gms homeReisenGMS Vergangene Reisen03-26 | Warschau und die NATO

03-26 | Warschau und die NATO

Montag, 18. - Freitag, 22. Mai 2026

Polen: dynamische Führungsnation in Europa?

ZUM REISEBERICHT

Inhalt aktualisiert am 22.06.2026

Reiseleitung: Oberst a D Markus Widmer, bis 2025 Verteidigungsattaché der Schweiz in der Bundesrepublik Deutschland und der in der Republik Polen

Fünf Reisetage

Neue Reise

Kultureller Reiseanteil: ***

Ein Muss für alle, die sich mit der aktuellen Sicherheitsarchitektur in Europa vertiefter befassen möchten, und für jene, die in den Bedrohungsszenarien Russlands gegenüber den baltischen Staaten und deren Nachbarn mehr als eine Schlagzeile erkennen.


Thematische Umschreibung


Polen sieht sich als Leader in Osteuropa und als zukünftige europäische Führungsnation. Die Wirtschaft boomt, und die Armee (Verteidigungsausgaben aktuell fast 5 % des BIP) soll die stärkste in Europa werden. Die Zeitenwende erfolgte lange vor der Zeitenwende in Deutschland. Doch die aggressive Haltung Russlands, dessen Angriffskrieg gegen die Ukraine und das unberechenbare Belarus schaffen ein permanent unsicheres Umfeld. Hybride Angriffe finden täglich statt, Migration wird von Russland als Waffe gegen Polen eingesetzt. Der traditionelle und überlebenswichtige Partner USA könnte sein Engagement in Zukunft herunterfahren. Politisch zeigt sich eine Pattsituation zwischen den liberal eingestellten Städten und den konservativen Landregionen. Dieses schwierige Umfeld ermöglicht trotz allem einen breiten politischen Konsens für die höchsten Militärausgaben in der NATO. Öffentlich werden keine Verteilkämpfe zwischen Sozialstaat und Verteidigungsministerium ausgetragen, die Armee geniesst in der Gesellschaft einen ausgezeichneten Ruf. Der Wille der Bevölkerung, sich für ihr Land einzusetzen, ist hoch: Dies zeigt sich auch im Aufbau einer schlagkräftigen Territorialverteidigung.

Warschau ist eine in Westeuropa wenig bekannte, lebendige, sehr saubere, sichere und lebenswerte Stadt mit attraktiven Sehenswürdigkeiten. Die Schweiz wird in Polen geschätzt, viele menschliche Verbindungen stärken diese Verbindung. Ein prägendes Element war die Internierung polnischer Soldaten in der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, einhergehend mit grosser Dankbarkeit dieser Armeeangehörigen für das Gastland und dessen Institutionen. Vereinzelte Spuren aus dieser Zeit finden sich noch immer in Warschau. Grosse Verehrung fand dabei General Henri Guisan.

Programm


Erster Reisetag: Montag, 18. Mai 2026

Zürich – Bern – Warschau

09:00 Uhr Abfahrt mit dem Bus ab Zürich. 11:15 Uhr Zustiegsmöglichkeit in Bern. Einführung in die sicherheitspolitische Lage Polens durch Experten in der Polnischen Botschaft in der Schweiz. Fahrt mit dem Bus nach Zürich. Mittagsverpflegung an Bord des Cars. Flug nach Warschau und Zimmerbezug für vier Nächte in einem zentral gelegenen Hotel. Abendessen und Übernachtung**** in Warschau.

Botschaft der Republik Polen in Bern

Zweiter Reisetag: Dienstag, 19. Mai 2026

Warschau

Ausgedehnte Stadtbesichtigung mit dem Bus und zu Fuss: «Jüngste Altstadt Europas» (UNESCO-Welterbe), Lazienki-Park, Königsweg, Schlossplatz, Neue-Welt-Strasse, Kulturpalast, Ghettodenkmal. Dazwischen typisch polnisches Mittagessen. Am Nachmittag Besuch in der Militärbibliothek mit Vortrag zum Thema der in der Schweiz während des Zweiten Weltkriegs internierten polnischen Soldaten. Gemeinsames Abendessen im Austausch mit Mitarbeitenden der Schweizer Botschaft. Übernachtung**** in Warschau.

Warschaus Altstadt: die jüngste Altstadt Europas.

Dritter Reisetag: Mittwoch, 20. Mai 2026

Polens Rolle in der NATO

Der Morgen ist reserviert für Referate von diversen Insidern zum Thema «Die Rolle Polens in der NATO». Austausch mit sicherheitspolitischen Expertinnen und Experten beim Mittagessen. Am Nachmittag Besuch des Powazki-Friedhofs, des grössten und bekanntesten Friedhofs der Hauptstadt (Erinnerungstafel an General Guisan, Grab von General Prugar-Kettling). Anschliessend Besuch im Museum des Warschauer Aufstandes. Am Abend Chopin-Konzert in Fussdistanz zum Hotel. Gemeinsames Abendessen in einem Restaurant in der Altstadt. Übernachtung**** in Warschau.

Polens Streitkräfte gehören mittlerweile zum starken Element an der Nato-Ostgrenze.

Vierter Reisetag: Donnerstag, 21. Mai 2026

Schloss Wilanów und Łódź

Morgens führt uns der Bus zum Schloss Wilanów. Das Schloss liegt am südlichen Ende des Warschauer Königswegs und wurde in den Jahren 1677 bis 1679 im Auftrag von König Jan III. Sobieski erbaut: Eine geführte Besichtigung macht klar, warum Schloss Wilanóv auch als «polnisches Versailles» gilt.

Schloss Wilanow

Weiterfahrt nach Łódź (gesprochen: Wudsch). Die viertgrösste Stadt Polens südwestlich von Warschau beherbergt eine Universität und hat eine wechselvolle Geschichte, insbesondere in Bezug auf seine Industrie und das jüdische Leben, war aber auch immer wieder Kampfgebiet. Wir lernen die Stadt während einer geführten Tour kennen.

Freiheitsplatz und Heilig Geist-Kirche in Łódź

Rückfahrt nach Warschau. Gemeinsames Schlussessen. Übernachtung**** in Warschau.

Letzter Reisetag: Freitag, 22. Mai 2026

Rückflug in die Schweiz

Der Morgen steht zur freien Verfügung für individuelle Entdeckungen in der Stadt. Um die Mittagszeit folgt der Transfer zum Flughafen. Erwartete Ankunft am Flughafen Zürich um 16:50 Uhr.


Bestellung Reisedokumentation

Die Reisedokumentation ist erwerblich.

ZUR SAMMLUNG UNSERER REISEDOKUMENTATIONEN

Der Reisebericht von Georg Karlaganis

Bilder: Georg Karlaganis und Hans Oswald


Die GMS-Reise 03-2026 befasste sich schwergewichtig mit der aktuellen sicherheitspolitischen Lage in Europa und den grossen Anstrengungen des NATO-Landes Polen an der Ostflanke der Allianz, bei der Rüstungsbeschaffung und bei der Unterstützung des Nachbarlands Ukraine. Daneben lernten die Teilnehmenden auch viel über die Internierung von 12’500 polnischen Soldaten in der Schweiz, die leidvolle Geschichte Polens während des Zweiten Weltkriegs und während der schwierigen Zeit der Besetzung durch die UdSSR. Bei den Stadtführungen präsentierte sich Warschau als sichere und saubere Stadt mit einer stolzen Bevölkerung, als einen Ort mit einer historisch rekonstruierten Altstadt und als ein Wirtschaftswunder mit neuen Hochhäusern.

Erster Reisetag: Bern Botschaft der Republik Polen

Der Geschäftsträger der Republik Polen in Bern: Marek Prawda

Die GMS-Reise 03-2026 begann mit einem Empfang im historischen Gebäude der Polnischen Botschaft im Elfenau-Botschaftsquartier in Bern. Die Reisenden wurde von Geschäftsträger Marek Prawda und Verteidigungs-, Militär- und Luftwaffenattaché Oberst Pawel Piecyk empfangen.

Geschäftsträger Prawda erklärte die leidvolle Geschichte seines Landes. Die diplomatische und militärische Einmischung des Kaiserreichs Russland, Preussens und Österreichs bewirkte den vollständigen Zusammenbruch des polnischen Staates durch drei Teilungen in den Jahren 1772, 1793 und 1795. Dadurch verschwand Polen von 1795 bis 1918 als souveräner Staat von der Landkarte Europas. Am Ende des Ersten Weltkriegs erfolgte die staatliche Wiedergeburt Polens als Zweite Republik. Es folgte die mühsame Zwischenkriegszeit und die tragische Geschichte unter Hitler und Stalin. Im Zweiten Weltkrieg starben ungefähr sechs Millionen Polen. Anschliessend folgte die Zeit Polens als Volksrepublik und Teil des Ostblocks unter massivem russischem Einfluss. Erst die friedliche Revolution von 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer machte den Weg frei für die Dritte Republik. Polen wurde 1997 Mitglied der NATO und 2004 der Europäischen Union.

Der Verteidigungs-, Militär- und Luftwaffenattaché der Republik Polen in der Schweiz: Oberst Pawel Piecyk
Aktuelle sicherheitspolitische Lage

Gemäss Geschäftsträger Prawda führten der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine und die nachfolgenden Kampfhandlungen zu einer „Ostifizierung“ Europas. Polen und die anderen osteuropäischen Staaten wurden als unterschiedliche souveräne Staaten mit ihrer eigenen Geschichte wahrgenommen. Auch die Europäische Union ist betroffen, sie wandelt sich von einer Reglementgemeinschaft zu einer Schicksalsgemeinschaft.

Botschafter Marek erklärte die Strategie Polens für die Rüstungsbeschaffung. Polen verschenkte alle seine Waffen russischer Herkunft an die Ukraine. Gleichzeitig verfolgte Polen bei der Rüstungsbeschaffung eine Mehrfach-Flottenpolitik und kauft Rüstungsgüter von verschiedenen Ländern, aus den USA, aber auch viele Waffen aus Südkorea und auch aus Grossbritannien, Deutschland und Frankreich. Das 1991 geschaffene Weimarer Dreieck, ein diplomatisches Kooperationsformat zwischen Deutschland, Frankreich und Polen, wird als Konsultationsforum zur Abstimmung politischer Positionen genutzt.

Unser Reiseleiter Markus Widmer verdankte den freundlichen Empfang in der historischen Botschaft an der Elfenstrasse und die wertvolle Zeit, die Geschäftsträger Prawda in seinem eindrücklichen Vortrag für uns verwendete. Unsere Reisegruppe mit 28 Teilnehmenden reiste per Car weiter an den Flughafen Zürich und mit dem Swiss- Flug LX 1352 nach Warschau.

Die GMS-Reisegruppe zu Gast in der Botschaft der Republik Polen in Bern

Zweiter Reisetag: Warschau Stadtbesichtigung, Militärbibliothek und Abendessen mit Mitarbeitenden der Schweizer Botschaft

Der zweite Reisetag war der Tag der ausgedehnten Stadtbesichtigung, zuerst mit dem Bus und anschliessend zu Fuss. Ghettodenkmal, Kulturpalast, Königsweg, Schlossplatz, Altstadt. Mittagessen im Restaurant Gościniec. Spezialität des Hauses sind „Pierogi“, Ravioli-ähnliche Mehlspeisen mit vielen verschiedenen Füllarten.

Ghettodenkmal

Der erste Halt unserer Busfahrt erfolgte beim Museum der Geschichte der polnischen Juden. Gegenüber steht das Denkmal der Ghettohelden, welches an den Aufstand vom April 1943 im jüdischen Ghetto in Warschau erinnert. Der ungleiche Kampf gegen die SS von Hitler dauerte 28 Tage, nur wenige Ghetto-Insassen überlebten. Das Denkmal ist auch Schauplatz des berühmten Kniefalls 1970 von Bundeskanzler Willy Brandt.

Museum der Geschichte der polnischen Juden, gebaut vom finnischen Stararchitekten Rainer Mahlamäki.
Denkmal der jüdischen Gettohelden
Kulturpalast

Als nächstes fuhr unsere Reisegruppe mit dem Lift auf die Aussichtsterrasse des Kulturpalasts. Von dort hat man den totalen Rundblick über Warschau. Nur die anderen Wolkenkratzer versperren teilweise die Aussicht. Der Palast der Kultur und Wissenschaft ist ein «Geschenk des sowjetischen Brudervolkes» (auf Befehl Stalins) und wird in Warschau als «Traum eines betrunkenen Zuckerbäckers» bezeichnet. Man getraute sich nicht den Palast abzubrechen. Daher wurden einfach rundherum Hochhäuser gebaut, um seine Dominanz visuell etwas einzuschränken.

Anmarsch zum Kulturpalast, dem „Geschenk“ der Sowjetunion an das polnische Volk von 1955.
Altstadt

 Die Stadt wurde in fast jedem Jahrhundert zerstört: Zuerst kamen die Schweden mit ihrem Einfall im 17. Jahrhundert. Am Ende des 18. und im 19. Jahrhundert fielen die Russen ein. Den Ersten Weltkrieg überstand Warschau unbeschadet, im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt viermal zerstört, 1939, 1943 und zweimal 1944. Auf Befehl Hitlers sollte Warschau für immer verschwinden. Am Ende des Zweiten Weltkriegs marschierte die Rote Armee ein, und man überlegte, die Hauptstadt nach Łódź, welches unversehrt geblieben war, zu verlegen. Aber man entschied sich dann, die Altstadt und den Königsweg neu aufzubauen. Beim Wiederaufbau nutzte man alte Fotografien und auch die Gemälde von Canaletto, der die Stadt im 18. Jahrhundert bildlich festhielt. Heute vergisst man, dass dieser Teil Warschaus nur rund achtzig Jahre alt ist. Die „jüngste Altstadt Europas“ ist UNESCO-Welterbe.

Altstadtmarkt (Rynek Starego Miasta)
Łazienki-Park („königlicher Bäderpark“ – Łazienki Królewskie)

Der königliche Bäderpark ist einer der schönsten Orte Warschaus.

Wasserschloss im Łazienki-Park

Die Anlage erstreckt sich über 80 ha und birgt fast 30 Sehenswürdigkeiten. Hier hätte man gerne noch einen weiteren Reisetag verbracht.

Amphitheater im Łazienki-Park
Zentrale Militärbibliothek
Die GMS-Reisenden in der Zentralen Militärbibliothek mit dem Referenten J.E. Kunikowski

Die Zentrale Militärbibliothek liegt etwas ausserhalb des Zentrums von Warschau nordöstlich der Weichsel (Wisła). Die Besichtigung umfasste drei Teile:

  • einen Vortrag über die heutigen Aufgaben der Bibliothek;
  • einen Film über einen berühmten polnisch-kroatischen Militärpiloten, Mirosław Ferić, und seine Luftkämpfe gegen feindliche Flugzeuge der deutschen Wehrmacht;
  • die Präsentation des Originals einer historischen Europakarte.
Original einer Karte Europas in der Zentralen Militärbibliothek

Zum Schluss erhielten alle ein Exemplar des Buches „Polish technological achievements during world war II“ und einen USB-Datenspeicher mit sechs Filmen (je 40 Minuten) aus dem Zweiten Weltkrieg gleichen Titels.

Gemeinsames Abendessen mit Mitarbeitenden der Schweizer Botschaft

Über Rolltreppen eines modernen Einkaufszentrums gelangten wir im obersten Stock in ein gepflegtes Restaurant. Von der Botschaft waren der Polizeiattaché Raffaele Marta (Liaison Officer to Frontex, Police and Customs Attaché for Poland, Czech Republic and Slovakia) sowie der stellvertretende Leiter der Schweizer Botschaft in Warschau, Minister Marc Bruchez, anwesend. In seiner Ansprache erklärte Minister Bruchez seine Beurteilung der militärischen Lage des EU-Mitglieds Polen.

Punkt 1: Wichtig sind die eigenen finanziellen und personellen Anstrengungen: Polen erhöht zurzeit seine militärischen Ausgaben von 4% auf 5% BIP. Polen hat ein Berufsheer mit 200‘000 Armeeangehörigen.

Punkt 2: Gute Beziehungen zu den USA. Der polnische Generalstabschef war soeben in den USA. 10‘000 US-Soldaten sind in Polen stationiert.

Punkt 3: Polen hat eine wichtige Rolle an der NATO-Ostfront.
Polen bildet einen Teil der Ostfront des NATO-Bündnisses und spielt deshalb innerhalb der Allianz eine wichtige Rolle. Im Februar 2026 wurde vereinbart, dass erstmals in der Geschichte ein polnischer Vier-Sterne-General die Führung des strategisch wichtigen Allied Joint Force Command Brunssum (JFC Brunssum) in den Niederlanden übernimmt. Das in Brunssum stationierte Hauptquartier ist direkt für die Verteidigung und die militärischen Operationen der NATO in Mittel- und Osteuropa (einschliesslich der NATO-Ostflanke) zuständig. Das Hauptquartier des Multinationalen Korps Nordost (HQ MNC NE) ist Teil der NATO-Streitkräftestruktur. Es ist ein dauerhaft präsentes Hauptquartier und bereit, als regional ausgerichtetes NATO-Reaktionskorps die Führung der alliierten Operationen entlang der Nordostflanke der NATO zu übernehmen.

Zusammenarbeit von Polen mit Deutschland: Im Rahmen der NATO ist auch ein gutes Verhältnis mit Deutschland wichtig. Deutschland bildet eine Drehscheibe für den Transport von westlichem Militärpersonal und -material in den Osten der Allianz. Das Land ist auch der wichtigste militärische Unterstützer der Ukraine. Solche Transporte durchqueren Polen via den logistischen Hub in Rzeszów–Jasionka.

Minister Bruchez betonte die Wichtigkeit von Artikel 4 des Nordatlantikvertrags (NATO), der die Mitglieder zur gemeinsamen Beratung bei Bedrohungslagen verpflichtet. Solche Beratungen können in gewissen Fällen auch Nicht-NATO-Staaten betreffen, insbesondere bei der militärischen Mobilität und bei den Rechten von Überflügen bei Transporten von militärischem Material.

Minister Marc Bruchez (rechts), Stv. Leiter der Schweizer Botschaft, und Reiseleiter Markus Widmer

Dritter Reisetag: Politisches Briefing durch Botschafter Fabrice Filliez, Powązki-Friedhof, Museum des Warschauer Aufstands und Chopin-Konzert

Politisches Briefing durch Botschafter Fabrice Filliez

Wie schon Geschäftsträger Prawda in Bern erklärte auch Botschafter Filliez, dass Polen im Lauf seiner Geschichte viele Traumata erdulden musste. Währen 120 Jahren hatte Polen seine Souveränität verloren und war von der Landkarte Europas verschwunden. Während des Zweiten Weltkriegs hat Polen gegen Hitler für den Westen gekämpft und war 1945 total zerstört. Danach, während der Zeit der UdSSR, lag Polen wirtschaftlich hinter der DDR, Ungarn und der Tschechoslowakei. Es bestand immer die Gefahr einer Einnahme durch Russland.

Botschafter Fabrice Filliez, Schweizer Missionschef in Warschau

Wirtschaftswunder: Polen ist ein grosses stolzes Land, zurück in Europa und zurück in der Demokratie. Polen ist sauber und sicher. Es habe sich in den letzten 30 Jahren wirtschaftlich stark entwickelt (zweitgrösstes Wachstum nach China) und beziehe nur noch 10 % seiner Gelder von der Europäischen Union.

Ukraine: Seit Beginn des Ukrainekriegs hat Polen die Ukraine unterstützt und sofort 70‘000 Menschen aufgenommen, inzwischen sind es 2 Millionen. In einigen Städten beträgt der Bevölkerungszuwachs durch Ukrainer/innen bis 10% der Bevölkerung. Diese wurden sofort in die Arbeitswelt aufgenommen und tragen über 1% BIP zum Wirtschaftswachstum bei.

Bilaterale Projekte der Schweiz mit Polen: Die Projekte werden im Rahmen der Bilateralen Verträge II mit der EU umgesetzt. Das entsprechende bilaterale Umsetzungsabkommen läuft in seiner aktuellen Tranche bis 2029. Wichtiges Merkmal der Umsetzung: Die Gelder fliessen nicht direkt in den polnischen Staatshaushalt oder an die EU. Jedes Projekt muss einzeln von der Schweiz (SECO/DEZA) genehmigt, kontrolliert und im Tandem mit den polnischen Ministerien umgesetzt werden. Die Projektvorschläge müssen von den interessierten Stellen eingereicht und überzeugend präsentiert werden.

Sicherheitspolitisches Briefing durch Reiseleiter Markus Widmer
Grundsätzliches Organisationsschema einer schweizerischen Botschaft

Schweizer Verteidigungsattachés (VA) haben ihren Arbeitsplatz an der jeweiligen Botschaft, sie sind direkt dem Missionschef / der Missionschefin unterstellt. Im VBS sind sie Teil der Internationalen Beziehungen Verteidigung im Armeestab. VA sind offizielle Vertreter des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte ihrer Entsendestaaten. Derzeit gibt es weltweit 20 Schweizer VA-Posten.

Ihre Aufgabe ist die Früherkennung von Risiken und Gefahren und die Ermöglichung einer eigenständigen Lagebeurteilung im sicherheitspolitischen und militärischen Bereich. Weiter sollen sie den Erfahrungsaustausch zwischen Streitkräften und bei der technologischen Innovation unterstützen. Der Mehrwert der VA liegt in ihren persönlichen Kontakten auf Vertrauensbasis und den besonderen Zugängen zu den Streitkräften und zum Verteidigungsministerium im jeweiligen Gastland.

Die bilaterale militärische Kooperation zwischen Polen und der Schweiz wird derzeit auf verschiedenen Gebieten vertieft (zu der traditionellen Ausbildung polnischer Militärs auf den Ausbildungssimulatoren in Thun kommen neue Bereiche wie z.B. Cyber hinzu). Die bilateralen Kontakte haben in den letzten Monaten dementsprechend zugenommen, Höhepunkt war der Besuch des C VBS, BR Martin Pfister, mit einer Parlamentarierdelegation bei seinem Amtskollegen in Warschau im März 2026. Die Beziehungen Polens zur Schweiz sind traditionell gut und haben eine lange Geschichte. Die Bedeutung des Landes an der NATO-Ostflanke wird immer grösser, auch für die Schweiz. Derzeit wird es vom VA Berlin als Seitenakkreditierung betreut.

Das Verhältnis Polens zu den USA war lange ungetrübt, man gilt in Washigton als «Modell-Alliierter» und hat dort die wichtigsten Waffensysteme beschafft (F-35, Patriot). In jüngster Zeit hat dieses Verhältnis aber wegen angekündigter amerikanischer Truppenreduktionen etwas gelitten, Unsicherheiten über die Zuverlässigkeit des wichtigsten NATO-Partners kommen auf.

Einige sicherheitspolitische Eckpunkte zu Polen:

  • NATO-Ostflanke («Ostfront»), Bedrohung Russland
  •  Zeitenwende schon viel früher als in Westeuropa
  • Fast 5% BIP für Verteidigung, massive Aufrüstung, kaufen, was erhältlich ist
  • Leader in Osteuropa
  • Ausbau Streitkräfte auf 300’000 geplant (derzeit 210’000)
  • Territorialverteidigung WOT (derzeit 40’000 Freiwillige)
  • Schlüsselpartner USA / Südkorea

Polen hatte im ersten Halbjahr 2025, vom 1. Januar bis zum 30. Juni 2025, den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Das Motto des Vorsitzes lautete „Security, Europe!“ (Sicherheit für Europa). ] Der polnische Ratsvorsitz konzentrierte sich auf die Stärkung der europäischen Sicherheit in sieben zentralen Dimensionen. An erster Stelle stand die äußere Sicherheit, die Stärkung der Verteidigungsbereitschaft.

Das EU-Verteidigungsprogramm: SAFE (Security Action for Europe)

Im Mai 2025 hat die Europäische Union das Programm SAFE (Security Action for Europe) verabschiedet.

  • Finanzvolumen: Die Europäische Kommission stellt bis zum Ende des Jahrzehnts über EU-Anleihen bis zu 150 Milliarden Euro an zinsgünstigen, langfristigen Darlehen bereit. Polen ist mit geplanten Projekten von über 43 Milliarden Euro der grösste Antragsteller unter den Mitgliedstaaten.
  • Ziel: Mitgliedstaaten sollen ihre nationalen Verteidigungsinvestitionen durch gemeinsame Beschaffungen drastisch beschleunigen. Gleichzeitig soll die europäische Rüstungsindustrie (European Defence Technological and Industrial Base EDTIB) gestärkt werden.
  • Was wird finanziert?: Die Anschaffung von Munition, Raketenabwehrsystemen, Artillerie, Drohnen sowie der Schutz kritischer Infrastrukturen und Cybersicherheit.
  • Regelungen für Drittstaaten: Die Verträge schreiben vor, dass maximal 35 % der Komponenten von ausserhalb der EU, der Ukraine oder den EFTA-Staaten kommen dürfen. Enge Partner wie das Vereinigte Königreich, Kanada oder Japan können sich über spezielle Abkommen an den Beschaffungen beteiligen.
Beziehungen Schweiz – Polen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs

Referent: Tadeusz Władysław Panecki

Die Internierung von 12’500 polnischen Soldaten in der Schweiz

Vorgeschichte: Nach dem Überfall Polens durch die deutsche Wehrmacht im Herbst 1939 suchten viele Angehörige der polnischen Armee den Anschluss an Frankreich. Der organisierte Fluchtweg führte über Ungarn und Kroatien und über die Adria per Schiff von Split nach Marseille. Sie formierten dort die 2. polnische Schützendivision unter General Bronislaw Prugar-Ketling. Sie kämpften an der Seite des französischen 45. Armeekorps.

Die Einkesselung: Im Juni 1940 wurden die alliierten Truppen im Département Doubs von der Wehrmacht komplett eingekesselt. Ihnen gingen Nahrung und Munition aus.

Das Gesuch: Am 19. Juni 1940 baten die Generäle die Schweizer Regierung offiziell um Internierung nach dem Haager Abkommen. General Guisan und der Bundesrat stimmten umgehend zu.

Der Übertritt: In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni überquerten die erschöpften Soldaten den Grenzfluss Doubs, primär beim Grenzdorf Goumois in der Nähe von Saignelégier.

Entwaffnung und Unterbringung: Direkt nach dem Grenzübertritt wurden die Polen vollständig entwaffnet. Die Schweizer Armee registrierte die Männer und teilte sie auf. Zunächst kamen viele in Massenlager wie das „Concentrationslager“ in Büren an der Aare. Später wurden sie in viele kleinere Lager in der ganzen Schweiz verteilt. Für die logistische Mammutaufgabe gründete die Schweiz das Eidgenössische Kommissariat für Internierung und Hospitalisierung (EKIH).

Das Schicksal der Polen in der Schweiz: Während die ebenfalls internierten 30’000 französischen Soldaten bereits Anfang 1941 nach Frankreich zurückkehren durften, blieb den Polen dieser Weg verwehrt, da ihre Heimat besetzt war. Sie blieben bis 1945/1946 in der Schweiz.

Arbeitseinsatz („Polenwege“): Die Soldaten leisteten Pflichtarbeit in der Landwirtschaft, im Bergbau und vor allem im Infrastrukturbau. Die von ihnen gebauten Strassen und Pässe heissen im Volksmund bis heute Polenwege. Beispiele sind der Polenrank an der Sustenstrasse, das Safiental oder der rechtsrheinische Weg zwischen Rothenbrunnen und Domat Ems.

Hochschullager: Als Besonderheit richtete die Schweiz für die Polen universitäre Lager ein (u.a. in Freiburg, Winterthur und Herisau). Über 400 Polen schlossen während ihrer Internierung ein reguläres Studium ab.

Warschauer Powązki-Friedhof

Unser Besuch führte uns auf den grossen Warschauer Powązki -Friedhof im militärischen Bereich mit vielen Soldatengräbern. Dort besuchten wir auch die Erinnerungstafeln von General Guisan und von General Bronislaw Prugar-Ketling.

Prof. Tadeusz Wladyslaw Panecki führt uns auf dem grossen Warschauer Powązki -Friedhof an die Erinnerungstafel von General Guisan und an General Bronislaw Prugar-Ketling
Besuch im Museum des Warschauer Aufstands

Das Museum wurde 2004 eröffnet und zeigt auf 3000 m2 mit Multimedia und historischen Schwarzweissfilmen auf erschütternde Weise das grausame Schicksal der Kämpferinnen und Kämpfer der „Heimatarmee*. Nach 63 Tagen Kampf gegen die deutsche Wehrmacht kapitulierte die polnische Untergrundarmee. 200‘000 Zivilisten und 15‘000 Untergrundsoldaten kamen ums Leben. Die polnische Führung hoffte auf die Unterstützung der Roten Armee. Diese wartete aber absichtlich vor den Toren Warschaus, bis der ungleiche Kampf vorbei war. Die verbliebenen 280‘000 Bewohner Warschaus wurden vertrieben.

Denkmal des kleinen Aufständischen. Die Statue erinnert an die Teilnahme von Kindern am Warschauer Aufstand.
Chopin-Konzert

Am Abend kamen wir in den Genuss eines Chopin-Konzerts mit dem Pianisten Piotr Latoszyński.

Die GMS-Konzertbesucher und der Pianist Piotr Latoszyński vor dem Pleyel Salon im Herzen der Altstadt.

Fryderyk Chopin (1810 – 1849) ist in Warschau omnipräsent. Es gibt neben einem Denkmal und einem Museum 15 Chopin-Bänke um sich dort hinzusetzen und auf Knopfdruck Chopin’s Kompositionen erklingen lassen.

Vierter Reisetag: 21. Mai 2026 – Schloss Wilanów und Łódź

Am Vormittag besuchten wir das Schloss Wilanów. Das märchenhafte Bauwerk und die traumhafte Parkanlage erinnern an Versailles. Nach einem Spaziergang im Park brachte uns der Bus nach Łódź (130 km südwestlich von Warschau).

Schloss Wilanów am südlichen Ende des Warschauer Königswegs, welches 1677-1679 von König Jan III. Sobieski für seine französische Frau Marie erbaut wurde.

Łódź ist heute die viertgrösste Stadt des Landes mit rund 650’000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Unter der Stadt fliessen viele kleine Flüsse und Bäche. Wegen der Verfügbarkeit des Wassers hat sich schon früh die Textilindustrie angesiedelt. Die Geschichte der Textilindustrie in Łódź gehört zu den faszinierendsten Kapiteln der europäischen Industrialisierung. Innerhalb weniger Jahrzehnte wuchs ein unbedeutendes Dorf zu einer der weltweit wichtigsten Textilmetropolen heran.

  • Der Aufstieg erfolgte im 19. Jahrhundert durch eine gezielte Ansiedlungspolitik des Königreichs Polen (das damals unter russischer Herrschaft stand). Die Ausfuhr von Stoffen aus Łódź ins russische Zarenreich erfolgte zollfrei.
  • Fabrikdynastien: Mächtige Industrielle wie der deutsche Karl Wilhelm Scheibler oder der jüdisch-polnische Izrael Poznański bauten gigantische Fabrikkomplexe, die wie eigene Städte in der Stadt funktionierten. Wegen der massiven sozialen Ungleichheit entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung.
  • Erster Weltkrieg: Die Stadt wurde Frontgebiet. Die Deutschen beschlagnahmten Maschinen und Rohstoffe, der russische Absatzmarkt brach dauerhaft weg.
  • Zwischenkriegszeit: Trotz schwerer Wirtschaftskrisen erholte sich die Industrie teilweise.
  • Zweiter Weltkrieg: Unter deutscher Besatzung wurde die Stadt in Litzmannstadt Die jüdische Bevölkerung (und damit ein Grossteil der Unternehmerelite) wurde im Ghetto Litzmannstadt interniert und ermordet.
  • Sozialismus (Volksrepublik Polen): Nach 1945 wurden die Fabriken verstaatlicht. Łódź blieb das unbestrittene Textilzentrum des gesamten sowjetischen Einflussbereichs.
  • Die Wende 1989: Radikaler Kollaps. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks fiel der sowjetische Markt schlagartig weg. Wegen der billigen Konkurrenz aus Asien verschwanden alle staatlichen Betriebe, was eine massive Abwanderungswelle auslöste.
  • Umnutzung der alten Backsteinarchitektur: Die «Manufaktura» ist heute ein grosses Einkaufs- und Kulturzentrum.
Die Gebäude der ersten Textilfabrik Polens von 1837 wurden neu renoviert. Heute steht hier ein gewerbliches, kulturelles und gastronomisches Zentrum.

Unser Abschlussessen fand in einem erlesenen Restaurant nahe des Hotels in Warschau statt. In seiner Laudatio an unseren Reiseleiter dankte Johannes Rudolf Gunzenhauser Oberst a D Markus Widmer für seine ausgezeichnete Reiseleitung, für die lehrreichen Referate und für das gute Programm mit einem Bezug auf die aktuelle Bedrohungslage.

Es gelte nun für die Teilnehmenden der GMS-Reise 03-2026 das Gelernte umzusetzen und für die kommenden Volksabstimmungen in der Schweiz die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Fünfter Reisetag:  Warschau und Rückflug nach Zürich

Der Vormittag stand zur freien Verfügung für individuelle Entdeckungen. Es blieb genügend Zeit für Spaziergänge im Zentrum Warschaus, zum Beispiel auf dem prächtigen „Königsweg“ (Promenade Krakowskie Przedmieście) mit vielen Geschäften, Hotels und Cafés, auf dem Plac Zamkowy (Schlossplatz) mit der Sigismund-Säule oder auf dem Piłsudski-Platz beim Grab des unbekannten Soldaten.

Nach einer erlebnisreichen Woche brachte uns der Swiss Flug vom Warschauer Flughafen zurück in die Schweiz.

Aktualisiert am 22/06/2026

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