{"id":617,"date":"2011-02-11T20:56:30","date_gmt":"2011-02-11T19:56:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=617"},"modified":"2021-10-29T13:57:02","modified_gmt":"2021-10-29T11:57:02","slug":"foderalismus-und-freiheit-1802","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/foderalismus-und-freiheit-1802\/","title":{"rendered":"F\u00f6deralismus und Freiheit 1802"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Von links: Jakob Zellweger, Alois Reding, Franz Anton W\u00fcrsch, Ludwig auf der Mauer, Hans Caspar Hirzel\" src=\"http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/6\/6a\/Stecklikrieg_Aarberg.jpg\" alt=\"Von links: Jakob Zellweger, Alois Reding, Franz Anton W\u00fcrsch, Ludwig auf der Mauer, Hans Caspar Hirzel\" width=\"420\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Auf den Spuren des f\u00f6deralistischen Aufstandes gegen die Helvetische Republik nach dem Abzug der franz\u00f6sischen Truppen im Sommer 1802 (Stecklikrieg).<!--more--><\/p>\n<p>07.15 Abfahrt mit Bus ab Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai. Fahrt \u00fcber Windisch (K\u00f6nigsfelden) nach Schinznach<\/p>\n<p>Bad. Einf\u00fchrung in die Reise und Erkl\u00e4rungen im Bus. Kaffeehalt im Restaurant Badst\u00fcbli Schinznach Bad. Der Aargau als helvetischer und als antihelvetischer Kanton illustriert am Beispiel von Bad Schinznach, Fahrt nach Jegenstorf, Verlies des abgesetzten und wieder eingesetzten Johann Rudolf Dolder (nachmals ersten Landammanns des Kantons Aargau der Mediation), Besichtigung des Schlosses, Fahrt \u00fcber das Grauholz, Besichtigung des Denkmals, Schilderung der Geschehnisse von 1802. Weiterfahrt zur Untertorbr\u00fccke in Bern, Schilderung der Belagerung und der Kapitulation von Bern. 12.00 Mittagessen im Restaurant Altes Tramdepot in Bern.Fahrt \u00fcber Neuenegg und Laupen nach Cressier (Kapelle), Bereitstellung der f\u00f6deralistischen Armee im Oktober 1802, Weiterfahrt nach M\u00fcnchenwiler (Kaffeehalt und kurze Besichtigung), einer durch die Mediation von 1803 geschaffenen bernischen Exklave. Fahrt \u00fcber Faoug (Schlachtfeld von 1802, Sieg Niklaus Franz Bachmanns an der Letz) nach Murten, Besichtigung derMauern, Schilderung der Eroberungen von 1802 und Abschluss beim Gotthelf-Denkmal. R\u00fcckfahrt nach Z\u00fcrich 18.15 ca. Ankunft in Z\u00fcrich, Carparkplatz Sihlquai<\/p>\n<h3>Reiseleitung<\/h3>\n<p>J\u00fcrg St\u00fcssi-Lauterburg, Dr., Windisch<\/p>\n<h3>Andreas von Waldkirch&#8217;s Reisebericht<\/h3>\n<p><b>F\u00f6deralismus und Freiheit 1802<\/b><\/p>\n<p>Mit <i>Dr. J\u00fcrg St\u00fcssi-Lauterburg als Reiseleiter vollziehen wir das Jahr 1802 <\/i>durch das <i>schweizerische Mittelland nach<\/i>, von Z\u00fcrich \u00fcber Schinznach Bad, Schloss Jegenstorf bei Bern, Bern Nydegg, Cressier FR, M\u00fcnchenwiler BE bis nach Murten. Es ging um den <i>Untergang der Helvetik<\/i>, die nach dem Einmarsch der Franzosen 1798 den Eidgenossen aufgezwungen worden war. In Aarau konstituierten am <i>12. April 1798 <\/i>zw\u00f6lf <i>Kantone <\/i>auf Druck Frankreichs die <i>Helvetische Republik<\/i>. Nicht vertreten waren die Landsgemeindekantone Uri, Schwyz, Nidwalden, Glarus und Zug sowie die Zugewandten Orte Wallis und Drei B\u00fcnde. Sie wollten um jeden Preis an der kantonalen Souver\u00e4nit\u00e4t festhalten. Die Schweiz wurde damit zu einem <i>Zentralstaat nach franz\u00f6sischem Vorbild <\/i>umfunktioniert, der von 1798 bis 1802 bestand. <i>Hauptstadt <\/i>war f\u00fcr einige Monate <i>Aarau<\/i>, dann <i>Luzern<\/i>. Angesichts der milit\u00e4rischen \u00dcbermacht der Franzosen beschlossen die Landsgemeinden der Innerschweiz, die Verfassung der Helvetischen Republik anzunehmen. Als Strafe f\u00fcr ihren anf\u00e4nglichen Widerstand wurden die Innerschweizer Kantone zum neuen helvetischen <i>Kanton Waldst\u00e4tte <\/i>zusammengefasst. Am 29. August 1798 lehnte die Landsgemeinde von Nidwalden dann aber doch die Einf\u00fchrung der Helvetischen Verfassung sowie die Eingliederung in den neuen Kanton Waldst\u00e4tte ab. Am <i>Kehrsitenberg <\/i>besiegte darauf General Schauenburg am <i>9. September 1798 <\/i>die renitenten Nidwaldner.<\/p>\n<p>Die helvetische Verfassung war ein ungeliebtes Kind. Zwar f\u00fchrte Napoleon wesentliche Neuerungen ein: Gleichberechtigung von Stadt und Land, Gewaltentrennung, die allgemeine Schulpflicht, Gewerbefreiheit, Niederlassungsfreiheit, den Meter. Die Konservativen, Patrizier und F\u00f6deralisten wollten jedoch die alten feudalen Verh\u00e4ltnisse wieder herstellen und konspirierten gegen die helvetische Regierung. Im Jahr 1802 kam es daher zu Aufst\u00e4nden und b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnissen, die schlussendlich zur <i>Abdankung der helvetischen Regierung <\/i>f\u00fchrten. Mit der Helvetik wurden die <i>Kantone neu formiert<\/i>. Das \u00fcbergrosse Bern wurde in die vier Kantone Aargau, Waadt, Berner Oberland und Bern Mittelland zerst\u00fcckelt. Die Innerschweiz zum Kanton Waldst\u00e4tte fusionierte, um den Walensee entstand der Kanton Linth, und St. Gallen wurde mit den beiden Appenzell zum Kanton S\u00e4ntis zusammengelegt. Aus den Tessiner Untertanengebieten entstanden die Kantone Bellinzona und Lugano, weiter ein Kanton Baden und f\u00fcr einige Monate 1802 sogar ein Kanton Fricktal. Verloren gingen das Bistum Basel (Jura mit Biel), Neuenburg, Genf, das Veltlin und M\u00fclhausen als zugewandter Ort.<\/p>\n<p>Napoleon hatte <i>1802 <\/i>in <i>Lun\u00e9ville <\/i>mit \u00d6sterreich und in <i>Amiens <\/i>mit England Frieden geschlossen. <i>Das Selbstbestimmungsrecht der Schweiz wurde international anerkannt. <\/i>Napoleon zog darauf seine Truppen aus der Schweiz zur\u00fcck, erzwang jedoch die Abtrennung des Wallis. Hier waren ihm die Alpenp\u00e4sse als Verbindung nach Italien wichtig. Die helvetische Regierung wehrte sich verzweifelt gegen die F\u00f6deralisten. Sie verf\u00fcgte \u00fcber gerade mal zwei Bataillone und etwas Artillerie unter dem Kommando des helvetischen Generals Joseph Leonz Andermatt. Dieser holte sich am 28. August 1802 am Renggpass bei Luzern eine blutige Nase.<\/p>\n<p>Unterdessen hatte der <i>Berner Patrizier Rudolf von Effinger <\/i>aus dem Aargau eine kleine Truppe aus Bernern, Aargauern und Solothurnern aufgestellt, die gegen Bern marschierte, wo die helvetische Regierung sass. Auf dem Weg von General Schauenburg 1798 und von Rudolf von Effinger 1802 fuhren wir am Grauholz-Schlachtdenkmal vorbei vor die Tore Berns an der Untertorbr\u00fccke.<\/p>\n<p>Als Effinger am 18. September 1802 hier eintrifft, hat die helvetische Regierung die Tore geschlossen. Kurz entschlossen wird ein Gesch\u00fctz aufgestellt, und die Schiesserei beginnt. Dabei kommt der Leutnant Sigmund Rudolf von Erlach ums Leben, doch der Eintritt der F\u00f6deralisten in die Stadt wird erzwungen. Eine <i>weggeschossene Geb\u00e4udeecke <\/i>ist noch heute zu sehen. Darunter ist zu lesen: <i>Stecklikrieg 1802<\/i>. Der Name kommt von den &#8222;Stecken&#8220; (Kn\u00fcppeln), welche die Aufst\u00e4ndischen b\u00e4uerlicher Herkunft oft mangels anderer Waffen mit sich f\u00fchrten. Die helvetische Regierung flieht nach Lausanne. Unterdessen verschiebt sich der Kampf gegen die Helvetik weiter nach Westen. Kommandant der aufst\u00e4ndischen F\u00f6deralisten wird der <i>Glarner Niklaus Franz Bachmann<\/i>, der die helvetischen Truppen bei <i>Faoug VD <\/i>in einem Gefecht am <i>3. Oktober 1802 <\/i>definitiv schl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Weiter ging es mit der GMS-Gesellschaft zum ehemaligen <i>Cluniazenserkloster <\/i>und <i>Schloss M\u00fcnchenwiler<\/i>. Gegr\u00fcndet als Filiale des Reformordens von Cluny im Burgund um 1080, wurde es durch Bern 1484 mit dem Einverst\u00e4ndnis des Papstes s\u00e4kularisiert und geschlossen. M\u00fcnchenwiler war weder Teil der mit Freiburg geteilten Gemeinen Herrschaft Murten noch waadtl\u00e4ndisches Untertanenland. Damit verblieb die Exklave M\u00fcnchenwiler in den Mediationakten beim Kanton Bern. Von der ehemals grossen Klosterkirche sind nur noch der Chor und das Querschiff stehen geblieben. Von M\u00fcnchenwiler war es nur noch ein Katzensprung nach <i>Murten<\/i>. Beim Denkmal des Berner Pfarrers und Schriftstellers Jeremias Gotthelf vor der deutschen Kirche fand unsere Exkursion ihren Abschluss.<\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch der Helvetik werden die Eidgenossen nach Paris zitiert. Napoleon erl\u00e4sst <i>1803 <\/i>eine <i>neue Verfassung<\/i>, die <i>Mediationsakte<\/i>. Den F\u00f6deralisten wird Rechnung getragen. Die Kantone erhalten ihre heutigen Grenzen. Tessin, Graub\u00fcnden, St. Gallen, Thurgau, Aargau und Waadt werden Bundesmitglieder. Dem Verlangen von Bern nach Wiedereingliederung der Waadt und des Aargaus wird nicht entsprochen. Hauptstadt gibt es keine mehr: Die Vororte wechseln sich jedes Jahr ab. Vororte sind Freiburg, Bern, Solothurn, Z\u00fcrich, Basel und Luzern. Das Wallis, Genf und der Jura bleiben allerdings franz\u00f6sisch und werden erst mit dem Wienerkongress von 1815 eidgen\u00f6ssisch. Die <i>Schweiz <\/i>bleibt vorerst ein <i>Vasall Frankreichs<\/i>, insbesondere muss sie f\u00fcr Napoleon Truppen stellen. 1812 marschieren 12\u2019000 Schweizer nach Russland. Die Reise war trotz des misslichen Wetters ein voller Erfolg. J\u00fcrg St\u00fcssi-Lauterburg hat uns ein <i>weitgehend unbekanntes Geschehen drastisch <\/i>n\u00e4her gebracht. Ihm sei daf\u00fcr bestens gedankt.<i><\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Text: Andreas von Waldkirch (Grafenried)<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den Spuren des f\u00f6deralistischen Aufstandes gegen die Helvetische Republik nach dem Abzug der franz\u00f6sischen Truppen im Sommer 1802 (Stecklikrieg).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[273,49],"tags":[],"class_list":["post-617","post","type-post","status-publish","format-standard","category-gms-reisearchiv-2011","category-reisen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}