{"id":578,"date":"2011-02-10T21:50:54","date_gmt":"2011-02-10T20:50:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=578"},"modified":"2021-10-16T16:38:27","modified_gmt":"2021-10-16T14:38:27","slug":"westukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/gms-reisearchiv-2011\/westukraine\/","title":{"rendered":"Westukraine"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Oberst Karl Lorenz vor Panzer V\" alt=\"\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/55\/Bundesarchiv_Bild_101I-711-0427-04%2C_Oberst_Karl_Lorenz_vor_Panzer_V_%22Panther%22.jpg\" width=\"420\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Die Westukraine von Lemberg bis Kiew. Ziel Kiew: Die HG S\u00dcD im Angriff auf die Sowjetunion vor 70 Jahren. Der Vormarsch der Wehrmacht durch das historische Erbe der Kyiver Rus am rechten Ufer des Dnjepr,<!--more--> unter Hinweis auf die wechselvolle Geschichte und die Kriege, welche dieses Gebiet in den letzten 1000 Jahren erlebte.<\/p>\n<h3>Samstag<\/h3>\n<p>10.15 Abflug mit Austrian Airlines, Kurs OS 562, Umsteigen in Wien, 15.20 Landung in Lemberg, Transfer zum Hotel. F\u00fchrung durch die Altstadt von Lemberg. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel Citadel Inn, Lemberg<\/p>\n<h3>Sonntag<\/h3>\n<p>Fahrt mit dem Bus \u00fcber Brody, Dubno nach Tarnopol, der Einfallachse und dem Schauplatz etlicher milit\u00e4rischer Auseinandersetzungen, darunter Schlachtfelder des 1. Weltkrieges, des polnisch-russischen Krieges (Schlacht der Kavallerie von Komarow) und des Vorstosses der Pz Gr 1 \/ HG S\u00fcd 1941. Nach dem Mittagessen Besuch der Festung Sbarasch. Tarnopol im Wechsel der Geschichte. Abendessen in T\u00e2rnopol. \u00dcbernachtung im Hotel Galichina, Tarnopol<\/p>\n<h3>Montag<\/h3>\n<p>Fahrt nach Butschatsch (u.a. Osmanisch &#8211; Polnischer Krieg), \u00dcberquerung des Dnjester in Salischiky (internationaler Soldatenfriedhof). Nach dem Mittagessen weiter in die Bukovina, den Angriffsstreifen der rum\u00e4nischen Verb\u00fcndeten. F\u00fchrung durch die multikulturelle Stadt Tschernowitz. Abendessen im Zentrum und \u00dcbernachtung im Hotel Bukovina, Tschernowitz<\/p>\n<h3>Dienstag<\/h3>\n<p>Fahrt zur Festung Chotin, Besichtung eines Verteidigungswerkes der Stalin-Linie bei Schwanets, Besuch der Altstadt und der Festung in Kamenez-Podilsky. Nach dem Mittagessen Verschiebung auf der Vorstossachse der 17. Armee \u00fcber Chmelnizki (im 2. WK Proskurov) nach Medschibisch (Schloss mit Museum der Hungersnot) und nach Winnitsa. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel Podilja, Winnitsa<\/p>\n<h3>Mittwoch<\/h3>\n<p>Fahrt zu Hitlers HQ Wehrwolf bei Winnitsa, weiter quer durch den Angriffstreifen der Pz Gr 1 nach Berditschew, Schitomir (Hegewald) und entlang der Stalin-Linie nach Korosten mit Besichtigung der Festung, in welcher die 5. Armee (Gen.Maj. Potapow) den deutschen Vorstoss erfolgreich verz\u00f6gerte. Weiterfahrt nach Kiew. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel President, Kiew<\/p>\n<h3>Donnerstag<\/h3>\n<p>Begehung der Festung Hospital in Kiew, anschliessend Fahrt zum \u00e4usseren Verteidigungsring in Belogorodka am Irpen und Chapajevka am Dnjeper (Sturm auf Kiew Mitte September 1941). Nach dem Mittagessen Besuch des Museums des Grossen Vaterl\u00e4ndischen Krieges und Orientierung \u00fcber Kiew im Krieg und Wiederaufbau. Abendessen (fak.) im Zentrum von Kiew. \u00dcbernachtung im Hotel President, Kiew<\/p>\n<h3>Freitag<\/h3>\n<p>Fahrt \u00fcber Baby Yar (Exekutionen) nach Novi Petrivzi im Norden Kiews (Umgehung durch die 6. Armee &#8222;von Reichenau&#8220; und Ljutish Br\u00fcckenkopf 1943 der Roten Armee). Nach dem Mittagessen Besuch des Hetman Museum und der Festung Pechersk Lavra (Kloster). Abendessen im Zentrum. \u00dcbernachtung im Hotel President, Kiew<\/p>\n<h3>Samstag<\/h3>\n<p>Abfahrt zum &#8222;Goldenen Tor&#8220;. F\u00fchrung durch das &#8222;alte Kiew&#8220;. Verschiebung zum Flughafen und Check-in f\u00fcr den R\u00fcckflug. Mittagessen fakultativ, 13.30 Abflug ab Kiew mit Austrian Airlines, Kurs OS 662, Umsteigen in Wien, 19.05 Landung in Z\u00fcrich<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>Francis Antonietti, Oberst i Gst aD, Sessa<\/p>\n<h3>Johannes Rudolf Gunzenhauser&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p>Westukraine<\/p>\n<p>Was mich zur Teilnahme an dieser Reise bewog, war nicht der deutsch-sowjetische Krieg, sondern das Interesse am <i>gewaltigen Raum zwischen Ostsee und Schwarzem Meer<\/i>. Die Westukraine ist, wie der Name sagt, nur ein Teil der Ukraine und diese wiederum nur ein kleiner Teil dieser gewaltigen Landbr\u00fccke und historischen V\u00f6lkerdrehscheibe! Ich war gespannt!<\/p>\n<p>Unser <i>Reiseleiter Francis Antonietti <\/i>\u2013 von 1996 bis 1999 schweizerischer Verteidigungsattach\u00e9 in Kiew \u2013 ein Freund der Ukraine, kann sich fliessend in Russisch und Ukrainisch unterhalten. Er hatte sich zum Ziel gesetzt \u2013 und er erreichte dieses auch mit Bravour \u2013 uns in seiner speziellen und originellen Art die letzten 1000 Jahre dieses Raumes und die Ukraine n\u00e4herzubringen! Ich m\u00f6chte versuchen, Ihr Interesse f\u00fcr diese exzellente GMS-Reise zu wecken, auf dass sich unser versierter Reiseleiter f\u00fcr eine Neuauflage dieser Reise bewegen l\u00e4sst!<\/p>\n<p><i>Das Hauptthema: Der Angriff der Heeresgruppe S\u00fcd aus Polen, Ungarn und Rum\u00e4nien <\/i>durch den historischen Raum entlang der Wasserscheide zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen den St\u00e4dten Lemberg und Kiew, 97 Tage Kampf um 1\u2019000 km Tiefe im riesigen Sowjetreich!<\/p>\n<p><i>Gewaltige Panzerschlachten: <\/i>die sechst\u00e4gige Panzerschlacht von Brody, die am zweiten Tag von &#8222;Barbarossa&#8220; begann, ist nach dem Unternehmen &#8222;Zitadelle&#8220; von 1943 mit 2800 russischen und 718 deutschen Tanks die zweitgr\u00f6sste Panzerschlacht, die je geschlagen worden ist! Die <i>Leiden der Bev\u00f6lkerung <\/i>waren gleich <i>mehrfach<\/i>: Der deutsche Vormarsch und der R\u00fcckzug gingen \u00fcber die gleichen Ortschaften, denn die <i>&#8222;passages oblig\u00e9s&#8220; <\/i>sind durch das Gel\u00e4nde mit seinen Fl\u00fcssen, S\u00fcmpfen und Anh\u00f6hen gegeben, sind seit alters her mit St\u00e4dten und gewaltigen Wehranlagen befestigt und durch die wenigen Strassen verbunden. Daneben begleitete der <i>Terror <\/i>der beiden <i>Kriegsparteien <\/i>die Schlachten. Zus\u00e4tzlich dazu der Terror der Russen in der Vorkriegszeit und der der Nazis in der Besatzungszeit, sowie der erneute Terror der Kommunisten bei der &#8222;Befriedung&#8220; des wieder gewonnen Landes!<\/p>\n<p>Der <i>deutsch-sowjetische Krieg <\/i>ist nur der <i>vorl\u00e4ufig letzte Akt <\/i>in einem langen, \u00fcber <i>Jahrtausende hin und her wogenden Spiel <\/i>der jeweiligen <i>M\u00e4chte <\/i>um diesen reichen und strategisch bedeutsamen, aber &#8222;leeren&#8220; Raum und die ihn durchquerenden Handelsrouten! Diese wechselvolle Geschichte, die f\u00fcr uns Westeurop\u00e4er fast unbekannt und fast unvorstellbar ist, hat uns Reiseteilnehmer fasziniert. Hier wogten Streitkr\u00e4fte in Wellen hin und her, ver\u00e4nderten Gleichgewichte, zerst\u00f6rten Reiche und bauten neue auf. Als in Westeuropa die heutigen Grenzen schon mehr oder weniger festgelegt waren, wurde hier noch lange verschoben, geteilt und wieder zusammengef\u00fcgt!<\/p>\n<p>Wegen der wenigen &#8222;festen Pl\u00e4tze&#8220; und nat\u00fcrlichen Hindernissen kam den <i>&#8222;schnellen Truppen&#8220; <\/i>\u2013 das waren fr\u00fcher die Kavallerie, z.B. der Kosaken, die Flussschiffe und sp\u00e4ter die Panzer \u2013 als bewegliche, rasche strategische Formation (T34) f\u00fcr \u00fcberraschende Schl\u00e4ge in die Tiefe des Feindes und als fahrende Widerstandsnester (T35) zur raschen Bildung von Widerstandslinien zusammen mit der Infanterie und dem Gel\u00e4nde eine \u00fcberragende Bedeutung zu! Der Erfolg dieser &#8222;modernen Kavallerie&#8220; hing nat\u00fcrlich von der Unterst\u00fctzung oder von der Bedrohung durch die Luftwaffe und der beweglichen Artillerie ab! Ein Blick auf die Karte zeigt uns die <i>Wasserscheide Lemberg <\/i>(296 m \u00fc. M.) \u2013 <i>Kiew <\/i>(178 m \u00fc. M.), die sowohl in der Nord-S\u00fcd- wie in der Ost-West-Achse in der <i>Mitte <\/i>des <i>geographischen Europa <\/i>liegt! Schon in vorgeschichtlicher Zeit war, dank der vielen Fl\u00fcsse, die Ostsee mit dem Schwarzen Meer verbunden. Vor mehr als 1000 Jahren pflegten die Schweden (War\u00e4ger) enge politische und wirtschaftliche <i>Verbindungen <\/i>mit <i>Byzanz<\/i>. Aber auch wegen der Pripjets\u00fcmpfe n\u00f6rdlich der Achse Lemberg \u2013 Kiew war hier die geostrategische Lage in Ost- West-Richtung eine hervorragende! Wenn man bedenkt, dass fast alle V\u00f6lker, die in Westeuropa eingedrungen sind, n\u00f6rdlich des Schwarzen Meeres vorbeigekommen sind, dass fast unsere gesamte Kultur aus dieser Richtung &#8222;herbeigeschafft&#8220; worden ist: Die Eisenzeit z.B. begann hier 800 Jahre fr\u00fcher als bei uns! Bei der Lekt\u00fcre des Buches &#8222;Mila 18&#8220; von Leon Uris seinerzeit als Teenager ahnte ich, dass <i>Polen <\/i>irgendwie <i>nicht der Dulderstaat <\/i>war, wie er uns in der Schule vermittelt wurde. Hier waren ganz andere Energien am Werk! Hatte doch Polen sofort nach seiner Neugr\u00fcndung, am 21. November 1918, die soeben gegr\u00fcndete Westukrainische Republik angegriffen, Lemberg besetzt und Judenpogrome initiiert. Polen war damit unzufrieden und wollte sofort wieder die grosspolnischen Reiche der vergangenen Jahrhunderte auferstehen lassen und Hegemonialmacht der Region werden. Dass dies den beiden wieder erstarkten Nachbarn, den Sowjets und den Nazis nicht passen konnte, liegt auf der Hand. Mehrere Feldz\u00fcge der Polen und Russen, wobei die Polen bis Kiew vorstiessen, sorgten in der Zwischenkriegszeit f\u00fcr politischen Z\u00fcndstoff. Die erneute Teilung Polens im Hitler-Stalin-Pakt f\u00fchrte zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Wer weiss bei uns noch, dass nach der Kapitulation des Deutschen Reiches 1918 die Deutschen Kiew mit der Vasallenregierung eines &#8222;Kosaken-Hetmanns&#8220; in fester Hand hatten, nachdem diese die im Februar einmarschierte Rote Armee im M\u00e4rz aus Kiew hinausgeworfen hatte? Nach dem Abzug der Deutschen kamen in kurzer Zeit noch vier verschiedene politische Bewegungen milit\u00e4risch an die Macht, bis die &#8222;Roten&#8220; die &#8222;Weissen&#8220; vernichteten. Francis Antonietti las uns bei dieser Gelegenheit aus dem spannenden Buch &#8222;Die weisse Garde&#8220; von Michail Bulgakow vor.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, hier die ganze eingangs erw\u00e4hnte 1000-j\u00e4hrige Geschichte wieder zu geben. Doch es bestand schon vom 9. bis ins 14. Jahrhundert ein <i>Grossreich <\/i>zwischen <i>Ostsee <\/i>und <i>Schwarzem Meer<\/i>, die <i>Kiewer Rus <\/i>(die Rus = die Ruderer), das 1240 durch die Mongolen zerst\u00f6rt wurde. Dann kam ein F\u00fcrstentum, sp\u00e4ter ein Kosakenstaat. Ab 1569 eine polnisch-litauische Adelsrepublik. Gewaltige, personalintensive Schlachten tobten hin und her: Bei Chotin 1621 z. B. siegten 57\u2019000 Polen und 40\u2019000 Kosaken \u00fcber 400\u2019000 T\u00fcrken! Es folgte 1648\u20131654 der Aufstand des Kosaken-Hetmans Chmelnizky. Beeindruckend sind daneben auch die aussenpolitischen Aktivit\u00e4ten dieser Potentaten und zeigen die Bedeutung dieses Raumes auf. Der Hetman Chmelnizky z.B. unterhielt als Aufst\u00e4ndischer Gesandtschaften in Venedig, in der Moldau, beim russischen Zaren und beim schwedischen K\u00f6nig. Nach der Schlacht von Poltawa 1709 \u2013 Kosaken und Schweden verlieren gegen Russland unter Zar Peter I. \u2013 kommt dieses Gebiet nach mehreren Teilungen Polens unter die Herrschaft von Russland und \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Die <i>St\u00e4dte der Westukraine <\/i>sind sehr verschieden: Nach unserer Landung in <i>Lemberg <\/i>mit heute 750\u2019000 Einwohnern f\u00fchlten wir uns dort wie in der &#8222;guten, alten Zeit&#8220; mit Wiener Kaffeehausromantik, einem sch\u00f6nen Opernhaus und anderen repr\u00e4sentativen Geb\u00e4uden u.a. aus der Belle Epoque sowie \u00e4lteren, pr\u00e4chtigen Sakralbauten.<\/p>\n<p>Die Altstadt von Lemberg ist <i>Unesco- Weltkulturerbe<\/i>. <i>Ternopil <\/i>hingegen ist heute eine schmucklose Plattenbau-Stadt kommunistischer Bauart. <i>Kiew <\/i>mit 3 Mio. Einwohnern ist eine <i>moderne Grossstadt der Superlative<\/i>: Autobahnen, Br\u00fccken, U-Bahnen, moderne und historische Prachtbauten, Altstadt, Hotels, breite Boulevards, gegossene Denkm\u00e4ler f\u00fcr historische Pers\u00f6nlichkeiten, Museen \u2013 an bester Lage eines f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg mit entsprechendem heroischem Monument! Im Opernhaus genossen wir die pr\u00e4chtige Premiere des Ballettes &#8222;Le Corsaire&#8220; mit seinem unvergleichlichen &#8222;pas de trois&#8220;. Kiew hatte bereits im Jahr 1050 100\u2019000 Einwohner und 400 Kirchen und galt als eine der reichsten St\u00e4dte Europas! Wenn man von einer Anh\u00f6he auf die Stadt blickt, kann man die blauweissen Fassaden und die goldenen Zwiebelt\u00fcrme der pr\u00e4chtigen Kirchen bewundern. Bedenkt man, dass Stalin fast s\u00e4mtliche Kirchen zerst\u00f6ren liess und diese seit der Gr\u00fcndung der neuen Ukraine 1991 im alten Glanz wieder aufgebaut worden sind, kann man ermessen, mit welchen Problemen die Ukraine konfrontiert ist. &#8222;Die Ukraine ist reich, sie hat alles \u2013 nur muss noch eine effiziente Wirtschaftsorganisation geschaffen werden!&#8220; sagte uns ein pensionierter Viersternegeneral, heute TU-Professor und ukrainischer Politiker, mit dem wir an einem \u00fcppigen Mahl zu diskutieren Gelegenheit hatten.<\/p>\n<p>In der <i>Zwischenkriegszeit <\/i>beeindrucken oder vielmehr ersch\u00fcttern vor allem die politischen Anstrengungen der Sowjetunion, mit Terror dieses gewaltige Land zu reorganisieren. In der Festung Medschybisch wurde eine <i>Ausstellung zum &#8222;Holodomor<\/i>&#8222;, d. h. der von Stalins Schergen organisierten <i>Hungersnot und dem Terror <\/i>in der russischen Kornkammer gezeigt. Der Besitz von drei Getreide\u00e4hren wurde gesetzlich mit dem Tode bestraft, um die Bauern (Kulaken) in die Kolchosen zu zwingen. Auf dem Lande starben 10 Mio. Menschen, w\u00e4hrend die St\u00e4dte versorgt wurden. Verzweifelte Bauern deponierten nachts ihre Kinder in der Stadt, in der Hoffnung, barmherzige St\u00e4dter w\u00fcrden diese ern\u00e4hren, um den Aufbau der Schwerindustrie und damit des Proletariates zu gew\u00e4hrleisten!<\/p>\n<p>Auch der <i>Aufbau <\/i>der <i>sowjetischen Schwerindustrie <\/i>musste uns beeindrucken: W\u00e4hrend zu Beginn des Krieges die Wehrmacht 10 Prozent mehr Menschen als die Sowjets einsetzte, war die Rote Armee h\u00f6her technisiert: Artillerie +40 Prozent, Panzer +280 Prozent, Flugzeuge +120 Prozent. Auch waren die Panzer der Russen besser, wohingegen ihre Flugzeuge veraltet waren. Unter Ber\u00fccksichtigung des riesigen Raumes muss der \u00dcberfall als eine Verzweiflungstat der Deutschen bezeichnet werden! Die eigenen F\u00e4higkeiten Organisation, Ausbildung und Geschwindigkeit wurden zu hoch bewertet!<\/p>\n<p>Der <i>Besuch von Festungs- und Bunkeranlagen <\/i>wurde zum besonderen Erlebnis, denn Francis Antonietti verstand es, auch <i>einheimische Milit\u00e4rfans <\/i>in die F\u00fchrung einzubeziehen. Die Ambiance war \u00e4hnlich wie bei solchen Besuchen in der Schweiz: Mg auf Lafette mit Panorama und zum Teil heute verbaute Schiesssektoren. In einer Kdo-Anlage, die \u00e4hnlich wie bei uns nach 1945 weiter genutzt wurde, f\u00fchrte uns der 12-j\u00e4hrige Sohn des &#8222;Festungsw\u00e4chters&#8220; durch die Anlage, weil er englisch konnte. Es gab \u00fcberall Gedenkst\u00e4tten, die z. T. sehr &#8222;martialisch-heroisch&#8220; konzipiert waren, so etwa ganze Panzerfreilichtmuseen. Zum 70. Jahrestag des deutschen \u00dcberfalles am 22. Juni 1941 waren \u00fcberall Blumen aufgestellt, sehr oft von Privaten, die hier ihrer Familienmitglieder gedachten, die z.T. an diesen Orten als &#8222;Landwehr&#8220; gefallen sind!<\/p>\n<p>Sehr beeindruckend waren auch die <i>Ruinen deutscher Kdo-Anlagen<\/i>. Das <i>FHQ \u00a0&#8222;Werwolf&#8220; <\/i>bei Winniza wurde von Bautrupps mit Tausenden von Arbeitern ab November 1941 in einem Jahr gebaut. Hitler nutzte diese Anlage ganze drei Mal w\u00e4hrend total vier Monaten, zuletzt am 27. August 1943.<\/p>\n<p>Dass unser <i>Reiseleiter Francis Antonietti <\/i>ein <i>grosser Kenner der Ukraine <\/i>ist, durften wir auf dieser Reise immer wieder erleben. Gleichzeitig verweise ich Sie f\u00fcr weitere Informationen auf die <i>hervorragende Reisedokumentation <\/i>und die vielen zus\u00e4tzlich abgegebenen Bl\u00e4tter. Bei dieser Gelegenheit m\u00f6chte ich hervorheben, dass Reisen mit der GMS wegen der guten Gesellschaft und den z.T. hoch gebildeten Teilnehmern ein besonderer Genuss sind. Ich danke allen Tr\u00e4gern dieser Gesellschaft und ganz besonders den Reiseleitern f\u00fcr ihren grossen Einsatz!<\/p>\n<p><i>Text: Johannes Rudolf Gunzenhauser (Sissach)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Westukraine von Lemberg bis Kiew. Ziel Kiew: Die HG S\u00dcD im Angriff auf die Sowjetunion vor 70 Jahren. 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