gms homeReisenGMS Vergangene Reisen20-26 | Thun - die Garnisonsstadt

20-26 | Thun – die Garnisonsstadt

Donnerstag, 23. - Freitag, 24. April 2026

Der älteste Waffenplatz der Schweiz und seine Geschichte

Inhalt aktualisiert am 26.05.2026

ZUM REISEBERICHT


Reiseleitung: Oberst a D Hanns Stauffer

Zwei Exkursionstage

Neue Reise

Kultureller Reiseanteil: **

Ein Muss für alle, die alles über den ältesten Waffenplatz der Schweiz und mehr über Thun und seine Militärgeschichte erfahren möchten. Keine Unterkunft in der Kaserne mehr, dafür im 4-Sterne-Hotel.

 


Thematische Umschreibung


Die Thuner waren immer mit der Militärgeschichte verbunden und haben für die Freiheit gekämpft. Bereits Karl der Kühne musste in Murten schmerzhaft erfahren, dass die Thuner keine «faulen Hunde» sind!

Auf dem Wiener Kongress beschlossen die Grossmächte 1815, die Schweiz zu erhalten, weil dies in ihrem strategischen Interesse lag. Die Kantone, die man zur Unterzeichnung des Bundesvertrages drängte, sollten als Pufferzone zwischen den Grossmächten dienen und somit helfen, den Frieden in Europa zu stabilisieren. Daher verband man die Anerkennung der Schweiz als unabhängiges Land mit der Auflage, die Neutralität, wenn nötig auch militärisch zu schützen. Dies zwang die Kantone zum ersten Mal in ihrer Geschichte, ein gemeinsames Heer aufzustellen und dem Bund Kompetenzen bei der Bestellung von dessen Führung abzutreten.

1817 verabschiedete die Tagsatzung das «Allgemeine Militair-Reglement für die Schweizerische Eidgenossenschaft». Sie bildete einen Generalstab, der schon in Friedenszeiten die Armee führen sollte. Die Ausbildung der Soldaten verblieb bei den Kantonen; die eidgenössische Armee fand sich für gemeinsame Manöver in sogenannten Übungslagern zusammen, wobei die Zusammenarbeit der kantonalen Truppen trainiert werden sollte. Für die Ausbildung der Kader schuf die Tagsatzung eine Zentralschule. 1818 bestimmte sie Thun zu deren Standort und als Übungsplatz für Truppenzusammenzüge. Als Vorzüge der Stadt nannte die Militäraufsichtsbehörde einerseits die Möglichkeiten, genügend Truppen und Material unterzubringen, andererseits das für Truppenübungen bestens geeignete Gelände direkt vor der Stadt. Zudem lag Thun ungefähr gleich weit entfernt von mehreren Kantonen, welche Artillerie stellten. Einer der Mitgründer der Zentralschule war Guillaume-Henri Dufour (1787–1875), später im Sonderbundskrieg der erste General der Schweizer Armee. Bis 1831 war er als Genie-Instruktor in Thun tätig.

Programm


Erster Reisetag: Donnerstag, 23. April 2026

Der Blick in die Vergangenheit

Individuelle Anreise nach Thun. 09:30 Uhr Treffpunkt am Bahnhof bei der Schiffsanlegestelle. Verschiebung via Hotel (Gepäckdepot) zum Schloss Thun und Besuch des dortigen Museums. Gemeinsames Mittagessen im Schlossrestaurant.

Schloss Thun

Am Nachmittag Fahrt in die Schadau und Ausführungen durch den ehemaligen Stadtarchivar Jon Keller zum «Wocher-Panorama», dem weltweit ältesten, erhaltenen Stadtpanorama aus dem Jahr 1814.

Ausschnitt aus dem 38m langen Stadtpanorama des Basler Künstlers Marquard Wocher

Dislokation in die legendäre Dufour-Kaserne. Dort orientiert uns ein Vertreter des Kompetenzzentrums «Verpflegung in der Armee» über die Geschichte der Küchenchefschulen. Verschiebung zurück zum Hotel.

Dufourkaserne in Thun mit der Stockhornkette im Hintergrund.

Gemeinsames Abendessen im Hotel. Übernachtung**** in Thun.

Zweiter Reisetag: Freitag, 24. April 2026

Der Weg in die Gegenwart

Nach dem Frühstück Fahrt zur Stiftung HAM (Historisches Material der Schweizer Armee). Führung durch den Geschäftsleiter Stefan Schaerer.

Geschützsammlung in den Ausstellungsräumen der Stiftung Historisches Armeematerial. Bild: HAM

Dislokation in die Kaserne, wo uns Divisionär a D Fred Heer die Geschichte des Waffenplatzes Thun näher bringt und uns durch «seine» Panzerausstellung führt.

Panzer 68/88, Schweizer Kampfpanzer, Herstellung 1988–1993

Apéro und Mittagessen im Verpflegungszentrum der Garnisonsstadt Thun. Am Nachmittag orientiert uns der Waffenplatzkommandant über die heutige Bedeutung und die Herausforderungen des modernen Waffenplatzes. Der Anlass endet um 17:00 Uhr in Thun. Individuelle Heimreise.

Dufourkaserne: Mittelbau, Durchfahrt mit Lichthof

Bestellung Reisedokumentation

Die Reisedokumentation ist erwerblich.

ZUR SAMMLUNG UNSERER REISEDOKUMENTATIONEN

Der Reisebericht von Gabrielle Hess


Die Thun-Besucher der GMS beim Gedenkstein für General Dufour auf dem Waffenplatz

Nach einem sehr freundlichen Empfang um 9:30 Uhr durch den Reiseleiter Hanns Stauffer am Schiffssteg von Thun, begaben sich die dreizehn Reiseteilnehmenden zum Hotel Aare, um das Reisegepäck zu deponieren.

Auf der Terrasse des von der Aare umschlossenen Hotelrestaurants stärkten wir uns für die Schlossbesichtigung. Die ausführliche Reisedokumentation mit ihrer unterhaltsamen Einleitung hatte uns erwartungsfroh gemacht.

Schloss Thun

Der Aufstieg von der Stadt zum Schloss, das wir als erstes besichtigen wollten, konnte individuell auch mit einem Lift erfolgen. Die Besichtigung der fünf Stockwerke stellte eine lohnenswerte Herausforderung dar.

Neben dem einmaligen Rittersaal aus dem Hochmittelalter im dritten Stock begeisterte uns im ersten Stock die Sammlung von Trophäen, Wappen und Reliquien aus der Thuner Rathaussammlung. Karl der Kühne verlor in den Burgunderkriegen gegen die Eidgenossen seine Schätze. Unter der Beute, die auch an die Thuner gingen, befanden sich kostbare burgundische Wandteppiche.

Die verbliebenen Fragmente des „Burgunderteppichs“, der am 2. März 1476 bei Grandson durch die Thuner erbeutet wurde.

An der Westwand des Saales hängt auch der einzige Wandteppich mit religiöser Darstellung, mit dem Heiligen Mauritius in der Mitte. Dieser Teppich entging seiner Vernichtung während des Bildersturmes in der Reformation, weil er zusammen mit dem Beutegut aus den Burgunderkriegen in der Rathaussammlung von Thun versteckt gelagert wurde. Übernommene Bildelemente dieses Teppichs erkannten wir am folgenden Tag nochmals im bekannten Wandbild des Passionspanoramas in der Kirche von Scherzligen.

Den fünften Stock dominiert die eindrückliche Walmdachkonstruktion. Von hier erreichten wir die vier kleinen Turmzimmer, die uns mit einem wunderbaren Ausblick in alle Himmelsrichtungen belohnten.

Der Aufstieg über fünf Stockwerke wird von einer prächtigen Aussicht belohnt: der Blick ins Berner Oberland vom südöstlichen Eckturm des Schloss Thun.

Im Restaurant des Schlossberges genossen wir in netter Atmosphäre ein sehr gutes Mittagessen.

Das Thun-Panorama

Danach ging es mit dem Bus zum Schloss Schadau und in den Park mit der wunderbaren Aussicht auf den Thunersee. Mit dem ehemaligen  Stadtarchivar Jon Keller besichtigen wir nun das Thun-Panorama des Basler Künstler Marquard Wocher im modernen Rundbau. Mit seinen vielen historischen Details wie dem Waschhäuschen bringt es das Treiben in der Stadt vor zweihundert Jahren lebensecht in die Gegenwart.

Das Panorama mit einem Ausmass von 7.5 x 38 Metern entstand 1814 und ist das weltweit älteste noch erhaltene Riesenrundbild. In den 1950er Jahren durch die Gottfried-Keller-Stiftung renoviert und kann seit 1961 in der Rotunde im Schadaupark besichtigt werden. Wie beeindruckte es unsere von den modernen Bildmedien verwöhnten Augen immer noch!

Detail aus Wocher’s Thun-Panorama

 

Vom Kirchlein Scherzligen ging es mit dem Bus zur Dufour-Kaserne, wo wir über die Verpflegung im Militär und die Geschichte der Küchenchefschulen unterrichtet wurden.

Zu Gast bei den Küchenchefs

Das „Ausbildungszentrum Verpflegung“ (Ausb Zen Vpf)  – so heisst die ehemalige Küchenchefschule heute – ist einerseits für die Aus- und Fortbildung des militärischen Küchenpersonals zuständig, andererseits aber auch für die Verpflegungsplanung und Zubereitung der Mahlzeiten für die Truppen auf dem Thuner Waffenplatz verantwortlich. Gekocht wird heute stationär in modernsten Grossküchen, während mobile, modulartig aufgebaute Verpflegungssysteme zur Truppenverpflegung im Feld eingesetzt werden. Häufig wird mit Druck gegart: gegessen wird aber immer noch aus der Gamelle.

Die Thuner Küche ist aber auch Trainingszentrum des „Swiss Armed Forces Culinary Team“ (SACT), gewissermassen der Nationalmannschaft der militärischen Gastrokünstler, die an internationalen Meisterschaften regelmässig mit Topresultaten ausgezeichnet werden. Die Angehörigen des SACT gehören zu den weltbesten Köchen in Uniform.

Während geraumer Zeit war die Ausbildung zum Truppenkoch und Küchenchef nur Armeeangehörigen mit verpflegungsnaher, ziviler Ausbildung vorbehalten. Konkret: Köche, Metzger, Bäcker und Käser. Armeeangehöriger zu werden bedingt aber der schweizerischen Staatsbürgerschaft – und welcher junge Schweizer oder auch welche junge Schweizerin – entscheidet sich heute noch für eine entsprechende Berufslaufbahn? Der Not gehorchend können nun seit wenigen Jahren auch wieder küchenaffine Laien aus anderen Berufsgruppen in diesen, für die Truppe matchentscheidenden Funktionen ausgebildet werden. Deren Ausbildung erfolgt in Thun, den praktischen Dienst leisten sie in Verpflegungszentren in den Rekrutenschulen, wo sie regelmässig von den Thuner Ausbildnern besucht und unterstützt werden.

Ein Mitarbeiter des Ausb Zen Vpf erklärt die Elemente des mobilen, modular zusammenstellbaren Verpflegungssystems.

Auf dem Rückweg vom Waffenplatz zum Hotel bummelten wir noch durch die Altstadt mit den Geschäften, betrachteten das alte Waisenhaus, das heute ein Restaurant ist, und die Gasse mit den reizvollen Hochtrottoires. Wir bummelten im Bälliz-Quartier, das seinen lustigen Namen vom galloromanischen Wort für Pappel(wald) hat.

Der Tag ging mit einem reichhaltigen Nachtessen im Hotel zu Ende.

Die Stiftung HAM

Der zweite Tag begann mit der Fahrt zur Stiftung HAM (Historisches Material der Schweizer Armee). Die Sammlung ist nicht als Museum, sondern als Schaulager konzipiert. Die Öffentlichkeit kann sich jederzeit zu einem Besuch anmelden. Stefan Schaerer führte uns in den Bestand der Stiftung ein.

Ursprünglich wurden die Gebäude von der  Kavallerie genutzt. Die hohe Bedeutung der militarisierten Vierbeiner wird beim Besuch der Sammlung offensichtlich. Pferde dienten der raschen Verlagerung von Truppen zur Entscheidfindung (Kavallerie) und zur berittenen Aufklärung (Guiden) und raschen Nachrichtenübermittlung. Der Stellenwert eines Armeepferds – in bäuerlichen Kreisen als „Eidgenoss“ bezeichnet –  lässt sich an entschädigten Halterkosten und vielmehr noch am Tagessold abschätzen. Der Sold eines Trainpferds entsprach noch Anfangs dieses Jahrhunderts demjenigen eines Oberstleutnants. Dass die Pferde aber insbesondere als Trag- und Zugtiere eingesetzt wurden wird gelegentlich etwas weniger hervorgehoben. Der Begriff der „gezogenen Artillerie“ findet seinen Ursprung nicht erst in der Zeit, als motorisierte Fahrzeuge die Geschütze in die Stellungsräume transportierten. Noch im Ersten Weltkrieg wurden in der Schweiz zunächst 45’000 Pferde (1914) requiriert; ein Bestand von maximal 135’000 Tieren sollte es letztlich (1917) sein.

Wertvolles will gepflegt werden!

Der Umfang der chronologisch präsentierten Uniformsammlung ist gewaltig. Von farbigen Uniformen und Tschakos der Jahre des „Eidgenössischen Bundesheeres“ über den Wechsel zum gefechtstechisch geeigneteren Feldgrau bis hin zur heutigen, topmodernen und atmungsaktiven Gefechtsbekleidung findet sich alles, auch in jeder dem Truppenversuch unterzogenen und wieder verworfenen oder optimierten Variante. Augenfällig: die Entwicklung der Bekleidung der, ab den 1950ger-Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnenden Frauen in der Armee.

Nicht fehlen darf natürlich in der Sammlung die Uniform von Henri Guisan.

Die Vitrine mit General Guisans Uniform in der Sammlung HAM

Im Gebäude mit der ehemaligen Reithalle gingen wir in den ersten Stock mit Panzerabwehrgeschützen, antiken Gerätschaften und einer Nachbildung des Pferdegespanns im Beerdigungszug von General Guisan.

Nachbildung des Pferdegespanns für Guisans letzte Reise am 12. April 1960. Die Trauerfeier für den General wurde zu einem Staatsbegräbnis, für welche es in der Schweiz eigentlich keine Vorgabe gab und gibt. Im ganzen Land läuteten um 13:30 Uhr die Kirchenglocken, und circa 300’000 Personen erwiesen Guisan neben dem Gesamtbundesrat, vielen ehemaligen Bundesräten und weiteren Honorablen die letzte Ehre.

Dieser erste Stock wurde für diese Ausstellung extra eingebracht. Wir staunten, dass der Boden dem Gewicht der antiken Gerätschaften standhält. Die entstandene Halle ist zusätzlich attraktiv wegen den lebensgrossen Wandmalereien mit Darstellungen von berittenen Soldaten und ganzen Truppen.

Unterwegs mit dem „Panzergeneral“

Divisionär a D Fred Heer erzählte uns über die Wandlungen, die der grösste Waffenplatz der Schweiz seit seiner Entstehung 1818 erfuhr. Am Ende traten wir in die Halle mit den verschiedensten Panzermodellen, von denen viele sich im Einsatz nicht langfristig bewährt hatten. Während wir noch zwischen den Panzern standen, wurde uns zum Schluss ein Apero serviert wo ein fröhlicher Austausch stattfinden konnte.

Fred Heer’s Ausführungen finden stets gespannte Augen- und Ohrenpaare

Das Mittagessen nahmen wir in der Kantine gemeinsam mit Armeeangehörigen ein.

Am Nachmittag ging es ins Ausbildungszentrum der MLT, wo wir nach einiger Theorie zu Kampfdispositiven, Gefechtssituationen und Munitionstypen die Räume mit Simulatoren besichtigten. Ein Soldat trainiert während vier bis acht Stunden wöchentlich in diesen Anlagen, in welchen sich die ansonsten laute und betriebstoffintensive Ausbildung zum Panzersoldaten umweltverträglich und kostengünstig umsetzten lässt.

Einführung am Geländemodell

In zwei Simulatorenräumen konnten wir aus Panzertürmen heraus eine Gefechtssituation, anhand digitalem Panorama einer Landschaft im Kampf, verfolgen.

Im Simulator des Panzers 87 – Leopard 2 können alle Funktionen der vierköpfigen Panzerbesatzung trainiert werden.

Der uns begleitende Berufsmilitär wie auch Divisionär a D Fred Heer standen uns noch für viele Fragen bereit. Es wurde klar, die Zukunft der Armee, insbesondere ihre Ausrüstung, bleibt ein brennendes Diskussionsfeld.

Wir schätzten es sehr, dass zwei junge Motorfahrer uns während des ganzen heutigen Tages in Duros auf dem weitläufigen Areal des Waffenplatzes herum chauffierten.

Die zwei Tage lieferten uns eine grosse Vielfalt an Themen über die Stadt Thun und ihren Waffenplatz. Die Spannbreite zwischen Kultur und Militärhistorie war überwältigend.

 


Aktualisiert am 26/05/2026

Zurück zu Home page

© ALLE RECHTE VORBEHALTEN
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Zurück zur vorherigen Seite

VERGANGENE REISEN

16.2-21 | Die Führungsanlage der Grenzbrigade 12 – im „Kalten Krieg“ und heute

Wir nehmen die traditionellen Bunkerbesuche wieder auf! Reiseleitung: Dr. Peter Baumgartner Ein Exkursionstag Erstmalig im Reiseangebot Thematische Umschreibung Endlich ist es soweit, der Kommandobunker Alvaneu – bis 2010...