gms homeReisenGMS Vergangene Reisen02-26 | Holland 1940 - 1944

02-26 | Holland 1940 – 1944

Sonntag, 3. - Samstag, 9. Mai 2026

Eben Emael – Atlantikwall – Scheldemündung – Arnheim – Festung Holland

ZUM REISEBERICHT

ZUR BILDERGALERIE

Inhalt aktualisiert am 12.07.2026

Reiseleitung: Oberst i Gst a D David Accola, Reisechef der GMS

Sieben Reisetage

Neu konzipierte Reise, teilweise mit Elementen der 1000. GMS-Reise (2017)

Kultureller Reiseanteil: ** Die Reise fokussiert die militärische Operationsgeschichte in den Niederlanden. Die niederländischen Provinzen bieten aber insbesondere im Frühjahr auch blühend bunte Landstriche und reizvolle Kleinstädte.

Ein Muss für alle, die sich mit einer wesentlichen Phase des Zweiten Weltkriegs (zwischen D-Day und Ardennenoffensive) militärhistorisch beschäftigen möchten und die massgeblichen Schauplätze in den Provinzen Zeeland, Noord Brabant und Utrecht noch nie besucht haben.


Thematische Umschreibung


Im Rahmen des Westfeldzugs 1940 besetzt die Deutsche Wehrmacht Belgien und die Niederlande. Den Abwehrmassnahmen der Streitkräfte beider Länder war kein Erfolg beschieden. Kurz darauf ist auch die Besetzung von Teilen Frankreichs abgeschlossen.

Im Juni 1944 landen die Alliierten am D-Day in der Normandie, erkämpfen sich unter grossen Verlusten den Ausbruch aus dem Brückenkopf und befreien im Anschluss Paris vor der deutschen Besatzung.

Der darauffolgende Stoss an den Rhein sollte nicht einfacher ausfallen. Unterschiedliche Auffassungen der militärischen Führer, aber auch die immer grösser werdende Distanz zur Versorgung der Frontlinie prägten die Herbstmonate des Jahres 1944.

Antwerpen, der damals grösste Hafen Europas, war zwar unter Kontrolle der Alliierten – die Zufahrt durch die Scheldemündung aber wurde nach wie vor von der Deutschen Wehrmacht ab deren Atlantikwall-Stellungen im Süden Hollands verhindert.

Was nun: ein rascher, kühner Vorstoss über den Rhein, wie dies seitens Feldmarschall Montgomery bei Arnheim bevorzugt wurde, oder doch zunächst für eine sichergestellte, logistische Versorgung über den Hafen von Antwerpen sorgen, was die US-Führung als dringlicher erachtete.

Nachdem ersteres misslungen war, wurde letzteres zur zwingenden Voraussetzung, um den Krieg über den Rhein auch am Boden ins Deutsche Reich zu bringen.

 

Programm


Erster Reisetag: Sonntag, 3. Mai 2026

Zürich – Basel – Maastricht

08:15 Uhr Abfahrt mit dem Bus ab Zürich. 09:30 Uhr Zustiegsmöglichkeit in Basel. Fahrt via Koblenz und Aachen nach Maastricht an der belgisch-niederländisch-deutschen Grenze. Mittagessen und Kaffeepausen unterwegs. Gemeinsames Abendessen am Marktplatz von Maastricht. Übernachtung**** in Maastricht.

Vrijthof in Maastricht

Zweiter Reisetag: Montag, 4. Mai 2026

Maastricht – Middleburg

Morgens: Geführter Besuch durch die Festung Eben Emael. Das gewaltige Sperrfort wurde in den Jahren 1932 bis 1939 als nördlichste Anlage des Festungsringes Lüttich erbaut. Es wurde nach den nahe gelegenen Orten Ében und Émael benannt. Der erstmalige Einsatz von Luftlandetruppen und die Einnahme des Forts mittels neuartiger Hohlladungen im Zuge des «Falls Gelb» (Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg im Mai 1940)  gehören zu den frühen und legendären Kommandounternehmungen der Deutschen Wehrmacht.

Haupteingang des Forts Eben Emael

Nach dem Mittagessen führt uns die Reise nach Walcheren in der niederländischen Provinz Zeeland. Dort beziehen wir für drei Nächte ein Hotel in der Nähe der Schelde. Abendessen und Übernachtung**** in Middelburg.

Middelburg, die Hauptstadt der Provinz Zeeland. Bild: Alex Schilter, GMS-Jubiläumsreise 2017

Dritter Reisetag: Dienstag, 5. Mai 2026

Kampf um die Scheldemündung

Die Scheldemündung war von strategischer Bedeutung und von den Deutschen stark befestigt. Anlässlich des Besuchs einiger Bunkeranlagen des Atlantikwalls beschäftigen wir uns am Vormittag mit den deutschen Verteidigungsmassnahmen.

Bunkeranlagen des Atlantikwalls auf Walcheren

Nach dem Mittagessen behandeln wir zunächst den alliierten Vorstoss der First Canadian Army nach Zeeuws Vlaanderen (dt. Seeländisch Flandern) am südlichen Ufer der Schelde.

Verlauf der Schlacht um die Schelde. Zeeuws Vlaanderen befindet sich am südlichen Ufer der Westerschelde und gehört zum niederländischen Hoheitsgebiet.

Anschliessend befassen wir uns mit der eigentlichen Schlacht um die Scheldemündung, die vom 2. Oktober bis zum 8. November 1944 dauern sollte.

Operation Infatuate: die Landung auf Walchern. Hellblau: von den Deutschen überflutete Gebiete. Quelle: Traces of War.

Abendessen und Übernachtung**** in Middelburg.

Vierter Reisetag: Mittwoch, 6. Mai 2026

Der Kampf gegen Wassermassen

Ein Viertel der niederländischen Landfläche liegt unter dem Meeresspiegel. Entsprechend erfahren sind die Niederländer im Umgang mit den Naturgewalten.

Absetzen der Senkkästen (Caissons) an der Wasserlinie in Ouwerkerk nach der Jahrhundertsturmflut 1953. Bild: Bilddatenbank Rijkswaterstaat.

Wir besuchen das Watersnoodmuseum in Ouwerkerk und die eindrücklichen Deltawerke. Letztere wurden nach der grossen Flutkatastrophe von 1953 erbaut. Mittagessen unterwegs.

Deltawerke an der Oosterschelde. Abbildung: Bilddatenbank Rijkswaterstaat

Fakultatives Abendessen. Übernachtung**** in Middelburg.

Fünfter Reisetag: Donnerstag, 7. Mai 2026

Market und Garden

Wir verlassen die Provinz Zeeland und widmen uns in der Folge der «Market Garden», der wohl bekanntesten Operation der Alliierten in den Niederlanden. Field Marshal Montgomery’s kühner Plan sah vor, mit drei Luftlandedivisionen sämtliche Brücken zwischen Eindhoven und Arnheim zu nehmen und zu halten (Operation Market).

Fallschirmjäger der 101. US-Airborn-Division bei ihrem Absprung während Market, der grössten Luftlandeoperation der Geschichte im September 1944.

Mit dem XXX. Korps beabsichtigte er, entlang dieser gesicherten Vorstossachse in zwei Tagen die Rheinbrücke von Arnheim zu erreichen (Operation Garden). Wir fahren an die belgisch-niederländische Grenze südlich Eindhoven und folgen ab «Joes Bridge» der Route dieses XXX. Korps nach Norden, wo wir auf die Luftlanderäume der 101. und 82. US-Airborndivisionen stossen, welche die Brücken über die zahlreichen Flüsse und Kanäle sichern sollten.

Der Vorstoss der Bodentruppen stiess auf heftige Gegenwehr der Deutschen. Rechts: ein zerstörter Sherman-Panzer, während sich die Fahrzeugkolonne auf der einzig möglichen Strasse weiter nach Norden bewegt. Bild:Market Garden Archive.

Museumsbesuch und Mittagessen unterwegs. Bis am späteren Nachmittag hoffen wir, die Brücke von Nimwegen zu erreichen. Abendessen und Übernachtung**** in der Nähe von s‘Hertogenbosch.

Sechster Reisetag: Freitag, 8. Mai 2026

A Bridge Too Far

Im Fokus steht zunächst das Drama der First British Airborne Division während des legendären Kampfes um die Brücke von Arnheim bzw. den Ausbruch der noch kampffähigen Briten aus dem Kessel von Oosterbeek.

Airborne-Museum in Oosterbeek. Bild: Alex Schilter, GMS-Jubiläumsreise 2017

Abschliessend befassen wir uns mit der Verteidigung der niederländischen Streitkräfte entlang der sogenannten «Wasserlinien».

Schlacht am Grebbeberg, Mai 1940.

Die «Schlacht von Grebbeberg» steht stellvertretend für die wenig erfolgreichen Abwehrkämpfe im Mai 1940. Abendessen und Übernachtung**** in s‘Hertogenbosch.

Letzter Reisetag: Samstag, 9. Mai 2026

S’Hertogenbosch – Basel – Zürich

Rückfahrt auf direktem Weg in die Schweiz. Mittagessen unterwegs. Erwartete Ankunft in Basel um 18:00 Uhr und in Zürich um 19:00 Uhr.


Bestellung Reisedokumentation

Die Reisedokumentation ist erwerblich.

ZUR SAMMLUNG UNSERER REISEDOKUMENTATIONEN

Der Reisebericht von Rita Janser und David Accola, bebildert von Hans Peter Fähnrich, Christoph Biel und Hansjürg Walder


Einleitung

Nehmen wir die Fakten vorweg: 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, alle bestens gelaunt. Wir wurden bestens verköstigt und in schönen Hotels untergebracht. Unser Chauffeur Martin Budinsky brachte uns mit seiner absoluten Fahrroutine und Erfahrung an alle, seitens des Reiseleiters gewünschten Orte und die Einhaltung des vorgesehenen Zeitplans hätte präziser nicht sein können. Punktlandungen, insbesondere auch während der doch ansehnlichen Fahrstrecken auf der Hin- und Rückfahrt. Die Reisedokumentation war umfassend. Auf 145 Seiten ermöglichte es uns David Accola, die Geschichte und die Kultur seines «Mutterlandes» schon mal in schriftlicher Form vorgängig zu studieren. Der Umstand, dass sich der Reiseleiter in niederländischer Sprache – akzentlos notabene – verständigen kann, erleichterte den organisatorischen Ablauf vor Ort beträchtlich und brachte bei den Referenten, die sich alle bemühten ihr umfangreiches Wissen in deutscher Sprache weiterzugeben, auch das letzte, (kaum vorhandene Eis) zu schmelzen. Deutsche Gäste sind in den Niederlanden willkommen, Schweizer aber halt doch etwas sympathischer. Nun: bei Kenntnis der historischen Vergangenheit ist dies irgendwie nachvollziehbar.

Die Holland-Reisenden der GMS vor dem Denkmal in der „Dropzone Y“ auf der Ginkelsen Heide bei Arnhem.

Erster Reisetag: Zürich – Maastricht

Die lange Anreise ins Zielland führte uns über Basel durch weite, eindrückliche Landschaften via Koblenz und Aachen in die Grenzstadt an der Maas. Unterbrochen wurde die Fahrt durch einen Mittagshalt im rheinhessischen Osthofen, wo lokaler, gutmundender Wein zum Essen aufgetischt wurde. Die historische Provinz Rheinhessen, deren grösste Städte Mainz und Worms sind, gehört heute zum Bundesland Rheinland-Pfalz. Maastricht erreichten wir nach gut acht Fahrstunden – im bequemen und grosszügigen Car kein Problem – gegen 19.00 Uhr abends, ohne irgendwo in einem Verkehrsstau zu stehen.

Zweiter Reisetag: Maastricht – Eben Emael – Zeeland

Maastricht

«Der frühe Vogel fängt den Wurm»: Joop, der lokale Stadtführer in Maastricht wurde auf 08:15 aufgeboten, erschien auch pünktlich und meinte, dass er während seiner ganzen Karriere als «offiziell bevollmächtiger Stadtgids» noch nie zu diesen frühen Morgenstunden einer Gästegruppe seine Stadt gezeigt habe. Die Stadt war menschenleer – abgesehen von den Männern der Müllabfuhr, die bereits ab 05:00 Uhr die Zivilisationsreste der Wochenendbesucher entsorgten, war kaum jemandem zu begegnen.

Das Rathaus von Maastricht frühmorgens …

Und wann: dann erscheinen diese in horrendem Tempo und absolut lautlos. Eine erste Begegnung mit Fahrradfahrenden bestätigte die, in der Reisedokumentation bereits platzierte Warnung. Fussgänger haben auf dem «Fietspad» (Veloweg) nichts zu suchen und der Gefahr einer bevorstehenden Kollision konnte unser Hof-Fotograf Hans-Peter nur noch knapp durch einen sportlichen Absprung in die sichere Fussgängerspur entweichen. Fahrräder haben in den Niederlanden absolute Priorität und wer ihnen im Weg steht verdient im besten Fall ein Kopfschütteln des Velofahrers nach dem Motto: da wissen Touristen wieder mal nicht, in welchem Land sie sich befinden. Sie befinden sich in den Niederlanden!

Maastricht ist die Stadt in den Niederlanden, die nach Amsterdam über die meisten denkmalgeschützten Gebäude verfügt.

Nicht in Holland, was Joop uns während seiner Führung mehrfach zur Kenntnis brachte. Maastricht ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg. Mit zwölf weiteren Provinzen bilden sie das niederländische Königreich, von denen aber lediglich zwei, wenn auch die einflussreichsten, den Namen «Holland» (Noord- und Zuid Holland) tragen. Im Zuge der konfessionell begründeten Teilung der historischen Niederlande (Belgien-Luxemburg-Holland) nach dem Dreissigjährigen Krieg hätte Limburg und damit Maastricht eigentlich des spanisch beeinflussten, katholischen Teil zugeschlagen werden müssen. Willem I, Fürst von Oranien und Gründer der heutigen Niederlande wollte aber den strategisch wichtigen Übergang an der Maas unter seinem Einfluss wissen. Die Führung mit dem ehemaligen Architekten verfolg im nu und war von selbstironischem Humor bester Güte getragen. Niederländer vermögen sehr wohl über sich selbst zu lachen oder zumindest zu schmunzeln. Aber: die Bewohner dieser wunderschönen, uralten Stadt Maastricht sind definitiv keine Holländer, sie sehen sich als Limburger.

Gibt’s auch in Limburg: die königlich anerkannten Hoflieferanten

Wenn historisch interessierte Besucher die Stadt vielleicht mit dem Ableben von d’Artagnan, einem der glorreichen Musketiere, in Verbindung bringen, so tun dies die Anhänger der «leichten, imposant inszenierten Klassik» mit André Rieu. In seiner Geburtsstadt verwandelt er jeweils im Juli den grössten Platz Maastrichts zur Open-Air-Bühne für sein Orchester und spielt der Stadt dadurch jährlich einen Umsatz von rund 60 Mio. Euro ein.

Eben Emael

Der Besuch der damals (1940) grössten und modernsten Festungsanlage Belgiens stand als nächster Programmpunkt auf der «to do» Liste. Für historisch Interessierte gehört sie unweigerlich und berechtigterweise dort hin. Einerseits natürlich auf Grund der Dimensionen der Anlage, andererseits aber auch für den Umstand, dass hier seitens deutscher Luftlandeeinheiten bewiesen wurde, dass derartige Verteidigungsinfrastrukturen mit verhältnismässig bescheidenem Aufwand binnen kurzer Zeit lahmgelegt werden können.

Der Eingang des Forts Eben Emael

Martin, der lokale Festungsführer erkannte rasch, dass es sich bei der heutigen Besuchergruppe um Expertinnen und Experten handelte, schöpfte aus dem Vollen. Die Festung hatte ihre Türen explizit für unserer Reisegruppe ausserhalb der Öffnungszeiten aufgeschlossen und die Festungsführer leisten ihre ehrenamtliche Arbeit wie vielerorts mit grossem Herzblut, welches jederzeit zu spüren war. Über den Verlauf der erstmaligen Luftlandeoperation der Wehrmacht berichten diverse Publikationen. Es wird daher hier nicht weiter darauf eingegangen. Die verwegene Operation zur Stilllegung der Festungsanlag vermag von der eigentlichen Zielsetzung des deutschen Angriffs während des Westfeldzugs abzulenken. Es ging um die Maas-Übergänge (bei Maastricht) und um drei Brücken über den Albert-Kanal, die in unzerstörtem Zustand gewonnen werden wollten.

Von der Explosionskraft der eingesetzten Hohlladungen zeugt die völlig zerstörte Stahltüre im Innern der Festung

Eindrücklich war der Augenschein der Zerstörungskraft der damals revolutionären Hohlladungen, die auf den Kuppeln der Festung einerseits – aber auch im Inneren der Festungsanlage angebracht wurden. Dass mit deren Zündung verbundene Drama lässt sich kaum vorstellen, die dadurch entfachten Kräfte hinterliessen ein Schadenbild, welches heute noch vor Ort zu sehen ist.

Zu Gast bei guten Nachbarn – würde man meinen …

Das Gasthaus, in welchem wir die Mittagsverpflegung geniessen konnten war von besonderer Art. Inmitten einer bewohnten Stube eines Wohnhauses wurden wir zu Gast gebeten. Äusserst familiär und persönlich. Es war so, als ob wir von guten Nachbarn zum gemütlichen Mittagessen eingeladen worden wären. Auch hier mit einem Glas Wein, aus dem eigenen, heimischen Rebberg. Auch belgischer Wein schmeckt köstlich und muss einer Blindverkostung mit Rebensaft aus berühmteren Lagen nicht aus dem Weg gehen.

Zeeland

Die Fahrt in die südlichste niederländische Provinz verlief über Antwerpen. Der dort liegende, belgische Hafen gehört mittlerweile nach Rotterdam zum umschlagstärksten Hafen Europas und hat Hamburg den lange «verteidigten» zweiten Platz abgerungen. Entsprechend gross ist das Verkehrsaufkommen von LKW’s im Umfeld dieser gewaltigen Hafenanlage. Wenige Kilometer nördlich der Stadt überquerten wir die niederländisch-belgische Grenze und bogen bald später westlich auf die aus mehreren Inseln bestehende Provinz ab. Ziel war Middelburg, die Hauptstadt der Provinz, wo wir für die nächsten drei Nächte inmitten der mittelalterlich anmutenden Altstadt unser Quartier in einem historischen Hotel bezogen.

Unser Hotel in Middelburg

Middelburg wurde während der deutschen Luftangriffe im Mai 1940 grossflächig zerstört, nach dem Krieg aber wieder nach historischen Plänen aufgebaut und erscheint heute in schönem und gepflegtem Bild. Unser Hotel steht in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Liebfrauenabtei, einem ehemaligen Stift der Prämonstratenser aus dem 15. Jahrhundert und lediglich einen Steinwurf von einem Denkmal entfernt, welches diskret auf ein anderes Kapitel der Stadtgeschichte hinweist: Middelburg verdankt seinen Reichtum auch einem düsteren Umstand. Insgesamt wurden zwischen 1730 und 1800 auf 118 Reisen 9880 Afrikaner auf Middelburger Schiffen als Sklaven in die neue Welt verschleppt. Middelburger Sklavenhändler liefen vor allem Westafrika (Guinea) und die Küste von Loango (heute Kongo) an. Nebst dem «goldenen Jahrhundert», einer lange andauernden, wirtschaftlich- und kulturellen Blütezeit im 17. Jahrhundert, spülte eben auch dieses wenig rühmliche Kapitel Geld in die niederländischen Staats- und Stadtkassen. Aber das ist eine andere Geschichte und unsere Reise sollte die Jahre 1940-1944 fokussieren.

Dritter Reisetag: Die Schlacht an der Schelde

Lediglich 97 Höhenmeter verliert die Schelde (franz. l’Escaut) auf ihrem 360 km langen Weg von Gouy, südlich des französischen Cambrai nach dem belgischen Antwerpen, wo sie den 60 km langen Mündungstrichter erreicht, bevor sich das Wasser schliesslich beim niederländischen Vlissingen mit der Nordsee vereinigt. Die Küsten dieses Ästuars liegen beide auf niederländischem Staatsgebiet. Der südliche Landstrich wird als Zeeuws-Vlaanderen (Seeländisch Flandern) bezeichnet, am nördlichen Ufer liegen die Halbinseln Zuid Beveland und Walcheren. Mit zwei weiteren Inseln gemeinsam bilden sie die niederländische Provinz Zeeland, deren Hauptstadt Middelburg wir auf unserer Reise am Vorabend erreicht haben.

Die Mündung der Westerschelde an ihrer engsten Stelle. Am Horizont die Hafenanlagen von Vlissingen.

Die Gefechte nördlich und südlich dieser Scheldemündung, die sich hier im Spätherbst 1944 ereigneten, sollten im Fokus des heutigen Tages stehen. Hitlers Strategen erkannten die Bedeutung dieses Mündungstrichters weit früher, als dies Montgomery und die Alliierten einsehen wollten. Entsprechend befestigten sie Walcheren und die südliche Begrenzung der Westerschelde im Zuge der Erstellung des «Atlantikwalls» mit rund 450 Bunkeranlagen und einer beeindruckenden Zahl an Batterien der Küstenartillerie bereits ab Mitte Mai 1940, nachdem die Deutschen die Niederlande und damit auch Walcheren besetzten. Über diese Besatzungszeit wusste uns der Historiker und Autor Hans Sakkers viel zu berichten. Im Auftrag der lokalen Stiftung «Bunkerbehoud» vermitteln ehrenamtliche Führer die Weltkriegsgeschichte ihrer Insel und Hans Sakkers gilt als deren Doyen, auch wenn er das in seiner Bescheidenheit nicht so gesehen haben will.

Einer der zahlreichen Bunker des Atlantikwalls auf Walcheren. Am Horizont das südliche Scheldeufer.

Zuvor aber folgen wir den Anmarschrouten der 1. Polnischen Panzerdivision und der 1. Kanadischen Armee in Zeeuws Vlaanderen. Die Landschaft hier ist topfeben und wird von zahlreichen Kanälen und den polderumschliessenden Ringfahrten durchzogen. Entsprechend benötigen die Milchbauern in den Niederlanden keiner Weidezäune. Die breiten Kanäle begrenzen die grossen Weideflächen; das reicht vollends. Waren es vor 80 Jahren einige Windmühlen und Kirchtürme, welche den schnurgeraden Horizont unterbrachen, sind es heute zusätzlich die küstennahen Windkraftwerke und Hafenkräne, welche diesen dominieren. Die Orientierung im Gelände muss sehr anspruchsvoll gewesen sein, um einzelne Angriffsziele anzupeilen. Zwar verfügten die Alliierten über Strassenkarten, aber was helfen die, wenn zwei Drittel der Landfläche seitens der deutschen Verteidiger unter Wasser gesetzt wurden. Wir finden Breskes, aber nur, weil die Wegweiser unverfälscht dastehen und uns diverse Navigationsgeräte bestätigten, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Uncle Beach, der Landestrand des 4th Army Commandos nahe der Hafenanlage von Vlissingen. Im Hintergrund die legendäre Oranje Molen.

Nach dem Lunch in einem Küstenrestaurant finden wir nach zügigem Fussmarsch die Fähre, die uns von Breskens nach Vlissingen bringt. Gedanklich folgen wir der amphibischen Landung des 4th Army Commandos, deren Soldaten in Vlissingen am frühen Morgen des 1. Novembers 1944 bei eiskalten Temperaturen an Land gingen. Zuvor hatten die Briten nahezu ganz Walcheren unter Wasser gesetzt, indem sie durch den Abwurf enormer Bombenlasten auf die Küstenlinie die dortigen Deiche an vier Stellen zerstörten. Eine zweite, zeitgleiche Landung erfolgte wenige Kilometer nordwestlich bei Westkapelle.

Eines der Landungsboote am Strand bei Westkapelle.

Dieses Unternehmen forderte einen hohen Blutzoll seitens der Briten. Ziel beider Operationen war weniger die Befreiung Walcherens vor den deutschen Besatzungstruppen, vielmehr aber die Unterbindung des Feuers der 25 Küstenartillerie-Geschütze aus deren verbunkerten Stellungen, welche auch nach massiven Bomberangriffen zuvor nicht zum Schweigen gebracht werden konnten. Von diesen gewaltigen Bunkeranlage ist heute nichts mehr zu sehen. Wenige verbliebene Beobachtungsbunker in den Dünen zeugen heute noch von den damaligen Ereignissen, die in ihrer Auswirkung aber von grösster Bedeutung für den weiteren Verlauf des alliierten Vorstosses Richtung Westwall und Rhein war. Nachdem Antwerpen mit seinen intakten Hafenanlagen bereits Anfang September von der britischen 2. Armee befreit worden war, lag nun auch die Zufahrt zu diesem Hafen unter alliierter Kontrolle, was die Versorgung der Truppen enorm erleichterte. Dass zwischen der Befreiung Antwerpens und der Öffnung der Wasserstrasse durch die Schelde ein Zeitraum von mehr als zwei Monaten lag, ist dem Eigensinn Montgomerys anzulasten. Der Kommandant der 21st Army Group bevorzugte den schnellen Griff über den Rhein und priorisierte eine verwegene Operartion, welcher wir uns im Verlauf der letzten beiden Reisetage annehmen sollten.

 

Vierter Reisetag: Kampf um Land und gegen Wassermassen

Rund ein Viertel der niederländischen Landflächen liege unterhalb des Meeresspiegels. Der Schutz dieser, während Jahrhunderten der See abgerungenen Polder ist zwar Aufgabe des Staates, die Einsicht zur notwendigen Investition an Mitteln und Kräften liegt aber gewissermassen in der DNA jedes Niederländers und jeder Niederländerin. Der Schutz des Lebens- und Wirtschaftsraums vor Überschwemmungen geniesst höchste Priorität und wird mit den globalen Auswirkungen des Klimawandels auch in naher Zukunft keines Falls mit geringerem Aufwand verbunden sein. Dieser Thematik nahmen wir uns am vierten Reisetag an und besuchten zwei Orte, an denen sich die Geschichte des niederländischen Wasserbaus so eindrücklich wie anschaulich präsentiert.

Land unter: Holland nach der Jahrhundertflut 1953
Watersnoodmuseum

Die Fahrt von Middelburg auf die benachbarte Insel Schouwen-Duiveland dauerte knapp eine Stunde und führte über die fünf Kilometer lange Zeelandbrug, welche die Oosterschelde in eleganter Bauweise überbrückt. Erstes Ziel war Ouwerkerk bzw. das dortige «Watersnoodmuseum», welches in vier Caissons untergebracht ist. Es sind die gleichen Caissons, wie sie die Briten 1944 in der Normandie einsetzten, um die beiden künstlichen Häfen (Mulberry) anzulegen. Dass sich diese Caissons hier befinden ist dem Umstand zu verschulden, dass es in den ersten Februartagen des Jahres 1953 zu einer Flutkatastrophe gewaltigen Ausmasses kam, welche in der niederländischen Geschichtsschreibung als «de Ramp» (die Katastrophe) Eingang fand. 89 Deiche auf einer Strecke von 187 Kilometern brachen in einer Nacht. 1’835 Menschen kamen in den Fluten ums Leben, zigtausende von Kühen, Schweinen, Pferden und Hühnern. Weiden und Ackergründe auf einer Fläche von 200’000 Hektaren gingen «Land unter» und das Ausmass der Schäden an Infrastrukturen war unüberschaubar. 3’000 Häuser und 300 Höfe wurden vollständig zerstört, 40’000 Häuser und 300 Bauernhöfe beschädigt. In den südlichen Provinzen der Niederlande Zeeland, Zuid-Holland und Noordbrabant erzwang die Überflutung von Inseln und Poldern die Evakuierung und spätere Aussiedlung von 72’000 Menschen. Das nationale «Wassernotsmuseum» vermittelt dieses Drama und den unmittelbar daran anschliessenden Wiederaufbau der zerstörten Deiche auf eindrückliche Art und Weise. Zur Versiegelung des letzten, noch offenen Deiches wurden in Ouwerkerk am 6. November 1953 der letzte der vier Caissons abgesenkt. Ein Moment, der in den Niederlanden im Sinne einer «Wiedergeburt» gebührend gefeiert wurde. Jährliche Gedenkanlässe finden in den damals betroffenen Ortschaften jeweils im Februar statt. Dass dieses Jahrhundertereignis auch 63 Jahren noch tief in der Erinnerung der Niederländer ist, bezeugte die grosse Anzahl an Besuchergruppen, die an diesem Tag das Museum besuchten und entsprechend für eine akustisch suboptimale Geräuschkulisse sorgte. Seniorengruppen und Schulklassen füllten die gewaltigen Caissons und bewegten sich dabei wohl in vielen Fällen auf den Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte.

Das Watersnoodmuseum befindet sich im Innern von vier Caissons, die zur Abdichtung der Deiche dort versenkt wurden.

Nach dem Mittagessen im malerischen Städtchen Zierikzee sollten wir nachmittags die niederländische Antwort auf die «Jahrhundertflut» vor Ort besuchen.

Zierikzee
Das Oosterschelde-Sperrwerk

Im Nachgang an die Flutkatastrophe 1953 setzten die Niederländer alles daran, einem weiteren, derartigen Ereignis durch entsprechende Schutzbauten zu begegnen. Der Plan sah vor mit einer Reihe von Sperrwerken einerseits die bedrohte Küstenlinie zu verkürzen und diese Bauten andererseits derart zu konstruieren, dass sie einer erneuten Jahrhundertsturmflut widerstand leisten konnten. Das Projekt erhielt den Namen «Delta Plan» mit dessen Umsetzung 1958 begonnen wurde. Mit Abschluss 1987 sollten es zwölf Werke sein, die die Küstenlinie zwischen Walcheren und Rotterdam mit einer ursprünglichen Länge von 335 Kilometern auf 60 Kilometer verkürzten. Gleichzeitig wurden entlang einer Strecke von rund 1000 Kilometer sämtliche Deiche saniert und erhöht.

Das Sturmflut-Sperrwerk an der Oosterschelde

Die Oosterschelde sollte anfangs genauso wie andere Bereiche des Deltagebietes durch einen Abschlussdeich von der Nordsee abgetrennt werden. Dadurch wäre die Oosterschelde von den Gezeiten abgeschnitten worden. Im Laufe der Zeit hätte zudem Süsswasser das Salzwasser verdrängt, was sich massiv auf die gesamte Flora und Fauna ausgewirkt hätte. Insbesondere wären negative Auswirkungen auf die Muschel- und Austernzucht bei Yerseke zu erwarten gewesen.

Apropos Muscheln: Zeeuwse Mosselen und Austern schmecken vorzüglich und lassen deren Verzehr unter Beizug eines (oder zwei) Gläschens von jungem, oder auch altem Jenever (Wachholder) zu einem Gaumengenuss erster Güte werden.

Für den Bau der Deltawerke wurden neuartige Techniken benutzt. Vor allem das Oosterschelde- und das Maeslant-Sturmflutwehr fanden international grosse Beachtung. Die Deltawerke wurden durch die American Society of Civil Engineers zu einem der modernen Weltwunder erklärt. Auch starker Wasserdruck (bis zu 180 MN) kann den Deltawerken, wegen ihrer stabilen und massiven Bauform, nichts anhaben.

Die gesamte Sperranlage über die Oosterschelde ist neun Kilometer lang. Proteste nach der Fertigstellung der ersten fünf Kilometer bewirkten ein Umdenken der Regierung, so dass auf den restlichen vier Kilometern anstatt eines Abschlussdeiches eine Sturmflutsperre gebaut wurde. Bei Sturmfluten werden die Tore geschlossen, zu anderen Zeiten erreichen Ebbe und Flut die Oosterschelde weiterhin.

Insgesamt gibt es 65 Pfeiler, die bis 18’000 Tonnen schwer und bis zu 65 m hoch sind. Zwischen ihnen wurden 62 bewegliche Tafelschütze aufgehängt, die 42 m breit sind. Die Höhe der Tafelschütze beträgt zwischen 5,9 und 11,9 m, die schwersten wiegen bis zu 500 Tonnen. Die Tafelschütze können innerhalb einer Stunde geschlossen werden. Die Sturmflutwehr muss jährlich etwa einmal wegen entsprechender Wetterbedingungen geschlossen werden.

Technische Herausforderung auf See lassen niederländische Techniker und Wasserbauingenieure zu Hochform anlaufen. Je grösser und komplexer, umso besser. So verwundert es denn auch nicht, dass selbst der Auftrag zur Bergung des im August 2000 gesunkenen, russischen Atom-Uboots «Kursk» vom Grund der Barentssee einem holländischen Unternehmenskonsortium zugeschlagen wurde. Offerte: 100 Millionen US Dollar.

Fünfter Reisetag: Market Garden

Nebst der alliierten Landung im Juni 1944 in der Normandie gehört «Market Garden» sicherlich zu den bekanntesten Operationen auf dem europäischen Festland. Daran hat auch der 1977 gedrehte Film von Richard Attenborough massgeblichen Anteil. «A Bridge Too Far», so der Originaltitel des Films zum Drama um «die Brücke von Arnheim» begleitete uns dann auch sequenziell auf der Fahrt zu den damaligen Schauplätzen der Ereignisse. Diese führte uns zunächst von Middelburg via Antwerpen an die belgisch-niederländische Grenze südlich von Eindhoven. Mit dem Vorstoss des (britischen) XXX. Korps über «Joe’s Bridge» begann der Operationsteil Market. Nach wenigen Kilometern geriet die Panzer- und Fahrzeugkolonne in deutsches Abwehrfeuer, was erstmals zur Verzögerung des ambitionierten Zeitplans führte. Nach Montgomerys Vorstellung sollte das Korps in zwei Tagen die Strecke von Eindhoven bis nach Arnheim zurücklegen und sich während des Vorstosses mit den zuvor abgesetzten Luftlandetruppen vereinen. Dass dieser Vorstoss letztlich acht Tage in Anspruch nahm und bei Nijmegen zum Stillstand kam, wissen wir heute.

Joe’s Bridge an der belgisch-niederländischen Grenze südlich von Eindhoven.

Nach einem kurzen Halt bei «Joe’s Bridge» führte uns die Fahrt via Eindhoven nach Son am Wilhelminakanal. Die dortige Brücke wurde von den Deutschen zerstört, bevor sich die Männer der Easy Company des 2. Bataillons des 506. Parachute Infantry Regiments dieser Habhaft machen konnten. Auch diese Einheit geniesst heute «Kultstatus», wurde deren Feldzug durch Europa in der Miniserie «Band of Brothers» doch ausführlich und eindrücklich dargestellt.

Die Landezone des 506. Parachute Infantry Regiments (PIR) nahe des Wilhelminakanals bei Son

Wir besuchten deren Luftlandezone nördlich des heutigen Museums «Wings of Liberation» bei Best. Ein Museum mehr entlang der Vorstossachse, aber doch eine Ausstellung besonderer Qualität, kann doch sowohl eines der Transportflugzeuge (C-47), als auch ein Lastensegler von innen besichtigt werden. Ein beklemmendes Gefühl, wenn man sich auf den harten Sitzbänken niederlässt und sich vorstellt, welchem psychischen Druck die Männer begegnen mussten.

Wenig Flugkomfort …

Weiter ging es nach Grave, wo die dortige Maas-Brücke eines der Angriffsziele der 82. US-Luftlandedivision war. Die Brücke konnte unzerstört genommen werden und steht heute noch in originaler Konstruktion. Wie nimmt man eine Brücke?

Die Maasbrücke bei Grave

Kurzer «Taktikunterricht» und weiter geht’s nach Nijmegen, wo die heutige James Gavin Brug die Waal überquert. Benannt wurde die Brücke nach dem Kommandanten der 82. US-Luftlandedivision James Gavin der seitens seiner Soldaten anerkennend «Jumpin’ Jim» genannt wurde. Gavin war ein überaus anerkannter Anführer mit einer hohen Risikobereitschaft. «If you want a decision, go to the point of danger». Die verwegene Aktion zur Überquerung der Waal durch das 3. Bataillon des 504. Fallschirmjägerregimets zeugt von seiner Risikobereitschaft. An den Erfolg dieser hochriskanten Aktion unter Major Julian Cook erinnert ein Gedenkstein am Ort der Anlandung am Waal-Ufer unter namentlicher Nennung der während dieser Übersetzaktion gefallenen 48 US-Soldaten.

Gedenksteine am Ort der legendären Waal-Übersetzstelle bei Nijmegen

Nach der Fahrt nach s’Hertogenbosch, der Hauptstadt der Provinz Noord Brabant, bezogen wir am Stadtrand ein modernes, ausgezeichnetes Quartier in einem «Schlosshotel» inmitten einer grosszügigen Parkanlage, wo wir die letzten beiden Abende während der Reise verbringen durften.

Sechser Reisetag: Arnhem und der Grebbeberg

Zur Komplettierung der Market Garden Operation fehlte noch der Einsatzraum der britischen 1. Luftlandedivision und der Polnischen Brigade nördlich des Rheins. Die «Landezone Y» auf der Ginkelsen Heide bei Ede war erstes Ziel. Diese Zone befand sich ca. 15 km vom eigentlichen Angriffsziel, der berühmten Rheinbrücke, die heute den Namen des Bataillonskommandanten John Frost trägt, entfernt. 15 Kilometer der Annäherung, während welcher die britischen «Red Devils» in heftiges Abwehrfeuer der deutschen Verteidiger gerieten und grossen Blutzoll entrichten mussten. Viele der Opfer liegen heute auf dem Militärfriedhof von Oosterbeek, ein Ort, der zum Nachdenken anregt.

Militärfriedhof von Oosterbeek

Der Besuch des dortigen Airborne-Museums Hartenstein ist ein Muss. Mittlerweile wurde die Ausstellung «kampfwertgesteigert» und die Darstellung der Gefechte in Arnhem gehört wohl zum Modernsten, was heute in einem Museum zu finden ist. Die «Airborne Experience» ist eine preisgekrönte, hochgradig immersive und unterirdische Erlebnisausstellung im Kellergeschoss des ehemaligen Kommandopostens der britischen Luftlandedivision.

Airborne-Museum Hartenstein

Letztlich beschlossen wir die Besichtigungen zu Market Garden mit dem Besuch der Rheinbrücke und dem Übersetzpunkt der zum Rückzug gezwungenen britischen Soldaten am südlichen Rheinufer. Market Garden war ein Misserfolg oder anders betrachtet, der letzte Sieg der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Montgomery meinte, dass die Operation zu 90% ein Erfolg war, was Prinz Bernhard der Niederlande zur Feststellung bewog, dass die Niederlande einen weiteren Erfolg Montgomerys nicht überleben würden. In der Tat verschlechterte sich nach dem Arnhem-Debakel die Versorgungslage im westlichen Teil der Niederlande schlagartig, was sich im «Hungerwinter», dem für die Holländer schlimmsten Kriegswinter 1944/45, Niederschlag fand.

John Frost Bridge: die umkämpfte Rheinbrücke bei Arnhem

Auf der Rückfahrt nach Noord Brabant sollte dem Grebbeberg noch Ehre erwiesen werden. Die dortigen Verteidigungsstellungen des niederländischen Heeres zeugen vom heldenhaften, wenn auch nur kurzen Widerstand der Armee im Mai 1940. Die neutralen Niederlande legten alles daran, die Deutschen nicht durch grenznahe Verteidigungsanlagen zu provozieren und mussten letztlich einsehen, dass Neutralität nur dann hilfreich ist, wenn sie allen von Nutzen ist. Im Falle der Niederlande war das ganz offensichtlich nicht der Fall.

Der niederländische Militärfriedhof auf dem Grebbeberg. Der reiche Blumenschmuck rührt daher, dass in den Niederlanden zwei Tage zuvor der Gefallenen in Kriegen und Konflikten gedacht wurde. Dieser Gedenktag findet jährlich am 4. Mai, einen Tag vor dem Tag der Befreiung, welcher ebenfalls würdig begangen wird.

Mit dem Besuch des Grebbebergs schloss sich zeitlich der Kreis zum ersten Reisetag. Eben Emael und die Schlacht an der niederländischen Wasserlinie fanden zeitgleich statt.

Letzter Reisetag: Heimfahrt in die Schweiz

Pünktlich abfahren und pünktlich ankommen. Das war das Ziel des Tages und das haben wir ohne irgendwelchen Stau auf die Minute hingekriegt.

Es war eine inhaltlich anspruchsvolle und doch abwechslungsreiche Reise, welche in Zürich ihren Abschluss fand. Herzlichen Dank allen, die dazu beigetragen haben.


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