{"id":3945,"date":"2013-01-27T20:56:15","date_gmt":"2013-01-27T20:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=3945"},"modified":"2013-01-27T20:56:15","modified_gmt":"2013-01-27T20:56:15","slug":"gms-fruhjahrstagung-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-fruhjahrstagung-2013\/","title":{"rendered":"GMS Fr\u00fchjahrstagung 2013"},"content":{"rendered":"<p>Thema: <strong>Die Friedensschl\u00fcsse von 1648, 1714 und 1919<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 23. Februar 2013, 0945 bis\u00a01300\u00a0Uhr, Uni Z\u00fcrich KOH B-10<\/p>\n<p><b>Frieden durch Macht oder Gewalt?<\/b><\/p>\n<p>Die GMS-Fr\u00fchjahrstagung 2013 vermochte \u00fcber 100 H\u00f6rer und H\u00f6rerinnen zu interessieren. Marco Jorio, Chefredaktor des Historischen Lexikons, der ehemalige Diplomat Rolf St\u00fccheli und Milit\u00e4rhistoriker Hans Rudolf Fuhrer sprachen zu den Friedensschl\u00fcssen von 1648, 1714 und 1919.<\/p>\n<p><b><!--more-->Wie die Schweiz souver\u00e4n wurde<br \/>\n<\/b>Der Frage, wie die Eidgenossenschaft nach dem westf\u00e4lischen Frieden von 1648 souver\u00e4n wurde, widmete sich Historiker Marco Jorio. Zwar wurden einige Gebiete in den Kriegsstrudel hineingerissen, doch die Eidgenossenschaft konnte sich weitgehend raushalten. Der Krieg entbrannte an konfessionellen Gegens\u00e4tzen, entpuppte sich letztlich als Machtkampf der Grossm\u00e4chte. Frankreich und Schweden gingen als Sieger hervor. Die Eidgenossenschaft verfolgte eine Politik des &#8222;Stillsitzens&#8220;, eine fr\u00fche Form der Neutralit\u00e4t, was eine Frage der Existenz war. Der 30-J\u00e4hrige Krieg wurde dadurch so etwas wie ein \u00dcbungsfeld f\u00fcr die noch schwach ausgebildete Neutralit\u00e4t. Als 1644 in M\u00fcnster und Osnabr\u00fcck Friedensverhandlungen begannen, schlug der Basler B\u00fcrgermeister Johann Rudolf Wettstein den anderen St\u00e4nden der Eidgenossenschaft eine Gesandtschaft vor. Zuerst waren die katholischen St\u00e4nde dagegen, doch mit Hilfe des Urners Sebastian Peregrin Zwyer erlangte Wettstein das Mandat aller 13 Orte. Nach einem langen diplomatischen Tauziehen nahmen im Juli 1647 die Siegerm\u00e4chte einen Helvetik-Artikel in den Friedensvertrag auf, der den Forderungen Wettsteins nach Souver\u00e4nit\u00e4t Nachachtung verschaffte. Zwar wurde damit die Eidgenossenschaft noch nicht vollst\u00e4ndig souver\u00e4n im heutigen Sinne. Zu gross waren die Beziehungen und Verflechtungen einzelner Orte zum deutschen Reich. Trotzdem konnten sich die Eidgenossen nach 1648 unabh\u00e4ngig auf das diplomatische Parkett der Welt begehen.<\/p>\n<p><b>Der Friede von Baden<br \/>\n<\/b>Die Tatsache, dass 1714 die neutrale Eidgenossenschaft als Gastgeberin eines europ\u00e4ischen Friedenskongresses in Anspruch genommen wurde und diese internationale Dienstleistung zur Befriedigung der Signatarm\u00e4chte erf\u00fcllen konnte, war ein Novum, wie Rolf St\u00fccheli betonte. Von diesem Gesichtspunkt darf der Friedenskongress von Baden als Ausgangspunkt einer schweizerischen Aussenpolitik der \u201eDisponibilit\u00e4t\u201c f\u00fcr gute Dienste an der Staatengemeinschaft gelten, wie sie heute vor allem das \u201einternationale Genf\u201c zum Ausdruck bringt. Dabei bildete der Diplomatenkongress in der Quasi-Bundesstadt der alten Schweiz das letzte Glied einer Kette internationaler Vertr\u00e4ge, welche den Spanischen Erbfolgekrieg beendeten. Mit dem Badener Frieden und den letzten Vertr\u00e4gen in Utrecht ging nicht nur der Weltkrieg um das spanische Erbe zu Ende, sondern zugleich eine Epoche franz\u00f6sischer Hegemonie.<\/p>\n<p><b>Von Versailles zum V\u00f6lkerbund<br \/>\n<\/b>Macht oder Gewalt ist gem\u00e4ss Hans Rudolf Fuhrer Schl\u00fcsselfrage jeder Konfliktl\u00f6sung. Ohne Gewalt ist das Recht nicht durchsetzbar; ohne Recht ist die Gewaltanwendung reine Brutalit\u00e4t. Auch in der Friedenskonferenz von Versailles boten sich diese M\u00f6glichkeiten Frieden durch Recht oder Frieden durch Gewalt. Fuhrer vertritt die Auffassung, dass in Versailles die L\u00f6sung des Problems darin bestand, die alleinige Schuld am Ausbruch des Kriegs Deutschland zuzuschieben, um die 14 Vorschl\u00e4ge von US-Pr\u00e4sident Woodrow Willson obsolet zu machen. Von Deutschland sollte nie mehr ein Krieg ausgehen. Den Siegerm\u00e4chten ging es um die drei Prinzipien, Sicherheit durch territoriale Schw\u00e4chung, Sicherheit durch Abr\u00fcstung und Entwaffnung und Sicherheit durch finanzielle Schw\u00e4chung\/Reparationen. Die Bildung des V\u00f6lkerbunds als Versuch der kollektiven Sicherheit wurde zur Farce. In der Schweiz wurde der Beitritt zu einer stark umstrittenen Frage. Bereits damals \u00f6ffneten sich heute bestbekannte politische Gr\u00e4ben. Die Gegnerschaft bestand vor allem aus einer Mehrheit der Deutschschweizer, hochrangiger Milit\u00e4rs wie Generalstabschef Sprecher und der Sozialisten, die in Versailles den Sieg der Kapitalisten erkannten. Die Bef\u00fcrworter, die in der Volksabstimmung vom 16. Mai 1920 knapp siegten, stammten aus der Romandie. Dieses Muster beherrschte Jahrzehnte sp\u00e4ter viele aussenpolitische Abstimmungen (z.B. Beitritt zur UNO oder zum EWR). Der Frieden von Versailles scheiterte letztlich an seiner inneren Unwahrhaftigkeit.<\/p>\n<p><i>Dieter Kl\u00e4y, Winterthur<\/i><\/p>\n<p>weiterf\u00fchrender Link: <a href=\"http:\/\/www.dhs.ch\/\">www.dhs.ch<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Die Friedensschl\u00fcsse von 1648, 1714 und 1919 Samstag, 23. Februar 2013, 0945 bis\u00a01300\u00a0Uhr, Uni Z\u00fcrich KOH B-10 Frieden durch Macht oder Gewalt? Die GMS-Fr\u00fchjahrstagung 2013 vermochte \u00fcber 100 H\u00f6rer und H\u00f6rerinnen zu interessieren. 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