{"id":611,"date":"2011-02-11T20:39:46","date_gmt":"2011-02-11T19:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=611"},"modified":"2022-01-25T10:05:31","modified_gmt":"2022-01-25T09:05:31","slug":"sudtirol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/sudtirol\/","title":{"rendered":"S\u00fcdtirol"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zehn Fragmente aus (s)einer bewegten und bewegenden Geschichte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Freitag<\/h3>\n<p>08.20 Abfahrt in Landquart mit der Rh\u00e4tischen Bahn nach Zernez. Mit dem Car weiter \u00fcber den Ofenpass nach M\u00fcstair, Mittagessen im Hotel Chalavaina. Erl\u00e4uterungen zur Schlacht an der Calven (1499) und zur Verteidigung der &#8222;Operationszone Alpenvorland&#8220; (1943); Kaffeehalt (fak.) in Glurns, der kleinsten Stadt Italiens; Ettore Tolomei und der Kriegerfriedhof von Spondinig (1915 &#8211; 1918); Fahrt nach Meran. Abendessen und \u00dcbernachtung im Hotel Therme, Meran<\/p>\n<h3>Samstag<\/h3>\n<p>Einf\u00fchrung in den Tiroler Befreiungskrieg (1809) im Hotel; Besuch des Mausoleums von Erzherzog Johann und Fahrt ins Passeiertal. Halt beim Sandwirt und Besuch der neuen Andreas Hofer Ausstellung (Er\u00f6ffnet 2009), Kaffeehalt (fak.). Weiterfahrt \u00fcber den Jaufenpass, begleitet von der Geschichte der K\u00e4mpfer des &#8222;Befreiungsausschusses S\u00fcdtirol&#8220; (1956-1968). Mittagessen auf dem Jaufenpass. Nachmittags Besuch der &#8222;Franzensfeste&#8220;, der m\u00e4chtigsten Verteidigungsanlage aus der k. u. k. Zeit (1838). Mussolini, &#8222;Stahlpakt&#8220; und &#8222;Option&#8220; begleiten uns thematisch auf der Weiterfahrt nach Bozen; Stadtspaziergang von Walter von der Vogelweide zum umstrittenen Siegesdenkmal. Abendessen mit einheimischer Kost in Lana. R\u00fcckfahrt nach Meran. \u00dcbernachtung im Hotel Therme, Meran<\/p>\n<h3>Sonntag<\/h3>\n<p>Fahrt \u00fcber den Gampenpass ins Val di Sole (Trentino); Besuch des Kriegsmuseums in Vermiglio (1915 &#8211; 1918) und des Festungswerkes von Strino. Nach dem Mittagessen Erl\u00e4uterungen zu den K\u00e4mpfen im Adamello-Gebiet und zur letzten Offensive der k. u. k. Truppen im S\u00fcdtirol. Weiterfahrt \u00fcber Tirano nach Samedan. R\u00fcckfahrt mit der RhB nach Landquart (18.47 Ankunft in Landquart und individuelle R\u00fcckreise)<\/p>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>David Accola, Oberst i Gst, Eggiwil<\/p>\n<h3><strong>Dr. Vrena Marty&#8217;s Reisebericht<\/strong><\/h3>\n<p><i>S\u00fcdtirol &#8211;\u00a0 Zehn Fragmente aus (s)einer bewegten und bewegenden Geschichte<\/i><\/p>\n<p>In drei Tagen vermittelte <i>Reiseleiter David Accola <\/i>Einblicke in die <i>500-j\u00e4hrige Geschichte vom S\u00fcdtirol<\/i>, die Reise f\u00fchrte<i> <\/i>\u00fcber <i>6 P\u00e4sse <\/i>und bot <i>kulinarische K\u00f6stlichkeiten <\/i>aus dem <i>Engadin <\/i>und <i>zwei italienischen Provinzen<\/i>.<\/p>\n<p>Es begann nach 8 Uhr in Landquart. Der strahlende Sonnenschein \u00fcber den B\u00fcndner Bergen entsch\u00e4digte alle f\u00fcr die fr\u00fche Tagwache. In Zernez bestieg die 23-k\u00f6pfige Gruppe nicht einen Bus, sondern ein echtes Schweizer Postauto. Bereits auf der Fahrt \u00fcber den Ofenpass wies Reiseleiter David Accola auf allerhand Interessantes in der Gegend hin, bevor er im \u00ab<i>Museum 14\/18<\/i>\u00bb <i>in M\u00fcstair <\/i>die Einf\u00fchrung ins Reisethema gab. Zehn (Geschichts-)Fragmente hatte er ausgew\u00e4hlt und in der Dokumentation zusammengestellt, die dann je an den besuchten Orten vertieft und veranschaulicht wurden. Das machte Spr\u00fcnge hin und her quer durch die Geschichte n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Im <i>Hotel Chalavaina<\/i>, wo die <i>B\u00fcndner Hauptleute 1499 <\/i>ihren <i>abschliessenden Kriegsrat <\/i>hielten, genossen wir die erste von vielen Mahlzeiten mit Spezialit\u00e4ten aus der jeweiligen Region; der Hausherr Jon Fasser garnierte sie ausserdem mit Reminiszenzen aus dem ehrw\u00fcrdigen Haus. Nach der Landesgrenze durchfuhren wir das Gel\u00e4nde der <i>Schlacht an der Calven <\/i>von 1499, das wir jedoch vom Tartscher Bichl von der gegen\u00fcberliegenden Talseite aus besser betrachten konnten. Eindr\u00fccklich schilderte Reiseleiter Accola den Verlauf dieser im Rahmen des <i>Schwabenkriegs <\/i>wichtigen Schlacht, das Umgehungsman\u00f6ver der B\u00fcndner, die Vorg\u00e4nge an der Letzi und den Sieg der Drei B\u00fcnde gegen Habsburg; allerdings hatten sie den <i>Tod ihres Nationalhelden Benedikt Fontana <\/i>zu beklagen. Vom gleichen Standort aus gerieten auch die Reste des von Benito Mussolini 1938\u20131942 erbauten und gegen seinen Verb\u00fcndeten Adolf Hitler gerichteten <i>Alpenwalls <\/i>ins Blickfeld \u2013 wie plumpe Skulpturen liegen die hellgrauen Bunker in den gr\u00fcnen Matten. Insgesamt wurden im S\u00fcdtirol 350 Infanterie- und Artilleriewerke errichtet; nicht alle wurden vollst\u00e4ndig eingerichtet und kamen je zum Einsatz. Beseitigen kann man sie aber offenbar auch nicht, und bis der Zahn der Zeit sein Werk vollendet hat, d\u00fcrfte es noch dauern.<\/p>\n<p>Der <i>Soldatenfriedhof <\/i>in <i>Spondinig <\/i>samt seiner wechselvollen Geschichte, wo S\u00fcdtiroler Soldaten (selbstredend mit deutschen Namen) aus dem Ersten Weltkrieg begraben sind, gab Anlass, die f\u00fcr das S\u00fcdtirol verh\u00e4ngnisvolle Rolle des <i>Ettore Tolomei <\/i>(1865\u20131952) zu betrachten. Dieser, studierter Sprachwissenschafter und zeitlebens ein <i>prominenter Faschist<\/i>, war bereits ab 1901 bestrebt, das S\u00fcdtirol ins italienische K\u00f6nigreich zu integrieren; er \u00fcbersetzte innert 4 Wochen rund 40&#8217;000 geografische Bezeichnungen auf Italienisch mit dem Ziel, eine <i>angebliche Italianit\u00e0 <\/i>des S\u00fcdtirols vorzugaukeln. Auch vor deutschen Vor- und Familiennamen machte er nicht Halt. Die geografischen Bezeichnungen sind bis heute g\u00fcltig. Auf der Weiterfahrt durch den <i>Vinschgau <\/i>fielen die prallvollen, kurz vor der Ernte stehenden Apfelplantagen auf. In <i>Meran<\/i>, wo wir f\u00fcrstlich untergebracht waren, fand sich am Abend sogar Zeit f\u00fcr einen Spaziergang durch die sch\u00f6ne Altstadt oder ein erholsames Bad im Hotel.<\/p>\n<p>Der zweite Tag bescherte uns nochmals strahlendes Sommerwetter. Vor der Fahrt ins Passeiertal zum ehemaligen Wohnhaus von <i>Andreas Hofer<\/i>, das lange schon Museum ist, f\u00fchrte Reiseleiter Accola in den <i>Freiheitskampf <\/i>der <i>S\u00fcdtiroler <\/i>von 1809 ein. Sowohl der Film wie die neugestaltete Dauerausstellung veranschaulichen trefflich die damaligen Geschehnisse. Auf der anschliessenden spektakul\u00e4ren Fahrt auf den Jaufenpass \u2013 von 693 m auf 2094 m \u00fc. M. \u2013 vermittelte der Reiseleiter die wechselvolle Geschichte des <i>Befreiungsausschusses S\u00fcdtirol <\/i>(BAS) und einzelner ihrer Protagonisten samt der internationalen Vorgeschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wenn immer Postautochef Gian Janett das vertraute Posthorn erklingen liess, erntete er Applaus; bloss ein Passant fragte mit Blick auf den gelben Bus mit dem GMS-Signet, ob er sich verfahren habe &#8230; Im sch\u00f6n gelegenen Kalcherhof wurden wir beim Mittagessen wiederum reichlich mit Spezialit\u00e4ten verw\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Ab Sterzing ging&#8217;s auf der \u00dcberlandstrasse das Eisacktal hinunter zur <i>Franzensfeste <\/i>, erbaut 1833\u20131838. Kaiser Franz I. wollte \u2013 in Erinnerung an den franz\u00f6sischen Einmarsch von 1809 \u2013 Tirol vor Angriffen aus Norden sch\u00fctzen. Die Anlage war mit rund 1200 Mann belegt, wurde aber nie in kriegerische Ereignisse verwickelt. Seit gut 10 Jahren ist sie deklassiert und der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Auf einem Rundgang war zu erfahren, dass sie w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs u.a. als Golddepot Italiens gedient habe. Heute finden in ihren Mauern allerhand kulturelle Veranstaltungen statt. Einige Teilnehmer erklommen die 410 Treppenstufen zur oberen Festung und genossen den Rundblick, die Mehrheit erholte sich unter Sonnenschirmen bei einem Bier von der Hitze.<\/p>\n<p>Weiter ging&#8217;s nach <i>Bozen<\/i>, das italienischer wirkt als Meran. Der Stadtspaziergang f\u00fchrte am <i>Denkmal <\/i>des <i>Minnes\u00e4ngers Walter von der Vogelweide <\/i>vorbei durch die Laubeng\u00e4nge zum <i>faschistischen Siegesdenkmal<\/i>. Dieses pr\u00e4sentiert sich seit langem als abgesperrter und von Videokameras gesicherter Bauplatz \u2013 aus Vorsicht wegen Unruhen? In der dahinter befindlichen Siegess\u00e4ule sind noch die Zahlen der faschistischen Zeitrechnung eingraviert. Auf dem Gerichtsplatz fanden wir uns unversehens zwischen m\u00e4chtigen Bauten jener Epoche, die gut unterhalten und noch immer im Gebrauch sind. Auf der Weiterfahrt nach Lana k\u00fcndigte sich ein Wetterwechsel an, der sich w\u00e4hrend des vorz\u00fcglichen Nachtessens in einem S\u00fcdtiroler Buschenschank infolge von Blitz und Donner mit Stromausfall bemerkbar machte. Mittels Displays verschiedener Handys konnten die Fleischplatten sichtbar gemacht werden, bis Kerzen zum Einsatz kamen. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch \u2013 im Gegenteil.<\/p>\n<p>Am dritten Tag regnete es nur einmal, n\u00e4mlich von Meran bis Zernez. Schade um die gefahrene &#8222;Bilderbuchroute&#8220;. Auf der Fahrt \u00fcber das Gampenjoch und die Grenze in die Schwesterprovinz Trentino referierte Reiseleiter Accola \u00fcber das <i>Ende des Ersten Weltkriegs <\/i>und das <i>Autonomiestatut S\u00fcdtirol\/Trentino<\/i>. Wir besichtigten das <i>Museo della Guerra di Vermiglio<\/i>, welches die K\u00e4mpfe oberhalb des Tonale-Passes von 1918 thematisiert, doch der Besuch des \u00f6sterreichischen Festungswerks Strino von 1860 fiel dem Dauerregen zum Opfer. Auf der Fahrt zum Mittagessen in einem Agriturismo oberhalb von Tem\u00f9 vollbrachte der Chauffeur ein wahres Wunder an fahrerischem K\u00f6nnen auf dem steilen engen Fahrstr\u00e4sschen bei str\u00f6mendem Regen. Die tropfende Schar wurde vom Wirt lombardisch bestens verpflegt, der gespendete Grappa sehr verdankt. Nachdem bereits auf dem Tonale-Pass die Grenze zur Lombardei \u00fcberquert worden war, f\u00fchrte die Strasse kurz nach dem Aprica-Pass ins Veltlin. Mit Spannung sahen wir dem Bernina-Pass entgegen: Schnee? Es hatte (noch) keinen. Nach der Abstattung des Dankes an Reiseleiter und Chauffeur bestiegen wir in Zernez den vorgesehenen Zug, der uns nach Landquart zum Ausgangspunkt der Reise zur\u00fcckbrachte.<\/p>\n<p>Nicht unerw\u00e4hnt bleiben sollen die v<i>orz\u00fcgliche Dokumentation <\/i>sowie die <i>3 DVD <\/i>mit <i>Filmausschnitten <\/i>zur <i>Geschichte des S\u00fcdtirols<\/i>, die Reisleiter David Accola f\u00fcr diese Reise ausgew\u00e4hlt und jedem Teilnehmer zugestellt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Text: Dr. Verena Marty (Zollikon)<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zehn Fragmente aus (s)einer bewegten und bewegenden Geschichte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[273,49],"tags":[],"class_list":["post-611","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2011","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=611"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}