{"id":529,"date":"2011-02-10T19:50:30","date_gmt":"2011-02-10T18:50:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=529"},"modified":"2022-01-25T10:06:27","modified_gmt":"2022-01-25T09:06:27","slug":"die-schlacht-am-morgarten-1315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/die-schlacht-am-morgarten-1315\/","title":{"rendered":"Die Schlacht am Morgarten 1315"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eAm Tage vor Sankt Othmar aber wollte nun Herzog Leopold mit seinen Kriegern zwischen einem gewissen Berg und einem See, genannt Egrersee,<!--more-->in das Land eindringen, wegen der Steilheit und H\u00f6he des Berges wurde er jedoch daran gehindert. [&#8230;]\u201c<\/p>\n<p>Dieser Ausschnitt aus der Brennwald-Chronik (1513) f\u00fchrt uns mitten hinein in die Problematik dieser ersten \u201eFreiheitsschlacht\u201c der Eidgenossen. Die Quellen lassen vieles offen, was von der Tradition in den vergangenen Jahrhunderten mit eindr\u00fccklichen Bildern gef\u00fcllt worden ist. Im Kloster Einsiedeln, im Bundesbriefarchiv in Schwyz und auf dem Schlachtfeld am Morgartenberg soll versucht werden, die Spuren zu lesen.<\/p>\n<p>08.15 Abfahrt mit Bus ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<br \/>\nFahrt nach Einsiedeln. Besichtigung der Klosterkirche und der Bibliothek<\/p>\n<p>12.15 Mittagessen im Restaurant Wysses R\u00f6ssli in Schwyz. Besuch Bundesbriefmuseum. Anschliessend Verschiebung<br \/>\nnach Morgarten Besichtigung des Schlachtfeldes mit Gel\u00e4ndebegehung<\/p>\n<p>R\u00fcckfahrt nach Z\u00fcrich<br \/>\n18.00 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<\/p>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>Hans Rudolf Fuhrer, PD Dr. phil., Meilen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Fred Nyffeler&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p><strong>Die Schlacht am Morgarten 1315<\/strong><\/p>\n<p>Die Schlacht am Morgarten \u2013 ein eidgen\u00f6ssischer <i>Freiheitskampf<\/i>, eine <i>M\u00e4r <\/i>oder eine <i>Sage<\/i>? <i>Fehde <\/i>oder <i>Wirtschaftskrieg<\/i>? <i>Mythos <\/i>oder <i>Realit\u00e4t<\/i>? All dies fragten sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in Einsiedeln nach kurzer Fahrt zu einem Kaffee ausstiegen. Auf der Fahrt dahin hatte der <i>Reiseleiter PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer <\/i>in eindrucksvoller Weise die Exkursion Eingeleitet.<\/p>\n<p>Obwohl mit der <i>Schlacht <\/i>eine erste Periode der eidgen\u00f6ssischen Geschichte (1291\u20131315) verbunden ist, ist diese ein <i>umstrittenes Thema. <\/i>Nebst verschiedenen <i>kritischen Publikationen <\/i>konnten vor allem bis heute <i>keine Bodenfunde <\/i>gemacht werden. Die Schlacht ist unter anderem im Weissen Buch von Sarnen nicht erw\u00e4hnt; \u00fcberhaupt findet sie weitgehend nur bei ausl\u00e4ndischen Autoren Erw\u00e4hnung \u2013 also keine Realit\u00e4t? Der vom Reiseleiter als Beispiel vorgetragene Text aus einem schweizerischen Geschichtsbuch von 1966 kann wahrlich nicht den Anspruch auf historische Wahrheit erheben, so sch\u00f6n und patriotisch er auch her\u00fcber kommt. Sagen und Geschichten gefallen eben besser als Quellen, stellte der Reiseleiter abschliessend fest. Den verschiedenen Betrachtungsweisen wurde dann im Verlauf des Tages nachgegangen. Es ging auf dieser Exkursion darum, den Mythos zu erleben sowie um die Frage, ob diese &#8222;Schwyzer Geschichte&#8220; ein St\u00fcck Schweizer Geschichte sei \u2026 oder eben doch nicht?<\/p>\n<p>Die &#8222;Schwyzer Geschichte&#8220; hat ihren Ausgangspunkt in <i>Einsiedeln<\/i>, genauer im Kloster, einer Benediktinerabtei am Jakobsweg. Wir wur<span style=\"color: #000000;\">den von <i>Abt Martin Werlen <\/i>empfangen, der uns h\u00f6chst pers\u00f6nlich \u00fcber die Geschichte, die Infrastruktur und die leidigen, notwendigen Renovationen bzw. die Kosten des Klosters informierte und uns dann durch die grossartige <i>Stiftsbibliothek <\/i>f\u00fchrte, wo er uns Trouvaillen, wie die Originale der Gr\u00fcndungsurkunde und der Zwingli-Bibel sowie anderes mehr vorstellte. Mit seiner imposanten Kirche und der Schwarzen Madonna ist das Kloster Einsiedeln nicht nur ein touristischer Anziehungspunkt; nein, hier begann damals die Auseinandersetzung mit den Schwyzer Bauern. Worum ging es? Das Kloster hatte seine <i>L\u00e4ndereien <\/i>durch Urkunden vom Kaiser zugesprochen erhalten, <i>nach r\u00f6mischem Recht<\/i>, allerdingsohne klar definierte Grenzziehungen. Die Schwyzer Bauern hingegen beriefen sich auf das <i>germanische Recht<\/i>, das ungenutzten Boden durch Bewirtschaftung \u00fcber Generationen zum Eigentum erkl\u00e4rt. Diese Nutzungszwistigkeiten f\u00fchrten zum sogenannten <i>Marchenstreit <\/i>mit dem Kloster, zu einer mittelalterlichen Fehde. Diese eskalierte am 6. Januar 1314, als die Schwyzer das Kloster Einsiedeln \u00fcberfielen und nicht nur Sachschaden anrichteten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der Streit, der sich in Klageschriften und Schiedsspr\u00fcchen nachweisen l\u00e4sst, veranlasste den damaligen Schirmherrn des Klosters \u2013 das Haus Habsburg \u2013 in den schwyzerischen Landen nach dem Rechten zu sehen. Aus dem Rechtsstreit wurde ein &#8222;Wirtschaftskrieg&#8220;. Dazu kam der Streit um die Reichskrone. Da die Schwyzer mehrheitlich Ludwig den Bayern unterst\u00fctzten \u2013 den Konkurrenten des Habsburgers Friedrich, genannt &#8222;der Sch\u00f6ne&#8220; \u2013 und weitere Streitigkeiten des lokalen mittleren Adels hineinspielten, erhielt der Konflikt eine europ\u00e4isch-dynastische Dimension. So kam es <i>1315 <\/i>zur <i>Schlacht am Morgarten<\/i>; ihr sind wir am sp\u00e4teren Nachmittag im Gel\u00e4nde nachgegangen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Vorerst wurde zu Beginn des Nachmittags das erst 1936 er\u00f6ffnete sowie 1979\/80 restaurierte und 1999 neu konzipierte <i>Bundesbriefarchiv in Schwyz <\/i>\u2013 heute Bundesbriefmuseum \u2013 besucht. Nachdem wir im Park der Statue &#8222;Wehrbereitschaft&#8220; der Landi 1939 Ehre erwiesen hatten, empfingen uns im Innern Gem\u00e4lde, wovon nebst dem &#8222;Bundesschwur&#8220; der &#8222;Bruder Klaus&#8220; von Marcel Barraud unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. <i>Niklaus von Fl\u00fce <\/i>\u2026&#8220;Machet den zun nit zu wit!&#8220;\u2026 eine damalige Symbolfigur f\u00fcr die innere St\u00e4rke und Einheit sowie auch ein Warner vor einer expansiven Aussenpolitik der Eidgenossen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Das Bundesbriefmuseum beherbergt nebst dem <i>Bundesbrief der Urkantone <\/i>\u2013 der Talschaf-ten Uri, Schwyz und Unterwalden \u2013 weitere mittelalterliche Urkunden. Darunter finden wir alle fr\u00fcheidgen\u00f6ssischen Bundesbriefe bis 1513. Die verschiedenen ausgestellten Banner und Fahnen sowie die Urkunden best\u00e4rkten uns in der Meinung, dass ein Besuch des Bundesbriefmuseums f\u00fcr einen Eidgenossen ein absolutes Muss darstellt!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Historische Quellen legen das Datum der <i>Schlacht am Morgarten <\/i>auf den <i>15. November 1315 <\/i>fest; hingegen lassen sie das <i>Wo <\/i>und das <i>Wie <\/i>weitgehend offen. Wo ist der Abhang, von dem herunter rollend die Baumst\u00e4mme und Felsbrocken das habsburgerische Heer zwangen, in den Sumpf auszuweichen und es im See ertrinken liess? Wo fand die eigentliche Schlacht statt? Es gibt <i>zwei Gedenkst\u00e4tten<\/i>: eine auf Schwyzer Boden, beim \u00dcbergang der Seelandschaft \u00c4geri zum Sattel, die Kapelle in der Schornen; die andere ist ein Denkmal auf Zuger Boden unmittelbar bei der heutigen Schiffsstation &#8222;Morgarten&#8220;. Dem 1908 erstellten Denkmal ging ein Gelehrtenstreit voraus, der noch heute nicht definitiv beigelegt ist. Sichtbares Zeichen dieser Kontroverse ist das 300 m-Morgartenschiessen beim Denkmal und das 50 m-Pistolenschiessen auf Schwyzerboden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Die Erl\u00e4uterungen des Reiseleiters gestatteten es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sich ihre eigene Meinung zu bilden. Die von ihm vorgetragene L\u00f6sung, dass hinter der Letzi in der Schornen die Vorhut der Habsburger in einen Hinterhalt geriet und sp\u00e4ter beim Denkmal ein Stoss in die Flanke des am Hindernis aufgelaufenen Heeres gef\u00fchrt wurde, \u00fcberzeugte uns mehrheitlich. Viele nahmen die Frage mit: War die Schlacht nun wirklich ein Freiheitskampf, wie es auf dem Denkmal heisst, oder wurde sie erst sp\u00e4ter als ein solcher wahrgenommen? Die vom Reiseleiter mit profundem Wissen, Elan und \u00dcberzeugung durchgef\u00fchrte Exkursion widersprach allf\u00e4lligen Vorurteilen, dass das Thema veraltet sei. Die zahlreich erschienenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer \u2013 der Bus war bis auf den letzten Platz besetzt \u2013 unterstrichen dies zus\u00e4tzlich durch ihre Anwesenheit. Die Exkursion war eine echte Bereicherung und dies erst noch an einem sch\u00f6nen Tag im April 2011.<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Text: Fred Nyffeler (Bolligen)<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201eAm Tage vor Sankt Othmar aber wollte nun Herzog Leopold mit seinen Kriegern zwischen einem gewissen Berg und einem See, genannt Egrersee,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[273,49],"tags":[],"class_list":["post-529","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2011","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/529","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=529"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/529\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=529"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=529"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=529"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}