{"id":3239,"date":"2012-07-03T15:17:05","date_gmt":"2012-07-03T13:17:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=3239"},"modified":"2022-01-25T09:55:53","modified_gmt":"2022-01-25T08:55:53","slug":"03-2013-osterreichs-grenzen-im-fricktal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/03-2013-osterreichs-grenzen-im-fricktal\/","title":{"rendered":"03-2013 Fricktal Austriaca"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der ehemalige vorder\u00f6sterreichische Grenzverlauf bildet den roten Faden einer leichten GMS-Wanderung bzw. Fahrt durch den beginnenden Fr\u00fchling mit Dr. <strong>J\u00fcrg E. Schneider<\/strong>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Der Friedensvertrag von Lun\u00e9ville beendete den Zweiten Koalitionskrieg und best\u00e4tigte die Beschl\u00fcsse, die 1797 anl\u00e4sslich der Friedensverhandlungen von Campo Formio getroffen wurden:<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>\u201eSe. Majest\u00e4t der Kaiser, K\u00f6nig von Ungarn und B\u00f6hmen, und der erste Consul der Republik Frankreich, im Namen des Franz\u00f6sischen Volkes, denen es beiden am Herzen liegt, den Uebeln des Kriegs ein Ende zu machen, haben sich entschlossen, zu der Abschliessung eines Definitiv-Friedens und Freundschafts-Tractats zu schreiten\u2026<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Art. II. Die Abtretung der vormaligen Belgischen Provinzen an die Franz\u00f6sische Republik, so wie solche durch den 3ten Artickel des Tractats von Campo Formio stipuliert worden ist, wird hiermit auf die f\u00f6rmlichste Art erneuert,\u2026<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>Nicht minder werden von Sr. Kaiserl. und K\u00f6n. Maj. und mit f\u00f6rmlicher Einwilligung des Reichs, an die Franz\u00f6sische Republik hiermit abgetreten:<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>1) Die Grafschaft Falkenstein, mit dem, was davon abhanget.<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><em>2) Das Frickthal, und alles, was an dem linken Ufer des Rheins, zwischen Zurzach und Basel, dem Hause Oesterreich zugeh\u00f6rt, und die Franz\u00f6sische Republik beh\u00e4lt sich vor, dieses letztere der Helvetischen Republik abzutreten.&#8220;<\/em><\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u00d6sterreich verzichtete also am 09. Februar 1801 auf die Herrschaft im Fricktal. 1802 kam es, mit Unterst\u00fctzung Frankreichs, zur Gr\u00fcndung des gleichnamigen Kantons. Rheinfelden war w\u00e4hrend eines Jahres Hauptstadt, bevor die Gebiete 1803 auf Geheiss Napoleon Bonapartes dem neu entstandenen Kanton Aargau zugeschlagen wurden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Programm<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">08.15 Abfahrt ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai. Fahrt nach Schinznach-Dorf. Besuch der dortigen reformierten Pfarrkirche in deren Innern sich die Gruft des einstmaligen Statthalters Vorder\u00f6sterreichs und nachmaligen Oberbefehlshabers des Schweizerischen Heeres \u2013 Johann Ludwig von Erlach befindet. Anschliessend Weiterfahrt \u00fcber Oberflachs zum Besuch des Schloss Kastelen. Der weitere Weg f\u00fchrt nach Thalheim und \u00fcber den &#8222;Polenweg&#8220; zur Ruine Schenkenberg.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">12.45 Mittagessen im Restaurant Schenkenbergerhof<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Anschliessend Fahrt \u00fcber die Staffelegg nach Herzberg. Von dort zu Fuss \u00fcber den Asperstrihen zum B\u00e4nkerjoch. Gegen Abend R\u00fcckfahrt via K\u00fcttigen, Saalh\u00f6he, Erlinsbach und Aarau nach Z\u00fcrich.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">18.45 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><strong>Reiseleitung<\/strong><\/p>\n<p align=\"LEFT\">Dr. <a title=\"J\u00fcrg E. Schneider\" href=\"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/old-page\/reiseleiter\/jurg-schneider\/\">J\u00fcrg E. Schneider<\/a>, Z\u00fcrich<\/p>\n<p>\u00a0<strong>Christoph C. Baumann&#8217;s Reisebericht<\/strong><\/p>\n<p>(<a href=\"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/old-page\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Fricktal-Austriaca.pdf\">Fricktal Austriaca<\/a> als PDF zum downloaden)<\/p>\n<p>Bei sch\u00f6nstem Fr\u00fchlingswetter versammelte sich die Reisegesellschaft in der <i>reformierten Kirche <\/i>von Schinznach-Dorf. In diesem n\u00fcchternen Bauwerk befinden sich aber sch\u00f6ne barocke Epitaphen von drei bernischen Landv\u00f6gten auf Schloss Kasteln. Die &#8222;pi\u00e8ce de r\u00e9sistance&#8220; hingegen bildet die in der S\u00fcdapsis 1650 eingerichtete Grab- und Memorialkapelle f\u00fcr Johann Ludwig v. Erlach, den Bauherrn des Schlosses Kasteln. Er war Mitglied des kleinen und grossen Rates, Standesvertreter Berns bei der Tagsatzung, und in verschiedenen Missionen, auch milit\u00e4rischen, f\u00fcr Bern t\u00e4tig. Er trat 1638 von allen \u00c4mtern zur\u00fcck, um als Generalmajor in den Dienst des Herzogs von Sachsen-Weimar zu treten, der ihn nach der Eroberung der Festung Breisach zu deren Gouverneur machte. Nach dem Tod des Herzogs wechselte er in franz\u00f6sische und schwedische Dienste (bei Ludwig XIV. und Gustav Adolf im letzten Teil des Dreissigj\u00e4hrigen Krieges 1635\/48, zuletzt 1647 als Generalleutnant). Oberhalb seines Grabes befinden sich prunkvolle Epitaphen f\u00fcr ihn und seine Gattin Margarethe, die ihm die Herrschaft und den Namen Castelen einbrachte.<\/p>\n<p>Kurz zur <i>Geschichte des Kantons Aargau und des Fricktals<\/i>: Der Aargau als Teil der habsburgischen Lande wurde im Rahmen des Konstanzer Konzils mit Permiss K\u00f6nig Sigismunds, eines Luxemburgers, 1415 durch Bern erobert. Das Fricktal war ein fr\u00fch besiedeltes Gebiet der Alemannen. \u00dcber die Grafen von Homberg und deren Erben, die Grafen von Habsburg-Laufenburg, ging das Gebiet an das Haus von Habsburg-\u00d6sterreich. Ab dem Jahr 1386 bildete das Fricktal einen Teil des vorder\u00f6sterreichischen Verwaltungsgebietes und geh\u00f6rte zum Breisgau. Im Gegensatz zum Thurgau, der sich von Konstanz l\u00f6sen konnte, hatte der Schwabenkrieg keine territorialen Folgen f\u00fcr den Bereich des Fricktals. Der Dreissigj\u00e4hrige Krieg riss auch das Fricktal in den Abgrund der Zerst\u00f6rung und des wirtschaftlichen Ruins. Soldatenhorden zogen pl\u00fcndernd durch die D\u00f6rfer und St\u00e4dte. Es folgten Hungersn\u00f6te und Pestseuchen. Im Jahr 1799 besetzten franz\u00f6sische Truppen das Fricktal, und es wurde damit vom habsburgischen Kaiserreich abgetrennt. So endete die \u00fcber 400-j\u00e4hrige \u00f6sterreichische Herrschaft und die bis dahin g\u00e4ngige Bezeichnung &#8222;Frickgau&#8220;. Am 20. Februar 1802 wurde der Kanton Fricktal mit Status eines franz\u00f6sischen Protektorats ausgerufen. Die Eingliederung des Kantons in die Helvetische Republik erfolgte im August 1802 auf eigenen Wunsch. Napoleon Bonaparte verf\u00fcgte jedoch in der Mediationsakte am 19. Februar 1803 die Aufl\u00f6sung des Kantons und, gemeinsam mit dem Kanton Baden, den Anschluss an den neu gegr\u00fcndeten Kanton Aargau.<\/p>\n<p>Nach einem Kaffeehalt im Winzereibetrieb Chalmst\u00fcbli kurzer Fussweg zur Besichtigung des <i>Schlosses Kasteln<\/i>. Diese barocke Anlage, basierend auf einer schon 1238 durch die Habsburger hier errichteten Doppelburg (Kasteln-Ruchenstein), besticht durch Einfachheit aber auch durch Wohlgeformtheit. Seit 1855 Erziehungsanstalt, 1907 ausgebrannt, dann mehrmals renoviert, weist sie keine kunsthistorisch sehenswerte Innenausstattung mehr auf.<\/p>\n<p>Fahrt \u00fcber den <i>&#8222;Polenweg&#8220;<\/i>, eine 1941 von Internierten gebaute Strasse von Thalheim hinauf zur <i>Ruine Schenkenberg<\/i>, den letzten Teil zu Fuss. Sie wird als eindruckvollste Burgruine des Kantons Aargau bezeichnet. Von den Habsburgern im fr\u00fchen 13. Jh. als \u00f6stlicher Pfeiler ihres Burgensystems errichtet, ging sie in den Besitz der habsburgischen Dienstleute &#8222;von Schenkenberg&#8220; \u00fcber. Auf einem m\u00e4chtigen Felssporn errichtet, beherrschte sie die umliegenden Talschaften. Diese Gebiete wurden aber erst 1460 (nicht schon 1415) von den Bernern erobert und der Sitz wurde in der Folge zum Landvogteischloss. Anfang des 18. Jh. wurde es dem Zerfall \u00fcberlassen. Die baulichen Reste weisen Teile eines m\u00e4chtigen Bergfrieds wie auch eines komplexen, auf absch\u00fcssigem Gel\u00e4nde errichteten Terrassenbaus auf, in dessen Mitte, dem einstigen \u00abPalas\u00bb, wir standen. Neue Umfassung mit Bau von Wehrt\u00fcrmen in sp\u00e4terer Zeit. Der Vorteil einer Reise vor der Pflanzenbl\u00fcte: gut sichtbare Landschafts-Strukturen, und das Holz des Waldes vom Baumstamm bis in die feinsten Ver\u00e4stelungen wirkt auf Distanz wie ein braun-violetter Samt\u00fcberzug \u00fcber die H\u00fcgellandschaft. Ein Ap\u00e9ro mit \u00f6rtlichem Weisswein auf dem Burgareal genossen, schloss den Vormittagsteil ab.<\/p>\n<p>Nach einem gem\u00fctlichen Mittagessen im Schenkenbergerhof in Thalheim Fahrt \u00fcber die <i>Staffelegg zum Herzberg<\/i>. Von dort ging es zu Fuss, zum Teil sich steil aufw\u00e4rts stemmend, zum <i>Asperstriehen <\/i>hinauf. Wir marschierten oben entlang der Hangkante, wo man noch Grenzsteine sah, die mit dem Berner Wappen auf der eidgen\u00f6ssischen und mit einem &#8222;A&#8220; auf der \u00f6sterreichischen Seite gekennzeichnet waren. Wie der Reiseleiter ausf\u00fchrte, wurden diese unter Maria Theresia im Rahmen ihrer umfassenden Grenzmarkierungen gesetzt. Die Herrscherin veranlasste nebenbei auch ein genaues Verzeichnis der Eigentumsverh\u00e4ltnisse im Bereiche der gesamten k.u.k.-Monarchie (\u00abTheresianischer Kataster\u00bb von 1766). Der weitere Fussmarsch f\u00fchrte zum Benkerjoch hinab. Auch dieser wenig bekannte Pass trennte ehemals die \u00f6sterreichischen Vorlande von der Eidgenossenschaft. Hier sollen auch \u2013 wie so h\u00e4ufig im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg \u2013 Kriegsgr\u00e4uel von schwedischen Truppen begangen worden sein.<\/p>\n<p>Als letzte Etappe vor dem offiziellen Abschluss des Ausflugs in Aarau, wurde in Erlinsbach Halt gemacht. Dies ist ein Ort mit einer interessanten Geschichte. Die Siedlung wird durch den Erzbach geteilt. Der eine Teil dieser Ortschaft geh\u00f6rt dem Kanton Aargau, der andere dem Kanton Solothurn an. Da Bern sich bekanntlich 1525 der Reformation anschloss, Solothurn aber beim alten Glauben blieb, bildete der Erzbach von nun ab eine Konfessionsgrenze. Im solothurnischen Teil sieht man heute noch das alte Wappen, mit dem Reichsadler versehen, an der Fassade der &#8222;Schmitte&#8220; angebracht. Beim Grenzfluss Erzbach bot uns der Reiseleiter einen weiteren interessanten &#8222;tour d\u2019horizon&#8220; dar, wobei er die lokale Geschichte (&#8222;petite histoire&#8220;) wie auch diejenige des \u00f6sterreich-ungarischen Riesenreiches (&#8222;grande histoire&#8220;) gekonnt zu verbinden wusste. Hier, im &#8222;Blinddarm&#8220; des Kaiserreiches, endete der informelle Teil des Ausflugs. Wieder einmal verstand es der erfahrene und langj\u00e4hrige Reiseleiter Dr. J\u00fcrg Schneider aufgrund seiner fundierten und breit abgest\u00fctzten Kenntnisse in Geschichte, Arch\u00e4ologie wie auch in Bau- und Kunstgeschichte die Zuh\u00f6rerschaft mit seinen \u2013 \u00f6fters auch mit feinem Humor gespickten\u2013 Ausf\u00fchrungen zu faszinieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Text: Dr. Christoph Baumann (St\u00e4fa)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der ehemalige vorder\u00f6sterreichische Grenzverlauf bildet den roten Faden einer leichten GMS-Wanderung bzw. Fahrt durch den beginnenden Fr\u00fchling mit Dr. J\u00fcrg E. 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