{"id":592,"date":"2011-02-11T18:29:22","date_gmt":"2011-02-11T17:29:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=592"},"modified":"2021-10-16T16:38:18","modified_gmt":"2021-10-16T14:38:18","slug":"kriege-ludwigs-des-xiv-1670-1697","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/gms-reisearchiv-2011\/kriege-ludwigs-des-xiv-1670-1697\/","title":{"rendered":"Kriege Ludwigs des XIV. (1670-1697)"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonne schien nicht f\u00fcr alle&#8230; Der Sonnenk\u00f6nig, Ludwig XIV., f\u00fchrte seit seinem 30. Lebensjahr bis zu seinem Tode (1715) ununterbrochen Krieg:<!--more--><br \/>\n1667 &#8211; 1668 Devolutionskrieg<br \/>\n1672 &#8211; 1678\/79 Holl\u00e4ndischer Krieg<br \/>\n1688 &#8211; 1697 sog. Pf\u00e4lzischer Krieg<br \/>\n1701 &#8211; 1713\/14 Spanischer Erbfolgekrieg<br \/>\nDort, wo die franz\u00f6sischen Truppen belagerten und eroberten, siegten und marodierten, wurden allenthalben Stadt und Landschaft in Schutt und Asche gelegt.<\/p>\n<h3>Mittwoch<\/h3>\n<p>07.45 Abfahrt mit Bus ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai Fahrt nach Neuf-Brisach (190km). Besichtigung der Festungsanlage von Sebastian Vauban (UNESCO-Weltkulturgut), erbaut 1699 &#8211; 1703 als Gegenfestung zum rechtsrheinischen Breisach. Weiterfahrt nach T\u00fcrkheim (15km), Mittagessen im Restaurant Au Turenne. Schlacht von T\u00fcrkheim (5. Januar 1675) Sieg der Franzosen unter Marschall Henri de Turenne. Fahrt nach Strassburg (70km). Zimmerbezug im Hotel Du Dragon. Abendessen im Restaurant L\u2019Alsace \u00e0 Table. \u00dcbernachtung im Hotel Du Dragon, Strassburg<\/p>\n<h3>Donnerstag<\/h3>\n<p>Strassburgtag: Besichtigung der Altstadt mit dem M\u00fcnster. Belagerung und Kapitulation Strassburgs vor den Franzosen (19. bis 30. September 1681). Fahrt zum Br\u00fcckenkopf Strass-burg-Kehl, einer \u201epassage oblig\u00e9\u201c seit r\u00f6mischer Zeit. Mittagessen als Picknick unterwegs. R\u00fcckkehr ins Hotel. Abendessen fakultativ. \u00dcbernachtung im Hotel Du Dragon, Strassburg<\/p>\n<h3>Freitag<\/h3>\n<p>Abfahrt \u00fcber Hagenau nach Lembach (60km). Besuch der einst staufischen H\u00f6henburg Fleckenstein, die 1674 von den Franzosen besetzt und 1689 zerst\u00f6rt wurde. Weiterfahrt nach Speyer (80km). Mittagessen im Gasthaus Domnapf. Rundgang durch Speyer mit Besichtigung des salischen Doms von 1060. In der zugeh\u00f6rigen Gruftkapelle sind u. a. die Habsburger K\u00f6nige Rudolf (+1291) und Albrecht (+1308) bestattet. Die Stadt Speyer wurde 1689 von den Truppen Ludwigs XIV. in Schutt und Asche gelegt. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel Domhof, Speyer<\/p>\n<h3>Samstag<\/h3>\n<p>Abfahrt nach Heidelberg (30km). Besuch von Stadt und Schloss, die von den Franzosen zwischen 1689 und 1693 weitgehend zerst\u00f6rt wurden. Die einst glanzvolle Residenz der Kurf\u00fcrsten von der Pfalz gilt heute als \u201edie grossartigste Schlossruine Deutschlands\u201c. Mittagessen im Ristorante Da Mario. Weiterfahrt nach Achern \/ Sasbach (100km), Ort der Schlacht von Sasbach (27. Juli 1675), in der Marschall Henri de Turenne fiel; Sieg der Franzosen, Museumsbesuch mit<br \/>\nF\u00fchrung. R\u00fcckfahrt nach Z\u00fcrich (250km) 19.00 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>J\u00fcrg E. Schneider, Dr. phil., Z\u00fcrich<\/p>\n<h3>Ulrich Pfister&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p>Kriege von K\u00f6nig Ludwig XIV.<\/p>\n<p>Der Sonnenk\u00f6nig Ludwig XIV. hat w\u00e4hrend seiner ganzen Regentschaft Krieg gef\u00fchrt, zun\u00e4chst im Norden <i>gegen die Spanischen Niederlande<\/i>, das schliesslich die Freigrafschaft Burgund abtreten muss, <i>gegen Holland <\/i>ohne Erfolg, dann im Osten, um mit dem aus dem Frieden von M\u00fcnster abgeleiteten Anspruch auf das Elsass die Rheingrenze zu erreichen, und schliesslich mit einem Erbschaftsanspruch auf die Pfalz, die brutal verw\u00fcstet wird. <i>Frankreich demonstriert den H\u00f6hepunkt der absolutistischen Machtentfaltung<\/i>. Die wechselnden europ\u00e4ischen Allianzen sorgen jedoch immer wieder f\u00fcr die <i>Erhaltung des prek\u00e4ren Gleichgewichts <\/i>und binden im beginnenden 18. Jahrhundert Frankreich nach dem spanischen Erbfolgekrieg zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mit dieser Zusammenfassung der &#8222;Grosswetterlage&#8220;, wie es unser <i>Reiseleiter Dr. J\u00fcrg Schneider <\/i>jeweils nannte, wenn er souver\u00e4n und farbig die gr\u00f6sseren historischen Zusammenh\u00e4nge schilderte, sei der Bericht \u00fcber diese Reise exponiert, die unsere 14-k\u00f6pfige Gruppe an einige Stationen dieser Kriege am Rhein f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst besichtigten wir <i>Neuf-Brisach<\/i>, die im Auftrag Ludwigs vom genialen Festungsbauer<i>Sebastian Vauban <\/i>errichtete Festungsstadt, die sich als <i>Muster <\/i>der <i>barocken Milit\u00e4rarchitektur <\/i>bis heute wenig ver\u00e4ndert erhalten hat. Sie hatte sich allerdings milit\u00e4risch nie zu bew\u00e4hren, heute z\u00e4hlt sie zum Unesco-Weltkulturerbe, das man jedoch zweifellos attraktiver pr\u00e4sentieren k\u00f6nnte. Viele Einwohner pendeln von hier nach <i>Colmar<\/i>, Schauplatz einer der Schlachten von <i>Marschall Henri de Turenne <\/i>in den Kampagnen von 1674 und 1675. Auf einer Anh\u00f6he ob Turckheim lag das Gel\u00e4nde des Fechttals vor uns, in dem Turenne, der nicht wie erwartet von Norden, sondern nach einem Marsch durch die Vogesen von S\u00fcden her gekommen war, in einer kalten Winternacht seine Truppen unbemerkt hinten durch das T\u00e4lchen und \u00fcber die schneebedeckten H\u00fcgel auf die Anh\u00f6hen westlich von Turckheim bewegte. Er schlug mit seinem \u00fcberraschenden Angriff von zwei Seiten die \u00dcbermacht der kaiserlichen Truppen in wenigen Stunden und vertrieb sie aus Turckheim und Colmar.<\/p>\n<p>Der zweite Tag war <i>Strassburg <\/i>gewidmet. J\u00fcrg Schneider f\u00fchrte uns in die <i>Geschichte <\/i>des <i>M\u00fcnsters <\/i>ein, beginnend im 11. Jahrhundert. Mehrmals war das M\u00fcnster durch kriegerische Ereignisse besch\u00e4digt worden, 1793 w\u00e4hrend der Franz\u00f6sischen Revolution, 1870 im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg und 1944 im Zweiten Weltkrieg. Nach der Besichtigung des M\u00fcnsters, der Rue des Moulins und der Schleusen vergegenw\u00e4rtigten wir uns am Br\u00fcckenkopf Strassburg-Kehl das <i>wechselvolle Schicksal dieser Stadt, <\/i>die als freie Reichsstadt eine der ersten Republiken des Deutschen Reiches wurde. Nach den &#8222;Reunionen&#8220; der els\u00e4ssischen Orte wurde sie 1681 von Fran\u00e7ois Louvois, dem Kriegsminister Ludwigs XIV., mit dem Ultimatum vollst\u00e4ndiger Zerst\u00f6rung zur Unterwerfung unter die franz\u00f6sische Krone gezwungen. 1870 wurde sie von den Deutschen aufs Brutalste belagert und zerst\u00f6rt und im 20. Jahrhundert nochmals dreimal von der einen auf die andere Seite geschoben. Unter dem Sonnenk\u00f6nig hat, wie uns das kleine historische Zeitfenster unserer Reise vor Augen f\u00fchrte, diese Trag\u00f6die ihren Anfang genommen. Es verwundert nicht, dass unsere Gedanken und Gespr\u00e4che unter kundiger Leitung immer wieder weit in fr\u00fchere und sp\u00e4tere Epochen ausuferten.<\/p>\n<p>Auf dem Weg nach <i>Speyer<\/i>, der <i>mittelalterlichen Kaiserstadt<\/i>, besichtigten wir die imposante Burg Fleckenstein auf einem riesigen Sandsteinfelsen im h\u00fcgeligen Wasgau zwischen dem n\u00f6rdlichen Elsass und dem Pf\u00e4lzerwald. Mit dem Bau wurde im 12. Jahrhundert begonnen, 1680 wurde sie von ins Elsass eindringenden franz\u00f6sischen Truppen gesprengt, womit der Zusammenhang mit unserem Thema hergestellt war. Auch wenn unser Reiseleiter gelegentlich betonte, das sei jetzt &#8222;nid \u00f6ppen es Abwiche&#8220;, gab aber auch diese Burgruine Anlass zu <i>Exkursen ins Mittelalter <\/i>und zu einem <i>Spontanreferat <\/i>von <i>Richard Heierli <\/i>\u00fcber die <i>Bergbildung<\/i>. Und unser Horizont weitete sich noch mehr, als wir vor dem <i>Kaiserdom <\/i>zu Speyer standen und die hochromanische Fassade dieser bei ihrer Vollendung vor <i>900 Jahren gr\u00f6ssten Kirche des christlichen Abendlandes <\/i>bewunderten und dabei auf die maurischen Gestaltungselemente aufmerksam gemacht wurden! Der mehrmals wiederhergestellten und erst vor f\u00fcnfzig Jahren wieder in ihre urspr\u00fcngliche Raumgestalt restaurierten Kirche, ist zu erg\u00e4nzen, denn 1689, als die franz\u00f6sischen Truppen ganz Speyer in Schutt und Asche legten, brach auch ein Teil des Gew\u00f6lbes ein, schmolzen die Bleid\u00e4cher, wurden die K\u00f6nigsgr\u00e4ber gepl\u00fcndert und ging die ganze Ausstattung verloren. Auf unser besonderes Interesse stiess die Kaisergruft, in der nicht nur die im 11. und 12. Jahrhundertregierenden <i>Salierkaiser <\/i>Konrad II. und Heinrich III., IV. und V., sondern \u2013 was uns Eidgenossen besonders ber\u00fchrte \u2013 auch die <i>Habsburger K\u00f6nige Rudolf <\/i>und <i>Albrecht <\/i>liegen. Eindr\u00fccklich vor allem auch der in der Vorkrypta stehende Epitaph Rudolfs von Habsburg.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Schicksal wie Speyer erfuhr <i>Heidelberg<\/i>. Die <i>Residenz der Pfalzgrafen <\/i>wurde 1689 ebenfalls verw\u00fcstet, die viel besungene <i>Universit\u00e4tsstadt <\/i>jedoch im n\u00e4chsten Jahrhundert im barocken Stil wieder aufgebaut und gilt bis heute als <i>Wiege der deutschen Romantik. <\/i>Als <i>Denk- und Mahnmal der Zerst\u00f6rung <\/i>steht hoch \u00fcber der Stadt das <i>ehemalige Schloss <\/i>\u2013 die &#8222;nach Umfang, Lage und Sch\u00f6nheit grossartigste Ruine Deutschlands&#8220;. Auch mit viel Sprengstoff gelang es im ersten Anlauf, nur Teile des Schlosses zu sprengen. Erst vier Jahre sp\u00e4ter, nachdem man neue Befestigungen errichtet hatte, die gegen den erneuten Angriff der Franzosen jedoch nicht standhielten, brachten 27 Tonnen Pulver die T\u00fcrme und Befestigungsmauern zum Bersten, brannten die Geb\u00e4ude aus. Die Ruine und die noch erhaltenen Geb\u00e4ude sind heute eine Touristenattraktion, und auch wir liessen es uns nicht nehmen, vor dem <i>Weinfass <\/i>mit einem Volumen von 223&#8217;000 Litern auszurechnen, wie viele Leute es br\u00e4uchte, um es in einem Jahr auszutrinken, und vor dem <i>Zwerg Perkeo <\/i>das bekannte <i>Studentenlied <\/i>zu singen oder wenigstens zu summen. Zu immerhin einem Glas Wein reichte es beim Italiener in der Stadt, dann ging es bereits auf die Heimfahrt mit einer letzten Station in <i>Sasbach<\/i>.<\/p>\n<p>Hier steht das <i>Turenne-Museum<\/i>, ein Zweigmuseum des Hauses der Geschichte Baden-W\u00fcrttembergs. Und vor dem Haus steht das Denkmal zu Ehren von Marschall Turenne, den wir am ersten Reisetag kennen gelernt hatten, und der im Sommer nach jener Schlacht bei Turckheim im Gefecht von Sasbach bei Achern, von einer Kanonenkugel getroffen, gestorben war. F\u00fcr die Franzosen ist er der <i>gr\u00f6sste Feldherr nach Napoleon<\/i>, die Deutschen dagegen betitelten ihn damals als &#8222;diable&#8220; und &#8222;Mordbrenner&#8220;.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Gefechts ist nicht von Belang, wohl aber die <i>Geschichte dieses Denkmals<\/i>. Der Strassburger F\u00fcrstbischof Kardinal Louis de Rohan liess nach 1782 das Denkmal errichten und daneben ein H\u00e4uschen f\u00fcr einen franz\u00f6sischen W\u00e4rter. Es wurde einmal durch einen unstabilen Obelisken und dann durch eine gr\u00f6ssere Stele ersetzt, \u00fcberstand die Turbulenzen der Geschichte, da das Grundst\u00fcck Frankreich geh\u00f6rt, wurde jedoch 1940 von den Nationalsozialisten zerst\u00f6rt und 1945 \u2013 in der franz\u00f6sischen Besatzungszone \u2013 wiederaufgebaut und von General de Gaulle eingeweiht. Im ehemaligen W\u00e4rterh\u00e4uschen befindet sich heute das Museum. Ein fr\u00fcherer Kommandant der deutschen Garnison, Gunter Mahle, zeigte uns das Museum und erz\u00e4hlte uns die Geschichte, die uns zum Abschluss unserer Reise noch einmal vor Augen f\u00fchrte, worum es wirklich ging: n\u00e4mlich nicht nur um Zeitfenster von 1670\u20131697, sondern auch um die <i>jahrhundertealte Rivalit\u00e4t zwischen Frankreich und Deutschland<\/i>, die sich immer wieder am Rhein entz\u00fcndete und sich immer wieder in grausamen Kriegen entlud. Tr\u00f6stlich, in diesem Museum zu h\u00f6ren, dass die guten Beziehungen zwischen Els\u00e4ssern und Badensern \u00fcber den Grenzfluss hinweg wie schon in fr\u00fcheren Zeiten auch heute wieder spielen und dass die politischen Rivalit\u00e4ten zwischen den Staaten heute in friedlicherer Form abgehandelt werden.<\/p>\n<p>Dass uns auf dieser Reise nicht nur der Sonnenk\u00f6nig als Kriegsherr und einige seiner t\u00fcchtigen Ausf\u00fchrenden in Verwaltung und Armee, die zur erfolgreichen Expansion der &#8222;Grande Nation&#8220; beigetragen hatten, sondern auch die <i>stets wechselnden europ\u00e4ischen Konstellationen <\/i>n\u00e4her gebracht wurden, verdanken wir der <i>sorgf\u00e4ltigen und umsichtigen Vorbereitung unseres Reiseleiters Dr. J\u00fcrg Schneider. <\/i>\u00dcber die &#8222;Grosswetterlage&#8220; beim Morgenrapport hinaus haben wir J\u00fcrg Schneiders Gabe, <i>Geschichte und Geschichten anschaulich <\/i>und <i>humorvoll zu erz\u00e4hlen<\/i>, \u00fcberaus genossen. Der weitere Horizont<i> <\/i>dieser Reise in eine europ\u00e4ische Kernzone reicht von der Antike bis in die heutige Zeit. Unser Reiseleiter verstand ihn auszuloten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Text: Ulrich Pfister (Z\u00fcrich)<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sonne schien nicht f\u00fcr alle&#8230; Der Sonnenk\u00f6nig, Ludwig XIV., f\u00fchrte seit seinem 30. 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