{"id":602,"date":"2011-02-11T20:20:22","date_gmt":"2011-02-11T19:20:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=602"},"modified":"2021-10-29T14:01:08","modified_gmt":"2021-10-29T12:01:08","slug":"grenzraum-kreuzlingen-konstanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/grenzraum-kreuzlingen-konstanz\/","title":{"rendered":"Grenzraum Kreuzlingen &#8211; Konstanz"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Schlacht bei Schwaderloh\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/a\/ac\/Schlacht_bei_Triboltingen.png\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Die Bedeutung des Grenzraums Kreuzlingen im Schwabenkrieg (1499), im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg (1633) und im Zwanzigsten Jahrhundert.<!--more--><\/p>\n<p>07.45 Abfahrt mit Bus ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<br \/>\n08.35 Zustiegsm\u00f6glichkeit in Weinfelden, Bahnhof<br \/>\nIm KP der ehemaligen Grenzbrigade 7: Begr\u00fcssungskaffee und Orientierung \u00fcber Bedrohung und Verteidigungsvorbereitungen im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg. Schwaderloo: Einf\u00fchrung in den Schwabenkrieg von 1499 und Orientierung auf dem eigentlichen Schlachtfeld s\u00fcdlich Triboltingen 11.45 Mittagessen im Hotel Trompetenschl\u00f6ssle in T\u00e4gerwilen Nach dem Mittagessen im Hotel Trompeterschl\u00f6ssle in T\u00e4gerwilen: Orientierung \u00fcber die Operationen der Schweden im dreissigj\u00e4hrigen Krieg zwischen Konstanz und Stein am Rhein. Eine Exkursion in die Altstadt von Konstanz gibt dann einen \u00dcberblick \u00fcber den Ablauf der Belagerung durch General Horn im Jahr 1633. Abschluss des Tages beim Kaffee in der Kaserne Bernrain (17.00 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai)<\/p>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>Urs Ehrbar, Oberst i Gst aD, Zihlschlacht<\/p>\n<h3>Paul Fischer&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p><strong>Grenzraum Kreuzlingen-Konstanz<\/strong><\/p>\n<p>Der <i>Reiseleiter Urs Ehrbar <\/i>stieg in Weinfelden, der &#8222;zweiten Kantonshauptstadt&#8220; des Thurgaus, zu. Hier besuchten wir als erstes den ehemaligen KP der Grenzbrigade 7. Der &#8222;Verein Festungsg\u00fcrtel Kreuzlingen&#8220; macht noch <i>35 von urspr\u00fcnglich 88 Bunkern <\/i>von aussen zug\u00e4nglich; zwei vollst\u00e4ndig ausger\u00fcstete Kampfbunker und ein Kommandobunker stehen f\u00fcr Besuche offen. Die Kosten dieses Festungsg\u00fcrtels waren f\u00fcr die damalige Zeit enorm, zirka 300 Millionen Franken nach heutigem Wert.<\/p>\n<p>Damit begann diese Exkursion mit dem j\u00fcngsten von <i>vier zu betrachtenden Zeitabschnitten <\/i>in diesem Raum:<\/p>\n<p><i>1. Kalter Krieg 1945\u20131994<\/i><\/p>\n<p><i>2. Zweiter Weltkrieg und vorg\u00e4ngige Aufr\u00fcstung 1939\u20131945<\/i><\/p>\n<p><i>3. Schwedische Belagerung von Konstanz 1633 im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg 1618\u20131648<\/i><\/p>\n<p><i>4. Schlacht bei Schwaderloh am 11. April 1499 w\u00e4hrend des Schwabenkrieges Januar bis September 1499.<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr Nicht-Thurgauer wie mich d\u00fcrfte die <i>Geografie des Raumes Kreuzlingen-Konstanz <\/i>nur sehr summarisch bekannt sein. Deshalb hier doch noch einige <i>Hinweise<\/i>:<\/p>\n<p><i>Erstens: <\/i>Die Altstadt von Konstanz liegt vollst\u00e4ndig s\u00fcdlich des Rheins, der in Ost-West- Richtung aus dem Bodensee ausfliesst. Unmittelbar s\u00fcdlich und westlich vor den Stadtmauern der Konstanzer Altstadt liegt Schweizer Gebiet.<\/p>\n<p><i>Zweitens: <\/i>Parallel zum Konstanzer Trichter des Bodensees und zum Rhein liegt der Seer\u00fccken, ein nur 170 m h\u00f6her als der Bodensee reichender H\u00fcgelzug. An seinem Nordabhang liegt der T\u00e4gerwiler und N\u00fcwiler Wald, nur 2 bis 3 km an den Untersee, den Rhein und den Bodensee heranreichend. An diesem Waldrand lag \u00fcber 11,5 km L\u00e4nge der Festungsg\u00fcrtel Kreuzlingen und 1938\u20131994 der Einsatzraum der Grenzbrigade 7.<\/p>\n<p><i>Drittens: <\/i>Am s\u00fcdlichen Rand der erw\u00e4hnten W\u00e4lder liegt in Ost-West-Richtung das Kemmenbachtal: Hier sammelten sich in Schwaderloh 1499 die Eidgenossen vor den Gefechten von Triboltingen und Gottlieben. Im Zweiten Weltkrieg war hier der Standort des (F\u00fcsilier-) Stammbataillons 75 (Auszug). W\u00e4hrend des Kalten Krieges wurde hier, zur Verhinderung eines Vorstosses in Ost-West-Richtung, ein Panzerhindernis durch Tieflegung der Autobahn A7 in einen Graben errichtet.<\/p>\n<p><i>Zur\u00fcck zur Exkursion: <\/i>In <i>Weinfelden <\/i>sahen wir im Vorbeifahren noch das <i>Rathaus <\/i>\u2013 mit Grossratssitzungen im Winterhalbjahr \u2013 und die &#8222;Traube&#8220;, fr\u00fcher Gerichtssitz und 1830 liberale Hochburg. Weiter ging es \u00fcber das beschriebene Panzerhindernis zum <i>Schiessstand <\/i>von <i>Schwaderloh<\/i>. Hier war der Sammelplatz, nicht der eigentliche Schlachtort, f\u00fcr etwa 1500 Eidgenossen, die meisten Thurgauer, die sich am 11. April 1499 vom Seer\u00fccken hinunter auf die 5000\u20136000 Mann Fussvolk und 600 Reiter des Schw\u00e4bischen Bundes st\u00fcrzten und sie bis vor Gottlieben und Konstanz verfolgten. Unmittelbar vorausgegangen war ein Ausbruch der schw\u00e4bischen Truppen aus Konstanz heraus Richtung Westen bis Ermatingen. Dieses war zum Teil, Triboltingen vollst\u00e4ndig niedergebrannt worden. Die Schwaben waren, beutebeladen und zum Teil betrunken, auf dem R\u00fcckweg nach Konstanz.<\/p>\n<p>Der auf Reichsseite kriegf\u00fchrende <i>Schw\u00e4bische Bund <\/i>war 1488 urspr\u00fcnglich als gegen Bayern gerichtet gegr\u00fcndet worden. Die Eidgenossen hatten ihn von Anfang an als <i>feindlich <\/i>betrachtet. 1495 hatte der Reichstag zu Worms die Errichtung eines Reichskammergerichtes und die Erhebung eines Reichpfennigs beschlossen. <i>Die Eidgenossen hatten diese Beschl\u00fcsse abgelehnt. <\/i>Im April 1499 wurde die Eidgenossenschaft deshalb in <i>Reichsacht <\/i>gelegt. Konstanz, ab 1498 Mitglied des Schw\u00e4bischen Bundes, war mannigfach mit der Eidgenossenschaft verbunden: Nach der Eroberung des Thurgaus 1460 blieb es Sitz des Landgerichts, hatte Landbesitz in Ermatingen und Triboltingen und war vor allem Sitz des Bischofs der gr\u00f6ssten Di\u00f6zese des Heiligen R\u00f6mischen Reiches.<\/p>\n<p>Die <i>Schwabenkriege <\/i>hatten anfangs 1499 im M\u00fcnstertal und an der Luziensteig begonnen und endeten nach der letzten grossen Schlachtbei <i>Dornach <\/i>am <i>22. Juli 1499 <\/i>mit dem <i>Frieden von Basel <\/i>am <i>22. September 1499<\/i>. Die Eidgenossenschaft wurde von jeglicher Pflicht gegen\u00fcber dem Reich befreit, <i>de facto unabh\u00e4ngig vom Reich<\/i>. Sie blieb aber, ohne eindeutige Formulierung, weiterhin Reichsmitglied bis zum Westf\u00e4lischen Frieden 1648.<\/p>\n<p><i>Zur\u00fcck zur Exkursion: <\/i>Im <i>Restaurant Trompeterschl\u00f6ssle <\/i>in <i>T\u00e4gerwilen <\/i>assen wir Spatz zu Mittag. Hier fanden im Februar 1945 h\u00f6chst geheime Verhandlungen zwischen einem Vertreter der franz\u00f6sischen Armee, dem Kommandanten der Wehrmachtsgarnison von Konstanz, dem B\u00fcrgermeister von Konstanz, dem Statthalter des Bezirks Kreuzlingen und einem Vertreter der Grenzbrigade 7 <i>\u00fcber eine Internierung der Wehrmachtsbesatzung <\/i>von Konstanz (etwa 250 Mann) statt. Diese juristisch nicht lupenreine Aktion \u2013 weil die betroffenen Wehrmachtsanteile in jenem Moment nicht im Kampf standen \u2013 wurde dann im April 1945 tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt. Konstanz \u2013 und das schweizerische Kreuzlingen \u2013 erlitten auf diese Weise keinerlei materielle Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Die <i>Ereignisse von 1633 <\/i>zeigte uns der Reiseleiter vor allem in Konstanz selbst, auf dem <i>Turm des M\u00fcnsters <\/i>und im <i>Rosgarten-Museum <\/i>anhand eines Modells der Stadt im Zustand um 1600: Am 7. September 1633 \u00fcberschritten schwedische Truppen unter General Horn den Rhein in Stein am Rhein und Gottlieben. Konstanz sollte von S\u00fcden her angegriffen werden, weil es \u00fcber eine Schl\u00fcsselstellung in der Abwehr von 9000 Mann spanisch-kaiserlichen Truppen verf\u00fcgte, die vom Veltlin her Richtung Rhein vorr\u00fcckten. Die Schweizer schauten am 13. September Beschiessungen aus schwedischen Artilleriestellungen im Kloster Kreuzlingen, unmittelbar vor den Stadtgr\u00e4ben von Konstanz, und am 19. Und 30. September 1633 auch Angriffen von schwedischen Fusstruppen auf Konstanz tatenlos zu! Die Schweden zogen schliesslich erfolglos ab, dem heranziehenden spanisch-kaiserlichen Heer ausweichend, das sie dann 1634 in N\u00f6rdlingen tats\u00e4chlich entscheidend schlug. Die Konstanzer brannten in der Folge das Kloster Kreuzlingen nieder und erlaubten einen Wiederaufbau nur ausserhalb der Reichweite von Kanonen. Die Eidgenossenschaft entschloss sich gegen Ende des Dreissigj\u00e4hrigen Kriegs f\u00fcr eine <i>bewaffnete <\/i>Neutralit\u00e4t und gab sich 1647 eine erste eidgen\u00f6ssische Wehrverfassung, das <i>Defensionale von Wil<\/i>.<\/p>\n<p>Beim Spaziergang durch Konstanz sahen wir auch die Herberge des b\u00f6hmischen <i>Reformators Jan Hus<\/i>, der 1415 w\u00e4hrend des Konzils von Konstanz (1414\u20131418) als Ketzer verbrannt worden war, trotz vorangegangener k\u00f6niglicher Zusicherung des freien Geleits\u2026 Ebenfalls in der \u2013 vom Zweiten Weltkrieg unversehrten \u2013 Altstadt findet sich das Geburtshaus des sp\u00e4teren <i>Generals Wilhelm Henri Dufour <\/i>(1787\u20131875), der bis zum siebenten Lebensjahr hier wohnte. Wir danken dem Reiseleiter Urs Ehrbar f\u00fcr die ausgezeichnete Vorbereitung, Dokumentation, Organisation und Durchf\u00fchrung dieser Exkursion.<\/p>\n<p><i>Text: Paul Fischer (Luzern)<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedeutung des Grenzraums Kreuzlingen im Schwabenkrieg (1499), im Dreissigj\u00e4hrigen Krieg (1633) und im Zwanzigsten Jahrhundert.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[273,49],"tags":[],"class_list":["post-602","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2011","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/602\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}