{"id":463,"date":"2011-06-01T13:22:35","date_gmt":"2011-06-01T11:22:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=463"},"modified":"2022-04-04T14:40:35","modified_gmt":"2022-04-04T12:40:35","slug":"gms-fruhjahrstagung-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-fruhjahrstagung-2011\/","title":{"rendered":"GMS Fr\u00fchjahrstagung 2011"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<h2>Die Habsburger: Erzfeinde zu Recht?<\/h2>\n<p>Die Machtpolitik der Eidgenossen oder ihre Opferrolle im 14. Jahrhundert war Thema der gut besuchten GMS Fr\u00fchjahrstagung. Bruno Meier, Autor des Buches \u201eEin K\u00f6nigshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter\u201c, charakterisierte das Verh\u00e4ltnis zwischen Habsburg-\u00d6sterreich und den Eidgenossen im 14. Jahrhundert als eine Beziehung mit offenem Ausgang. Um 1300 gab es zwischen Habsburgern und Eidgenossen unterschiedliche Konfliktlinien. Es gab keine einheitliche Habsburgerdynastie, sondern eine Hauptlinie mit Rudolf von Habsburg und die Linie Habsburg-Laufenburg (Trennung ca. 1240), die untereinander Konflikte hatten. Nach dem Tod Leopold I 1326 versuchte sich Luzern unabh\u00e4ngiger zu machen. 1332 kam es zum B\u00fcndnis mit den Waldst\u00e4tten. Neue Eliten mit wirtschaftlichen Interessen kamen in Luzern, Uri und in Obwalden an die Macht. Diese Eliten waren ohne Bezug zu Habsburg und wollten vor allem von den Beziehungen nach Norditalien profitieren. Doch diese neuen Eliten waren letztlich daf\u00fcr verantwortlich, dass neue Konflikte wie z.B. der Sempacher Krieg 1386 ausbrachen. Nach der Schlacht bei Sempach konnten diese neuen Eliten in der Innerschweiz und vor allem in Luzern, sp\u00e4ter auch in Z\u00fcrich und Bern ihre wirtschaftliche Macht konsolidieren. Der traditionelle Adelsteil und die Habsburgische Pr\u00e4senz wurden stark ersch\u00fcttert, die Herz\u00f6ge waren wenig pr\u00e4sent und konnten sich nicht mehr durchsetzen. Die Eidgenossen und die Habsburger wurden zu Nachbarn.<\/p>\n<p>Rolf Kamm, Verfasser des Buches \u201eGlarus zwischen Habsburg und Z\u00fcrich. Die Entstehung des Landes im Sp\u00e4tmittelalter\u201c verwies in seinen Ausf\u00fchrungen, dass sich durch die Schlacht von N\u00e4fels 1388 die Glarner nicht nur von den Habsburgern befreiten und Teil der Eidgenossenschaft wurden, sondern auch einen hohen Stellenwert erhielten. Vor 1390 waren es Eliten aus dem Glarner Unterland mit direkter Beziehung zu Habsburg und zum Kloster S\u00e4ckingen, die den alten regionalen Adel beerbt hatten und prim\u00e4r im Handel auf der Achse Z\u00fcrich-Weesen-Italien t\u00e4tig waren. Nach 1380 rekrutierten sich die f\u00fchrenden Kreise eher aus dem Hinterland s\u00fcdlich von Schwanden. Sie waren st\u00e4rker mit der Innerschweiz verbunden. Ihre Interessen lagen in den Alpweiden und im Export von Vieh, Schafen, etc. In erster Linie war dieser Elitenwechsel wirtschaftlich und kulturell bedingt. Sukzessive l\u00f6sten sich die Glarner von den Habsburgern ab. 1415 wurde Glarus reichsfrei. Es folgte eine Ann\u00e4herung an die Eidgenossenschaft, an Schwyz und an Z\u00fcrich. Letztlich aber bewahrte Habsburg Glarus zwischen 1353 und 1415 vor dem eidgen\u00f6ssischen Zugriff.<\/p>\n<p>Zum &#8222;Poker&#8220; des Z\u00fcrcher B\u00fcrgermeisters Rudolf Brun mit der jungen Eidgenossenschaft und Habsburg-\u00d6sterreich (1336 \u2212 1360) referierte der ehemalige Stadtarch\u00e4ologe und GMS Reiseleiter J\u00fcrg E. Schneider. Die Handwerkerorganisationen von Z\u00fcrich sahen, dass sie in Konstanz, Basel und anderen Orten integriert waren und wollten auch in Z\u00fcrich mitreden. Rudolf Brun hatte die Zeichen der Zeit, die auf Mitsprache und Wirtschaftspotenz standen, erkannt. Doch die Z\u00fcrcher Nobilit\u00e4t wehrte sich gegen die aufstrebenden Handwerker. Als Brun 1332 in den Rat kam, war er noch in der Minderzahl. 1336 verjagte er die damals f\u00fchrenden Bilgeri nach Basel, Rapperswil und Strassburg. Brun wurde erster B\u00fcrgermeister der Stadt Z\u00fcrich und baute seine Macht konsequent aus. 1337 best\u00e4tigte Ludwig der Bayer die Zunftverfassung. Die Verbannten, vor allem jene aus Rapperswil, r\u00fchrten die Trommel gegen den missliebigen Brun. Im Herbst 1337 kam es zum Krieg Z\u00fcrichs gegen Rapperswil. Erst im Herbst 1343 erfolgte die Auss\u00f6hnung. Brun baute seine Herrschaft weiter aus, kaufte 1345 die Kirche St. Peter und erhielt auch das M\u00fcnzregal. Die fr\u00fchen 40-er Jahre waren \u00fcberschattet von Umweltkatastrophen. 1344 und 1345 ab es eine D\u00fcrre mit Hungersn\u00f6ten. 1347 brach die Pest in Europa aus. Ca. 50 Mio. Leute starben europaweit. Auch Z\u00fcrich wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die Zeit f\u00fcr Habsburg war g\u00fcnstig zu intervenieren. Doch Rudolf Brun hatte Kenntnis erhalten. Es gelang ihm, das verhasste Geschlecht der Bilgeri vollkommen zu brechen. Die Z\u00fcrcher zogen erneut nach Rapperswil, nahmen die Stadt ein und zerst\u00f6rten die Burg. Dabei kam es zu \u00dcbergriffen auf habsburg-laufenburgische Besitzt\u00fcmer. Ein Friedensangebot Bruns an Habsburg-Laufenburg wurde abgelehnt. Brun sah sich in einer prek\u00e4ren Lage und suchte die Unterst\u00fctzung der Waldst\u00e4tte. Am 1. Mai 1351 schloss Z\u00fcrich das ewige B\u00fcndnis mit den Eidgenossen, die die Zunftverfassung anerkannten. Nach 1355 kam es zu einer Normalisierung mit dem Haus Habsburg-\u00d6sterreich. Brun starb am 17. September 1360.<\/p>\n<p><em>Dieter Kl\u00e4y, Winterthur<\/em><\/p>\n<p>Buchempfehlungen:<\/p>\n<div>\n<p>Bruno Meier: Ein K\u00f6nigshaus aus der Schweiz. Die Habsburger, der Aargau und die Eidgenossenschaft im Mittelalter. 244 S., ISBN 978-3-03919-069-0. hier+jetzt Verlag f\u00fcr Kultur und Geschichte GmbH, Baden.<\/p>\n<p>Rolf Kamm. Glarus zwischen Habsburg und Z\u00fcrich. Die Entstehung des Landes im Sp\u00e4tmittelalter. 288 S., ISBN 978-3.03919-150-5. hier+jetzt Verlag f\u00fcr Kultur und Geschichte GmbH, Baden.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[145],"tags":[],"class_list":["post-463","post","type-post","status-publish","format-standard","category-tagungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}