Der wenig bekannte Ostwall – von der Oder bis zur Kapitulation
Inhalt aktualisiert am 12.09.2026
Reiseleitung: Oberst a D Kurt Steinegger
Fünf Reisetage
Neues Reiseangebot
Kultureller Reiseanteil: *
Ein Muss für alle, welche die einmalige Gelegenheit nutzen wollen, sich bleibende Eindrücke über die Endkämpfe an der Ostfront zu verschaffen.
Thematische Umschreibung
Diese GMS-Reise führt uns in Polen zu noch bestehenden Bauten und Überresten des ab 1934 erstellten, über hundert Kilometer langen Ostwalls, die nur mit kundiger Führung und Erläuterung zu besichtigen sind. Sie bietet zudem eine wohl einmalige Gelegenheit, operative und taktische Aspekte der Endkämpfe 1945 im Gelände zu erkunden. Wir «erleben» das Geschehen vom Ostwall – 1945 fast nur noch mit Mannschaften des Volkssturms besetzt – bis zu den blutigen Kämpfen an den Seelower Höhen und zur Kapitulation in Berlin.
Mit einer mächtigen Angriffsoperation stiess die 1. Weissrussische Front im Herbst 1944 innerhalb von wenigen Wochen bis zu 500 Kilometer vor und erreichte damit das Gebiet des Oder Warte Bogens. Was sich so leicht anhört, war jedoch das Ergebnis erbitterter Kämpfe. Deutschland versuchte, trotz des Verlustes der strategischen Initiative und des Personal- und Materialmangels, mittels Improvisation und Mobilisierung der letzten Reserven den Widerstand zu organisieren. Die Schlacht um das Reichsgebiet verlief in einer Atmosphäre, die sich grundlegend von den Schlachten ausserhalb Deutschlands unterschied. Alte Männer und Hitlerjugend verteidigten sich mit fanatischer Hartnäckigkeit, da sie glaubten, es ginge um die Existenz des Vaterlandes.
Mit einer ungeheuren Konzentration von Menschen und Material wurden die letzten Schlachten des Zweiten Weltkrieges auf europäischem Boden geführt. Die Wehrmacht leistete der Roten Armee vor allem im brandenburgischen Raum bis ins Zentrum der in Trümmern liegenden Reichshauptstadt hartnäckigsten Widerstand. Die Schlachten um die Tirschtiegelstellung, den Ostwall, die Seelower Höhen und um die Reichshauptstadt Berlin wurden zum blutigen Kulminationspunkt. Keine andere Landschaft in Deutschland wurde derartig durch den Krieg umgepflügt, so dass noch heute Spuren im Gelände zu finden sind. Auf beiden Seiten starben in den letzten «fünf Minuten vor zwölf» tausende Soldaten einen sinnlosen Tod. Der von Stalin forcierte Wettlauf mit den Westalliierten nach Berlin wurde noch beschleunigt durch den Wettlauf der ehrgeizigen, miteinander konkurrierenden Generäle Schukow und Konew um den Siegesruhm.
Unmittelbar bevor die russischen Truppen das Regierungsviertel in Berlin stürmten, beging Hitler im Führerbunker unter der Reichskanzlei Selbstmord. Viele der letzten bei ihm verbliebenen Naziführer versuchten danach, durch Flucht aus der umklammerten Reichshauptstadt zu entkommen, um nicht in sowjetische Kriegsgefangenschaft zu geraten. Die Verteidiger von Berlin kapitulierten am 2. Mai 1945 bedingungslos gegenüber der sowjetischen Führung. Die übrigen Teile der Wehrmacht kapitulierten in der Pionierkaserne in Berlin Karlshorst in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945. Damit endete das 1000-jährige Reich bereits nach 13 Jahren in Schutt und Asche.
Vorgesehenes Programm
Erster Reisetag: Montag, 8. Juni 2026
Zürich – Berlin – Świebodzin
12:40 Uhr Abflug ab Zürich nach Berlin. Nach der Landung Fahrt mit dem Bus über die polnische Grenze nach Świebodzin. Zimmerbezug für zwei Nächte. Nach einer Einführung im Theorieraum in die Thematik «Ostwall», Fahrt nach Olobok. Besichtigung des Wasserschlosses K602, der Kipp-Rollbrücke und der Panzerwerke 656 und 657. Rückfahrt zum Hotel. Gemeinsames Abendessen im Hotel. Übernachtung*** in Świebodzin.

Zweiter Reisetag: Dienstag, 9. Juni 2026
Unterwegs entlang dem Ostwall
Morgens Fahrt zum Ostwallmuseum in Lagow. Besichtigung der Panzerwerke 717 und 716, des unterirdischen Bahnhofs «Heinrich» sowie des Panzerwerks 657, welche durch tief unter der Erde liegende, massiv ausbetonierte Gänge, miteinander verbunden sind. Rückfahrt zum Museum in einem BTR Schützenpanzerwagen mit anschliessenden Informationen über die Kämpfe um den Ostwall. Nach dem Mittagessen und Museumsbesuch Weiterfahrt mit einem BTR Schützenpanzerwagen zur Besichtigung der Panzerwerke 724 und 745 sowie der Umladestation A64, bei welcher das Material auf die unterirdische Stollenbahn umgeladen wurde. Apéro und Abendessen im Hotel. Übernachtung*** in Świebodzin.

Dritter Reisetag: Mittwoch, 10. Juni 2026
Świebodzin – Seelow
Fahrt zur Werkgruppe Schill mit den Panzerwerken 754 und 757. Nach deren Besichtigung Weiterfahrt zur Drehbrücke D812 bei Stary Dworek. Anschliessend Mittagessen in einem Restaurant in Skwierzyna. Am Nachmittag Fahrt mit dem Bus westwärts nach Seelow. Zimmerbezug für zwei Nächte, anschliessend Vortrag im Theorieraum zum Thema «Von der Oder bis Berlin». Abendessen im Hotel. Übernachtung*** in Seelow.

Vierter Reisetag: Donnerstag, 11. Juni 2026
Seelow, die Oder und Küstrin
Fahrt zur Gedenkstätte Seelower Höhen. Besuch der Ausstellung mit Film und Führung im Aussenbereich. Anschliessend Fahrt ins Gelände mit Geländebesprechungen zum Kampfverfahren der deutschen 9. Armee sowie zur Bildung der Brückenköpfe an der Oder durch die sowjetischen Armeen. Mittagessen in Gorgast.

Fahrt zur Festung Küstrin mit Ausführungen zum Ende der deutschen Garnisonsstadt. Danach Besuch des Ortsstützpunktes Klessin mit Erläuterungen zum Kampf um den zweiten Verteidigungsstreifen und dem Beginn der Berliner Operationen.

Rückfahrt zum Hotel in Seelow. Abendessen im Hotel. Übernachtung*** in Seelow.
Letzter Reisetag: Freitag, 12. Juni 2026
Seelow – Karlshorst – Zürich
Fahrt ins Kapitulationsmuseum in Berlin Karlshorst. Thematische Führung «Bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945». Erklärungen zur sowjetischen Militäradministration sowie zum Sitz der sowjetischen Geheimdienste bis 1989 in Karlshorst.

Danach Fahrt zum Flughafen Berlin-Brandenburg und Rückflug nach Zürich-Flughafen.
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Der Reisebericht von Andreas Meyenberg
Die Geschichte des Oder-Warthe-Bogens
Die Festungsfront Oder-Warthe-Bogen, volkssprachlich auch Ostwall genannt (in Anlehnung an Westwall und Atlantikwall) ist eine wenig bekannte Befestigungslinie, die Berlin gegen Osten schützen sollte. Im ersten Teil unserer Reise war dieser Ostwall unser Thema.
Diese Reise war die Ergänzung zu den bereits von der GMS unter Leitung von Kurt Steinegger in den letzten Jahren durchgeführten Themenreisen zur Schlacht um Berlin, die Seelower Höhen und den Kessel von Halbe am Ende des Zweiten Weltkriegs sowie zu den Hauptquartieren des Führers und des Heeres, Wolfsschanze und Mauerwald in Ostpreussen.

Gebaut wurde die Verteidigungslinie, die aus Sperranlagen (Panzerhindernissen), Anstauanlagen für die Überflutung des Geländes, Kipproll- und Drehbrücken und «Panzerwerken» zur Ergänzung der natürlichen Geländehindernisse bestand, in den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts gegen den Feind aus Osten, trotz Nicht-Angriffspakt mit Polen von 1934. Die ganze Verteidigungslinie war auf einer Länge von rund 100 Kilometern mit einer Tiefe von zwei bis drei Kilometern geplant, wurde aber nicht vollständig ausgeführt. Am stärksten ausgebaut war der Mittelabschnitt, den wir auf unserer Reise erkundet haben.

Als «Panzerwerke» wurden nach deutscher Sprachregelung im Ostwall unterirdisch angelegte Bunkeranlagen mit oder ohne Panzertürme zur Abwehr von Panzern und Infanterie bezeichnet, wie man sie in ähnlicher Bauweise zum Beispiel in der Maginot-Linie findet. Die Panzerwerke waren unterirdisch in ca. 30 Metern Tiefe über einen 30 km langen betonierten Hauptgang mit Verbindungsstollen miteinander verbunden. Die Panzerwerke verfügten über Panzerkuppeln aus Stahl mit Maschinengewehren,
5 cm Maschinengranatwerfern M 19, Beobachtungsscharten und Flammenwerfern sowie Scharten und Unterstände für 10 cm Kanonen und Panzerabwehrgeschütze.

Im Untergrund der Werke befanden sich die Führungsräume, Munitions- und Warenlager und die Räume für die Besatzung und die Infrastruktur. Der Hauptzugang der Panzerwerke erfolgte grundsätzlich über das Stollensystem, einige Werke hatten nur einen oberirdischen Notausgang.
Im 30 Kilometer langen Hauptstollen verkehrte eine Stollenbahn.
An mehreren Stellen bestanden waagrechte Eingangsbauwerke, zum Umladen von Waren und Munition von Lastkraftwagen auf die Stollenbahn.

Der Angriff auf Polen 1939 veränderte die Lage insofern, dass diese Abwehrlinie keine Priorität mehr genoss. Als Folge wurden Teile der Befestigungen wie Waffen, Stromaggregate und andere Einrichtungen der teils unvollendeten Werke wieder abgebaut um am Atlantikwall eingesetzt zu werden.
In Teilen der Befestigungsanlagen wurden in den Jahren 1941 bis 1943 unterirdische geschützte Werkstätten, insbesondere für die Rüstungsindustrie eingerichtet.

Im Jahr 1944, als der Vormarsch der deutschen Truppen zum Stehen kam und die Rote Armee die Initiative übernahm, änderte die Ausgangslage und der Ostwall stand wieder als Verteidigungslinie im Vordergrund. Östlich vorgelagert wurde in dieser Zeit als zusätzliche Sperre die sogenannte «Tirschtiegelstellung» erbaut. Der Ostwall wurde nun mit Priorität ergänzt, insbesondere im Bereich der Panzerhindernisse durch zusätzliche Panzergräben und verstärkte Hindernisse, fertig gestellt und wiederbewaffnet, was angesichts von Material- und Fachkräftemangel in der damaligen Zeit nur mit grossen Schwierigkeiten einigermassen gelang.

Im Januar 1945 begann dann der Angriff der ersten Belo-Russischen Front auf die letzten Abwehrstellungen vor Berlin.
Die Deutschen Verteidiger mit ihrem letzten Aufgebot waren mit den Befestigungseinrichtungen und dem Umfeld wenig vertraut und konnten der russischen Übermacht nur wenig entgegensetzen, sodass die Verteidigungslinie innert 4 Tagen überwunden wurde.
So standen die russischen Truppen bereits Anfang Februar an der Oder.
Reisebericht
Zusammenfassung
Der erste Teil unserer Reise zeigte uns Einblicke in den Mittelabschnitt des Ostwalls mit seinen Sperranlagen und Panzerwerken.
Der zweite Teil befasste sich dann mit dem Vormarsch der russischen Armeen gegen Berlin, mit der Übersetzung der Truppen über die Oder, den Brückenkopfbildungen und dem Kampf im Oderbruch und um die Seelower Höhen.
Im dritten Teil besuchten wir die ehemalige Pionierkaserne in Berlin Karlshorst wo am 9. Mai 1945 eine Vertretung der Deutschen Generalität unter Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht unterzeichnet hat.
Reiseverlauf
Als Pilotprojekt wurde diese Reise bis zum Ausgangspunkt Berlin mit zwei Gruppen durchgeführt.
Die Gruppe «Bus» startete am Sonntag, 7. Juni ab Zürich mit dem Bus des Reisebüros Schmid mit dessen Chef Martin Budinsky am Steuer und dem Reiseleiter Kurt Steinegger. Auf deutschen Autobahnen führte die Fahrt am ersten Tag nach Leipzig. Unterwegs unterhielt der Reiseleiter die Teilnehmer mit Kurzreferaten über Themen wie «Kriegsverbrecher und ihre Flucht bei Kriegsende», Kriegsgefangenschaft im Zeiten Weltkrieg», «der Leichnam Hitlers» und weitere, zum Thema der Reise passende Beiträge. Nach dem Nachtessen im – Literaturkennern nicht unbekannten Lokal «Auerbachs Keller» – bezog die Gruppe ihr Hotel. Am Montag ging es dann weiter nach Berlin zum Treffen mit dem Rest der Reisegruppe.
Die Gruppe «Flug» traf sich am Montag, 8. Juni am Gate im Flughafen Zürich, flog mit Swiss nach Berlin und traf sich mit der Gruppe «Bus» am – wegen der langen Zugangswege vom Busbahnhof zum Terminal nicht besonders kundenfreundlichen – Flughafen Berlin-Brandenburg, wo ich dem Reiseleiter Kurt Steinegger den Rest der Reisegruppe vollständig melden konnte.
Gemeinsam fuhren wir im komfortablen Bus direkt nach Osten über die polnische Grenze nach Swiebozin, wo wir für zwei Nächte Quartier bezogen. Unterwegs bereitete uns der Reiseleiter bereits thematisch auf die nächsten Tage vor.
Nach einer Einführung des Reiseleiters ins Thema Ostwall und Vorstellung von unseren zwei lokalen Führern, profunden Kennern des Ostwalls, den Herren Peter Buchheim und André Vogel starteten wir sogleich zur ersten Besichtigung von Sperranlagen.
Nach Aussenbesichtigung von zwei kleineren, teilweise erhaltenen Panzerwerken zeigten uns unsere lokalen Führer ein sogenanntes Wasserschloss (Anstauanlage zur Überflutungsregelung) sowie eine raffinierte Kipp-Roll-Brücke zur temporären Unterbrechung der Strasse bei plötzlichem Feindaufkommen.
Zum späten Nachtessen kehrten wir in unser Hotel zurück.

Am Dienstag starteten wir im Ostwallmuseum in Lagow. Nach der Aussenbesichtigung der sichtbaren Strukturen stiegen wir mit Stirn- und Taschenlampen bewaffnet bei dem nächstgelegenen Panzerwerk Nr. 717 durch den Notausgang ein und besichtigten den von aussen unsichtbaren Teil des mehrstöckigen Werks. Dann ging es auf ausgetretenen und teilweise beschädigten Treppen 30 m senkrecht in die Tiefe zum Verbindungsstollen.

Der Weg zum Hauptstollen erwies sich dann als ausgedehnte Wanderung von rund einem Kilometer in Einerkolonne im Untergrund, bis wir im Hauptverbindungsstollen mit der rekonstruierten Stollenbahn zum Bahnhof «Heinrich» transportiert wurden.

Hier konnten wir Überreste aus der Zeit besichtigen, wo hier Betriebe für die Rüstungsindustrie 30 Meter tief unter Boden geschützt gegen Bombenangriffe tätig waren. Auf dem Rückweg zu Fuss zweigten wir unterwegs in einen Seitenstollen ab, um das Stollensystem dann beim benachbarten Panzerwerk (Nr. 716) über den Notausgang zu verlassen. Im offenen Schützenpanzer BTR 152, einem russischen Modell aus dem Kalten Krieg, ging es zurück ins Ostwallmuseum.

Das Mittagessen konnte bei Starkregen teilgeschützt in einem regendurchlässigen Unterstand «genossen» werden.
Nach Verpflegung und Besichtigung des Museums klarte glücklicherweise das Wetter auf, sodass wir die nun folgenden Verschiebungen in offenen Schützenpanzern richtig «geniessen» konnten. Verschiedene Typen von Panzerwerken, unterschiedlich gut erhalten, die wir teils nur von aussen, teils auch im Inneren erkunden konnten, waren unsere Ziele. Nur dank unseren beiden kompetenten Führern waren die teils im dichten Wald abseits von befestigten Strassen gelegenen Anlagen überhaupt zu finden.

Schliesslich besuchten wir noch eine der Umladestationen, einen der Hauptzugänge zum unterirdischen Stollensystem, wo das Material durch einen waagrechten Eingang von Lastkraftwagen auf die Stollenbahn umgeladen werden konnte.

Am Mittwoch nach dem Frühstück mussten wir unser Hotel in Polen bereits wieder verlassen und uns Richtung Berlin verschieben. Auf dem Weg mit unserem Car erkundeten wir zuerst weitere Typen von Panzerwerken.
Diese waren teils durch die Russen nach der Eroberung gesprengt worden. Bedingt durch die wesentlich geringeren Wanddicken der Werke waren die Schäden durch die Sprengungen hier verglichen mit denjenigen an den Bunkern in der Wolfsschanze wesentlich grösser (GMS-Reisen 2021 und 2024).

Einer der technischen Höhepunkte der Reise war sicher die Demonstration einer noch funktionierenden Drehbrücke. Diese konnte durch zwei Reiseteilnehmer unter Anleitung durch den Brückenmeister problemlos mit Muskelkraft um 90 Grad gedreht werden.

Wieder zurück in Deutschland bezogen wir Quartier im Waldhotel in Vierlinden bei Seelow, einem einfachen Dreisternehotel in einer abgelegenen ehemaligen Kaserne des DDR- Militärs.
Der Donnerstag war dann dem Kampf der deutschen Verteidiger gegen die Übermacht der russischen Truppen an der Oder, im Oderbruch und im Vorfeld der Seelower Höhen gewidmet.

Nach dem Besuch der Ausstellung in der Gedenkstätte Seelower Höhen mit einer Führung durch den ehemaligen Leiter der Gedenkstätte, Herr Gerd-Ulrich Herrmann, den einige von uns bereits von einer früheren GMS-Reise her kannten, besuchten wir im Oderbruch wichtige Geländeabschnitte zwischen Oder und Seelower Höhen und liessen uns von ihm den Kampfverlauf schildern. Insbesondere besuchten wir Schlüsselgelände wie die Oder bei Küstrin und den Ortsstützpunkt Klessin, wo den Besuchern auf übersichtlichen Tafeln im Gelände die Geschehnisse im Frühjahr 1945 veranschaulicht werden.

Gerd-Ulrich Herrman ist wohl der ausgewiesenste Kenner der Geschehnisse in diesem Abschnitt, er hat selbst mehrere Bücher über den Kampf um Berlin publiziert. Er war Oberst in der NVA und diente nach der Wende als Oberstleutnant in der Bundeswehr. Eindrücklich und im Gelände nachvollziehbar waren auch seine Schilderungen über die Stärkeverhältnisse zwischen dem letzten Aufgebot der deutschen Verteidiger und der etwa zehnfachen Übermacht der russischen Armeen der Ersten Belorussischen Front. Diese Übermacht zeigte sich neben der Anzahl Soldaten vor allem im Bereich der Artillerie, der Panzer und der Flugzeuge. So verfügten die russischen Truppen über eine Gefechtsstärke von ca. 900 000 Mann, gegenüber rund 90 000 Mann beim deutschen Verteidiger. Bei Panzern und Artillerie betrug das Kräfteverhältnis gut 5:1 zugunsten der Ersten Belo-Russischen Front. Pro Kilometer Front verfügten die russischen Truppen in diesem Abschnitt über 280 Artillerierohre und 60 Panzer. Sie verfügten über 3500 Flugzeuge gegenüber etwa 300 auf deutscher Seite.

In Kenntnis der geographischen Verhältnisse, der Stärkeverhältnisse und des Kampfverlaufs war es gut nachvollziehbar, dass die russischen Truppen trotz erbittertem Widerstand der Verteidiger bereits zwei Wochen später vor der Reichskanzlei in Berlin standen.
Am Freitag führte uns unser Chauffeur zurück nach Berlin.

Als thematischen Abschluss der Reise besuchten wir das Informationszentrum in der ehemaligen Pionierkaserne in Berlin-Karlshorst. Wegen der angespannten Lage zwischen Deutschland und Russland ist die Zukunft dieser von beiden Ländern gemeinsam getragenen Institution zurzeit ungewiss.
Dieser Teil Berlins war am Ende des Krieges am wenigsten zerstört, weshalb die russischen «Befreier», später auch »Besatzer» genannt, hier ihr Hauptquartier für die nächsten Jahre einrichteten.

Wir konnten die Ausstellung und den Saal besuchen, in welchem die Vertreter der Deutschen Wehrmacht mit Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff und Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg am 9. Mai 1945 gegenüber den Alliierten die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen unterzeichneten. Bei einem Rundgang im Quartier sahen wir auch ehemalige Militärbauten, die heute als Wohnraum genutzt werden und einen Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.
Auf dem Weg zum Flughafen dankte Reiseteilnehmer Roland Kuster namens der Reisegruppe dem Reiseleiter Kurt Steinegger mit sympathischen Worten und lobte ihn für das Konzept und seinen Einsatz bei dieser eindrücklichen Reise.
Dann war der thematische Teil der Reise für die Gruppe «Flug» am Flughafen Berlin-Brandenburg bereits zu Ende. Wir flogen ohne wesentliche Verspätung zurück nach Zürich.
Die Gruppe «Bus» machte sich im Car auf den Weg nach Zürich mit einem Zwischenhalt mit Übernachtung im geschichtsträchtigen Nürnberg. Der Reiseleiter liess es sich nicht nehmen, mit dem kleinen Teil der Reisegruppe noch architektonische Denkmäler aus der Zeit des Nationalsozialismus auf dem dortigen Reichsparteitaggelände zu besichtigen.
Am Abend des Samstags traf auch dieser Teil der Reisegruppe wohlbehalten in Zürich ein.
Dank
Der Dank des Chronisten geht vor allem an unseren Reiseleiter Kurt Steinegger für diese eindrückliche Reise in ein wenig bekanntes Gebiet und an unseren Reisebüro-Chef und Chauffeur Martin Budinsky. Dann aber auch an Gerd-Ulrich Herrmann, der mir noch zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt hat und an die beiden sehr kompetenten ortskundigen Führer am Ostwall Peter Buchheim und André Vogel sowie an den Hof- und Hausfotografen der GMS, Stefan Gubler für die Gruppenfotos.




