Römisches Militärlager und Herrschermord
Inhalt aktualisiert am 31.07.2026
Reiseleitung: Barbara und Jürg Stüssi-Lauterburg
ein Exkursionstag
Erweiterte Wiederholungsreise (2016)
Kultureller Reiseanteil: ***
Ein Muss für alle, die sich mit der römischen Geschichte unseres Landes befassen wollen, gut zu Fuss sind und mit Königsfelden mehr als lediglich eine medizinische Einrichtung verbinden.
Thematische Umschreibung
Der Feldherr Tiberius erkannte 15 v. Chr. auf seinem Feldzug vom Plateau de Langres zum Bodensee die perfekte Lage von Vindonissa am Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat. Drei Jahrzehnte später liess er hier das Legionslager errichten, den Angelpunkt der römischen Rhein- und Donauverteidigung während des 1. Jahrhunderts n. Chr.
Toranlagen, die hervorragend erhaltene Küche eines Offiziershauses, die noch immer funktionierende Wasserleitung, das Amphitheater sind Highlights auf dem Rundgang im Gelände, während eine originalgetreu rekonstruierte Kaserne das Leben der Legionäre erlebbar macht.
Im Vindonissa Museum vermitteln einzigartige Objekte aus über einem Jahrhundert Bodenforschung einen Eindruck des römischen Militärs – der drei nacheinander hier stationierten Legionen 13. Gemina, 21. Rapax und 11. Claudia Pia Fidelis -, aber auch der zivilen Bevölkerung der Region. Der bedeutende Bestand an amtlichen und privaten Schriftzeugnissen (originale Briefe inkl. Liebes- und Bankkorrespondenz, Eigentumsvermerke, Inschriften) illustriert die Dimensionen der römischen Kultur.
Jahrhunderte später, am 1. Mai 1308, fiel das Oberhaupt des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches, der habsburgische König Albrecht, auf dem Plateau von Vindonissa einem Mordanschlag zum Opfer. Zu seinem Gedächtnis wurde an der Stelle der Tat das Kloster Königsfelden gestiftet. Die Glasmalereien im Chor der Kirche aus dem 14. Jahrhundert erstrahlen frisch renoviert in neuem Glanz. Thematisch verweben sie christliche Heilsgeschichte, franziskanische und habsburgische Geschichte. Mit Leopold I. (Morgarten) und Leopold III. (Sempach) begegnen uns in Königsfelden weitere für die Schweizer Geschichte bedeutende Akteure.
Vorgesehenes Programm
Freitag, 17. Juli 2026
Individuelle Anreise nach Brugg. 08:40 Uhr Treffpunkt am Bahnhof Brugg. Anschliessen erkunden wir die Zeugen vergangener Jahrhunderte zu Fuss. Erster Wegpunkt ist das spätrömische Kastell Altenburg. Anschliessend Rundgang durch das Vindonissamuseum und durch das Gelände. Highlights: Toranlagen, die hervorragend erhaltene Küche eines Offiziershauses, die noch immer funktionierende Wasserleitung und das Amphitheater.
Mittagessen im Begegnungszentrum der PDAG (Psychiatrische Dienste des Kantons Aar-gau) mitten im Gelände des ehemaligen Legionslagers.
Am Nachmittag Besuch der Klosterkirche Königsfelden aus dem 14. Jh. Die Glasmalereien im Chor der Kirche erstrahlen frisch renoviert in neuem Glanz. Nebenbei begegnen uns mit Leopold I. (Morgarten) und Leopold III. (Sempach) weitere für die Schweizer Geschichte bedeutende Akteure. Abschluss 17.15 Uhr. Individuelle Heimreise.
Ausrüstung
Bequeme Reisebekleidung, marschtaugliches Schuhwerk. Witterungsschutz.
Fitness
GMS Kategorie M: Das Gelände ist grösstenteils flach, doch sind unvermeidliche Distanzen zügig zurückzulegen: Vormittag ca. 4 km, Nachmittag ca. 2,5 km.
Der Exkursionsbericht von Andreas Würgler
Barbara und Jürg Stüssi-Lauterburg spannten an diesem äusserst interessanten Tag im Raume Brugg den Bogen vom römischen Heerlager über die Habsburger und den Mord an König Albrecht I., 1308, zur darauf entstandenen Gedenkstätte Königsfelden und schliesslich zur Zeit der Berner im Aargau und zum Umbruch durch die Revolutionszeit.
Altenburg
Nach der Begrüssung am Bahnhof Brugg begab sich die Gruppe in raschem Schritt zur Altenburg, der heutigen Jugendherberge Brugg.
Die ältesten Mauerteile gehen auf ein römisches Kastell zurück, welches einen wichtigen Aare-Übergang zu schützen hatte. Zudem war das Kastell Teil des unter Kaiser Valentian I. errichteten Limes entlang Donau, Iller und Rhein.
Im späten 10. Jh. war die auf den Überresten des Kastells errichtete Burg Sitz der Frühhabsburger, bevor im 11. Jh. Die eigentliche Habsburg erbaut wurde.
Der gute Erhaltungszustand der Mauern zeigt, dass sie die ganze Zeit seit den Römern durch ein Dach geschützt waren.
Anschliessend begaben wir uns in die Kaffeepause in der Nähe des Vindonissa-Museums.
Vindonissa-Museum
Im Museum versammelten wir uns um die grosse Maquette und liessen uns die einzelnen Bereiche erklären.
Die 13. Legion (Gemina) war zu Beginn des ersten Jahrhunderts vor Ort und baute das Lager zunächst in Holz und Lehm.
Die 21. Legion (Rapax) war für den Standort am bedeutendsten und baute das Lager schrittweise in Stein. (ca. 45 bis 69 n. Chr.)
Die 11. Legion (Claudia) sicherte den Standort von ca. 70 bis 101 n. Chr., bevor der Standort aufgegeben wurde.
Links die Reuss und rechts die Aare. Auf dem schmalen Sporn lag die keltische Vorläufersiedlung. Das Legionslager hat angepasst an die topografischen Verhältnisse nicht wie üblich einen rechteckigen Grundriss.
Im Aussenhof erklärte Jürg zwei Inschriftentafeln aus Marmor.
- Legionäre durften nicht heiraten, so dass sie meist ihr Erbe an einen befreundeten Legionär übertrugen. Der stiftete dann oft aus dem Erbe einen Grabstein.
- Bei einer Legions-Erinnerungstafel war die Zahl der 11. Legion Claudia herausgemeisselt, da sich diese Legion an einem Aufstand gegen den Kaiser beteiligt hatte. „cancel culture“
Anschliessend konnten, abwechseln in zwei Gruppen, die Vitrinen im Parterre und im ersten Stock besichtigt werden.
Töpferofen
Beim Abgang zum Parkhaus des Campus (im damaligen Handwerkerquartier) befinden sich die Überreste von Töpferofen.
Legionärspfad
Die Mannschaftsunterkünfte der Legionäre (Contubernia) sind originalgetreu in zwei Einheiten nachgebaut. Acht Legionäre lebten darin jeweils als Einheit zusammen.
Zehn solcher Einheiten bildeten eine Zenturie.
Sechs Zenturien bildeten eine Kohorte und wiederum zehn Kohorten eine Legion.
Anschliessend begaben wir uns in die Kantine der psychiatrischen Dienste Aargau zum Mittagessen.
Nach dem Mittagessen ging es weiter auf dem Legionärspfad.
- Einblick in die Abwasserkanalisation
- Das Nordtor
- Umfassungsmauerreste
- Das Badehaus
- Rüss-Känzeli mit Aussicht auf die Stelle, wo sich die Übersetzstelle befand, bei der König Albrecht I. am 1. Mai 1308 von seinem Gefolge getrennt und anschliessend an der Stelle der künftigen Klosterkirche Königsfelden von seinem Neffen Johann von Schwaben und weiteren Mitverschwörern ermordet wurde.
Die Habsburger waren darauf ca. 130 Jahre lang nicht mehr in der Königswürde und hatten entsprechend weniger Macht. Genau in diesem Machtvakuum konnte sich die Eidgenossenschaft entwickeln.
Offiziersküche
Auf der Aufschüttung des keltischen Halsgrabens wurden mehrere Gebäude errichtet, darunter eine feudale Küche für einen Zenturio. Da sich das Terrain mit der Zeit senkte, sind die Überreste gut erhalten geblieben und sind in einem Kellerraum zu besichtigen.
Das Südtor
Es ist durch eine Metallkonstruktion nachempfunden und vermittelt einen Eindruck der damaligen Grösse.
Römische Frischwasserleitung
Sie wurde für das Kloster weiterverwendet und blieb bis heute erhalten. Das Wasser stammt aus einem Grundwassergebiet und diente bis zu Beginn des 19. Jh. als Wasserleitung für ein ganzes Quartier.
Amphitheater Vindonissa
Es war eine Holzkonstruktion auf Mauerfundamenten. Diese sind heute noch erhalten.
Klosterkirche Königsfelden
Errichtet als Memorial für den ermordeten König. Seine Gebeine wurden schon 1309 in den Dom zu Speyer überführt.
Agnes von Ungarn, älteste Tochter von König Albrecht und dessen Gemahlin Elisabeth war mit dem König von Ungarn verheiratet. Nach dessen Tod leitete sie das Kloster Königsfelden. Sie war auch politisch einflussreich und leitet mehrmals Schiedsgerichte bei Konflikten innerhalb der Eidgenossenschaft.
Nach der Schlacht bei Sempach 1386 wurden Herzog Leopold III. und viele seiner regionalen adligen Gefolgsleute ebenfalls in Königsfelden bestattet. Ihre Gebeine liegen heute in Kärnten.
Weltberühmt sind heute die Glasfenster der Kirche, welche den Bildersturm der Reformation überstanden haben.
Nachdem wir von Barbara Stüssi-Lauterburg die einzelnen Bildfenster erklärt bekommen hatten, kamen wir draussen vor der Hofmeisterei der Berner Zeit zum Schlusswort. In einem Türstein war der Berner Bär erhalten, im nächsten bei der Reformation ausgemeisselt worden.
Mit grossem Applaus wurde der Leitung für den interessanten Tag gedankt.




