Die Luftwaffe im hoheitlichen Einsatz
Inhalt aktualisiert am 14.08.2026
Reiseleitung: Oberstlt a D Andri Spinas
ein Exkursionstag
Neue Exkursion mit einem neuen Luftwaffen-Spezialisten, der die künftigen Aviatik-Reisen der GMS leiten wird.
Thematische Umschreibung
VOM AERONAUTICAL RESCUE COORDINATION CENTER «ARCC» ZUR SEARCH AND RESQUE «SAR» MISSION
Gemäss internationaler Vereinbarung sind sämtliche Staaten verpflichtet, in ihrem Hoheitsgebiet einen Such- und Rettungsdienst für zivile Flugzeuge an 365 Tagen rund um die Uhr zu betreiben. In der Schweiz wird diese hoheitliche Aufgabe vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) an die Luftwaffe delegiert.
«Search and Rescue (SAR) ist die Suche nach und die Sicherstellung von Hilfe an Personen, welche sich in Gefahr oder in unmittelbarer Not befinden (Zitat BAZL)».
Alarmstelle ist das sogenannte Areonautical Rescue Coordination Center Zürich, kurz «ARCC», welches die Luftwaffe seit 2021 betreibt. Es ist Teil der Einsatzzentrale Lufttransport und Luftaufklärung in der Operationszentrale Luftwaffe.
Bei der eintägigen Exkursion geht es darum, die Grundlagen und Tätigkeiten der Search und Resque «SAR» Organisation und im Speziellen den Aufgabenbereich des RCC kennenzulernen. Anhand von Praxisbeispielen werden der Ablauf einer Mission und die damit verbundenen Herausforderungen skizziert.
In einem speziellen Exkurs werden die einstigen und heutigen Not-Geräte und Ausrüstungen vorgestellt. Abschliessend steht ein TH06 Super Puma in spezieller SAR Konfiguration mit allen Gerätschaften zur Besichtigung bereit. Zudem steht uns eine erfahrene «SAR» Besatzung Red und Antwort.
Programm
Donnerstag, 28. Mai 2026
08:30 Uhr Abfahrt ab Zürich, Carparkplatz Sihlquai, nach Dübendorf. 09:00 Uhr Zustiegsmöglichkeit in Dübendorf, Flugplatz. Sicherheitskontrolle am Hauptportal, an-schliessend Begrüssungskaffee. Es folgen Referate von Spezialisten zur Geschichte und Zukunft des Militärflugplatzes Dübendorf, zum «Rescue Coordination Center» und zu «Search and Resque» Missionen. Fragerunde im Anschluss an die Referate. Verschiebung zum Flugplatzrestaurant und gemeinsames Mittagessen.
Nachmittags Verschiebung zum Bogenhangar. Führung durch die Ausstellung mit Schwergewicht Not- und Rettungssysteme. Anschliessend Verschiebung zur Halle 10 und Besichtigung eines zum SAR-Einsatz ausgerüsteten Transporthelikopters 06 (TH06) Super Puma. Präsentation der zum Einsatz notwendigen Mittel.
16:15 Uhr Ausstiegsmöglichkeit Dübendorf, Flugplatz. 17:00 Uhr erwartete Ankunft in Zürich und Abschluss der Reise.
Bestellung Reisedokumentation
Die Reisedokumentation ist erwerblich.
ZUR SAMMLUNG UNSERER REISEDOKUMENTATIONEN
Der Reisebericht von Jürg Schucan
Einleitung
Die den Reiseteilnehmern/-innen zugesandte Dokumentation des Reiseleiters Oberstlt a D Andri Spinas erlaubte eine sorgfältige Vorbereitung des Themas.
Das ab 1910 privat betriebene Flugplatzgelände in Dübendorf wurde 1914 vorerst vom Bund gepachtet und dann, 1918, von diesem gekauft.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs verfügte die Schweiz über 86 Flugzeuge, mehrheitlich des Typs Wild und Haefeli, aufgeteilt in 5 Geschwadern. Standorte waren Payerne, Lyss, Kriens, Dübendorf und Frauenfeld.
Zahlreiche der aus Liquidationen gekauften Flugzeuge mussten ausgemustert werden. 1929 verblieben noch 182 Flugzeuge bei den Fliegertruppen.
In den späten 30-er Jahren wurde aufgerüstet. Erstaunlicherweise konnte die Schweiz von Deutschland nach Genehmigung durch Herrmann Göring 40 moderne Me-109 beschaffen. Dazu kamen 287 französische Morane Saulnier-Flugzeuge, von denen 80 in Lizenz gefertigt wurden.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden rund 200 notgelandete alliierte Flugzeuge requiriert. Aber auch einige deutsche „Perlen“ waren zu sehen, so ein am 28. April 1944 gelandeter Nachtjäger Me-110 mit einem von Telefunken hergestellten Lichtenstein-Radar. Das Radar wurde umgehend von Spezialisten der ETH untersucht, unter anderem auch in Feldversuchen, wobei das Flugzeug auf eine Rampe gezogen wurde, um das Radar in die Luft zu richten. Nachdem deutscherseits ein Angriff auf Dübendorf in Erwägung gezogen worden war, wurde vereinbart, das Flugzeug unter deutscher Aufsicht zu zerstören. Im Gegenzug erhielt die Schweiz 12 vollständig ausgerüstete Me 109 G früher ausgeliefert.
Am 25. April 1945 landete in Dübendorf eine Me-262 wegen Treibstoffmangel. Noch 80 Liter waren bei der Landung in den Tanks. Das Flugzeug wurde gründlich untersucht und schliesslich 1957 dem Deutschen Museum in München übergeben.

1948 war der Flughafen Zürich Kloten fertig gebaut womit Dübendorf fortan nur noch als Militärflugplatz genutzt wurde. Zurzeit befindet man sich in einer einigermassen verwirrlichen Umnutzungsphase. Ein Bundesratsentscheid zum weiteren Betrieb wird für Ende Juni 2026 erwartet.
Referat von Major Jarno Benz, Stv Flugplatzchef
Major Benz weist in seinem Referat auf die durch die Politik begrenzten finanziellen Mittel für die Armee hin. Wenn man gezwungen sei, Material zu kaufen, wenn die Lage bereits schwierig ist, ist dies meist nur zu höheren Preisen möglich. Er gibt eine Übersicht zu den verschiedenen Bauten auf dem Militärflugplatz Dübendorf, die teilweise aus den Zwanzigerjahren stammen und architektonisch erwähnenswert sind, insbesondere der Bogenhangar. Interessant sind auch seine Ausführungen zu den von der Luftwaffe einst und heute verwendeten Flugzeugen.
Referat von Oberstlt Christian Lucek zum Thema „SAR“ (Search and Rescue)
Die Luftwaffe hat zurzeit folgende Aufträge: 1. Vorteilhafte Luftsituation erringen 2. Gegnerische Luftüberlegenheit verhindern 3. Unterstützung der Bodentruppen 4. Wahrung der Lufthoheit 5. Luftaufklärung 6. Lufttransport 7. Luftpolizeidienst.
Grundlage für den Such- und Rettungsdienst ist eine internationale Vereinbarung mit der Bezeichnung ICAO Annex12, die den teilnehmenden Staaten eine permanente Bereitschaft mit einer Stunde Reaktionszeit vorschreibt. Dafür wird von der Schweiz ein Super Puma bereitgestellt (TH 06 mit FLIR Kamera). Zudem werden von der Luftwaffe Leistungen zu Gunsten der Kantone erbracht.
Weiter besteht eine enge Zusammenarbeit der Luftwaffe mit der Polizei, z.B. bei Fahndungen oder bei der Katastrophenhilfe. Standorte des SAR Helikopters sind die Militärflugplätze Dübendorf, Alpnach und Payerne im wochenweisen Wechsel.
Drei wichtige Ausrüstungskomponenten des TH 06 in der SAR Konfiguration sind: FLIR Kamera für TV und Infrarotaufnahmen, Suchscheinwerfer (v.a. wichtig für Personensuche), zudem gibt es die Möglichkeit zur Ortung von Mobiltelefonen. Die Wärmebildkamera bemerkt theoretisch Temperaturdifferenzen von 0.2 Grad, erkennbar sind aber Temperaturdifferenzen in der Regel erst ab 5 Grad.
Pro Jahr kommt es schwankend bis zu 5 SAR Einsätzen nach ICAO Annex 12 und 30 Personensucheinsätzen.
Die Schweiz besitzt 15 Super Puma (Registrierung T-311 bis T-325) und 9 Cougar (Registrierung T-332 bis T-342).
Referat von Thomas Leimer, Leiter Fachbereich ARCC zum Thema „ARCC“ (Aeronautical Rescue Coordination Center)
Thomas Leimer gibt eingangs eine Uebersicht über die Organisation des ARCC und dessen Aufgaben.
Grundsätzlich haben Flugzeuge einen Emergency Location Transmitter an Bord und geben vor dem Flug einen Flugplan ab. Ausgenommen von dieser Verpflichtung sind z.B. Segelflugzeuge. Bei einem Absturz wird durch die Erschütterung ein Notsignal ausgelöst, welches via Satellit zu einer Empfangsstation und zum verantwortlichen ARCC weitergeleitet wird. Ebenso wird ein Alarm ausgelöst, wenn innerhalb der sogenannten „Estimated Elapsed Time“ (EET) plus 30 Minuten, also eine halbe Stunden nach der im Flugplan angegebenen Landezeit keine Verbindung mehr zum Fluggerät oder Pilot besteht. Ein weiteres Tätigkeitsgebiet sind Notsituationen von Personen, z.B. im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten und dem Auslösen von „Personal Locator Beacon“, PLB.
Für das COSPAS-SARSAT System wird auf die Erläuterungen in der Dokumentation verwiesen.
Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit Polizei, Skyguide, Nachbarstaaten, Zivilen Rettungsorganisationen.
Seit Übernahme dieser Funktionen im Jahr 2021 bearbeitete das RCC 3800 Fälle, in den meisten Fällen von Fehlmanipulationen verursacht.
Einige Beispiele aus der Praxis runden das Thema ab.
Betriebskompetenzstelle Ausrüstungswerkstatt
Nach einer Mittagspause mit einem erfreulichen Mittagessen werden wir vom Chef der Ausrüstungswerkstatt, Herr Erdem Gedik, im Bogenhangar empfangen. Es besteht hier eine kleine Ausstellung, bewirtschaftet werden rund 4000 Artikel mit 17 Mitarbeitern. Auch die Einführung von neuem Material, so kürzlich einem neuen Piloten-Helm, passiert hier.
Die verschiedenen Systeme werden anhand der ausgestellten Puppen erläutert. Auch ein Einmann-Rettungsboot ist ausgestellt. Jeder Pilot hat seinen eigenen Helm, je nach geflogenem Luftfahrzeugtyp auch mehrere. Ein spezieller F/A-18 Pilotenhelm kostet im Bereich von zweihundertdreissigtausend Franken. Die Helme werden individuell angepasst.
Ein „Ausstieg“ mit Fallschirm-Landung im Wasser ist aufwendig, insbesondere der korrekte Einstieg des Piloten in das im Notpacket mitgeführte Einmann-Rettungsboot. Das kann mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Dafür gibt es zwei- bis dreitägige Kurse und regelmässig einen eintägigen Refresher-Kurs.
Ausgestellt ist auch ein MiG 29 Helm, der anlässlich eines Besuchs der Bundeswehr-Luftwaffe (Deutschen Luftwaffe) übergeben wurde.
Super Puma
Der Abschluss des Besuchs bildete die freie Besichtigung eines Super Puma Helikopters in SAR Konfiguration in der Halle 10, einem ehemaligen Swissair Werftgebäude, wo Teile der Mannschaft (Crew) bereitwillig alle Fragen der Teilnehmer beantworteten.

Der Reiseleiter überreichte den beteiligten Personen des Flugplatzes mit bestem Dank die wohlverdiente „Liquidität“ sowie seine Dokumentation zum abwechslungsreichen und höchst interessanten Tag. Auch das obligate Gruppenbild durfte nicht fehlen. Herzlichen Dank!





