07-26 | Bourbaki

Dienstag, 16. - Donnerstag, 18. Juni 2026

Vorgeschichte einer dramatischen Internierung: Das Schicksal der Armée de l’Est im Winter 1871

ZUM REISEBERICHT

Inhalt aktualisiert am 05.07.2026

Reiseleitung: Divisionär a D Dominique Juilland

Drei Reisetage

Neue Reise

Kultureller Reiseanteil ***: Die Besuche von Belfort, der «Chapelle de Ronchamp» und Besançon bieten zusätzliche, kulturell spannende Einblicke.

Ein Muss für alle, die mit dem Begriff einer „Bourbaki-Armee“ mehr verbinden möchten, als diesen lediglich als Synonym für den Zustand einer unvorteilhaft bekleideten oder wenig disziplinierten Truppe zu verwenden.


Thematische Umschreibung


Vielen ist das Bourbaki-Panorama in Luzern bekannt. Aber nur wenige kennen die Vorgeschichte, die im Winter 1871 zur dramatischen Internierung der Armee des glücklosen Generals Bourbaki führte. Ziel der Reise ist es, vor Ort die schwierige Lage der französischen Armee im Osten Frankreichs nahe der Grenze zur Schweiz zu erkunden, die missglückte Befreiung der Festung Belfort zu studieren und den chaotischen Rückzug nach Pontarlier und die Internierung in Les Verrières zu verfolgen.

Programm


Erster Reisetag: Dienstag, 16. Juni 2026

Zürich – Basel – Mulhouse – Belfort

07:45 Uhr Abfahrt mit dem Bus ab Zürich. 09:00 Uhr Zustiegsmöglichkeit in Basel. Nach Ankunft im Raum Mulhouse studieren wir die Besetzung des linksufrigen Oberelsass durch die badischen Truppen des Generals von Werder, sowie deren Kämpfe gegen die Armée des Vosges um die Pässe. Ein Abstecher führt uns zur Abteikirche von Ottmarsheim. Die Bene-diktinerabtei wurde um das Jahr 1030 vom Habsburger Grafen Rudolf von Altenburg gestiftet. Nach dem Mittagessen Transfer nach Belfort.

Citadelle de Belfort

Ein ausführlicher Besuch der Citadelle, mit ihrem berühmten «Lion de Belfort», gibt einen guten Überblick über die ausgedehnten Festungsanlagen, die es der französischen Garnison erlaubte, bis zum Waffenstillstand zu widerstehen. Gemeinsames Abendessen in einem lokalen Restaurant in Fussdistanz zum Hotel. Übernachtung**** in Belfort.

Zweiter Reisetag: Mittwoch, 17. Juni 2026

Belfort – Ronchamp – Besançon

Ziel des zweiten Tages ist das Studium des Anmarsches der Armée de l’Est unter der Führung von General Bourbaki, deren Kämpfe um die Befreiung von Belfort sowie ihren Rückzug nach Westen. Fahrt zu den Schlachtfelder von Clerval und Villersexel, wo es Bourbaki gelingt, die Deutschen zurückzuwerfen.

Das Gefecht von Villersexel am 9. Januar 1871

Transfer nach Montbéliard und Studium der Kämpfe am Flüsschen Lizaine, wo dem General der Durchbruch des deutschen Belagerungsrings misslingt. Gemeinsames Mittagessen in Ronchamp. Hier darf ein Abstecher zur weltberühmten Notre Dame du Haut Ronchamp von Le Corbusier nicht fehlen.

Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp mit der südlichen Fensterfassade sowie dem nach Osten gerichteten Freialtar und der Außenkanzel

Gegen Abend erreichen wir Besançon. Gemeinsames Abendessen und Übernachtung**** in Besançon.

Letzter Reisetag: Donnerstag, 18. Juni 2026

Besançon – Luzern – Zürich

Der letzte Tag ist der Internierung der Armée de l’Est gewidmet. Wir fahren entlang der Rückzugsroute von Bourbakis Armee von Besançon nach Pontarlier. In Les Verrières begehen wir den didaktischen Pfad, der die verschiedenen Phasen der Internierung vor Ort veranschaulicht. Nach einem Zwischenhalt an den Ufern des Lac de Neuchâtel für das Mittagessen und dem Besuch der Allée des Bourbakis, endet die Reise mit einem Besuch des Bourbaki-Panoramas in Luzern.

Bourbaki-Panorama in Luzern

Dabei geht es nicht primär um die Ansicht des Panoramas an sich, sondern vielmehr um seine Geschichte und um einen Blick hinter die Kulissen, um den Aufwand zur Restaurierung und zum Erhalt dieses Kunstwerkes zu verstehen.

17:30 Uhr Ausstiegsmöglichkeit in Luzern. 18:30 Uhr erwartete Ankunft in Zürich.


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Die Reisedokumentation ist erwerblich.

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Der Reisebericht von Hans Bläuer


Bei der von Dominique Juilland organisierten Reise in die Trouée de Belfort wird der Schwerpunkt auf die militärhistorische Geschichte des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 gelegt. Daneben wird noch  kurz auf Kämpfe zur Befreiung des Elsasses durch die 1ére  Armée von General de Lattre de Tassigny eingegangen. Den Abschluss dieser Reise bildet die dramatische Internierung der Armée de l’Est und die mögliche gefährliche Entwicklung für die noch junge Schweiz. Bei der abschliessenden Besichtigung des beeindruckenden Bourbaki Panoramas in Luzern bietet sich uns die einmalige Gelegenheit, dieses Gemälde und seine Geschichte, hinter den Kulissen, unter der Führung eines Restaurators von einer unbekannten Seite neu kennenzulernen.

Die Chauffeuse Petra Lieberherr fuhr uns mit dem Car von Zürich nach Basel. Dort warteten noch vier weitere Teilnehmer darauf auch mitgenommen zu werden.

Unterwegs nach Basel dann die Überraschung… Regen!

Die Windschutzscheibe unsers Reisecars war deutlich benetzt! Hat der Wetterbericht wieder einmal versagt?

Nach der Aufnahme der Vier ging die Reise weiter zur ehemaligen Übersetzstelle der badischen Truppen des Generals von Werder im Herbst 1870.

Unterwegs führte uns Dominique in die Vorgeschichte dieses Krieges ein, die bis auf den Vertrag von Verdun 843 zurückreichten und sogar von der bekannten «Battle of Hastings 1066» beeinflusst wurden.

Auf der Weiterfahrt nach Mulhouse besserte sich glücklicherweise das Wetter wieder und blieb für die ganze restliche Reise bei trockener und warmer Witterung.

Unterwegs auf der Fahrt nach Mulhouse bogen wir zur Abteikirche von Ottmarsheim ab. Diese Kirche, wurde im Jahre 1030 ganz nach dem Vorbild der Aachener Pfalzkapelle Karls des Grossen, nachgebaut.

Der Grund für diese ungewöhnliche oktogonale Form dieser romanischen Kirche ist in der Mystik zu suchen. Das würde aber diesen Bericht bei weitem sprengen.

Abteikirche Ottmarsheim 1030
Chapelle de la Sainte Croix

 

Nach dem Besuch dieser Kirche fuhren wir weiter direkt ins Musée Cité  du Train.

Dort lag der Schwerpunkt des Themas bei der Eisenbahntechnik der damaligen Zeit.

Die neue Eisenbahn revolutionierte die Kriegsführung entscheidend. Es wurde nun möglich, grosse Truppenteile und deren immer umfangreichere Logistik, um ein Vielfaches schneller zu verschieben als bisher zu Fuss und zu Pferd.

Lokomotive à vapeur 111, N° 5 Sezanne 1847

 

Es war beeindruckend neben diesen riesigen Antriebsrädern zu stehen. Auch wenn die Lokomotive nicht mehr unter Dampf stand, fühlte man doch noch die Kraft dieser urtümlichen und kraftstrotzenden Maschine.

Anschliessend an das Mittagessen im Bahnmuseum, ging unsere Fahrt weiter zum bescheidenen Bahnhof von Clerval direkt am Doubs.

Schwer vorzustellen, dass dort Anfangs Januar 1871, 150‘000 Mann und 20’000 Pferde ausgeladen wurden. Dort erwartete sie eine unvollständige, für einen Winterkrieg mangelhafte Ausrüstung, zudem schlechte Verpflegung und ein Zeltbiwak bei – 20°C !

Eine Gedenkstätte befindet sich in der Nähe und erinnert daran, dass Frankreich nicht nur diesen Krieg durchlitten hat, sondern danach in rascher Folge eine ganze Serie an weiteren grossen Kriegen.

Die Franzosen wissen was Krieg bedeutet! Monument Deutsch-Französischer Krieg1870/71

 

Weiter fuhren wir entlang der Vormarschroute der Armee de l’Est nach Villersexel und studierten die dortigen Kämpfe.

Hier errang General Bourbaki den einzigen Sieg über das Deutsche Armeekorps von General August von Werder. Danach beging er aber den entscheidenden Fehler nicht sofort nachzustossen und gönnte seinen Truppen stattdessen einige Tage Ruhe.

Dieser Fehler wurde von General von Werder sofort erkannt und ausgenutzt.

Wir hingegen genossen bei + 32 °C kühle Getränke, bevor wir uns mit dem klimatisierten Bus weiter nach Belfort verschoben.

In Belfort ereilte uns jedoch ein Missgeschick. An einer schlecht markierten Baustelle blieb unser Car hängen und blockierte den nachfolgenden Feierabendverkehr. Erst durch eine gemischte Streife zweier Beamten der herbeigerufenen Police Municipal und später durch zusätzliche zwei Beamtinnen und Beamten gelang es das Problem lösen.

Weit hinten wurde, bei einer Kreuzung, der dichte Verkehr gestoppt. Unser Car musste rückwärts die enge Strasse aus der Baustelle heraus bis zur Kreuzung manövrieren, um dort auf einem anderen Weg zum Hotel zu fahren. Unsere Chauffeuse meisterte die Situation mit professioneller, bewundernswerter Coolness!

Nach dem Abendessen zogen wir uns in die komfortablen Zimmer zurück. Doch waren Fussballweltmeisterschaften angesagt und die in den Strassen freudig feiernden Franzosen, liessen einige von uns erst nach Mitternacht den ersehnten Schlaf finden.

Lion de Belfort

 

Der nächste Tag begann mit einem kurzen Marsch zur Citadelle von Belfort. Dieses riesige Festungswerk wurde durch den Meister im Festungsbau Sébastien Le Prestre de Vauban erbaut und später von andern Festungsbauern modernisiert.

Die Stadt Belfort wurde in diesem Krieg trotz aller Anstrengungen der Deutschen nie erobert und erhielt nach dem Krieg, aus Achtung vor der Tapferkeit der Besatzung, einen Sonderstatus.

Die Citadelle gewährte uns einen Überblick auf die ausgedehnte Befestigung und in der Ausstellung im ehemaligen Offiziersgebäude, eine sorgfältig zusammengetragene Ausstellung mit Exponaten der damaligen Zeit.

Ebenso der riesige Löwe von Auguste Bartholdi beeindruckte uns zum Abschluss dieser Führung.

Citadelle de Belfort

 

Anschliessend die Weiterfahrt entlang des unscheinbaren Flüsschens Lizane.

La Lizane

Zur weiteren Geschichte: Die Armée de l’Est unter General Bourbaki, hatte den Auftrag die belagerte Stadt Belfort zu entsatzen. Doch dieses Flüsschen wurde durch das Zögern von Bourbaki bei Villarsexel, von den Deutschen in wenigen Tagen befestigt. Es bildete danach für die Franzosen eine unüberwindbare Sperre. Bourbaki musste nach vielen vergeblichen und verlustreichen Versuchen durchzustossen wieder abziehen.

Das Mittagessen nahmen wir etwas abseits der Hauptstrasse, in einem sehr schönen Landgasthof mit dem wunderlichen Namen Le Rhien ein.

Am Nachmittag erfolgte ein abrupter Szenenwechsel; Hin zu den heftigen Kämpfen der

1ére Armée française gegen die Wehrmacht im Herbst 1944 um den Hügel von Ronchamp. Dort stand in der Nähe der alten Kapelle Notre Dame du Haut ein deutscher Artilleriebeobachtungsposten. Durch die heftigen Kämpfe wurde diese Kapelle vollständig zerstört und an dieser Stelle steht heute die weltberühmte Kapelle von Le Corbusier.

Dieser von aussen etwas nüchtern wirkende Sakralbau überrascht im Innern mit einem unvergleichlichen Farbenspiel des Lichtes.

Chapelle Notre Dame de Haut von Le Corbussier
Die Lichtspielereien im Innern der Chapelle Notre Dame de Haut von Le Corbussier

Nach einer stillen, aber gerade deshalb sehr eindrücklicheren Besichtigung dieser Kapelle, führte uns die Fahrt zurück nach Villersexel.

In diesem bescheidenen Ort angekommen, besichtigten wir das grosse Landschloss dieses Ortes. Der grosse, luxuriöse Bau war umgeben von einer grosszügigen, sehr gepflegten Aussenanlage. Das Schloss hat zudem einige wenige «Bed & Breakfast» Zimmer für Schloss Enthusiasten im Angebot.

Chateau in Villarsexel

 

Im Ort selben sind die Zeugen des deutschen Einflusses, während der Besetzung immer noch sichtbar. Wie das folgende Bild zeigt.

Die Metzgerei mit deutschem Namen …

Weiterfahrt nach Besançon ins Hotel. Nach dem Zimmerbezug ging es in ein wenige Schritte entferntes Restaurant in der Stadt.

Beim Abendessen erfolgte eine Laudatio auf unsern Reiseleiter mit der Übergabe einer wirklichen Buchrarität. Auch unsere Chauffeuse wurde für ihre umsichtige Fahrweise mit einer Medaille geehrt.

Der letzte Tag dieser Reise war der Internierung der Armée de l’Est gewidmet, aber nur dem militärischen, für uns wichtigen Teil.

Wir fuhren entlang der Rückzugsroute von Besançon nach Pontarlier. Eine hügelige Route die die furchtbaren Strapazen, die die Menschen in dieser Armee erleiden mussten, nur grob erahnen liessen.

In Les Verrieres, dem Ort der Internierung, besuchten wir eine kleine aber feine Ausstellung über die tragischen Momente beim Eintritt in die Schweiz.

Hier, in diesem kleinen Ort erfolgte am 1. Februar 1871 um 04:00 der Übertritt und die Entwaffnung von 87’847 Mann mit 12’000 Pferden.

Auch machten wir uns im Feld ein Bild von der Umgebung dieses Tales.

Dass die noch junge Schweiz von kriegerischen Ereignissen verschon blieb war der Umsicht des damaligen Schweizer Generals Hans Herzog zu verdanken.

Die grosse Gefahr bestand durch die zögerliche Politik Berns, die die Gefahr nicht erkannte die die rasch nachstossende deutsche Armee Generals Manteuffels mit möglichen schweren Gefechten, bei der Verfolgung der Armée de l‘Est auf Schweizer Boden gebildet hätte.

Die Reisegruppe vor einem Nachbau eines der damaligen Eisembahnwaggons

 

Das letzte Mittagessen genossen wir in dem schönen Schloss von Colombier, welches auch als Kaserne verwendet wird.

Die Weiterfahrt führte als uns zum Abschluss direkt ins Zentrum von Luzern; Zum Bourbaki Panorama. Dieses beindruckende Gemälde wurde durch den Genfer Maler Edouard Castres nach fünfjähriger Vorbereitung in weniger als vier Monaten erschaffen.

Dort hatten wir das Privileg während einer Stunde durch einen erfahrenen Restaurator in die Geschichte dieses beindruckenden Panoramagemäldes und dessen Unterhaltes eingeführt zu werden.

Der begeisternde Restaurator

Es ist unmöglich dieses ganze, wirklich grossartige Panorama, auch nur ansatzweise fotografisch zu erfassen.

Ein Besuch lohnt sich wirklich! Deshalb hier nur einige ausgewählte Bilder:

Weinende Marketenderin
Wer kennt diesen bärtigen Herrn mit dem Stab? Ein berühmter Maler…

Damit endete eine sehr interessante und anspruchsvolle Reise, die uns in eine, für die meisten nicht geläufige Episode, der Geschichte führte.

 

Zum Schluss noch einen speziellen Dank an unseren Reiseleiter Dominique Juilland und an unsere Chauffeuse Petra Lieberherr.

 

 

 


Aktualisiert am 05/07/2026

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