Berühmte Schlösser, Festungen und Herrensitze des Waadtlandes
Inhalt aktualisiert am 20.06.2026
ZUM REISEBERICHT VON URS SANDFUCHS
Reiseleitung: Divisionär a D Dominique Juilland
Zwei Reisetage
Neues Angebot
Kultureller Reiseanteil: *** Wer schon mit Dominique Juilland unterwegs war, weiss, dass der Reiseleiter immer wieder kulturelle Aspekte in das Programm einbringt. Dies wird auch auf dieser Reise nicht anders sein.
Thematische Umschreibung
Der Kanton Waadt spielt in der Romandie wegen seiner Geschichte und seiner Grösse eine Sonderrolle. Die zweitägige Reise ist dem Besuch einiger der wichtigsten Stätten der Militärgeschichte des stolzen Pays de Vaud gewidmet.
Nach den Burgunderkriegen 1476/77 wird die Waadt lange «Untertanengebiet» des Kantons Bern und erlangt ihre Freiheit mit Hilfe Frankreichs erst gegen Ende des XVIII. Jh. und wird 1803 ein Kanton der Eidgenossenschaft. Der Besuch einiger militärhistorischer Leckerbissen dieses «jungen» Kantons soll einen Einblick in seine besondere Kultur geben.
Programm
Erster Reisetag: Dienstag, 2. Juni 2026
Lausanne – Morges – Bière
10:00 Uhr Treffpunkt am Bahnhof Lausanne. Fahrt mit dem Bus zum Château de Morges. Einführung ins Thema durch die Reiseleitung. Anschliessend geführter Besuch durch das Schloss und seine Museen.

Gegen Mittag Fahrt zum Waffenplatz Bière und gemeinsame Mittagsverpflegung in der Offiziersmesse. Am Nachmittag Besuch des einzigen verbleibenden Artilleriewaffenplatzes der Schweizer Armee.

Am späten Nachmittag Rückfahrt nach Morges und Zimmerbezug. Abendessen und Übernachtung*** in Morges.
Letzter Reisetag: Mittwoch, 3. Juni 2026
Morges – Pully – Gruyères – Zürich
Morgens kurze Fahrt nach Pully und ausführlicher Besuch des herrschaftlichen Wohnsitzes Verte Rive von General Guisan.

Anschliessend Fahrt nach Chillon. Nach einer militärgeografischen Beurteilung des Engnisses besuchen wir das Festungsmuseum Chillon der Festungszone Saint-Maurice.

Nach dem Mittagessen im Festungswerk Fahrt mit der Montreux-Oberland-Bahn von Montreux nach Montbovon. Die Fahrt gibt einen einmaligen militärgeografischen Einblick in das Pays-d’Enhaut mit seinen Eingängen zum Réduit. Transfer mit dem Bus nach Gruyères. Geländebeurteilungen von der Schlossterrasse aus.

Schliesslich Rückfahrt nach Zürich. 18:15 Uhr Ausstiegsmöglichkeit in Bern Neufeld. 20:15 Uhr erwartete Ankunft in Zürich.
Bestellung Reisedokumentation
Die Reisedokumentation ist erwerblich.
ZUR SAMMLUNG UNSERER REISEDOKUMENTATIONEN
Der Reisebericht von Urs Sandfuchs
Die Reise versprach ein abwechslungsreiches Programm. Der Canton de Vaud liegt für Deutschschweizer nicht gerade vor der Haustüre, ist aber ein gutes Beispiel, wie sich das Wehrwesen in der Eidgenossenschaft seit der Gründung des Bundesstaates entwickelte. Der Besuch einer aktiven Militäreinrichtung, wie dem Artilleriewaffenplatz Bière, ist nur mit der GMS möglich, ein wichtiger Grund teilzunehmen. Dass zu Waadtland und Militär auch General Guisan dazugehört ist klar. Das Fort de Chillon ist für mich zwar «nur» eine weitere Zweit Weltkrieg – Festung und seit kurzem für das Publikum geöffnet. Wenn es im Rahmen dieser Reise «mitgenommen» werden kann, erspart das einen weiten Weg. Die Fahrt mit der MOB war dann noch das «Sahnehäubchen». Viele Gründe, sich anzumelden.
Den erfahrenen Reiseleiter Dominique Juilland kannte ich schon von früheren Reisen und ich wusste, dass er es gut machen wird. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Drei (oder vier) Themenschwerpunkte
Nach einer individuellen Anreise trafen sich die 19 Reiseteilnehmer und eine Teilnehmerin am offiziellen Treffpunkt des Bahnhofs Lausanne mit dem Reiseleiter Dominique Juilland. Draussen wartete Frau Lieberherr mit dem Car der Firma Schmid Reisen. Auf der kurzen Fahrt nach Morges führte uns Dominique Juilland in die Themen der Reise ein. Er setzte drei Schwerpunkte:
1. Die Militärgeschichte des Kantons Waadt,
2. General Guisan und sein Wohnsitz Verte Rive, und
3. Die Verteidigung der Réduiteingänge im Pays de Vaud und den angrenzenden Kantonen (VS und FR).
Ich persönlich gebe dem eidgenössischen Artilleriewaffenplatz Bière und der aktuellen und zukünftigen Bedeutung der Artillerie in der Schweizer Armee ein solches Gewicht, dass ich das als eigenständigen Themenschwerpunkt betrachte und dem ein spezielles Kapitel widme.
Militärgeschichte des Kantons Waadt
Dieses Thema wird durch das Waadtländer Militärmuseum im Schloss von Morges abgedeckt. Die Zeit im Museum reichte nicht für ein eingehendes Studium aller Exponate und unser Reiseleiter betonte, wir sollten nur «gluschtig» gemacht werden, für einen späteren privaten Besuch.

Der Kanton Waadt ist exemplarisch für andere Kantone. Viele bunte Uniformen in der Sammlung stammten aus der Zeit des Ancien Régime, von Schweizer Regimentern in ausländischen Diensten (geregelt durch Soldverträge, sogenannte Kapitulationen). Diese Einheiten kosteten die Eidgenossenschaft nichts, sorgten für eine gute Beziehung zu ihren Dienstherren und konnten in einem Angriffsfall zur Verteidigung ihrer Heimat zurückgerufen werden. So funktionierte damals die Sicherheitspolitik.
Eine besondere Beachtung findet die Person des Major Davel, Offizier in der Berner Armee, der den Verrat beging, die Unabhängigkeit für seine Heimat, die Waadt, zu fordern und deswegen 1723 auf dem Schafott endete. Das Richtschwert ist im Museum ausgestellt. Seit der Gründung des Kantons Waadt 1803 wird Davel als Freiheitsheld verehrt.

Im neuen Bundesstaat behielt jeder Kanton seine eigenen Truppen, so auch die Waadt. Auf dem dafür bestens geeigneten Gelände bei Bière fanden schon bald eidgenössische Truppenlager statt, wo die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Kontingenten geübt werden konnte. Die Weiterentwicklung der Wehrtechnik überforderte die einzelnen Kantone, so dass spezialisierte Waffengattungen, wie die Artillerie, schon bald unter eidgenössische Kontrolle gestellt werden mussten. Hier beginnt nun die Geschichte des Waffenplatzes Bière, die nächste Station auf unserer Reise.
Waffenplatz Bière
Angekommen auf dem Eidgenössischen Artilleriewaffenplatz, wurden wir zunächst einmal in die, mit Fresken zur Geschichte der Artillerie geschmückten, Offiziersmesse gelotst. Hier gab es ein erstklassiges Mittagsmenu. Anschliessend empfing uns der Waffenplatzkommandant Oberstleutnant Delarageaz in einem modernen Theoriesaal. In seinem Vortrag ging es um die Geschichte des Waffenplatzes und die Zukunft der Artillerie in der Schweizer Armee.
Das älteste Gebäude ist die 1868/69 errichtete Offizierskaserne mit ihrem markanten Uhrtürmchen. Links uns rechts davon entstand in den folgenden Jahren eine ausgedehnte symmetrische Anlage, mit Mannschaftskasernen, Ställen, Remisen und Magazinen. All diese historischen Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz. 1874 wurde Bière vom kantonalen zum eidgenössischen Artilleriewaffenplatz aufgewertet, als einer von insgesamt vier. Heute ist es noch der einzig verbliebene. Da hier nur auf eine Distanz von max. 3 km geschossen werden kann, braucht es noch den Schiessplatz auf dem Simplon, mit 16 km max. Schussweite. In Zukunft wird das nicht genügen. Mit den bestellten Geschützen, mit bis zu 50 km Reichweite, müssen wir wohl im Ausland üben. Ohne Kooperation mit befreundeten Staaten wird es nicht mehr gehen und es stellt sich die Frage, was können wir im Gegenzug bieten.

Von ehemals 400 Panzerhaubitzen 155 mm M-109, sind heute noch 72 einsatzfähig (4 Abteilungen). Sie haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und die Reichweite von gut 20 km (je nach Munition) ist im internationalen Vergleich völlig ungenügend. Weitere Artillerie gibt es in der Schweizer Armee keine mehr. Als Ersatz wurden 32 Haubitzen RCH 155 (Remote Controlled Howitzer 155 mm) von KNDS auf Mowag Piranha Fahrgestell bestellt (dazu kommen noch 36 mobile 12 cm Mörser). Die Stückzahlen wirken bescheiden, doch sind die neuen Systeme viel leistungsfähiger als die alten. Momentan ist die grösste Bedrohung auch nicht am Boden, sondern aus der Luft und da haben wir NICHTS! (Fazit: 1% des BIP für die Verteidigung sind ein Muss, was immer noch wenig, im Vergleich zur NATO ist.)
Was jetzt kam, hatte ich so nicht erwartet. Die Besichtigung der Schiessausbildungsanlage für Panzerhaubitzen SAPH. Schon seit 2004 in Betrieb und immer noch hochmodern. Eine Entwicklung der RUAG; heute gehört deren Simulatorsparte dem französischen Rüstungskonzern THALES. In einer Halle stehen sechs Panzerhaubitztürme und das Innere eines Feuerleit-Schützenpanzers M-113. Die Übungsleitung steuert und überwacht alles von ihren Konsolen aus. Die abgefeuerten Geschosse und Ladungen fallen auf ein Förderband und gelangen wieder nach hinten. Rohrrücklauf und Bewegungen das Panzers werden ausgeführt, wie echt. Mit der Einführung des Simulators konnte die Anzahl der scharf abgefeuerten Schüsse von 15000 auf 1500 pro Jahr reduziert werden. Bei einem Geschosspreis von über 1000 CHF, eine erhebliche Kostenreduktion, bei besserer Übungseffizienz und deutlicher Verminderung der Lärmemissionen.

Während ein Gewitterregen niederprasselte, nahmen wir Abschied von Oberstleutnant Delarageaz und vom Waffenplatz Bière und der Car brachte uns zum Hotel in Morges.
General Henri Guisan und Verte Rive

Nach dem Frühstück im Hotel führte uns der Car dem See entlang nach Pully, direkt vor den herrschaftlichen Wohnsitz «Verte Rive» von General Henri Guisan. Sein Werdegang, vom Milizoffizier zum General (Oberbefehlshaber der Armee 1939 – 45) ist in der Reisedokumentation ausführlich beschrieben und wurde auf dem Besuch nur kurz gestreift. Im Zivilleben war Guisan Landwirt, liess seinen Hof aber von seinem Meisterknecht führen und lebte seit 1903 in der, von seinem Schwiegervater geerbten, Villa «Verte Rive» am Ufer des Lac Léman. Er blieb Zeit seines Lebens bodenständig und pflegte mit seinen Untergebenen und der Bevölkerung einen Umgang auf Augenhöhe. Im Waadtland gilt er als eine der bedeutendsten Personen, die der Kanton hervorgebracht hat.
Seit 1971 ist das Anwesen im Besitz der Eidgenossenschaft und seit 1996 sind Teile öffentlich zugänglich. Im diskret unterirdisch angelegten Besucherzentrum empfing uns Colonel Roduit mit Kaffee und Croissants. Nach der bewegenden Filmwochenschau zur Trauerfeier am 12. April 1960, an der ca. 300’000 Personen dem General die letzte Ehre erwiesen, und dem obligaten Gruppenfoto auf der Freitreppe vor der Villa, führte uns der Colonel durch die Salons im Parterre, mit vielen Erinnerungsstücken.

Von General Guisan können wir direkt die Brücke schlagen zum Réduit National. Schon früher angedacht, ist die konsequente Umsetzung dieses Konzepts, in der Stunde der hoffnungslosen Einkreisung der Schweiz durch die Achsenmächte (1940), seine hervorragende Leistung. Er weckte die Zuversicht, dass die nachhaltige Verteidigung eines Restterritoriums möglich ist und so die Schweiz als selbstbestimmte Nation den drohenden Konflikt überleben würde. Diese Gewissheit stärkte den Wehrwillen in der Bevölkerung enorm. Die Verehrung des Generals zeigte sich, dass in vielen Stuben sein Bild hing, und nie das eines Bundespräsidenten.
Verteidigung der Reduitzugänge im Kanton VD
Von der Verte Rive brachte uns der Car zum weltberühmten Schloss Chillon. Dieses war aber nicht unser Ziel, doch direkt gegenüber, am gleichen Besucherparkplatz, befindet sich der Eingang zur, bis vor wenigen Jahren geheimen, Festung Chillon. Erbaut 1941 – 42, zur Sperrung des Réduitzuganges über die Uferstrasse, bzw. Bahnlinie, sowie zur artilleristischen Unterstützung der gegenüber liegenden Sperrstelle Le Fenalet (bei Bouveret VS). 2001 aus der Geheimhaltung entlassen, ist es seit 2020 ein Museum. Von einer solchen touristischen Vorzugslage können andere Festungsmuseen nur träumen.

So ist es nicht erstaunlich, dass viel in audiovisuelle Mittel, Licht- und Toneffekte, usw., investiert wurde, um die Anlage fit für den internationalen Massentourismus zu machen. Da unser Reiseleiter zu Recht davon ausging, dass die grosse Mehrheit der Teilnehmer schon ähnliche Schweizer Festungen gesehen hatte, liess er uns individuell zirkulieren. Man traf sich dann erst wieder in der Festungscafeteria zu Rösti und Wurst- Käsesalat aus der Gamelle.

Nun folgte zur Auflockerung eine touristische Einlage. Im Erstklasswagen des Panoramic Express der Montreux – Oberland Bahn (MOB) führte uns die aussichtsreiche Fahrt in weiten Kehren den Hang hinauf und durch den Scheiteltunnel unter dem Col de Jaman in eine völlig andere, voralpine Landschaft. In Montbovon wartete Frau Lieberherr mit dem Car auf uns. Die Fahrt ging zum berühmten Städtchen Gruyères. Es liegt genau auf der äussersten Sperre des Réduitzugangs ins Pays-d’Enhaut, mit Panzergraben und Toblerone-Höckern. Von der Schlossterrasse aus, erklärte uns Dominique Juilland die Lage. Ein Gegner, der nicht im Besitz der wenigen Zugangsachsen war, konnte nur mit Infanterie und Maultieren durch unwegsames Gelände infiltrieren, was mit den vorhandenen Mitteln leicht abgewehrt werden konnte. Vor uns, im offenen, flachen Gelände, breitete sich die, in den letzten Jahren enorm gewachsene, Stadt Bulle aus.

Nun hiess es von ersten, in der Westschweiz wohnhaften, Teilnehmern Abschied zu nehmen. Frau Lieberherr brachte uns dann, mit Zwischenhalt in Bern, sicher und wohlbehalten nach Zürich zurück.
Wertung
Dominique Juilland hat uns eine, wie von ihm gewohnt, hervorragende Reise geboten. Die umfangreiche Dokumentation enthielt alle wichtigen Informationen (und mehr). Der Reiseleiter konnte annehmen, dass wir sie gelesen haben und hat unterwegs auf langatmige Wiederholungen verzichtet. An allen Destinationen war genug Zeit eingeplant, so dass wir nie unter Druck gerieten. Dank guten Beziehungen waren Besichtigungen möglich, so auf dem Waffenplatz Bière, die man als Privatperson nicht hätte machen können. Die Fahrt mit der MOB war eine willkommene Auflockerung. Alles in allem eine weitere Reise für die es sich lohnt Mitglied der GMS zu sein.
Aktualisiert am 20/06/2026




