{"id":7820,"date":"2016-02-29T00:28:58","date_gmt":"2016-02-29T00:28:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/?p=7820"},"modified":"2016-02-29T00:28:58","modified_gmt":"2016-02-29T00:28:58","slug":"gms-herbsttagung-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/tagungen\/gms-herbsttagung-2016\/","title":{"rendered":"GMS Herbsttagung 2016"},"content":{"rendered":"<p>Thema: <strong>Gebirgskrieg<\/strong><\/p>\n<p>Samstag, 5. November 2016, 0945 &#8211; 1315, Universit\u00e4t Z\u00fcrich, Hauptgeb\u00e4ude R\u00e4mistrasse 71, Raum KOH B-10<\/p>\n<p>mit Referaten von PD Dr. Hans Rudolf Fuhrer, Dr. Peter Baumgartner und Dr. Alexander Jordan<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung der GMS f\u00fcr die Herbsttagung mit dem Titel \u201eGebirgskrieg\u201c. Hans Rudolf Fuhrer beleuchtete die Diskussionen zwischen Theophil Sprecher von Bernegg und Ulrich Wille rund um die Schaffung der Schweizer Gebirgstruppen vor mehr als 100 Jahren. Peter Baumgartner legte einen Tour d\u2019horizon \u00fcber 100 Jahre Ausbildung und Einsatz im Gebirgsdienst vor und Alexander Jordan referierte zum Thema \u201eAlpen als Kriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg vom Grenzschutz in Tirol zur Materialschlacht der Maioffensive 1916\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sprecher gegen Wille<\/strong><\/p>\n<p>Theophil Sprecher von Bernegg hatte nach seinem Amtsantritt 1905 als Generalstabschef die Aufgabe, eine neue Milit\u00e4rorganisation (MO 1907) aufzuziehen. Seine Mobilmachungsaufstellung richtete sich in erster Linie gegen Frankreich, in zweiter Linie gegen Italien, und der schlimmste Fall war der Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Italien gleichzeitig. Von Deutschland und \u00d6sterreich-Ungarn erwartete er keine Bedrohung. Seine Idee waren 6 Divisionen mit drei operativ selbst\u00e4ndigen Brigaden und die Schaffung von spezialisierten Gebirgstruppen sowie Mitrailleurformationen. Ulrich Wille sah gem\u00e4ss Hans Rudolf Fuhrer eine neue Truppenordnung als nicht dringlich an. Wichtiger waren in seinen Augen die Ausbildung und die Erziehung zum Kriegsgen\u00fcgen. Seiner Ansicht nach gen\u00fcgten f\u00fcr das Gebirge wenige Spezialisten. 1909 beendete er allerdings seine Opposition. Am 1. Januar 1912 trat die TO 11 in Kraft. F\u00fcr Sprecher war die Schweiz ein Gebirgsland par excellence. Die Grenzen liegen im Hochgebirge und die Alpentransversalen sowie die Festungen mussten in ein Verteidigungsdispositiv eingebaut werden. Das Gebirge ist der Verb\u00fcndete des Schw\u00e4cheren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entwicklung der Gebirgsausbildung bis in die Neuzeit<\/strong><\/p>\n<p>Oberst i Gst aD Peter Baumgartner hat selber und \u00fcber seinen Vater eine enge Verbindung zur Gebirgsausbildung. In seinem Referat skizzierte er die Anf\u00e4nge der Gebirgsausbildung im Kanton Graub\u00fcnden und schlug den Bogen bis zur Armee XXI und der WEA. W\u00e4hrend man zur Zeit des Ersten Weltkrieges froh um Transportkapazit\u00e4ten im Gebirge war, nahm die Bedeutung des Gebirgsdienstes mit der TO 25 nicht zuletzt aus finanziellen Gr\u00fcnden wieder ab. Erst mit der TO 37 wurde mit dem Gebirgsdienst die Basis f\u00fcr die R\u00e9duit-Strategie gelegt. Alpinismus wurde zur Prestigeangelegenheit. In zentralen Kursen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine einheitliche Gebirgsdoktrin gelehrt. Unter der TO 61 erlebte der Gebirgsdienst seinen H\u00f6hepunkt. Die Armee wuchs auf 750&#8217;000 Leute an. Das Gebirgsarmeekorps 3 (Geb AK 3) wurde gegr\u00fcndet und mit ihm die Gebirgsinfanterierekrutenschulen. Ca. 120&#8217;000 Wehrm\u00e4nner genossen regelm\u00e4ssig eine milit\u00e4rische Gebirgsausbildung. In der Armee 95 und Armee XXI kam es zu einer Reduktionen der Best\u00e4nde. Mit der Einf\u00fchrung des Transporthelikopters (Super Puma) in der Armee 95 relativierte sich doktrinm\u00e4ssig die Bedeutung des Massenheeres im Gebirge. Fortan gab es zentrale Gebirgskurse auf zwei Stufen. Die Mehrheit musste sich nur noch im Gebirge bewegen und vorbereitete Stellungen bzw. Unterk\u00fcnfte beziehen k\u00f6nnen. Nur noch die Spezialisten m\u00fcssen das ganze Repertoire beherrschen, z.B. die Rettung. Heute gibt es noch etwa 400 Spezialisten, die eine 365-Tage-Bereitschaft aufrecht erhalten m\u00fcssen. Diese sind auch bei den Bergungsarbeiten des j\u00fcngsten F\/A-18 Absturzes Ende August 2016 zum Einsatz gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Gebirgskrieg im Ersten Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Alexander Jordan, Direktor und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Wehrgeschichtlichen Museums Rastatt (D) referierte \u00fcber die Alpen als Kriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg \u2013 vom Grenzschutz in Tirol zur Materialschlacht der Maioffensive 1916. Dem alpinen Kriegsschauplatz muss man gem\u00e4ss seiner Beurteilung eine Sonderstellung zugestehen. Nirgends sonst bot sich den Soldaten so schwieriges Gel\u00e4nde, gepaart mit widrigsten Witterungsbedingungen und einem allgegenw\u00e4rtigen, unbarmherzigen Feind: der Natur. Da sich alle Beteiligten, die Italiener ebenso wie die \u00d6sterreicher und Deutschen, diesen h\u00f6heren Gewalten ausgeliefert sahen und man um die Probleme des Gegners wusste, zollte man sich gegenseitig hohen Respekt. Erste Kampfhandlungen \u2013 auch mit deutscher Beteiligung \u2013 gab es kurz nach Kriegsausbruch, im Sommer 1915 in den Dolomiten, als das frisch aufgestellte Deutsche Alpenkorps beim Grenzschutz half. Die Elitetruppen Tirols, die Kaiserj\u00e4ger und die gebirgserprobten Landessch\u00fctzenregimenter, waren in Galizien und Serbien grossteils aufgerieben worden. Dem Landesverteidigungskommando Tirol standen nur die kurzfristig aufgebotenen und schlecht ausger\u00fcsteten Standsch\u00fctzen und das zu Hilfe eilende Deutsche Alpenkorps zur Verf\u00fcgung. Die Tradition der deutschen Gebirgstruppe ist, bis in unsere Tage, eng mit diesen fr\u00fchen Ereignissen verkn\u00fcpft. Die S\u00fcdtiroloffensive (auch Maioffensive oder Fr\u00fchjahrsoffensive) war eine der bedeutendsten Angriffsoperation der \u00f6sterreichisch-ungarischen Armee w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges an der Italienfront. Die Offensive, die am 15. Mai 1916 mit Hauptstossrichtung Richtung Venezianische Tiefebene begann, sollte dort italienische Kr\u00e4fte binden und so die schwer bedr\u00e4ngte Isonzofront entlasten. Dort hatten die 3. und 4. Isonzoschlacht (Oktober bis Dezember 1915) den Italienern zwar geringf\u00fcgige Gel\u00e4ndegewinne gebracht, die aber in keinem Verh\u00e4ltnis zu den hohen Verlusten beider Seiten standen. Zwischen der Isonzofront und der Tiroler Hochgebirgsfront bestand eine enge, funktionelle Interdependenz; das Halten der einen Front war Grundbedingung f\u00fcr den Fortbestand der anderen, und umgekehrt.<\/p>\n<p>Die S\u00fcdtiroloffensive ist ein hervorragendes Beispiel f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung an der Italienfront und f\u00fcr die Probleme der \u00f6sterreichisch-ungarischen F\u00fchrung. Gleiches gilt \u2013 was die Imponderabilien des Gebirgskrieges und dessen topographische Eigenheiten betrifft \u2013 nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die italienischen Truppen. Zudem blieb diese Offensive in den Nachkriegsbetrachtungen meist im Schatten der Isonzoschlachten und der, zumeist punktuellen, aber \u201aeffektreicheren\u2018 Untersuchungen einzelner Aspekte des (Hoch-) Gebirgskrieges.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieter Kl\u00e4y, Tagungsleiter GMS<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Gebirgskrieg Samstag, 5. 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