in Syrien und die schwierige Situation in Griechenland.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>zweiten Reisetag <\/i>begannen unsere langen Autofahrten. Wir legten rund 1\u2019500 km zur\u00fcck und reisten rund um Kurdistan, aufgeteilt auf drei Kleinbusse, stets gefolgt von einem Jeep mit drei bewaffneten Milit\u00e4rpersonen. Die Strassen sind teilweise neu und erstaunlich gut, teilweise voller Schlagl\u00f6cher, eng und immer wieder mit Schwellen ausgestattet, um die rasante Fahrweise der Kurden etwas abzubremsen. Nachdem man sich an die extrem kurzen Abst\u00e4nde zwischen den Autos oder die Parallelfahrten auf relativ engen Strassen gew\u00f6hnt hatte, gelang es recht gut, sich auf die zum grossen Teil wundersch\u00f6ne Landschaft zu konzentrieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Bei gutem Wetter bewegten wir uns also Richtung Nordosten, recht nahe an die syrische Grenze, vorbei an etlichen Storchennestern auf Strommasten und bl\u00fchenden Pistazienfeldern. Wir passierten <i>Gaugamila<\/i>, eines der wichtigsten <i>Schlachtfelder der Antike<\/i>, wo <i>Alexander der Grosse 331 v. Chr. <\/i>das gigantische Heer des <i>Perserk\u00f6nigs Darius III. <\/i>geschlagen hat. Darius verf\u00fcgte \u00fcber gut 100\u2019000 Mann, dazu Sichelwagen und Kampfelefanten, Alexander \u00fcber h\u00f6chstens die H\u00e4lfte Soldaten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>dritten Reisetag <\/i>besichtigen wir das Regionale Armee-Kommando von <i>Dohuk<\/i>, anschliessend ging es weiter in die nahe der syrischen und t\u00fcrkischen Grenze gelegene Stadt <i>Zakho<\/i>. Dort besuchen wir eine <i>Milit\u00e4rakademie<\/i>, wo die ehemalige Peshmerga-Guerillatruppe zu einer modernen Armee ausgebildet wird. Zur\u00fcck in Dohuk durften wir ein Gespr\u00e4ch mit <i>General Laschim Zokar <\/i>in seinem privaten Haus f\u00fchren. Zokar ist ein ehemaliger Peshmerga-K\u00e4mpfer und mit Werner van Gent befreundet, seit dieser 1991 in jener Gegend als Journalist mit Medikamenten und Nahrungsmitteln unterwegs war.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>vierten Reisetag <\/i>erfolgt die lange Fahrt nach <i>Rawanduz<\/i>. Sie f\u00fchrt durch den wohl reizvollsten Teil Kurdistans mit hohen schneebedeckten Bergen und weiten, ausladenden T\u00e4lern. Das Wetter meint es jedoch leider nicht gut mit uns. Es ist kalt, regnerisch und nebelverhangen, so dass man die prachtvolle Landschaft nur erahnen kann. Unterwegs sehen wir die ehemalige <i>Sommerresidenz <\/i>von <i>Saddam Hussein<\/i>, der wie vieleIraker aus dem S\u00fcden der sommerlichen Gluthitze Bagdads zu entfliehen pflegte. Die riesige Anlage thront auf einem H\u00fcgel mitten in einem grossen Tal und geniesst einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Weitblick. Vor dem Mittag treffen wir am <i>Barzani-Memorial <\/i>ein, wo uns Sheikh Abdulla Barzani, ein Neffe des hier geehrten Kurdenf\u00fchrers Mustafa Barzani, begr\u00fcsst und uns bei sintflutartigem Regen in einem Zelt bewirtet. Das Grab Mustafa Barzanis und seines Sohnes Idris, des Bruders des heutigen Pr\u00e4sidenten von Kurdistan, Masud Barzani, ist wohltuend schlicht, nur der Duft der voll erbl\u00fchten Narzissen ist bet\u00f6rend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Gegen Abend treffen wir im idyllisch gelegenen Rawanduz auf knapp 1000 m \u00fc. M. ein. Es scheint das <i>St. Moritz <\/i>von <i>Kurdistan <\/i>zu sein. Eine grossz\u00fcgig konzipierte Hotelanlage mit lauter Einzelh\u00e4uschen empf\u00e4ngt uns. In den Zimmern ist es allerdings sehr kalt, und es dauert einen Moment, bis Heizung und Warmwasser funktionieren. Martin Budinsky, der die Gruppe bis hierher begleitet hat, nimmt sich unserer kleinen M\u00fchen hilfreich an. Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht, und wir lassen ihn alle nur ungern nach Hause zur\u00fcckkehren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>f\u00fcnften Reisetag <\/i>fahren wir von Rawanduz aus zur <i>Mine Action Agency<\/i>, wo wir ein Gespr\u00e4ch mit dem Leiter der Minenr\u00e4umungsgruppe sowie mit Pressevertretern haben. Weite Gebiete Kurdistans sind noch immer vermint. Acht bis zehn Millionen Personenminen aller bekannten Typen wurden im kurdischen Gebiet verlegt, vor allem durch irakische Truppen und prim\u00e4r im Ersten Golfkrieg. Seit 1998 waren mit der R\u00e4umung zun\u00e4chst britische und deutsche Expertenteams besch\u00e4ftigt, heute wird die Minenr\u00e4umung durch die kurdische Regionalregierung organisiert und auch finanziert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach einer langen Fahrt und bei besserem Wetter auf der strategisch wichtigen <i>Passstrasse <\/i>des <i>Haj Umran <\/i>treffen wir am Mittag auf 2000 m H\u00f6he an der irakisch\/iranischen Grenze ein, wo wir zusammen mit dem Direktor des Grenztores das Mittagessen einnehmen. Es handelt sichum den wichtigsten Handelsweg vom Iran nach der T\u00fcrkei. Der Verkehr von Tankwagen, Gem\u00fcselastwagen und Autotransportern ist rege. Die Gegend des Grenztores war auch Standort von Mustafa Barzani bei der Organisation und F\u00fchrung des kurdischen Widerstandes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>sechsten Reisetag <\/i>dislozierten wir von Rawanduz nach <i>S\u00fcleymanie<\/i>, einer ebenfalls modern anmutenden Millionenstadt. Auf unserem Weg durch die reizvollen Streckenabschnitte passierten wir die ehemalige Landepiste der Alliierten, welche die Kurden den USA zur Verf\u00fcgung stellten, die jedoch heute nicht mehr gebraucht wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>siebenten Reisetag <\/i>bekamen wir einen pers\u00f6nlichen Eindruck vom Grauen, welches die Giftgaseins\u00e4tze Saddam Husseins verursacht hatten. In <i>Halabja<\/i>, einem Hauptziel Saddams, wurde ein Memorial f\u00fcr die Al Anfal-Operationen errichtet. Die entsetzlichen Bilder der verst\u00fcmmelten Opfer und noch mehr die grauenvollen Bilder von schwer verletzten, aber noch lebenden und schreienden Kindern lassen niemanden unber\u00fchrt. \u00dcberaus eindr\u00fccklich ist auch der riesige Friedhof, wo sich unz\u00e4hlige Kindergr\u00e4ber befinden. Am Eingang steht auf einer grossen Tafel: &#8222;Mitgliedern der Baath-Partei ist der Zutritt verboten.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>achten Reisetag <\/i>besuchen wir am Vormittag die <i>Institution f\u00fcr kurdische Dokumente und Journalismus<\/i>. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Dokumente und damit die Geschichte Kurdistans seit 1991 aufzuarbeiten und so weit wie m\u00f6glich auch fr\u00fchere Dokumente zu sammeln. Anschliessend statten wir dem <i>lokalen Museum <\/i>einen Besuch ab, das im umgebauten, ehemaligen <i>Zentrum des irakischen Sicherheitsdienstes <\/i>eingerichtet wurde und anschaulich aufzeigt, wie grausam die Gefangenen dort gehalten und gefoltert worden sind. Es ist auch viel altes Kriegsmaterial vorhanden, was naturgem\u00e4ss vor allem die M\u00e4nner unserer Gruppe fasziniert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am <i>neunten Reisetag <\/i>geht es zur\u00fcck nach Arbil. Dort treffen wir gegen Abend <i>Nesreen Barwari<\/i>, eine beeindruckende Frau, ehemals <i>Ministerin f\u00fcr \u00f6ffentliche Arbeiten in der ARIK<\/i>. Mit der <i>Verfassung <\/i>von <i>2005 <\/i>wurde ein Bekenntnis zur <i>Demokratie <\/i>verankert mit dem Ziel, den D\u00f6rfern mehr <i>Autonomie <\/i>zu gew\u00e4hren. Die Hoffnung bleibt, dass die Kurden neben den heute 23 existierenden arabischen Staaten einst ein eigener, nicht arabischer Staat sein werden. Der Weg dorthin d\u00fcrfte allerdings noch lang sein. Die L\u00e4nder, die ebenfalls zahlreiche Kurden beheimaten, sehen die Autonomiebestrebungen ungerne, weil sie ein von ihnen nicht angestrebtes Pr\u00e4judiz bef\u00fcrchten. Am Montagmorgen, dem Tag unseres Heimfluges, besichtigen wir in <i>Arbil <\/i>die osmanische <i>Zitadelle<\/i>, eine grossartige Anlage mit einer herrlichen Aussicht \u00fcber die Stadt. Die grossenteils besch\u00e4digten Geb\u00e4ude werden restauriert. Sie umfassen wundersch\u00f6ne Malereien, die an den Glanz des einst m\u00e4chtigen osmanischen Reiches erinnern. Ein letztes Gespr\u00e4ch findet im B\u00fcro f\u00fcr internationale Zusammenarbeit statt. Es wird uns nochmals aufgezeigt, welche gewaltige Leistung die Kurden seit den Zerst\u00f6rungen im Ersten Golfkrieg erbracht haben. Die ARIK sei heute sicher, der Bruderkrieg zwischen Norden und S\u00fcden bew\u00e4ltigt. Man strebe eine <i>wirtschaftliche Entwicklung <\/i>an und w\u00fcrde sich \u00fcber engere <i>Beziehungen <\/i>mit der Schweiz sehr freuen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Eine von ihrer Reise mehr als befriedigte Gruppe trifft am Abend in Z\u00fcrich ein. Ein grosser Dank geht an <i>Werner van Gent<\/i>, der uns zusammen mit der GMS dieses einmalige Erlebnis erm\u00f6glicht hat.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Text: Vreni Spoerry (Horgen)<\/span><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Im Nordirak haben die Kurden nach dem Golfkrieg 2003 eine Oase der Stabilit\u00e4t inmitten eines Ozeans der Instabilit\u00e4t und Gewalt geschaffen. Das ist umso bemerkenswerter, als kein anderes Land im Zeitraum von nur einem Menschenleben die zerst\u00f6rerische Wut so vieler und so unterschiedlicher Konflikte erfahren hat, wie der Nordirak. Kurdistan, eine neue Touristen-Destination also?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[272,49],"tags":[],"class_list":["post-1465","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2012","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1465"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1465\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}