{"id":85,"date":"2011-01-24T17:03:18","date_gmt":"2011-01-24T16:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mediendokumentation.ch\/gms-reisen.ch\/?p=85"},"modified":"2022-01-25T10:06:06","modified_gmt":"2022-01-25T09:06:06","slug":"rheingold-und-remagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gms-reisen.ch\/archiv\/reisen\/rheingold-und-remagen\/","title":{"rendered":"Rheingold und Remagen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rheingold, der Loreleymythos und das \u201cWunder von Remagen\u201c. Die 9. US Panzerdivision auf ihrem Weg zum Rhein im M\u00e4rz 1945.<!--more--><\/p>\n<h3><strong>Samstag<\/strong><\/h3>\n<p>Individuelle Anreise nach Basel<br \/>\n08.12 Abfahrt mit ICE 278 ab Basel SBB<br \/>\n11.18 Ankunft in Mainz<br \/>\nAb Mainz Fahrt mit Bus zum Niederwalddenkmal. Mittagessen in Assmannshausen. Weiterfahrt zum Loreley Felsen und anschliessend nach Unkel. Zimmerbezug und Abendessen im Rheinhotel Schulz, Unkel am Rhein<\/p>\n<h3><strong>Sonntag<\/strong><\/h3>\n<p>Einf\u00fchrung im Hotel, anschliessend Fahrt auf die Erpeler Ley. Orientierung \u00fcber Gel\u00e4nde und Verteidigungsdispositiv. Fahrt in den Bereitstellungsraum der Taskforce Engeman (9. US Pz Div) bei Meckenheim. Weiterfahrt im damaligen Angriffsstreifen \u00fcber die Apollinarish\u00f6he nach Remagen. Mittagessen im Brauhaus am Rhein. Nachmittags F\u00fchrung durch das \u201cFriedensmuseum Br\u00fccke von Remagen\u201c und Besuch der Gedenkst\u00e4tte des Kriegsgefangenenlagers \u201cGoldene Meile\u201c bei Sinzing. R\u00fcckfahrt zum Hotel. Abendessen und \u00dcbernachtung im Rheinhotel Schulz, Unkel am Rhein<\/p>\n<h3><strong>Montag<\/strong><\/h3>\n<p>Besuch des Willy-Brandt-Forums in Unkel. Besuch des Klosters Maria Laach. Mittagessen im Seehotel Maria Laach am Laacher See. Fahrt zur Mahnst\u00e4tte der Deutschen Einheit am \u201eDeutschen Eck\u201c. Transfer zum Bahnhof Koblenz<\/p>\n<p>15.48 Abfahrt ab Koblenz Hbf mit IC 2117<br \/>\n19.45 Ankunft in Basel SBB<\/p>\n<p>Individuelle R\u00fcckreise ab Basel<\/p>\n<h3><strong>Reiseleitung<\/strong><\/h3>\n<p>David Accola, Oberst i Gst, Eggiwil<\/p>\n<h3>Georg Wyss&#8216; Reisebericht<\/h3>\n<p><strong>Rheingold und Remagen<\/strong><\/p>\n<p>Eine muntere Schar von 26 Fr\u00fchaufstehern traf sich bei regnerischem Wetter um acht Uhr im Bahnhof Basel. Im ICE reisten wir bequem nach Mainz, wo wir bereits von der Sonne empfangen wurden. Das pr\u00e4chtige Fr\u00fchlingswetter sollte uns w\u00e4hrend der ganzen dreit\u00e4gigen Reise erhalten bleiben.<\/p>\n<p>Das <i>Thema des ersten Tages <\/i>lautete <i>&#8222;Deutsche Mythen: Das Lied der Nibelungen, Rheingold und die Loreley&#8220;<\/i>, ein Besuch in der UNESCO Welterbe-Kulturlandschaft &#8222;Oberes Mittelrheintal&#8220;. Von Mainz aus fuhren wir per Bus weiter an das rechtsrheinische Ufer, wo wir das in der N\u00e4he von R\u00fcdesheim gelegene <i>Niederwalddenkmal <\/i>ansteuerten. Der Anlass zur Erbauung des Niederwalddenkmals war der <i>Deutsch-Franz\u00f6sische Krieg 1870\/71 <\/i>und die anschliessende <i>Gr\u00fcndung des Deutschen Kaiserreiches im Januar 1871<\/i>. Das 1883 eingeweihte Denkmal soll der Einigung Deutschlands gedenken.<\/p>\n<p>Bereits im Zug war uns von <i>Reiseleiter David Accola<\/i>, Oberst i Gst, eine von ihm zusammengestellte, 22 Seiten starke, erg\u00e4nzende Dokumentation &#8222;Die Loreley, Fels im Rhein und deutscher Traum&#8220; zum Studium ausgeh\u00e4ndigt worden. Auf der Busfahrt zur Loreley konnten wir uns somit nochmals entweder in die hervorragenden Reiseunterlagen vertiefen oder die vorbei gleitende Rheinlandschaft geniessen. Beeindruckend waren der \u00e4usserst rege Schiffsverkehr, die vielen Burgen und Schl\u00f6sser sowie die Pfalz bei Kaub, welche uns an die einstigen Wasserstandsmeldungen von Radio Berom\u00fcnster erinnerte.<\/p>\n<p>Dank unseres Cars waren wir der M\u00fche enthoben, den 125 m \u00fcber dem Rhein aufragenden, sagenumwobenen <i>Loreleyfelsen <\/i>zu Fuss besteigen zu m\u00fcssen. Die Aussicht von oben war grossartig. Bedeutend schlechter soll es in fr\u00fcheren Zeiten den Schiffern ergangen sein, wenn sie unachtsam zur Loreley hinaufsahen, um einen Blick auf die <i>ihr goldenes Haar k\u00e4mmende Nixe <\/i>zu erhaschen. Zeitweise soll sie auch mit ihrem Gesang die Schiffsleute so abgelenkt haben, dass sie zu wenig auf die gef\u00e4hrliche Str\u00f6mung achteten und an den Felsenriffen zerschellten. Das vor und nach der Enge rund 300 m breite Flussbett des Rheins wird durch die Felsbarrieren bei der Loreley auf 145 m eingeengt, bei einer Tiefe von 25 m. Dies sind die engsten und tiefsten Stellen des Rheins auf seinem schiffbaren Abschnitt.<\/p>\n<p>An diesem seit grauer Vorzeit besiedelten Ort \u2013 die \u00e4ltesten Siedlungsfunde auf dem Plateau des Loreleyfelsen datieren aus dem 6.\u20135. Jahrtausend v. Chr \u2013 hielt David Accola nochmals ein zusammenfassendes Referat \u00fcber die Mythen um das Nibelungenlied, das Rheingold und die Loreley. Nach einer kurzen St\u00e4rkung im Bergrestaurant auf der Loreley nahmen wir den letzten Streckenabschnitt f\u00fcr den heutigen Tag unter die R\u00e4der. Vorbei an der St\u00e4tte des k\u00fcrzlichen Schiffsungl\u00fccks auf der H\u00f6he von St. Goar, wo ein umgekippter Lastkahn f\u00fcr mehrere Tage die Schifffahrt lahm gelegt hatte, erreichten wir nach einer angenehmen Fahrt durch die reizvolle Landschaft das malerische <i>Kleinst\u00e4dtchen Unkel<\/i>. Die heute noch mittelalterlich gepr\u00e4gte Stadt liegt etwa 20 km s\u00fcdlich von Bonn und z\u00e4hlt heute rund 5000 Einwohner. Der im Jahre 886 erstmals urkundlich erw\u00e4hnte Ort, bekannt als Rotweinstadt, war immer wieder Wohnsitz bekannter Pers\u00f6nlichkeiten aus Kultur und Politik. Unser unmittelbar am Ufer gelegenes <i>Rheinhotel Schulz <\/i>sollte uns f\u00fcr die beiden kommenden N\u00e4chte eine komfortable Unterkunft bieten.<\/p>\n<p><i>Der zweite Tag <\/i>galt dem milit\u00e4rischen Aspekt der Reise unter dem Thema <i>&#8222;Das Wunder von Remagen&#8220;, die Inbesitznahme der Ludendorff- Eisenbahnbr\u00fccke durch die US-Truppen am 7. M\u00e4rz 1945. <\/i>In einer Pr\u00e4sentation vermittelte uns der Reiseleiter einen \u00dcberblick \u00fcber den Tagesablauf und erl\u00e4uterte die wichtigsten Punkte aus seiner Dokumentation, bevor wir mit dem Bus zu einer Orientierung im Gel\u00e4nde auf die <i>Erpeler Ley <\/i>fuhren. Die Ludendorff-Eisenbahnbr\u00fccke war w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges gebaut worden, um die links- und rechtsrheinischen Schienennetze hinsichtlich Frontversorgung in Frankreich besser miteinander zu verbinden. Ber\u00fchmt wurde die <i>Br\u00fccke von Remagen <\/i>am Ende des Zweiten Weltkrieges, als sie, nach einem untauglichen Sprengversuch durch die deutschen Truppen, unerwartet und nahezu unversehrt am 7. M\u00e4rz 1945 in die H\u00e4nde der US-Armee fiel. Die Eisenbahnbr\u00fccke war noch von den Deutschen mit Bohlen zwischen den Schienen und Rampen an beiden Enden f\u00fcr Fahrzeuge benutzbar gemacht worden. Dieser Gl\u00fccksfall trug wesentlich zum raschen Ende der deutschen Abwehrstellung am Rhein bei. Als die Br\u00fccke nach zehn Tagen, also am 17. M\u00e4rz 1945, ohne feindliche Einwirkung unerwartet einst\u00fcrzte, hatten bereits gegen 100&#8217;000 Mann der angreifenden US-Truppen die Br\u00fccke \u00fcberquert. Zudem waren in der Zwischenzeit drei \u00fcber den Rhein geschlagene Pontonbr\u00fccken in Betrieb genommen worden.<\/p>\n<p>Von der <i>Erpeler Ley <\/i>hat man einen ausgezeichneten \u00dcberblick auf das Gel\u00e4nde des damaligen Geschehens. Direkt gegen\u00fcber am anderen Rheinufer liegt die Stadt Remagen mit den zwei T\u00fcrmen des stehen gebliebenen Br\u00fcckenpfeilers. Ganz rechts das Waldgebiet, durch das die Task Force Engeman von Westen her an den Rhein vorstiess.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des Vormittags wollten wir den <i>Vorstoss der Task Force Engeman <\/i>am 7. M\u00e4rz 1945 nachvollziehen. Dazu wechselten wir in Bonn auf das linke Rheinufer und fuhren nach Meckenheim, etwa 15 km westlich von Remagen. Mit dem Bus und zu Fuss folgte unsere Gruppe der damaligen Vormarschachse durch die engen D\u00f6rfer und das Waldgebiet bis hinunter nach Remagen.<\/p>\n<p>Nach dem Zusammenbruch der Ardennenoffensive r\u00fcckten die Alliierten auf breiter Front an den Rhein vor. Im Zentrum des Geschehens um Remagen stand ein Gefechtsverband der 9. US-Panzerdivision. Am Morgen des 7. M\u00e4rz 1945 setzte sich die Task Force Engeman von Meckenheim aus in Bewegung und erreichte um die Mittagszeit das Waldgebiet nordwestlich von Remagen. Von einem Gel\u00e4ndesporn aus erblickte <i>der Kommandant der Spitzenkompanie, der 20-j\u00e4hrige Lt Timmermann, <\/i>zu seinem grossen Erstaunen <i>die intakt gebliebene Rheinbr\u00fccke<\/i>. Die Kommandanten vor Ort beschlossen, entgegen ihrem Auftrag die Br\u00fccke einzunehmen. Um 15 Uhr standen die ersten Einheiten an der Br\u00fccke, und bis um 17 Uhr konnte auf der gegen\u00fcberliegenden Seite ein kleiner Br\u00fcckenkopf aufgebaut werden. In den ersten 24 Stunden nach der Einnahme der Ludendorff-Eisenbahnbr\u00fccke gelang es rund 8000 Soldaten, mit Fahrzeugen und Material den Rhein zu \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>Nach dem Mittagessen im Restaurant Brauhaus am Rhein, an den Remager Quaianlagen am Rheinufer gelegen, stand ein <i>Besuch des Br\u00fcckenmuseums <\/i>auf dem Programm. Mit grossem Enthusiasmus erz\u00e4hlte uns Ex-Oberb\u00fcrgermeister Kuerten die Geschichte der Br\u00fccke und seines Friedensmuseums. Vor rund 30 Jahren hatte er mit einer Gruppe Gleichgesinnter das Br\u00fcckenkopfgel\u00e4nde gekauft und in den beiden T\u00fcrmen ein eindr\u00fcckliches Museum eingerichtet.<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg nach Unkel machten wir noch einen kurzen Halt bei der <i>Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr <\/i><span style=\"color: #000000;\"><i>das Kriegsgefangenenlager &#8222;Goldene Meile&#8220;. <\/i>Von April bis August 1945 waren hier auf offenem Gel\u00e4nde unter misslichsten Umst\u00e4nden insgesamt 280&#8217;000 deutsche Soldaten und andere verd\u00e4chtige Personen festgehalten worden. Die um die 1000 hier Verstorbenen sind in der N\u00e4he in einem Ehrenfriedhof beigesetzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Der <i>dritte und letzte Tag <\/i>stand unter dem Thema <i>&#8222;Sehensw\u00fcrdigkeiten am Wege&#8220; <\/i>und begann wie gewohnt mit einer Aufdatierung der Gruppe im Seminarraum des Hotels. Als erste zahlende Besucher besichtigten wir anschliessend das am Vortag er\u00f6ffnete <i>Willy-Brandt-Forum Unkel<\/i>. Willy Brandt verbrachte nach einem turbulenten Leben seine letzten Jahre in Unkel, wo er 1992 verstarb. Der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates, Rudolf Barth, f\u00fchrte uns durch das kleine Museum mit einer F\u00fclle von ausgestellten Dokumenten und pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nden wie Brandts Stuhl im Bundestag oder das Arbeitszimmer in seinem Wohnhaus in Unkel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Weiter ging es per Bus und F\u00e4hre auf die linke Rheinseite zum <i>Kloster Maria Laach <\/i>am Laacher See. Beim Eingang zum Besucherzentrum wurden wir von Pater Johannes empfangen und, anstelle vieler Erkl\u00e4rungen, zu einem Film \u00fcber das Klosterleben eingeladen. Wir hatten auch Gelegenheit, in der Abteikirche dem Mittagsgebet und dem eindr\u00fccklichen gregorianischen Chorgesang der M\u00f6nche beizuwohnen. Die Benediktinerabtei Maria Laach wurde im Jahre 1093 gegr\u00fcndet und gilt als eines der <i>\u00e4ltesten und gr\u00f6ssten romanischen Bauwerke Deutschlands<\/i>. Im Kloster leben heute noch \u00fcber 50 M\u00f6nche, die zusammen mit vielen weltlichen Hilfskr\u00e4ften eine ganze Anzahl von Betrieben f\u00fchren, wie z.B. die Klosterg\u00e4rtnerei, eine Glockengiesserei oder die Klostergastst\u00e4tte, wo wir in gepflegtem Ambiente und fr\u00f6hlicher Stimmung das Mittagessen einnahmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Nach einer letzten Busfahrt erreichten wir die Stadt Koblenz und das zwischen der Moselm\u00fcndung und dem Rhein gelegene <i>Deutsche Eck mit dem Kaiser Wilhelm I.-Denkmal. <\/i>Das Reiterstandbild wurde 1897 eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die 14 m hohe Reiterfigur zerst\u00f6rt, und der Sockel blieb w\u00e4hrend 45 Jahren als &#8222;Mahnmal der deutschen Einheit&#8220; stehen. Erst 1993 wurde eine neu gegossene Reiterfigur auf den Sockel gehievt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Am Schluss seiner Ausf\u00fchrungen zum Denkmal zitierte der Reiseleiter einen Ausspruch von Kurt Tucholsky, der 1930 das monumentale Standbild besucht hatte. Tucholskys trockener Kommentar: &#8222;Zusammenfassung, es war grossartig!&#8220; Das m\u00f6chten die Reiseteilnehmer auch Reiseleiter David Accola zurufen. Ein <i>interessantes, gut abgestimmtes Programm, hervorragend dokumentiert und bis zur letzten Minute pr\u00e4zise durchgef\u00fchrt. <\/i>Kompliment und herzlichen Dank!<\/span><\/p>\n<p><i><span style=\"color: #000000;\">Text: Georg Wyss (B\u00fclach)<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Rheingold, der Loreleymythos und das \u201cWunder von Remagen\u201c. Die 9. 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