{"id":5219,"date":"2013-10-14T22:45:42","date_gmt":"2013-10-14T22:45:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=5219"},"modified":"2013-10-14T22:45:42","modified_gmt":"2013-10-14T22:45:42","slug":"gms-fruehjahrstagung-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-fruehjahrstagung-2014\/","title":{"rendered":"GMS Fr\u00fchjahrstagung 2014"},"content":{"rendered":"<p>Thema:\u00a0<strong>Der Ausbruch des ersten Weltkrieges\u00a0&#8211; Als in Europa die Lichter ausgingen<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 22. Februar 2014, 0945 &#8211; 1215 Uhr, Universit\u00e4t Z\u00fcrich Zentrum KOH B-10<\/p>\n<p>mit Referaten von Hans Rudolf Fuhrer, Manfried Rauchensteiner und Michael Epkenhans<\/p>\n<p>150 GMS Mitglieder und G\u00e4ste, darunter der \u00f6sterreichische Botschafter in der Schweiz, J\u00fcrgen Meindl, folgten den Referenten zu den Hintergr\u00fcnden des Kriegsausbruchs von 1914.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg war und ist in der Schweiz ein wenig interessierendes Thema. Er wird verk\u00fcrzt auf die \u201e4 G f\u00fcr Grenzbesetzung, Gilberte de Courgenay, Generalstreik und Grippeepidemie\u201c, konstatierte Hans Rudolf Fuhrer in seinem Einstiegsreferat. Der Zweite Weltkrieg habe den ersten zugedeckt. Man muss sich aber die Frage stellen: Warum nicht durch die Schweiz? Die Neutralit\u00e4tsverletzung durch die Kriegsparteien war gem\u00e4ss Fuhrer durchaus eine Operationsoption. Die Gr\u00fcnde, dass es dann doch nicht passiert ist, liegen gem\u00e4ss Einsch\u00e4tzung von Fuhrer einerseits im deutschen Generalstab, der die Schweiz als Nichtobjekt bezeichnet hat, im Gegensatz zum Generalstab Frankreichs. In keiner Phase des Krieges gab es Absichten der Deutschen f\u00fcr einen Durchstoss durch die Schweiz. Zweitens war die Glaubw\u00fcrdigkeit der Landesverteidigung ein wichtiger Aspekt. Es gibt viele Quellen die belegen, dass die Landesverteidigung der Schweiz damals als glaubw\u00fcrdig bezeichnet wurde. Diese Ansicht teilte Schlieffen, der daraus folgerte, dass ein Stoss durch Belgien und Luxemburg einfacher sei. Zudem gab es auch andere Gr\u00fcnde, wie zum Beispiel kulturelle oder neutralit\u00e4tspolitische.<\/p>\n<p><b>Die Entfesselung des Krieges<\/b><\/p>\n<p>Der bekannte \u00f6sterreichische Historiker Manfried Rauchensteiner zeigt sich davon \u00fcberzeugt, dass nach dem Doppelmord der Krieg in Wien, aber auch in Berlin entfesselt wurde. Sp\u00e4testens seit 1908 hatte \u00d6sterreich-Ungarn ein gespanntes Verh\u00e4ltnis zu Serbien. Ab 1909 verschlechterte sich die Lage dramatisch. Das Osmanische Reich fiel den Serben und den Montenegriner in die H\u00e4nde. Serbien wurde neue Seemacht im Mittelmehrgebiet. Das wollten auch die Italiener nicht. Die Londoner Konferenz zwang Serbien, sich zur\u00fcckzuziehen. Im Ergebnis wurde Albanien geschaffen. Serbien zielte auf Krieg und wurde durch Russland unterst\u00fctzt. Mit dem Attentat von Sarajevo und dem Doppelmord an Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Frau Sophia Hohenberg im Juni 1914 \u00e4nderte sich die Lage dramatisch. Zwar wurde dieser Tod nicht gross betrauert. Aber es war ein Symbol get\u00f6tet worden. Kaiser Franz Josef f\u00e4llte zwischen dem 30. Juni und dem 2. Juli 1914 den Entschluss zum Krieg. In den folgenden Tagen erhielten die Milit\u00e4rs bei Franz Josef viel Audienzzeit. Es waren alles nicht protokollierte Vieraugengespr\u00e4che. Der Gesandte Hoyos ging nach Berlin und holte die Unterst\u00fctzung durch das Deutsche Reich ab. Auf Intervention des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten wurden die Hintergr\u00fcnde des Attentats untersucht. Die Attent\u00e4ter wurden dingfest gemacht. Es wurde bekannt, dass Serbien eine aktive Rolle gespielt hat.<\/p>\n<p>Der Entschluss zum Krieg fand breite Zustimmung. Die Dokumente zur Entfesselung des Kriegs waren bereits Mitte Juli 1914 geschrieben und in 12 Sprachen \u00fcbersetzt. Die Reaktion war Enthusiasmus und Euphorie. Es gab kaum einen Intellektuellen oder einen K\u00fcnstler, der den Kriegsentschluss nicht unterst\u00fctzt h\u00e4tte. Das Debakel der habsburgischen Elite zeichnete sich aber schnell ab. Es kam zum Zweifrontenkrieg gegen Serbien und Russland. Bewaffnungsm\u00e4ssig war man nicht auf dem neusten Stand. Bis Anfang 1915 musste die Kriegsmaschinerie zuerst raufgefahren werden. Die Generalit\u00e4t war von Beginn an \u00fcberfordert. Es kam zu grossen Rochaden in der Heeresf\u00fchrung. Die Verluste waren gross. Die Deutschen leisteten zwar Unterst\u00fctzung und dr\u00e4ngten die Russen zur\u00fcck, konnten aber aus sprachlichen Gr\u00fcnden nicht oder nur beschr\u00e4nkt die multiethnischen Truppen des Habsburgerreichs f\u00fchren. Als dritte Front kam Italien. Nach dem Tod von Franz Josef am 21. November 1916 suchte Thronfolger Karl I den Friedensschluss, scheiterte aber. Die Isonzoschlacht von 1917 brachte kurzfristig den Durchbruch. Die \u00d6sterreicher standen vor Venedig und glaubten nochmals an den Sieg. Aber es war ein Pyrrhussieg. Die USA traten in den Krieg ein und das Blatt wendete sich endg\u00fcltig.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>\u201eJe eher, desto besser\u201c<\/b><\/p>\n<p>Die deutsche Seite des Kriegsausbruchs beleuchtete Professor Michael Epkenhans. In seinem Referat ging er der Frage nach, ab wann und unter welchen Bedingungen der Generalstab ein Pr\u00e4ventivkrieg gegen die immer st\u00e4rker werdenden M\u00e4chte, vor allem aber gegen Russland, vorbereitet hatte. \u201eJe eher desto besser\u201c wurde zum gefl\u00fcgelten Wort und versinnbildlicht die Denkweise von damals. Treibende Kraft war Moltke der J\u00fcngere, der sp\u00e4testens im Mai 1914 in seiner Funktion als Generalstabschef den Gedanken des Pr\u00e4ventivkriegs kommunizierte. In zahllosen Denkschriften warnten die Milit\u00e4rs damals vor dem angeblich drohenden Untergang des Reiches durch einen seitens der M\u00e4chte der Entente herbeigef\u00fchrten Krieg. Wirkliche Belege daf\u00fcr hatten sie allerdings nicht. Die Verantwortung aber nur auf die Milit\u00e4rs abzuschieben, greift zu kurz. Es war die Politik, die im Juli 1914 entschieden hatte, die Krise zu einem politischen Vabanque-Spiel zu nutzen. Die Milit\u00e4rs haben in diesem Zusammenhang das getan, was ihre Aufgabe war: die notwendigen Pl\u00e4ne vorgelegt und m\u00f6gliche Szenarien aufgezeigt.<\/p>\n<p><i>Dieter Kl\u00e4y, Vorstandsmitglied<\/i><\/p>\n<p>Die zweite Tagung zum Ersten Weltkrieg findet am 8. November 2014 statt.<\/p>\n<p><b>Buchempfehlungen:<\/b><\/p>\n<p>Manfried Rauchensteiner: Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie 1914\u20131918, 2013, 1222 S., gebunden, ISBN: 978-3-205-78283-4<br \/>\nNach der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand in Sarajevo stand fest, dass es Krieg geben w\u00fcrde. Kaiser Franz Joseph wollte es und in Wien rechnete man durchaus mit der M\u00f6glichkeit eines grossen Kriegs. Wie der Krieg entfesselt wurde und bereits Wochen sp\u00e4ter \u00d6sterreich-Ungarn nur deshalb nicht zur Aufgabe gezwungen war, weil es immer wieder deutsche Truppenhilfe bekam, hat bis heute nichts an Dramatik verloren. Zwei Monate vor seinem Tod verzichtete der \u00f6sterreichische Kaiser auf einen Teil seiner Souver\u00e4nit\u00e4t und willigte in eine gemeinsame oberste Kriegsleitung unter der F\u00fchrung des deutschen Kaisers ein. Der Nachfolger Franz Josephs, Kaiser Karl, konnte das nie mehr r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Auch ein Teil der V\u00f6lker \u00d6sterreich-Ungarns f\u00fcrchtete die deutsche Dominanz. Das Buch beruht auf jahrzehntelangen Forschungen und bleibt bis zur letzten Seite fesselnd, obwohl man das Ende kennt. Viele Zusammenh\u00e4nge werden aber erst jetzt klar. Rauchensteiner sieht den Ersten Weltkrieg als Zeitenwende.<\/p>\n<p>Erika\u00a0Hebeisen,\u00a0Peter\u00a0Niederh\u00e4user,\u00a0Regula\u00a0Schmid\u00a0(Hg.): Z\u00fcrich w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs. Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Z\u00fcrich, Band 81, 2014.\u00a0239 S., 190 Abb., ISBN 978-3-0340-1221-8<br \/>\nDer \u00abgrosse Krieg\u00bb von 1914\u20131918 markiert eine Zeitenwende und den blutigen Auftakt der Moderne. Die Erinnerung an das mit Not und Leid verbundene Geschehen pr\u00e4gt die europ\u00e4ische Geschichte und steht 2014 im Zentrum von Gedenkveranstaltungen. Die Schweiz und der Kanton Z\u00fcrich waren zwar milit\u00e4risch nicht involviert, indirekt aber sehr wohl vom Krieg und seinen Auswirkungen betroffen. Aktivdienst und Rationierungsmassnahmen, soziale Unruhen und die Betreuung von Fl\u00fcchtlingen und Internierten bestimmten den Alltag in Z\u00fcrich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema:\u00a0Der Ausbruch des ersten Weltkrieges\u00a0&#8211; Als in Europa die Lichter ausgingen Samstag, 22. 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