{"id":5658,"date":"2014-03-02T23:08:07","date_gmt":"2014-03-02T23:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=5658"},"modified":"2014-03-02T23:08:07","modified_gmt":"2014-03-02T23:08:07","slug":"gms-herbsttagung-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-herbsttagung-2014\/","title":{"rendered":"GMS Herbsttagung 2014"},"content":{"rendered":"<p>Thema:\u00a0<strong>Das Ende des Ersten Weltkrieges<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 08. November 2014, 0945 &#8211; 1200 Uhr, Universit\u00e4t Z\u00fcrich Zentrum KOH B-10<\/p>\n<p>mit Referaten von Hans Rudolf Fuhrer, Rudolf Jaun und Anton Pelinka<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>130 Teilnehmende folgten dem zweiten Teil der GMS-Vortragsreihe zum Ersten Weltkrieg. Behandelt wurden mit der Oberstenaff\u00e4re (Hans Rudolf Fuhrer) und dem Landesstreik (Rudolf Jaun) die beiden wichtigsten innenpolitischen Krisen der Schweiz. Im dritten Beitrag ging Anton Pelinka der Frage des \u201everfehlten Friedens\u201c von 1918 nach. <\/strong><\/p>\n<p>Die im Januar 1916 durch die Presse bekannt gewordene Oberstenaff\u00e4re verursachte einen grossen Wirbel, wie Hans Rudolf Fuhrer in seinem Referat darlegte. Seit Herbst 1915\/16 war die Stimmung zwischen der Romandie und der Deutschschweiz aufgeheizt. Der Skandal kam heftig und unvermittelt. Zwei Obersten sollen zugunsten der Zentralm\u00e4chte Landesverrat gemacht haben, lautete der Vorwurf. Ausgel\u00f6st wurde die Aff\u00e4re durch den Dechiffrierer Dr. Andr\u00e9 Langie aus Lausanne. Dieser war wegen zu kurzem Brustumfang milit\u00e4rdienstuntauglich. Dennoch wurde er wurde im September 1914 im Generalstab angestellt und entschl\u00fcsselte Geheimschriften. In den Akten, die er \u00fcbersetzt hatte, bemerkte er, dass die Deutschen Kenntnis von den Inhalten der Bulletins des Schweizer Generalstabs hatten. Er wandte sich, nachdem er bei seinem Vorgesetzten, der in die Aff\u00e4re involviert war, kein Geh\u00f6r gefunden hatte, an Bundesrat Decoppet. Heute w\u00fcrde man ihn einen Whistleblower nennen. In einem welschen Radfahrerkurier, der seinen Aussagen zufolge das t\u00e4gliche Nachrichtenbulletin dem \u00f6sterreichischen und dem deutschen Milit\u00e4rattach\u00e9 bringen musste, gab es noch eine zweite Quelle. Bundesrat Decoppet und der General wollten kein grosses Aufhebens machen und betrauten beide beschuldigten Obersten mit neuen Aufgaben. Doch die Vertuschungsaktion misslang. Welsche Parlamentarier wurden aufmerksam und steckten die Aff\u00e4re der Presse. Mit der Publikation am 14. Januar 1916 in der \u201eSentinelle\u201c brach der Sturm los. Die sozialdemokratische Berner Tagwacht von SP-Nationalrat Robert Grimm nahm die Geschichte auf. Am 28. Januar 1916 kam es zum Prozess am Obergericht in Z\u00fcrich. Die Obersten waren der Weitergabe des Nachrichtenbulletins an die Zentralm\u00e4chte angeklagt, wurden aber freigesprochen und lediglich durch den General mit 20 Tagen Arrest disziplinaisch bestraft und zur Disposition gestellt. Frankreich \u00fcbte Druck auf Bern aus. Die politische Aufarbeitung fand in der Fr\u00fchjahrssession 1916 statt. Aus der Oberstenaff\u00e4re, die die Schweiz entzweite, leitete Hans Rudolf Fuhrer mehrere Folgerungen ab, darunter, jene, dass die Glaubw\u00fcrdigkeit der Neutralit\u00e4t nie durch die Schweizer, sondern in fremden Regierungen und Generalst\u00e4ben entschieden wird und dass eine innenpolitische Zerstrittenheit und Polarisierung, wie sie damals herrschte, die Neutralit\u00e4t unwirksam und ist gef\u00e4hrlich macht.<\/p>\n<p><strong>Landesstreik<\/strong><\/p>\n<p>Den Versuch einer Neuinterpretation des Landesgeneralstreiks nahm Prof. Dr. Rudolf Jaun vor. Zwar gab es bereits zwischen 1880 und 1913 36 Eins\u00e4tze bei Betriebsstreiks. Doch w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges nahm die Zahl der Streiks und der Gewerkschaftsbeitritte zu. Die Schweizer Armee wurde von der sozialdemokratischen Presse skandalisiert und das Offizierskorps als Instrument des Klassenkampfs dargestellt. Nach einer Krawallnacht in Z\u00fcrich forderte der Regierungsrat Ordnungsdienstruppen. Die damalige F\u00fchrung der Sozialdemokraten war marxistisch orientiert. Das Fanal der Oktoberrevolution in Russland 1917 sch\u00fcrte in der Schweiz Revolutions\u00e4ngste, aber auch naive Hoffnungen. Unter der Leitung von SP Nationalrat Robert Grimm bildete sich das Oltener Komitee. Der Bundesrat bildete eine Landesstreikkommission, der Generalstabschef machte eine Studie \u00fcber Gegenmassnahmen. Bereits von November 1917 an war in Z\u00fcrich st\u00e4ndig ein Bataillon stationiert. Der Generalstreik entstand damit nicht aus dem Leeren. Am 29. Oktober 1918 rief die sozialdemokratische Partei der Schweiz anl\u00e4sslich des 1. Jahrestages der russischen Revolution zur Gedenkfeier auf. Im November 1918 spitzte sich die Situation zu. Der Streik \u2013 so die These des Referenten \u2013 kam deshalb zustande, weil die Eisenbahner mitgemacht haben, ansonsten es bei lokalen Aktionen geblieben w\u00e4re. Auch die pr\u00e4ventive Belegung Z\u00fcrichs als Mittel der Einsch\u00fcchterungsstrategie f\u00fchrte mit zum Generalstreik. Das massive Truppenaufgebot und der Druck der radikalen Arbeiterunionen f\u00fchrte zu einer Vergiftung des politischen Klimas.<\/p>\n<p><strong>Der verfehlte Friede von Versailles<\/strong><\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg, der sich innert weniger Tage vom lokalen Konflikt zwischen Serbien und \u00d6sterreich-Ungarn zum europ\u00e4ischen und schliesslich zum Weltkrieg steigerte, ist f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Zweiten Weltkrieges und den weiteren Verlauf der Geschichte entscheidend. Diesen Befund best\u00e4tigte der international bekannte Politologe und Historiker Prof. Dr. Anton Pelinka von der Central European University Budapest. Es war so was wie ein unvollkommen demokratischer Krieg. Fast alle Akteure agierten im Rahmen der Verfassungen, die den Kriegsausbruch nicht verhindert haben. Demokratische Kriege sind leicht zu beginnen, aber schwer zu beenden. Das macht das Kriegsende von 1918 deutlich. Der Anspruch von US-Pr\u00e4sident Wilson war es, den Krieg \u201e\u00fcberfl\u00fcssig\u201c zu machen. Darin lag die Widerspr\u00fcchlichkeit des Friedens. Die Vertr\u00e4ge von 1919 brachten keine stabile Friedensordnung. Es folgten neue Kriege wie z.B. in Russland, Italien-Jugoslawien, Rijeka, aber auch der griechisch-t\u00fcrkische Krieg oder die Kriege Italiens in Abessinien und Japans in China. Diese Kriege zeigten, wie verfehlt der Friedensschluss war. Die Ursacheen des Scheiterns waren vielf\u00e4ltig:<\/p>\n<ul>\n<li>Es war ein globaler Krieg, aber die Akteure taten so, als ob es ein europ\u00e4ischer Krieg war.<\/li>\n<li>Mit dem Ausscheiden Russlands und mit dem Ignorieren der UdSSR (Selbst- und Fremdisolierung) konnte ein wesentlicher Teil von Europa und Asien nicht erfasst werden. Zwar konnte Polen wieder gegr\u00fcndet, aber die Grenzen im Osten Polens konnten nicht definiert werden. Der fehlende Faktor Russland ist ein wichtiger Aspekt des gescheiterten Friedens.<\/li>\n<li>Wodrow Wilson wurde in seiner globalen Rolle masslos \u00fcbersch\u00e4tzt. Die USA waren zwar entscheidend in der Friedensbildung, haben sich aber dann herausgenommen und von der Umsetzung des Friedens verabschiedet.<\/li>\n<li>Dies f\u00fchrte zum revisionistischen Groll, der vor allem in Deutschland eine Rolle spielte. Versailles wurde zum Schlachtruf der Nationalisten und als der schlimmste Vertrag aller Vertr\u00e4ge diabolisiert.<\/li>\n<li>Es gab ein Groll der Siegerm\u00e4chte. Zwar geh\u00f6rte Italien zu den f\u00fcnf Grossen, f\u00fchlte sich aber zu kurz gekommen. Mit dem Aufstieg von Mussolinis kam es 1935 zum \u00dcberfall auf Abessinien, was das Ende des V\u00f6lkerbundes einl\u00e4utete.<\/li>\n<li>Die Motive der f\u00fchrenden M\u00e4chte waren territoriale und wirtschaftliche Gewinnabsichten. Am Ende stand ein Gemenge von idealistischen Anspr\u00fcchen und Machtumsetzungen der Siegerm\u00e4chte gegen\u00fcber den Verlierern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Welt gelernt und das Denken in nationalen Kategorien \u00fcberwunden. Es gab keine territorialen Forderungen mehr an Deutschland. Im Osten war die Situation etwas anders. Der erste Weltkrieg ist mit grossem Optimismus zu Ende gegangen und der Frieden scheiterte. Am Ende des Zweiten Weltkrieges operierten die Siegerm\u00e4chte geschickter.<\/p>\n<p><em>Dieter Kl\u00e4y<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema:\u00a0Das Ende des Ersten Weltkrieges Samstag, 08. 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